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Studentenverzeichnis / studiVZ

Stephan Eisel

Stephan Eisel
  • ZU DEN THEMEN DER BUNDESTAGSWAHL 2021:

    finden Sie hier einigeSchlaglichter vom September.U. a. geht es darum, wie sich die die SPD der Linken nhert und die Grnen mit hohen Parteispenden umgehen.

    Die Schlaglichter vomAugust 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomJuli 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomJuni 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomMai 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

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  • WELCHE UNTERSCHIEDE GIBT ES:

    eigentlich zwischen den Parteien ? Diese Frage wird auf gestellt. Hier finden Sie einige Beispiele dafr, warum Ihre Stimme einen Unterschied macht.

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  • WAHLVERSPRECHEN HABEN EINEN:

    schlechten Ruf. Sie werden als politische Zukunftsaussagen vom Wahlbrger sogar meist nachdrcklicher eingefordert als von Kandidaten bereitwillig gegeben.

    Den folgenden Text, der am 11. September 2021 im General-Anzeiger Bonn verffentlicht wurde,knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    ber Versprechen zur Wahl

    „Beide schaden sich selbst: der, der zu viel verspricht und der, der zu viel erwartet.“ – diese Bemerkung von Gotthold Ephraim Lessing in seiner „Hamburgischen Dramaturgie“ beschreibt zwar die Beziehung zwischen Schauspieler und Theaterpublikum, sein Hinweis ist aber auch fr Kandidaten und Whler gltig.

    Wer etwas verspricht, verpflichtet sich, etwas Bestimmtes zu tun oder zu lassen. Versprechen impliziert Bindung und Vertrauen und hat eine positive Anmutung. Aber schon der Duden setzt mit der Definition des Versprechens als der „Veranlassung zu einer bestimmten Hoffnung“ ein Warnzeichen.

    Wie zum Versprechen als Pflicht die Verlsslichkeit gehrt, so ist seine Kr die Ankndigung von Erfreulichem. Das macht seine Attraktivitt aus. Nicht von ungefhr ist das Gegenstck zum Versprechen die Drohung - die Ankndigung von Unheil.

    „Wahlversprechen“ haben demgegenber einen fast ausnahmslos schlechten Ruf. Ihnen haftet klebrig sowohl der Populismusverdacht als auch die Assoziation des „Versprochen - Gebrochen“ an. Dieses schlechte Image haben Politiker verursacht, aber Whler sind daran nicht vllig unschuldig.

    Es ist nmlich das vllig legitime Recht der Whler – eigentlich sogar ihre Pflicht - vor der Wahl danach zu fragen, was nach der Wahl geschehen soll. Zugleich sollte es fr Kandidaten selbstverstndlich sein, vor einer Wahl ihre Absichten fr die Zeit danach offenzulegen.

    Die klassische Whlerfrage „Warum soll ich Euch die Stimme geben?“ ist nichts anderes als die Bitte um eine verbindliche Zusage zu knftigem Verhalten. Das Problem von Wahlversprechen ist also nicht, dass es sie gibt: Sie werden als politische Zukunftsaussagen vom Wahlbrger sogar meist nachdrcklicher eingefordert als von Kandidaten bereitwillig gegeben.

    „Wahlversprechen“ haben ihr schlechtes Image, weil sie nach der Wahl nicht mehr zu gelten scheinen. Dafr gibt es auch nachvollziehbare Grnde. So kann in Koalitionen kein Partner seine „reine Lehre“ durchsetzen, es regiert der Kompromiss.

    Darauf bezog sich der damalige SPD-Vorsitzende Franz Mntefering als er im September 2006 sagte, es sei „unfair“, wenn die „Koalition an dem gemessen (werde), was in Wahlkmpfen gesagt worden ist“. Im Jahr zuvor hatte die SPD nmlich die CDU wegen ihrer Ankndigung einer zweiprozentigen Mehrwertsteuererhhung scharf angegriffen („Merkelsteuer“) und das Wahlversprechen abgegeben, mit ihr werde die Mehrwertsteuer nicht erhht. Die Groe Koalition verstndigte sich dann aber nach der Wahl auf eine Anhebung um drei Prozent.

    Als Helmut Kohl noch wenige Tage vor der Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 mit der Aussage „Wir machen keine Steuererhhungen im Zusammenhang mit der deutschen Einheit“ vor die Whler trat, war auch dies eine nicht zu haltende Versprechung. Schon drei Monate spter legte die von ihm gefhrte Koalition mit der FDP den Gesetzentwurf zum Solidarittszuschlag vor. Kohl brachte seine Kehrtwende zu seinem groen rger am 27. Februar 1991 die Bezeichnung „Der Umfaller“ als Schlagzeile in der BILD-Zeitung ein.

    Regierungsparteien stehen bei Wahlen vor einer besonderen Herausforderung. Der Whler wei bei ihnen zwar, woran er ist, aber Dankbarkeit ist kein verbreitetes Wahlmotiv. Zugleich werden ihre Zukunftsentwrfe von der unangenehmen Frage verfolgt „Warum habt Ihr das nicht schon lngst umgesetzt?“

    Die Opposition kann dagegen meist im Windschatten segeln. Viel hufiger werden bei Wahlen Regierungen abgestraft, weil sie Vertrauen verloren haben, als eine Opposition gewhlt, weil sie ein faszinierendes Programm vorgelegt hat. Umso erstaunter sind gerade die „Denkzettel-Whler“, wenn Oppositionsparteien nach einem Wahlsieg umsetzen, was sie zuvor in ihre wenig beachteten Programme geschrieben haben.

    Die beste Oppositionsstrategie scheint zu sein, dem Ratschlag zu folgen, der Konfuzius zugeschrieben wird: „Erzrne nicht, setze dich ans Ufer des ruhigen Flusses und warte, bis die Leichen deiner Feinde vorbeitreiben.

    So wurde der Regierungswechsel 1969 von der Groen Koalition zum ersten SPD-Kanzler erst im Nachhinein zur groen Wende stilisiert, mit der das Datum heute assoziiert wird. SPD-Bundesgeschftsfhrer Hans-Jrgen Wischnewski analysierte damals, vor allem „dank ihrer Leistungen in der Regierungsverantwortung hat die SPD neue Vertrauensbereiche hinzugewinnen knnen.“ Der Slogan „Mehr Demokratie wagen“ stand nicht auf SPD-Wahlplakaten, sondern erst nach dem Wahlerfolg in der Regierungserklrung.

    Auch der Regierungswechsel 1998 kam eher auf Samtpfoten daher. Das im Blick auf die 16-jhrige Amtszeit von Helmut Kohl erfolgreiche Wahlkampfmotto „Es ist Zeit fr einen Wechsel“ federte Gerhard Schrder ab mit dem beruhigenden: „Wir werden nicht alles anders machen, aber manches besser.“ Olaf Scholz scheint mit seiner „Merkel-Raute“ daran anknpfen zu wollen. Nach der Wahl 1998 kam freilich der zuvor zurckhaltende Oskar Lafontaine aus der Kulisse.

    Kohl und Merkel kamen 1982 bzw. 2005 ins Kanzleramt, weil die Regierungen der Vorgnger zerfielen. Im ersten Fall wechselte die FDP den Koalitionspartner, um zweiten Fall wurde die SPD durch eine von Lafontaine angefhrte Linksabspaltung geschwcht. Sowohl Helmut Schmidt als auch Gerhard Schrder hatten die Untersttzung der eigenen Partei verloren. Wahlversprechen waren fr die Regierungswechsel nicht entscheidend.

    Dennoch gab es zwei Bundestagswahlen, die mehr durch Zukunftsentwrfe als vom Denkzettel fr die Vergangenheit geprgt waren. Aber beide wurden von Amtsinhabern gewonnen: Die Brandt-Wahl 1972 („Willy whlen“) – die SPD wurde mit 45,8 % erstmals strkste Partei – ebenso wie die Wahl 1983 („geistig-moralische Erneuerung“), bei der Helmut Kohl 1983 die Union zum Rekordergebnis von 48,8 % fhrte.

    In beiden Fllen orientierten sich die Wahlversprechen der spteren Sieger keineswegs am geringsten Widerstand, sondern zeigten durchaus kontroverses Profil: Bei Brandt war es vor allem die „neue“ Ostpolitik und bei Kohl der Nato-Doppelbeschluss.

    Schon Adenauer hat mehrfach Wahlen gewonnen, obwohl (besser: weil!) er sich populistischen Tagesstimmungen nicht beugte. Soziale Marktwirtschaft oder NATO-Mitgliedschaft waren hchst umstritten. Legendr ist Adenauers Antwort an seinen Regierungssprecher Felix von Eckhardt, als dieser ihn mit Hinweis auf groe Widerstnde in der Bevlkerung vom Vorhaben der Wiederbewaffnung abbringen wollte, und „der Alte“ nur lapidar entgegnete: „Wir bleiben dabei, aber Sie haben jetzt mehr Arbeit.“

    Adenauer brachte damit sein Politikverstndnis auf den Punkt: Um Mehrheiten fr die eigene berzeugung werben und nicht die eigene berzeugung nach der Demoskopie des Tages richten. Weil er in seinen Grundberzeugungen standhaft war, wurde sein berhmtes Diktum "Was kmmert mich mein Geschwtz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden" von den meisten Whlern nicht als Wankelmut, sondern als taktische Schlue verstanden.

    Auch Helmut Kohl stand nicht im Verdacht, der „Mode des Zeitgeistes“ – wie er es nannte – nachzugeben. Oft sagte er: „Ich gehre nicht zu denen, die morgens den Finger nass machen, um zu sehen, woher der Wind weht, und sich dann mglichst windschnittig aufstellen.“ Vom NATO-Doppelbeschluss bis zur Einfhrung des Euro blies ihm oft genug der Wind ins Gesicht.

    Verlsslichkeit war auch das wichtigste Potential von Angela Merkel. Die Menschen vertrauten ihr, als sie auf dem Hhepunkt der Finanzkrise 2008 durch eine schlichte persnliche Erklrung die Sicherheit der Spareinlagen garantierte. Man sah ihr spter nach, dass sie im Wahlkampf 2013 das Versprechen „Mit mir wird es keine PKW-Maut geben“ abgab und es dann in den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzen konnte. In der Flchtlingskrise hielt sie Kurs und in der Bewltigung der Pandemie-Krise war ihre nchterne Glaubwrdigkeit wieder Merkels grtes Kapital.

    Adenauer, Kohl und Merkel sind die drei bisher am lngsten amtierenden Kanzler, weil sie ein groes Vertrauenskapital aufgebaut haben. Ihre Stetigkeit empfanden manche als langweilig, aber fr die meisten Menschen war doch beruhigend, dass – wie es ein Kohl-Kritiker einmal formulierte –, das rote Telefon bei ihnen auf dem Nachttisch stand. Armin Laschet orientiert sich offenbar daran und scheint dafr den Vorwurf des „Aussitzens“ hinzunehmen.

    Letztlich gewinnt das Vertrauen der Brger, wer am besten auf dem schmalen Grat zwischen „dem Volk aufs Maul zu schauen“ und „den Leuten nicht nach dem Mund zu reden“ balancieren kann. Der britische Staatsphilosoph und Abgeordnete Edmund Burke hat dazu 1774 in einer Rede an die Whler von Bristoleine zeitlos gltige Antwort gegeben:„Euer Abgeordneter schuldet Euch nicht nur seinen ganzen Flei, sondern auch einen eigenen Standpunkt; und er verrt Euch, anstatt Euch zu dienen, wenn er ihn zugunsten Eurer Meinung aufopfert.“ Diese Maxime bleibt das fr Kandidaten und Whler unbequemste, aber fr beide Seiten auch solideste Wahlversprechen.

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  • DER EUROPÄISCHE BUNDESSTAAT:

    ist ein lohnendes Ziel, da es das Subsidiarittsprinzip zum Strukturprinzip der europischen Integration sichert. In einem Aufsatz fr CIVIS mit SONDE beschreibt Stephan Eisel die Grundstze.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

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  • BEIM BEETHOVEN-TALK IM INTERNET:

    befasst sich Stephan Eisel fr die BRGER FR BEETHOVEN mit Beethovens 22 Bonner Jahren. Aufzeichnungen der bisherigen Votrge finden sich hier ebenso wie die Mglichkeit, sich fr knftige Treffen zu registrieren.

    Der nchste Termin findet Donnerstag, den 30. September um 20 Uhr statt. Dann geht es Beethovens Bonner Kompositionen.

    Zur Registrierung geht es hier.

    Die Folge 1 mit dem Thema
    BER BEETHOVEN IN BONN SCHREIBEN
    finden Sie alsVideo hier.

    Die Folge 2 mit dem Thema
    BEETHOVENS BONN
    finden Sie alsVideo hier.

    Folge 3 mit dem Thema
    DIE BEETHOVENS IN BONN
    finden Sie alsVideo hier.

    Folge 4 mit dem Thema
    GEBURT, KINDHEIT UND DAS SCHLSSELJAHR 1784
    finden Sie alsVideo hier.

    Folge 5 mit dem Thema:
    DIE ERSTE WIEN-REISE UND DIE KRISE DER FAMILIE
    finden Sie alsVideo hier.

    Folge 6 mit dem Thema:
    BEETHOVENS BONNER FREUNDE
    finden Sie alsVideo hier.

    Die Folge 7 mit dem Thema:
    HAYDN IN BONN - BEETHOVEN IN WIEN
    finden Sie als Video hier.

    Folge 8 mit dem Thema:
    BEETHOVENS BONNER MUSIKLEHRER
    finden Sie als Video hier.

    Folge 9 mit dem Thema:
    BEETHOVEN ALS PIANIST UND ORGANIST IN BONN
    finden Sie als Video hier.

    Folge 10 mit dem Thema:
    BEETHOVEN ALS BONNER ORCHESTERMUSIKER
    finden Sie als Video hier.

    Folge 11 mit dem Thema:

    BEETHOVENS BONNER KOMPOSITIONEN 1781 - 1786
    finden Sie als Video hier.

    Weitere Informationen zu den Bchern ber den Bonner Beethovenfinden Sie hier.

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  • KLARE INHALTLICH UNTERSCHIEDE:

    zwischen CDU/CSU, SPD und Grnen hat das erste "Triell" der Kanzlerkandidaten offengelegt. ber diese inhaltlichen Alternativen wird bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 entschieden.

    Die Schlaglichter vomAugust 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomJuli 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomJuni 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomMai 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    KLARE INHALTLICH UNTERSCHIEDE [mehr]

  • UNSER LUDWIG LÄCHELT:

    heisst die neue CD von Stephan Eisel. Aufgenommen wurde das Klavierkabarett 2020 live im Beethoven-Haus. Thematisch geht es um die 22 Bonner Beethoven-Jahre und den Nachweis, dass Beethoven als Rheinlnder viel Humor hatte.

    So erhalten Sie die CD "UNSER LUDWIG LCHELT":

    Bitte berweisen die Schutzgebhr in Hhe von 5 Euro (incl. Porto) mit Ihrer vollstndigen Postadresse auf mein Konto bei der Volksbank Bonn-Rhein-Sieg

    Stephan Eisel
    DE40 3806 0186 0900 1910 14
    GENODED1 BRS

    Oder schicken Sie 5 Euro in Briefmarken mit Ihrer vollstndigen Postanschrift an

    Stephan Eisel
    An der Vogelweide 11
    53229 Bonn

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine frAugust 2021. Hauptthema ist Afghanistan.

    MEINE GEDANKENANSTSSE ZU [mehr]

  • IN BONN HABEN DIE GRÜNEN:

    seit Herbst 2020 dasSagen in Bonn: Sie fhren eine Ratskoalition mit SPD, Linker und Volt und stellen die Oberbrgermeisterin. Hier finden Sie einige Schlaglichter auf grne Entscheidungen in Bonn imAugust2021. Es geht um Tempo 30, Fahrradschnellwege und die Opernsanierung.

    Schlaglichter zur grner Bilanz in Bonnim Juli 2021 finden Sie hier.

    Schlaglichter zur grner Bilanz in Bonnim Juni 2021 finden Sie hier.

    Schlaglichter zur grnen Bilanz in Bonnbis Mai 2021 finden Sie hier.

    IN BONN HABEN DIE GRNEN [mehr]

  • ZU DEN THEMEN DER BUNDESTAGSWAHL 2021:

    finden Sie hier einigeSchlaglichter vom August.Im Mittelpunkt stehen die Motive des Laschet-Bashings, Koalitionsoptionen, der Umgang mit dem Mauerbau ,das Veto-Ministerium der Grnen und die Monothematik der Grnen.

    Die Schlaglichter vomAugust 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomJuli 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomJuni 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vomMai 2021zur Bundestagswahl 2021finden Sie hier.

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  • AM 14. August 1949 WÄHLTEN DIE BONNER:

    Konrad Adenauer zu ihremersten MdB. Er blieb bis zu seinem Tod 1967 direkt gewhlter Abgeordneter im Wahlkreis Bonn. In meinem Aufsatz "Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter" habe ich mich intensiver mit diesem oft vernachlssigten Teil des Wirkens Adenauers befasst.

    MeinenAufsatz "Konrad Adenauer als Bonner Bundestagsabgeordneter" knnen Sie hier ausdrucken

    Stephan Eisel

    Adenauer am 14. August 1949 erster Bonner MdB

    Fr Bonn war es ein einmaliger Glcksfall, dass Konrad Adenauer den Wahlkreis von 1949 bis zu seinem Tod 1967 im Deutschen Bundestag vertreten hat. Das macht den Wahlkreis bis heute zu etwas Besonderem.

    Es ist dem Grnder der Bonner CDU Johannes Henry zu verdanken, dass Adenauer in Bonn und nicht in Kln fr den Bundestag kandidierte. Beide wurden 1876 geboren und hatten sich whrend des Studiums in der Bonner Studentenverbindung Arminia kennengelernt. Nach 1933 wurden sie von den Nazis drangsaliert und nach dem 20. Juli 1944 auch verhaftet.

    1946 wurde Adenauer fr den Wahlkreis Bonn-Land in den Landtag gewhlt. 1949 war das Rennen um Adenauers Bundestagskandidatur war zwischen Kln und Bonn sehr knapp. Der damalige Bonner Oberbrgermeister Peter Maria Busen erinnerte sich: „Als die Klner sich vierzehn Tage spter ebenfalls um Adenauer bemhten, hatten wir den Fuchs bereits in der Falle."

    Den Wahlabend am 14. August 1949 verbrachte Adenauer brigens im Familienkreis in Rhndorf: „Man unterhielt sich ber Kindererziehung und Kuchenbacken. Als gegen 21 Uhr ein Anruf aus Bonn kam, dass er mit einem Vorsprung von 28.000 Stimmen gewhlt worden war. lautete Adenauers Kommentar nur: „Abwarten, wie das weitergeht.""

    Adenauer hat sich um Bonner Themen wie die Tieferlegung der Bahn immer wieder gekmmert und auch in parteiinterne Auseinandersetzungen eingegriffen. So mndet einer seiner Briefe an Parteifreunde in Frage: „Was ist eigentlich los in Bad Godesberg?" Zwischen den Bonner und Godesberger Christdemokraten gab es brigens spter einen regelrechten Wettlauf, wer ihn zuerst fr eine Wiederkandidatur vorschlagen durfte.

    AM 14. August 1949 WHLTEN DIE BONNER [mehr]

  • ZUM BONNER BEETHOVEN:

    hat Stephan Eisel anlsslich des 250. Geburtstages des Komponisten zwei Bcher verffentlicht. Im Verlag Beethoven-Haus ist mit bebilderten 550 Seiten Beethoven - Die 22 Bonner Jahreals aufhrliche Studie erschienen. Einen berblick mit englischer bersetzung bietet auf 128 Seiten incl. englischer bersetzung Beethoven in Bonn (Edition Lempertz)

    Beide Bcher sind im Buchhandel, insbesondere im Shop des Beethoven-Hauses, Bonngasse 21, 53111 Bonn erhltlich und knnen hier online bestellt werden:

    Stephan Eisel
    Beethoven - Die 22 Bonner Jahre
    550 Seiten, 34,90 €
    Zur Bestellung bitte hier klicken.

    Stephan Eisel
    Beethoven in Bonn
    128 Seiten (mit engl. bersetzung), 8,90 €
    Zur Bestellung bitte hier klicken.


    Das jeweilige Inhaltsverzeichnis finden Sie hier:

    ZUM BONNER BEETHOVEN [mehr]

  • ZU EINEM HOCHWASSER- SPENDENAUFRUF:

    nutzte Stephan Eisel die bergabe seines Beethoven-Buchs an Bonns Oberbrgermeisterin Katja Drner. Auch die Familie Beethoven war Opfer eines Hochwassers. Bitte spenden Sie an die „Aktion Weihnachtslicht“ (DE76 3705 0198 0000 0047 70, Stichwort: Hochwasserhilfe).


    Das Spendenkonto der Aktion Weihnachtslicht des General-Anzeiger:

    DE76 3705 0198 0000 0047 70
    bei der Sparkasse KlnBonn
    Stichwort: Hochwasserhilfe.

    Die Spenden kommen zu 100 Prozent bei den Bedrftigen an.Bei der Verteilung kooperiert die Aktion auch mit den betroffenen Kommunen,vor allem an der Ahr und im Raum Rheinbach.

    Wer eine Spendenquittung haben mchte, gibt bitte seinen Namen und seine Adresse an. Vermerken Sie bitte auf der berweisung, wenn Sie mit der Verffentlichung Ihres Namens in der Spenderliste nicht einverstanden sind.

    Im Februar 1784 war auch die Beethovens vom sog. „Jahrtausendhochwasser“ betroffen und mussten unter dramatischen Umstnden aus ihrer Wohnung im zweiten Stock der Bonner Rheingasse fliehen. Sie fand Unterschlupf bei einem Mitglied der Hofkapelle. Das Hochwasser traf mit Ahrweiler, Flamersheim(Euskirchen), Odendorf (Swisttal), Oberdrees (Rheinbach) und Ersdorf (Meckenheim) auch Orte, die Ludwig van Beethoven selbst besucht hatte.

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  • ZU DEN THEMEN DER BUNDESTAGSWAHL 2021:

    finden Sie hier einige Schlaglichter vom Juli. Die Wahlen entscheiden darber, wer knftig regiert: Die Union mit einem Kanzler Armin Laschet und einer Koalition mit Grnen und/oder FDP oder die Grnen mit einer Kanzlerin Annalena Baerbock in einer Koalition mit SPD und FDP oder SPD und Linker.

    Die Schlaglichter vom Juni 2021 zur Bundestagswahl 2021 finden Sie hier.

    Die Schlaglichter vom Mai 2021 zur Bundestagswahl 2021 finden Sie hier.

    ZU DEN THEMEN DER BUNDESTAGSWAHL 2021 [mehr]

  • IN BONN HABEN DIE GRÜNEN:

    seit Herbst 2020 dasSagen in Bonn: Sie fhren eine Ratskoalition mit SPD, Linker und Volt und stellen die Oberbrgermeisterin. Hier finden Sie einige Schlaglichter auf grne Entscheidungen in Bonn im Juli 2021.

    Schlaglichter zur grner Bilanz in Bonn im Juni 2021 finden Sie hier.

    Schl aglichter zur grnen Bilanz in Bonn bis Mai 2021 finden Sie hier.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr Juni und Juli 2021.

    MEINE GEDANKENANSTSSE ZU [mehr]

  • ZU DEN THEMEN DER BUNDESTAGSWAHL 2021:

    finden Sie hier einige Schlaglichter vom Juni. Die Wahlen entscheiden darber, wer knftig regiert: Die Union mit einem Kanzler Armin Laschet und einer Koalition mit Grnen und/oder FDP oder die Grnen mit einer Kanzlerin Annalena Baerbock in einer Koalition mit SPD und FDP oder SPD und Linker.

    Die Schlaglichter vom Mai 2021 zur Bundestagwahl finden Sie hier.

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  • DIE GRÜNEN HABEN SEIT HERBST 2020:

    dasSagen in Bonn: Sie fhren eine Ratskoalition mit SPD, Linker und Volt und stellen die Oberbrgermeisterin. Hier finden Sie einige Schlaglichter auf grne Entscheidungen in Bonn im Juni 2021.

    Mehr zur Bilanz der grnen Ratsmehrheit in Bonn bis Mai 2021 finden Sie hier.

    DIE GRNEN HABEN SEIT HERBST 2020 [mehr]

  • EINEN BONN-VERTRAG ZU FORDERN, IST:

    ist ein Spiel mit dem Feuer, denn das wrde zwangslufig das Berlin-Bonn-Gesetz in Frage stellen. Dieses Gesetz garantiert -, dass erste und zweite Ministeriumssitze in Bonn bleiben. Daran hngen nicht fast 7.000 ministerielle Arbeitspltze, sondern viele Bundesbehrden und Verbnde.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel
    Die Gefahr eines Bonn-Vertrags

    Die Forderung nach einem Staatsvertrag zur Bonn-Berlin-Thematik ist eine nicht mehr hinterfragte Forderung der Bonner Kommunalpolitik. Darin kommt auch eine selbstfokussierte Tunnelperspektive zum Ausdruck, denn wer den Blick etwas weitet, registriert auch warnende Stimmen. Erst am 14. Januar 2021 sagte Norbert Rttgen im General-Anzeiger zur Vertragsidee: „Ich muss gestehen, dass ich von Anfang an gegenber diesem Ansatz skeptisch war.“ Fr diese Skepsis gibt es gute Grnde.

    Der Vorschlag eines Bonn-Vertrages geht zurck den damaligen Oberbrgermeister Nimptsch (SPD), der schon 2012 ffentlich vorschlug, das Berlin-Bonn-Gesetz durch einen Vertrag zu ersetzen. Das hat der Rat am 28. Juni 2012 mit groer Mehrheit und den Stimmen der SPD als Alleingang des Oberbrgermeisters zurckgewiesen und gergt.

    Um das Thema ernsthaft zu betrachten, muss man 30 Jahre zurckblicken: Am 20. Juni 1991 beschloss der Deutsche Bundestag mit nur 338:320 Stimmen, dass im Rahmen einer „fairen Arbeitsteilung“ neben dem Parlamentssitz lediglich „der Kernbereich der Regierungsfunktionen in Berlin angesiedelt wird.“ In der zwlfstndigen Bonn-Berlin-Debatte mit 104 Rednern unterstrichen auch prominente Berlin-Befrworter den Kompromisscharakter ihres Antrages. Willy Brandt pldierte fr „Bonn neben Berlin“ und Lothar de Maiziere sagte: „Ich gehre zum Lager der Berlin-Befrworter; dennoch spreche ich mich fr einen Konsens aus oder fr einen Kompromiss oder, wie der Jurist sagt, fr den im Wege gegenseitigen Nachgebens gefundenen Vergleich.“ Nur so kam die knappe Berlin-Mehrheit zustande.

    Zur rechtlichen Umsetzung dieses Beschlusses verabschiedete der Bundestag am 26. April 1994 das Berlin-Bonn-Gesetz. Artikel 1 bestimmt als Zweck dieses Gesetzes, „die Wahrnehmung von Regierungsttigkeiten in der Bundeshauptstadt Berlin und in der Bundesstadt Bonn zu sichern.“ Dies solle geschehen durch „eine dauerhafte und faire Arbeitsteilung zwischen der Bundeshauptstadt Berlin und der Bundesstadt Bonn“.

    Auf dieser Grundlage regelt Artikel 4 des Berlin-Bonn-Gesetzes: „Bundesministerien befinden sich in der Bundeshauptstadt Berlin und in der Bundesstadt Bonn. … Die in der Bundesstadt Bonn verbleibenden Bundesministerien sollen auch einen Dienstsitz in der Bundeshauptstadt Berlin erhalten. Die ihren Sitz in der Bundeshauptstadt Berlin nehmenden Bundesministerien sollen auch einen Dienstsitz in der Bundesstadt Bonn behalten.“ Darauf beruht die seit fast 30 Jahren erfolgreiche Praxis von acht Bundesministerien mit erstem Dienstsitz in Berlin und sechs Ministerien mit erstem Dienstsitz in Bonn.

    Leider gehrt es auch zur Wahrheit, dass einige Bundesministerien eine wichtige Vorgabe des Berlin-Bonn-Gesetzes unterlaufen. Nach dem Gesetz soll nmlich die Organisation der Bundesregierung „so gestaltet werden, dass insgesamt der grte Teil der Arbeitspltze der Bundesministerien in der Bundesstadt Bonn erhalten bleibt“ (Artikel 4 Abs. 3). Der Versto gegen diese Vorgabe ist allerdings weder durch Gesetz noch durch Vertrag zu verhindern. Beide knnen nmlich die im Grundgesetz (Art. 64) verankerte Organisationshoheit der Bundesministerien nicht einschrnken.

    Dass von den ca. 20.000 in Bundesministerien Beschftigten (davon ca. 12.500 Beamte) nur noch 7.000 (also etwa 35 %) in Bonn arbeiten (ca. 4.500 Beamte und 2.500 Tarifbeschftigte, beschdigt als Gesetzesversto die Glaubwrdigkeit von Politik. Allerdings gibt es hier seit einigen Jahren keine wesentlichen Vernderungen mehr. Allein die Bundesministerien sind nach Universitt, Telekom und Post der viertgrte Arbeitgeber in Bonn. Der Bund – also mit den obersten Bundesbehrden usw. – ist Bonns grter Arbeitgeber. Wer das im Gesetz festgeschriebene Etikett „Bundesstadt“ aufgeben will, vergisst das.

    Vor allem zwei Grnde sprechen dagegen, durch einen Bonn-Vertrag das Bonn–Berlin-Gesetz anzutasten:

    1) Nur durch ein Bundesgesetz – also durch den Deutschen Bundestag - ist zu regeln, dass Bundesministerien ihren Sitz in Berlin und Bonn haben.Ein Vertrag kann das schon aus rechtlichen Grnden nicht leisten. Wer das Gesetz antastet, gibt das Grundprinzip von Bonn als zweitem Regierungssitz auf. Damit wrde sehr vielen nationalen und internationalen Einrichtungen das Fundament fr ihren Bonner Standort entzogen.
    Das Beispiel „Wissenschaftsstandort“ zeigt anschaulich, was auf dem Spiel steht: Zur Zeit haben u.a. die Hochschulrektorenkonferenz, die Kultusministerkonferenz, die Alexander von Humboldt-Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Studienstiftung des deutschen Volkes, die Helmholtz-Gemeinschaft und der Stifterverband fr die Deutsche Wissenschaft ihren Sitz in Bonn. Es ist schlicht naiv zu glauben, dass solche Einrichtungen ohne Dienstsitz des zustndigen Ministeriums aufDauer in Bonn bleiben. hnliches gilt fr das Nord-Sd-Zentrum ohne Dienstsitz des Ministeriums fr wirtschaftliche Zusammenarbeit. Langfristig riskiert man ohne Ministerium sogar den UN-Standort.
    Mit der Umwandlung von Ministeriumsarbeitspltzen in Obere Bundesbehrden ist nicht zu erreichen, dass Bonn das „zweite bundespolitische Zentrum“ Deutschlands bleibt.
    Zur dauerhaften Sicherung des Standorts Bonn fr nationale und internationale Einrichtungen kommt es auch darauf an, was auf dem Trschild steht: Verwaltungsbehrden haben auch nicht entfernt die Bindungskraft eines ersten oder zweiten Ministeriumssitzes.Es wre deshalb fahrlssig, die im Gesetz festgeschriebene Aufteilung der Ministerien und z. B. die zweiten Dienstsitze von Ministerien in Bonn aufzugeben. Ein Bonn-Vertrag bedeutet aber zwangslufig eine nderung des Berlin-Bonn-Gesetzes und damit brigens auch vllig unkalkulierbare nderungsinitiativen der Berlin-Lobby im Bundestag.

    2) Wer Vertrge verhandeln und abschlieen will, sollte das nur tun, wenn er eine starke Verhandlungsposition hat. Gewichtig ist aber nur, was Bonn aufgeben knnte - nmlich das Berlin-Bonn-Gesetz. Der Bund als Verhandlungspartner kann dafr nichts hnlich Gewichtiges bieten. Bonn htte also eine sehr schwache Verhandlungsposition.
    Durch die Fderalismuskommission sind die Standorte aller wichtigen Bundeseinrichtungen vergeben, jede neue Einrichtung unterliegt im Blick auf den Standort dem Wettbewerb von 16 Bundeslndern. Auf die Standorte internationaler Institutionen und deren Nachhaltigkeit hat der Bund nur sehr begrenzten Einfluss. Den Wegzug von Einrichtungen wie der Hochschulrektorenkonferenz knnte der Bund zudem nicht verhindern. Eine nennenswerte finanzielle Entschdigung fr den Komplettumzug der Ministerien (fr den Teilumzug 1999 waren es 1,4 Milliarden Euro!) ist politisch illusorisch und reine Trumerei. Sie wrde auch den dauerhaften Verlust vieler tausend Arbeitspltze nicht nachhaltig ausgleichen.Und schlielich: Ein Vertrag wre ebenso wenigwie ein Gesetz davor gefeit, unterlaufen zu werden.

    Wer einen Bonn-Vertrag vorschlgt, spielt also mit dem Feuer. Bonn und die Region wrden durch eine solche Strategie seine Position nur schwchen. Das Berlin-Bonn-Gesetz mit der Aufteilung der Ministerien hat sich im Alltag bewhrt. Die durch die Corona-Krise beschleunigte Digitalisierung hat zustzlich bewiesen, dass es keinen Grund gibt, die im Gesetz festgeschriebene Aufteilung der Ministerien zur Disposition zu stellen.

    Daran ndert auch der begehrliche Blick von manchen in Rat und Verwaltung auf eventuelle – tatschlich aber in nennenswerter Hhe vllig illusorischen – finanzielle Kompensationen nichts. Solche Mittel verschwinden schnell im kommunalen Alltag und knnen die strategische Strke nicht ersetzen, die das Berlin-Bonn-Gesetz fr Bonn garantiert. Dieses Gesetz darf Bonn nicht zugunsten eines Vertrags zur Disposition stellen. Es bleibt auch nach der Bundestagswahl 2021 wichtig, dass erneuert wird, was jetzt im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD steht: „Wir stehen zum Bonn-Berlin-Gesetz. Bonn bleibt das zweite bundespolitische Zentrum.“Mit den mglichen Koalitionspartner FDP und Grne wird darber sowieso hart zu verhandeln sein, denn im Unterschied zur Union und SPD treten deren Bundesparteien fr einen Komplettumzug ein – den wiederum das Gesetz verhindert, wenn man es nicht antastet.

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  • BEI DER BUNDESTAGSWAHL 2021 GEHT ES:

    um die unterschiedlichsten Themen. Dazu bietet der ehem. Bonner Bundestagsabgeordnete Stephan Eisel regelmige themenbezogene Online-Debattenforen im ZOOM-Format an, fr die man sich hier registrieren kann. Am 5. Juli geht es Abgeordnete, Lobbyismus und Nebeneinknfte.

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  • DIE GRÜNEN HABEN SEIT HERBST 2020:

    das Sagen in Bonn: Sie fhren eine Ratskoalition mit SPD, Linker und Volt und stellen die Oberbrgermeisterin. Hier finden Sie einige Schlaglichter auf grne Entscheidungen in Bonn bis Mai 2021

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  • ZU DEN THEMEN DER BUNDESTAGSWAHL 2021:

    finden Sie hier einige Schlaglichter vom Mai. Die Wahlen entscheiden darber, wer knftig regiert: Die Union mit einem Kanzler Armin Laschet und einer Koalition mit Grnen und/oder FDP oder die Grnen mit einer Kanzlerin Annalena Baerbock in einer Koalition mit SPD und FDP oder SPD und Linker.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr April und Mai 2021.

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  • AUS DEM DEBAKEL BEETHOVENHALLE:

    mssen endlich Konsequenzen gezogem werden: Radikales Abspecken der Hallensanierung und statt einer Sanierung des Operngebudes Neubau eines Brgerzentrums fr Kultur als Beethoven-Campus.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Konsequenzen aus dem Debakel Beethovenhalle ziehen:
    Neuer Beethoven-Campus als Kulturzentrum fr alle

    Auch sieben Jahre nach Beginn der Manahme bleibt die Luxussanierung der Beethovenhalle – wie es der General-Anzeiger jngst nannte – eine „tzenden Blamage fr die Stadt“:

    Jetzt steht die vielfach verschobene Fertigstellung auch fr 2024 in Frage: Die mehrfach nach oben korrigierte Bausumme von 166 Mio € ist einmal mehr nicht zu halten. 2012 hatte die Stadtverwaltung einen Sanierungsaufwand von nur 29,8 Mio € angegeben. Drei Jahre spter waren es zum Baubeginn schon 60 Mio € und schon 2019 wurde die 100-Mio-Grenze berschritten.

    Anfang 2021 ist von „zerrttenden Verhltnissen“ auf der Baustelle die Rede. Von der Stadt beauftragte und bezahlte Planungsbros stellen nach stdtischen Angaben „derzeit nicht die fr einen ungestrten Bauablauf erforderliche Planung zur Verfgung“. Trotz mehrfacher Optimierung kann beispielsweise die Saaldecke die geplante Lftungstechnik immer noch nicht tragen. Der General-Anzeiger zitiert am 3. April die Bilanz der Stadt: „Smtliche Versuche in den ersten Wochen des Jahres 2021, die noch nicht abgeschlossene Planung mit den noch zur Verfgung stehenden Steuerungsinstrumenten zu beheben, schlugen fehl.“ Dramatischer kann ein Offenbarungseid kaum ausfallen.

    Die von den Grnen initiierte, von einem SPD-Oberbrgermeister dem Rat vorgeschlagene und von CDU und FDP mitbeschlossene denkmalgerechte Luxussanierung der maroden Mehrzweckhalle hat sich zum immer tieferen Millionengrab entwickelt und ist die rgerlichste kommunalpolitische Fehlentscheidung der jngeren Stadtgeschichte. Jetzt kommt es darauf an, endlich Konsequenzen aus diesem Debakel zu ziehen:

    Beethovenhallen-Sanierung radikal abspecken und Denkmalschutz aufheben
    Bisher sind nur 40 Prozent der fr die Sanierung geplanten Bausumme tatschlich verbaut. Weitere 35 Prozent sind zwar beauftragt, aber noch stornierbar. Das ist selbst bei ev. Konventionalstrafen billiger als die bisherige Haltung „Augen zu und durch“. Fr ein Viertel der Bausumme gibt es nach sieben Jahren noch nicht einmal Auftrge. Die Stadt nennt das „hohe Prognoseunsicherheit“. Ein radikaler Schnitt ist also nicht nur mglich, sondern auch sinnvoll. Das gilt auch fr den Denkmalschutz, der ebenso aufgehoben werden kann wie er Mitte der 90er Jahre zustande kam – durch Ratsbeschluss. Im Artikel 9 des NRW-Denkmalschutzgesetzes ist ausdrcklich geregelt, dass dies mglich ist, wenn „ein berwiegendes ffentliches Interesse“ vorliegt.

    Beethovenhallen-Fehler nicht wiederholen und Oper nicht im Bestand sanieren
    Schon ohne Gutachten ber die Bausubstanz veranschlagen stdtische Schtzungen fr eine Sanierung des alten Operngebudes 130 Mio €. Tatschlich muss man nach den Erfarungen bei der Beethivenhalle mit bei der Oper mit Sanierungskosten von mindestens 400 € Euro rechnen. Es ist kein Zufall, dass sich mit Dsseldorf und Frankfurt auch in jngster Zeit wieder wichtige Stdte fr einen Neubau ihrer Oper statt einer Bestandssanierung entschieden haben. Vllig illusorisch ist die von der grnen Ratskoalition angestrebte Sanierung bei laufendem Betrieb. Dazu ist das Gebude viel zu marode. Um ihre Fehler bei der Beethovenhalle nicht zu wiederholen, sollten die Grnen vor einem Sanierungsbeschluss zumindest ein Gutachten ber die Bausubstanz in Auftrag geben. Das Ergebnis wird alle Sanierungsberlegungen beerdigen und wurde wohl deshalb bisher nicht in Auftrag gegeben. Die Beethovenhalle lsst gren….

    Chancen fr einen Neubau als Musikzentrum fr alle nutzen
    Ein neues Brgerzentrum fr Kultur wre erheblich sinnvoller als die teure Sanierung maroder Altbauten. Ein solcher Neubau htte auch niedrigere Betriebskosten und knnte moderne Standards der Umweltvertrglichkeit erfllen.

    In Florenz entstand 2014 ein solcher Neubau als integrietes Opern- und Konzerthaus fr 140 Mio € – mit groem Saal (1.800 Pltze), kleinen Saal (1000 Pltze) und einer Freiluftbhne mit 2000 Pltzen. Ein solches „Haus der Musik“ knnte Oper, Konzerten aller Sparten und Kulturevents verschiedener Art eine Heimat bieten. Man knnt es z. B. vor der Beethovenhalle bauen, die sich dann abgespeckt als Foyer und Probenraum nutzen lsst.

    Ein solches Konzept knnte auch ein gravierendes Problem heben, das sich heute stellt: Das Bonner Opernhaus ist nur geffnet, wenn es Vorstellungen gibt. Die meiste Zeit wirkt es mit seiner Umgebung wie ein verlassener Ort – auch wenn im Innern (aber fr die Menschen eben nicht sichtbar) ein lebendiger Probenbetrieb luft. Diese rumliche Isolation der Oper ist fast symbolisch fr die von interessierter Seite immer wieder behauptete Distanz der Oper zur Brgerschaft. Es ist aber kein Zufall, dass von 40 deutschen Stdten mit mehr als 200.000 Einwohnern 39 eine Oper haben. Die Ausnahme ist Bochum, wo es aber einen modernen Konzertsaal gibt.

    In Bonn knnte mit einem Schlag die Zukunft der Oper gesichert und das Manko des fehlenden Konzertsaals in der Beethovenstadt behoben werden. Eine solche Lsung auch die von der Stadt 2018 in Auftrag gegebene Untersuchung des in Dresden und Mnchen ansssigen auf Kulturberatung spezialisierten Unternehmens actori empfohlen. Es wurden sechs verschiedene Szenarien untersucht und sowohl finanziell als auch ideell („Zukunftsfokus“) bewertet. Dabei schnitt die Variante „Neubau Mehrspartenhaus vor der Beethovenhalle (Beethoven-Campus“) doppelt so gut ab wie eine Sanierung des alten Operngebudes.

    Die actori-Untersuchung unterstreicht die vielen Vorteile eines Neubaus fr Bonn, denn er wrde

    • den tatschlichen Bedrfnissen in Bonn angepasst werden knnen,
    • verlsslicher zu planen sein als Sanierungen im Bestand,
    • dem neuesten technischen Standard entsprechen und so u. a. Energiekosten sparen
    • und vor allem eine ffnung zur Brgerschaft ermglich, die kulturelle Institutionen brauchen, wenn sie wirken und zugleich von den Menschen getragen sein wollen.

    So knnte in Bonn ein Brgerzentrum fr Kultur entstehen, das der Oper ein neue Heimat bietet, endlich den in der Beethovenstadt so schmerzlich vermissten Konzertsaal ermglicht und als offenes Brgerzentrum fr alle Kultur den Menschen nher bringt. Fr ein solches Projekt liee sich auch die Stadtgesellschaft mobilisieren, die sich frustriert zurckgezogen hat, nachdem Rat und Verwaltung 2015 das im Bau vllig privat finanzierte und im Betrieb weitgehend vom Bund getragene Beethoven-Festspielhaus scheitern lieen.

    Wenn die Bonner Kommunalpolitik diesen Mut zur Zukunft nicht aufbringt,wird sie die Brgerschaft einmal mehr enttuschen,einen wichtigen Zukunftsaufbruch verpassen undim Stdtewettbewerb auch um Arbeitspltze zurckfallen.Politik, die nur verwaltet und nicht gestaltet, landet letztlich immer in der Sackgasse.

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  • UM DIE NOMINIERUNG VON ARMIN LASCHET:

    zum Kanzlerkandidaten der Union hat es viele Dikussionen gegeben. Mitbewerber Markus Sder machte als CSU-Vorsitzender seine Kandidatur davon abhngig, dass sie von der CDU als "grere Schwester" untersttzt werde. Er werde Verfahren und Ergebnis der CDU "ohne Groll" akzeptieren. Im CDU-Bundesvorstand , der im Januar 2021 von 1001 Delegierten aus allen Kreisverbnden gewhlt worden war, entfielen dann in geheimer (!) Abstimmung bei sechs Enthaltungen 31 Stimmen auf Armin Laschet und 9 Stimmen auf Markus Sder.

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  • DIE INITIATIVE "UNION FÜR LASCHET":

    war eine Aktion von Unionsmitgliedern zur Untersttzung der Kanzlerkandidatur von Armin Laschet. Anlass war fr den ehem. Bonner CDU-Bundestagsabgeordneten Stephan Eisel als Initiator„dass Markus Sder den falschen Eindruck erwecken will, Armin Laschet htte keine Untersttzung an der Basis der Union. Innerhalb weniger Tage schlossen sich479 Untersttzer an, die meisten davon aktuelle und frhere CDU-Amts- und Mandatstrger.

    Hier knnen Sie die Initiative UNION FR LASCHET untersttzen.

    Hinweis:
    Diese Initiative wurde spontan am 14. April 2021 gestartet als der CSU-Vorsitzende Markus Sder ffentlich bezweifelte, die demokratisch gewhlten Fhrungsgremien der CDU wrden die Meinung der Mitglieder wiedergeben. Auerhalb der Parteistrukturen, rein ehrenamtlich und ohne Massenverteiler begann die Unterschriftenaktion mit 83 Erstunterzeichnern aus dem politischen Freundeskreis des ehem. Bonner Bundestagsabgeordneten Stephan Eisel.
    Seitdem treffen stndig neue Voten ein.

    479 Untersttzer der UNION FR LASCHET, davon

    • 60 aktuelle und ehem. Mandats- und Funktionstrger auf Landes- und Bundesbene
    • 238 aktuelle kommunale Mandats- und Funktionstrger
    • 181 Mitglieder ohne aktuelle Funktion, meist frhere kommunale Mandatstrger

    Die komplette Liste (Stand 20.4. 21) der Unterzeichnerfinden Sie hier.

    Die Pressemitteilung nach der Entscheidung fr Armin Laschet (20.4.2021)finden Sie hier.

    Die Pressemitteilung zum Start der Initiative mit der Liste der Erstunterzeichner knnen Sie hier ausdrucken.

    Die Pressemeldung (18.4.2021):Weiterer Zuspruch beiInitiative UNION FÜR LASCHET -finden Sie hier.

    UNION FR LASCHETGratuliert Armin Laschet

    Respekt fr Markus Sders Zusage der „vollen Untersttzung“

    Zuletzt 475 CDU-Amts- und Mandatstrger hatten Laschet untersttzt

    Fr die von ihm organisierte Initiative UNION FR LASCHET hat ehem. Bonner Bundestagsabgeordneten und frheren CDU-Kreisvorsitzenden Stephan Eisel Armin Laschet zur Nominierung als Kanzlerkandidat der Union gratuliert: „Das Ergebnis der geheimen Abstimmung im CDU-Bundesvorstand war eindeutig und viele CDU- Amts-und Mandatstrger vor Ort sind darber sehr erleichtert. Dass Markus Sder ohne Zeitverzug dieses Ergebnis anerkannt und Laschet volle Untersttzung zugesagt hat, verdient Respekt. In der Demokratie knnen Kandidaten Abstimmungen gewinnen oder verlieren – und niemand verliert gern. Aber im Kern geht es nicht um persnliche Ambitionen, sondern die gemeinsame Sache.“

    Eisels Initiative wurde erst am 14. April 2021 gestartet und war eine „ehrenamtliche Aktion im Schneeballsystem“ auerhalb offizieller Parteistrukturen und ohne Massenverteiler. Zuletzt hatten sich in nur einer Woche 475 aktuelle und frhere CDU-Amts- und Mandatstrger angeschlossen. Darunter befinden sich zahlreiche Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Kreisvorsitzende und Kreisvorstandsmitglieder, Vereinigungsvertreter, Stadtrte und andere kommunale Mandatstrger aus allen Bundeslndern: „Auch das ist die Basis der CDU und wir fhlen uns vom CDU-Bundesvorstand gut reprsentiert.“

    Eisel sagte, dass er vielfach gebeten worden sei, die Aktion auch nach der Entscheidung fr Armin Laschet als Kanzlerkandidat fortzusetzen: „Ich werde das in den nchsten Tagen prfen. Jetzt geht es in der Union darum, Laschet gemeinsam zu untersttzen und auf die zuzugehen, die Sder untersttzt haben. Dabei wollen wir helfen. Entscheidend ist dann die Bundestagswahl im September.“

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  • EINEN ERNEUERUNGSPROZESS:

    als Konsequenz aus der Niederlage der Kommunalwahl 2020 braucht die Bonner CDU, um wieder mehr Vertrauen bei den Whlern zu gewinnen. Dazu legte Stephan Eisel als langjhriges Mitglied und ehem. Kreisvorsitzender zehn Thesen vor.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Zehn Thesen zur Erneuerung
    der Bonner CDU

    Nach ihrer schmerzlichen Niederlage bei der Kommunalwahl 2020 ist die Bonner CDU erstmals nicht mehr strkste Partei in Bonn. Jetzt muss die Partei in der Opposition die Chance zur Erneuerung nutzen. Als langjhriges Mitglied und ehemaliger Kreisvorsitzender will ich dazu mit diesen zehn Thesen anregen:

    1) Nur wer eigene Fehler benennt, kann auch daraus lernen.
    Wahlanalysen drfen sich nicht auf statistische Betrachtungen von Whlerwanderungen beschrnken, sondern mssen klar die eigenen politischen Fehler benennen. Diese Debatte darf nicht verdrngt, sondern muss gefrdert werden. Es gilt die alte Volksweisheit: „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.“

    2) Ursache der Wahlniederlage waren nicht organisatorische Defizite, sondern politische Fehler.
    Wir haben nicht wegen einer unzureichenden Plakatierung oder fehlender Aktivitten in den sozialen Medien verloren - so rgerlich diese Mngel auch waren. Urschlich waren vor allem inhaltliche Defizite. Lange Organisations- und Strukturdebatten lenken davon ab und unterstreichen nur die Binnenfixierung als eines der Probleme der Bonner CDU.

    3) Die Bonner CDU muss dringend ein eigenes kommunalpolitische Profil entwickeln.
    Es hat sich bitter gercht, dass in der zehnjhrigen Zusammenarbeit mit den GRNEN das pure Funktionieren der Koalition wichtiger war als eigene Ziele. In dieser Ratskoalition war die CDU meist nur stiller und reaktiver Teilhaber. Whrend die GRNEN mit immer neuen Initiativen den Ton angaben, hechelte die CDU oft hinterher. Immer wieder war aus der CDU-Ratsfraktion zu hren: „Wir haben doch das Schlimmste verhindert“. Damit gewinnt man kein eigenes Profil. Wichtig sind die eigenen Ziele.

    4) Die CDU muss als Volkspartei ihre Kraft aus der Mitte der Stadtgesellschaft schpfen.
    Wenn die CDU die moderne Bonn-Partei sein will, darf sie sich nicht vom Lebensgefhl der Menschen entfernen. Es ist deshalb falsch, die Bonner CDU als „Grostadt-Partei“ zu definieren. Die Bonner wollen weder in einer Grostadt leben noch empfinden sie Bonn als solche. Sie leben gerne in dieser Stadt, weil sie die Vorteile einer greren Stadt mit der bersichtlichkeit der rtlichen Strukturen verbindet. Wir drfen uns nicht wie die Grnen auf nur einen Teil der Stadtgesellschaft fokussieren, sondern mssen sie in ihrer Gesamtheit einbeziehen. Dabei sollten wir den Blick auf die Bonner Wirklichkeit neu schrfen: Unsere Wirtschaft besteht nicht nur aus DAX-Unternehmen, sondern aus einem breiten Mittelstand und vielen Selbststndigen. Der Bund ist mit den Ministerien und Bundesbehrden nach wie vor der grte Arbeitgeber in Bonn. Die Kulturszene wird von besonderem brgerschaftlichen Engagement getragen und fhlt sich gerade in diesem Teil oft von der CDU unbeachtet. Die Karnevalsszene integriert besonders gut Alteingesessene und Neuzugezogene. Davon knnen wir lernen. Es gibt in Bonn mehr ber 65jhrige Whler als 18 - 30jhrige.Es entspricht nicht dem Selbstverstndnis der CDU, diese Bevlkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen, sondern wir mssen sie zusammenfhren.

    5) Wichtige Entscheidungen brauchen eine breite Basis.
    Viele CDU-Mitglieder konnten sich mit wichtigen Entscheidungen (z. B. Melbbad, Festspielhaus, Beethovenhalle, Zentralisierung Brgerdienste) nicht identifizieren, weil diese in kleinen Zirkeln gefallen und nicht das Ergebnis einer offenen Debatte und breiten Meinungsbildung waren. Allzu oft hat sich die Partei mit wichtigen kommunalpolitischen Fragen nicht befasst, weil dies Zustndigkeit der Fraktion sei. Natrlich lehnen wir ein imperatives Mandat ab, denn Ratsmitglieder wurden von allen Brgern gewhlt. Aber sie wurden von uns aufgestellt und auch wegen ihrer Zugehrigkeit zur CDU gewhlt. Deshalb mssen sie fr ihre Meinungsbildung auch wissen, was die Partei zu wichtigen Fragen denkt. Vor (!) Entscheidungen muss unter CDU-Mitgliedern das Fr und Wider offen ausgetauscht werden. Dabei muss den Mitgliedern z. B. bei Kreisparteitagen ein strkeres Gewicht zukommen. Wichtige Grundentscheidungen mssen dort fallen, und zwar ohne dass sie andernorts vorbestimmt sind.

    6) Die CDU muss Anwalt der Brger gegenber der Verwaltung sein.
    Die Bonner Kommunalverwaltung leistet in vielen Bereichen gute Arbeit, aber es gibt auch Fehlentscheidungen und oft auch berflssige Brokratie. Diese haben nicht die Mitarbeiter zu verantworten, sondern die Fhrungskrfte. Wo in der Verwaltung Mist gebaut wird, muss die CDU die dafr Verantwortlichen ohne Rcksicht auf deren Parteibuch klar benennen. Beispiele fr falsche Fhrungsentscheidungen sind das Desaster bei der Beethovenhalle, die unsinnige Zentralisierung der Brgerdienste oder Versumnisse bei „Urban Soul“. Wenn die CDU diese Mngel nicht klar benennt, wird sie als Verwaltungspartei wahrgenommen, wo sie doch Brgerpartei sein sollte.

    7) Es wurden nicht die GRNEN gewhlt, sondern die CDU wurde abgewhlt.
    Die Reaktionen der Brgerschaft auf die ersten politischen Entscheidungen der neuen Ratsmehrheit besttigen, was auch im Wahlkampf oft zu hren war. Ausschlaggebend fr das Wahlergebnis war viel mehr die Enttuschung ber die CDU als Kenntnis und Zustimmung zu konkreten Vorschlgen der Grnen. 70 Prozent der Bonner haben die Grnen nicht gewhlt. Die Bonner CDU muss aufhren, sich an den Grnen zu orientieren. Die Grnen sind in Bonn der Hauptwettbewerber der CDU. Die Menschen mssen klarer erkennen, worin sich die CDU von anderen Parteien, auch den Grnen, unterscheidet.

    8) Die CDU muss sich bei den kommunalpolitischen Hauptthemen zgig positionieren.
    So sinnvoll der geplante Programmprozess „Bonn 2030“ ist, so wenig ersetzt er die aktuelle Profilbildung. Wichtige kommunalpolitische Fragen bedrfen einer baldigen Positionierung: Neubau oder Sanierung der Oper, Verkehrspartnerschaft unter Einbeziehung des Individualverkehrs oder einseitige Verkehrswende als Anti-Auto-Politik, mehr Brgerfreiheit oder weitere Verwaltungsausweitung usw. Zu solchen Fragen muss schnell eine breite innerparteiliche Meinungsbildung unter Einbeziehung der Stadtgesellschaft organisiert werden.

    9) Die Bonner CDU ist nicht nur Kommunalpartei
    Das Profil der Bonner CDU darf sich nicht auf Kommunalpolitik beschrnken, sondern sie muss auch in landes-, bundes- und europapolitischen Fragen wieder ffentlich sichtbarer werden. Diese ursprngliche Strke der Kreispartei ist fast gnzlich verloren gegangen. Diese Politikfelder drfen auch nicht in Arbeitskreise abgeschoben werden, sondern mssen die Partei insgesamt beschftigen. Die meisten Mitglieder der Bonner CDU sind nmlich nicht aus kommunalpolitischen Grnden der Partei beigetreten.

    10) Zukunftsmut und Gestaltungsfreude mssen wieder die Kennzeichen der Bonner CDU werden.
    Die Bonner CDU muss sich insgesamt wieder als politische Kraft mit kmpferischer Gestaltungsfreude darstellen und den gemchlichen Eindruck der letzten Jahre abstreifen. Das erfordert von den Fhrungsgremien und -persnlichkeiten natrlich auch der Mut zum eigenen Standpunkt. Flotte Sprche oder schicke Videos greifen hier zu kurz. Entscheidend fr politische Glaubwrdigkeit und das Vertrauen der Whler bleibt der Inhalt und nicht die Verpackung.

    Der notwendige Erneuerungsprozess geht alle Parteimitglieder an, nicht nur Amts- und Mandatstrger. Eine Strke der Bonner CDU ist das Mitgliederprinzip, dem wir wieder mehr Raum geben mssen.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr das erste Quartal 2021.

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  • FÜR BEETHOVEN HAT DER 26. MÄRZ:

    eine zweifache Bedeutung, denn 1778 trat er an diesem Tag zum ersten Mal ffentlich im Rahmen eines Konzertes auf und verstarb 1827. In der Domstadt ist leider kaum bekannt, dass der Auftakt zu Beethovens glnzender Solistenlaufbahn dort stattfand.In Bonn wiederum nahm man 49 Jahre spter kaum von Beethovens Tod am 26. Mrz 1827 Notiz.

    Den folgenden Text knnen Siehier ausdrucken.

    Wenn Sie mehr ber Beethoven in Bonn erfahren wollen:

    Im Mrz 2020 ist von Stephan Eiseldas "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer bersetzung)im Dezember 2020das"groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (ber 550 Seiten).

    Im Bonner General-Anzeiger ist zum Beethoven-Jubilumsjahr eine mehrteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen:

    Stephan Eisel

    26. Mrz: Beethovens Auftritt und Abgang

    Der 26. Mrz ist auf zweifache Weise untrennbar mit Ludwig van Beethoven verbunden: 1778 konzertierte er an diesem Tag erstmals ffentlich und 1827 verstarb er am 26. Mrz.

    Den ersten Auftritt Ludwigs organisierte dessen Vater Johann van Beethoven, der zugleich sein erster Lehrer war. Sein Orchesterkollege Bernhard Mäurer erinnerte sich spter: „„Wie [s]ein Louis es im fertigen Spielen so weit gebracht hatte, da er sich mit Beifall vor Kennern konnte hören lassen, lud sein exaltirter Vater jeden, der ihm nur zu Gesichte kam, ein seinen Louis zu bewundern.“

    So kam es auch zum Konzert am 26. Mrz 1778 im „musikalischen Akademiesaal in der Sternenga„ zu Kln. Im Ankündigungszettel – der siebenjhrige Beethovens wird darin ein Jahr jnger gemacht – war zu lesen, es werde „der Churköllnische Hoftenorist BEETHOVEN die Ehre haben zwey seiner Scholaren zu produciren; nämlich: Madlle. Averdonc Hofaltistin, und sein Söhngen von 6. Jahren.“

    Die Altistin Johanna Helene Averdonk war der Familie Beethoven so eng verbunden, dass sie die Patenschaft fr zwei der Kinder übernahm. Fr das Konzert war sie „mit verschiedenen schönen Arien“ angekndigt. Der junge Ludwig van Beethoven werde „mit verschiedenen Clavier-Concerten und Trios die Ehre haben aufzuwarten“.

    Fr Beethoven markierte das Konzert am 26. Mrz 1778 den Beginn einer glnzenden Bhnen-Laufbahn als Pianist. In der Domstadt ist leider kaum bekannt, dass der Auftakt dazu in Kln stattfand.

    In Bonn wiederum nahm man 49 Jahre spter kaum von Beethovens Tod am 26. Mrz 1827 Notiz. Schon am 14. Februar hatte der Wiener Beethoven-Freund Johann Andreas Streicher an die mit Beethoven eng verbundene Bonner Musiker-Familie Simrock geschrieben, dass die rzte des Komponisten „glauben aber gewis zu seyn, da er ohne Rettung verlohren ist.“

    Nikolaus Simrock hat vermutlich auch als erster Bonner vom Tod Beethovens erfahren, denn ihm schrieb der Wiener Verleger Tobias Haslinger bereits am 27. März 1827: „Ich beeile mich Ihnen die höchst traurige Nachricht zu hinterbringen, da gestern Abend um 3⁄4 auf 6 Uhr der unerreichbare Tondichter Ludwig v. Beethoven, nach vorher empfangenen heiligen Sakramenten, selig in den Herrn entschlafen ist.“

    Erst am 5. April 1827 vermeldete die „Bonner Zeitung“ auf der letzten Seite mit einem knappen Zweizeiler Beethovens Tod. Im Vergleich zu dieser kargen Mitteilung wurde in derselben Ausgabe sehr ausführlich über das Begräbnis eines franzsischen Herzogs und den Einsturz eines Hauses in Rouen berichtet.

    Dem „Bonner Wochenblatt“ als zweiter Bonner Zeitung war der Tod des gröten Sohns der Stadt zunächst keine Meldung wert, aber es druckte am 3. Juni 1827 einen Wiener Bericht ber „Beethovens Todtenfeier“ zwei Monate zuvor. Darin hie es, dass „die bedeutendsten Priester aller Künste ... Professoren und Dilettanten, Staatsmänner und Künstler“ den Leichenzug begleitet hatten, der sich seinen Weg durch „eine Menschenmenge von mehr als 20,000“ bahnte. Es seien Seelenmessen „in verschiedenen Kirchen gehalten“, Trauermärsche komponiert, Beethoven-Büsten in Gips hergestellt und Medaillen geprägt worden. Man plane auch ein Denkmal. Der Schlusssatz des Artikels hätte Bonn wachrütteln müssen: „Sie sehen wohl aus dem allen, wie Wien seine groen Männer ehrt.“

    Beide Bonner Zeitungen hatten es brigens nicht für nötig gehalten, darauf einzugehen, dass Beethoven in Bonn geboren wurde und hier 22 Jahre gelebt und gearbeitet hatte. In ganz Europa waren inzwischen ausführliche Nachrufe erschienen und in vielen Städten – so auch in nächster Umgebung in Aachen, Elberfeld und Köln – hatten bereits Gedenkfeiern stattgefunden.

    In Bonn gab es eine entsprechende Initiative erst im Sommer: Am 12. Juli 1827 druckte das „Bonner Wochenblatt“, dass am Tag darauf „von den Musikfreunden seiner Vaterstadt in Verbindung mit der Junggesellen= Bruderschaft ein feierliches Seelen=Amt“ mit Mozarts Requiem veranstaltet werde.

    Die Junggesellen-Sodalität „Mariae Reinigung“ war bereits 1738 gegründet worden, bestand also schon zu Beethovens Bonner Zeiten. Direkte Kontakte sind wahrscheinlich, weil die Bruderschaft auch kirchenmusikalisch sehr aktiv war. Dass die Totenfeier 1827 in der Jesuitenkirche stattfand, war dabei kein Zufall. Ab 1794 hatten die französischen Besatzer die Kirche zunächst als Pferdestall genutzt. Anfang des 19. Jahrhunderts übernahm die Junggesellen-Bruderschaft das Gebäude, kaufte 1801 die Orgel zurück und überführte den aus der skularisierten ehemaligen Kapuzinerkirche ausgelagerten barocken Hochaltar mit zwei Seitenaltren

    In der Kirche hatten die Junggesellen schon 1799 das Seelenamt für Papst Pius VI. und 1801 für Kurfürst Max Franz ausgerichtet. Den mitveranstaltetenden „Musikalischen Zirkel“ gab es als Zusammenschluss musikinteressierter Bürger seit 1818/19. Aus diesem Kreis kam auch der Dirigent der Totenmesse Peter Grabeler. Diese privat initiierte war brigens damals die einzige Bonner Veranstaltung zum Tod Beethovens. Die Stadt selbst war untätig geblieben. Erst beim vierten Beethovenfest 1927 war Beethovens Todestag in seiner Geburtsstadt Anlass fr ein offizielles Gedenken.

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  • WAS IST CHRISTDEMOKRATISCH?:

    ist eine auch in Unionskreisen viel zu selten diskutierte Frage. In einem regelmigen Online-Diskussionskreis geht es um christdemokratische Grundwerte und welche Rolle sie bei aktuellen politischen Entscheidungen spielen (sollten). Hier knnen Sie sich dazu anmelden.


    kreuz-und-quer.de ist ein von Norbert Lammert, Thomas Sternberg, Bernhard Vogel, Alois Glck und anderen herausgegebener Internet-Blog mit wchentlichen Beitrgen zum politischen Handeln aus christlicher Verantwortung. Die Redaktion bestreiten Stephan Eisel, Klaus Mertes und Ulrich Ruh.

    Den Blog knnen Sie hier lesen und abonnieren.

    In einer Artikelserie "Was ist christdemokratisch? hat Stephan Eisel bisher folgende Beitrge verffentlicht:

    1) „Das christliche Menschenbild“ knnen Siehier ausdrucken.

    2) „Das Subsidiarittsprinzip“ knnen Siehier ausdrucken.

    3) "Christlich-Sozial - konservativ - liberal" knnen Sie hier ausdrucken.

    4) "Lebensschutz" knnen Sie hier ausdrucken.

    5) "Wehrhafte Demokratie" knnen Sie hier ausdrucken.

    WAS IST CHRISTDEMOKRATISCH? [mehr]

  • DIE WAHLEN AM 14. MÄRZ 2021:

    waren mit ihren Stimmverlusten fr die CDU ein Weckruf zum Auftakt des Bundestagswahljahres 2021: Es gibt fr die Union keinen Automatismus ins Kanzleramt, sondern sie muss aus eigener Kraft so stark werden, dass gegen sie nicht regiert werden kann.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Weckruf zum Auftakt ins Superwahljahr

    Die Landtagswahlen und Baden-Wrttemberg und Rheinland-Pfalz und die ein wenig im Schatten stehenden Kommunalwahlen in Hessen waren am 14. Mrz 2021 der Auftakt in das Superwahljahr 2021 mit dem Hhepunkt der Bundestagswahlen am 26. September. Am gleichen Tag werden auch die Landtage in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen und Thringen gewhlt.

    Davor stehen am 6. Juni noch die Urnengnge in Sachsen-Anhalt und am 12. September die Kommunalwahlen in Niedersachsen an. Im Vergleich zu den Wahlen am 14. Mrz sind dies aber sehr regionale Ereignisse: In Baden-Wrttemberg, Reinland-Pfalz und Hessen lebt immerhin ein Viertel der Wahlberechtigten in Deutschland.

    Ein besonderer Testlauf waren die Wahlen in diesen drei Bundeslndern auch wegen der Corona-bedingt extrem hohen Briefwahlquote. In Baden-Wrttemberg haben etwa die Hlfte der Whler ihre Stimme per Briefwahl abgegeben (2016: 21 Prozent) und in Rheinland-Pfalz sogar ca. zwei Drittel (2016: 31 Prozent). Man kann auch bei der Bundestagswahl mit einer hohen Briefwahlquote rechnen. Sie lag 2017 schon bei bemerkenswerten 28 Prozent. 1994 waren es noch 13 Prozent.

    Hohe Briefwhleranteile beeinflussen Wahlergebnisse besonders in zweierlei Hinsicht: Sie relativieren die Fixierung auf den Wahltag selbst, denn Briefwahlstimmen knnen bereits nach der Versendung der Wahlbenachrichtigungen ca. vier Wochen vor der Wahl abgegeben werden. Tatschlich verschiebt sich damit der „Wahlkampfendspurt“ und bezieht sich nicht mehr auf das Wahlwochenende, sondern 2021 auf den ganzen Monat September. Je nher Einzelereignisse am Wahltag liegen, umso weniger Bedeutung haben sie bei einer hohen Briefwahlquote. Am 14. Mrz kamen CDU und CSU deshalb im Blick auf die Wirkungen des katastrophalen Verhaltens einzelner Abgeordneter bei der sog. „Masken-Affre“ mit einem blauen Auge davon.

    Zum anderen relativieren Briefwahlen das Wahlgeheimnis, denn nur ein kleinerer Teil dieser Stimmen wird als vorgezogene Urnenwahl in den Rathusern vollzogen. Meistens wird die Briefwahl am huslichen Kchentisch vorgenommen und die Stimmabgabe im Familienkreis orientiert sich so eher am Gruppenerlebnis als das in der Einsamkeit der Wahlkabine der Fall ist. Der alte Lehrsatz von Heiner Geissler gewinnt deshalb neue Bedeutung: „Mundfunk ist wichtiger als Rundfunk“. Die Parteien, die eine hohe Zahl sich bekennender Anhnger haben, haben gerade bei hohen Briefwahlquoten die besseren Chancen.

    Die Wahlergebnisse vom 14. Mrz 2021

    Baden-Wrttemberg

    Rheinland-Pfalz

    Hessen

    CDU

    24,1 (-2,9)

    27,7 (- 4,1)

    28,2 (-0,7)

    Grne

    32,6 (+ 2,3)

    9,3 (+ 4,0)

    19,4 (+8,1)

    SPD

    11,0 (- 1,7)

    35,7 (- 0,5)

    23,3 (-5,2)

    AfD

    9,7 (-5,4)

    8,3 (- 4,3)

    8,1 (-3,8)

    FDP

    10,5 (+2,2)

    5,5 (- 0,7)

    6,6 (+0,2)

    Linke

    3,6 (+0,7)

    2,5 (- 0,3)

    4,1 (+0,6)

    Freie Whler

    3,0 (+2,9)

    5,4 (+4,2)

    3,1 (+2,5)

    Die Niederlage der CDU
    Whrend sich die CDU bei den hessischen Kommunalwahlen stabilisierte, musste sie Baden-Wrttemberg und in Rheinland-Pfalz auf niedrigem Niveau weitere Verluste mit dem Ergebnis eines historischen Tiefstands hinnehmen. Gemeinsam ist beiden Fllen, dass die CDU am meisten an die Nichtwhler verlor. Dass die Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen um sechs Prozent zurckging, ging vor allem zu Lasten der CDU. Die zweitgrte Whlergruppe verlor die CDU in Stuttgart an Kretschmanns Grne und in Mainz an Dreyers SPD. Man kann also nicht von einer gleichgerichteten inhaltlichen Abwendung frheren CDU-Whler sprechen. An dritter Stelle kamen die CDU-Verluste in Baden-Wrttemberg der FDP und in Rheinland-Pfalz den Freien Whlern zugute. Die Niederlagen in Stuttgart und Mainz offenbaren so nicht einen grundstzlichen Bruch von CDU-Whlern mit der Partei, sondern eher eine Sehnsucht besser angesprochen und berzeugt zu werden.

    Die Erfolgswelle der Grnen
    Dass die Grnen in allen drei Lndern hinzugewonnen haben, zeigt, dass ihre Strke nicht nur auf eine Einzelpersnlichkeit wie Wilfried Kretschmann zurckzufhren ist. Andererseits liegt die Partei ohne den Kretschmann-Sondereffekt jeweils mit deutlichem Abstand hinter der CDU.

    Desaster fr die SPD
    Wer einen Blick hinter den grandiosen Erfolg von Malu Dreyer wirft, erkennt das katastrophale Ergebnis der SPD. Sie hat in allen drei Bundeslndern verloren, kommt in Baden-Wrttemberg gerade noch auf elf Prozent und verliert auch in ihrem ehemaligen Stammland Hessen ber fnf Prozent. Nichts deutet darauf hin, dass die SPD ihre strukturelle Schwche berwinden wrde.

    FDP rutscht durch
    Der Regierungsanspruch des Wahlabends und tatschliches Wahlergebnis klaffen besonders bei der FDP weit auseinander: In Rheinland-Pfalz rutschte sie mit 5,5 Prozent gerade so in den Landtag. Schlechter hatte sie dort nur 1983 und 2011abgeschnitten.

    AfD und Linke als Verlierer

    Besonders erfreulich ist das schlechte Abschneiden der politische Extreme:
    Die durchgngig deutlichen Verluste der AfD, die sich zum ersten Mal einer Wiederwahl stellte, zeigen, dass der Aufstieg dieser Partei keineswegs unaufhaltsam ist. Sie hat auch nicht von der gerade in Baden-Wrttemberg breit verankerten Querdenker-Bewegung profitiert. Allerdings bleibt die AfD – wenn auch geschwcht - in allen Landtagen vertreten.
    Die Linke verfehlte zum wiederholten Mal den Einzug in die Landesparlamente in Stuttgart und Mainz. Sie ist damit in Bayern, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, NRW und Schleswig-Holstein nicht in den Landtagen vertreten und bleibt Regionalpartei in den neuen Lndern.

    Die Wahlen vom 14. Mrz zeigen, dass es fr die Union keinen Automatismus ins Kanzleramt gibt:

    Die SPD und ihr Kanzlerkandidat streben Mehrheiten gegen die Union an und akzeptieren dafr von Linker bis FDP jeden Bndnispartner. Fr die FDP sind Ampel und Jamaika gleichermaen erstrebenswert und die GRNEN schlieen wie die SPD eine Koalition mit den SED/PDS-Nachfolgern in der Linken, nicht aus.

    Die Union muss also aus eigener Kraft die bestimmende politische Kraft bleiben, gegen die eine Regierung nicht gebildet werden kann. Um dies zu erreichen, darf man nicht andere kopieren, sondern muss selbst ein klares Profil zeigen. Zukunftsmut und Gestaltungsfreude sind fr die C-Parteien dabei noch steigerungsfhig.

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  • DIE BONNER STADTVERWALTUNG HAT:

    mehrere hundert, meist sogar ber tausend Stellen mehr als vergleichbar groe Stdte.Es ist nicht bekannt, dass die Verwaltungen in diesen Stdten deshalb weniger effizient wren.

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    Stephan Eisel

    Effizientere Verwaltung wre besser als eine grere

    Im General-Anzeiger wurde am 27. Februar berichtet, dass die von den Grnen gefhrte Ratskoalition mit der grnen Oberbrgermeisterin 183 neue Verwaltungsstellen schaffen will – obwohl sich Bonn von den deutschen Stdten vergleichbarer Gre schon jetzt die bei weitem grte Stadtverwaltung leistet.

    In Bonn gbe es mit der grnen Stellenauswei‐ tung bei 330 000 Einwohnern 5484 Stellen in der Kernverwaltung. Alle vergleichbar groen NRW-Stdte haben deutliche schlankere Verwaltungen: In Mnster (315 000 Einwohner) gibt 4517 Stelle , in Wuppertal (355 000 Einwohner) 4123 Stellen, in Bochum (365 000 Einwohner) 5093 Stellen und in Bielefeld (334 000 Einwohner) sogar nur 3219 Stellen in der Kernverwaltung.

    Auch ein Blick ber die Landesgrenzen zeigt die Diskrepanz: Mannheim (310 000 Einwohner) kommt auf 4622 Stellen und Karlsruhe (312 000) sogar auf nur 2636 Stellen in der Kernverwaltung. Diese Zahlen sind von den befragten Kommunen Anfang Mrz ausdrcklich besttigt.

    In Bonn gibt es also in der stdtischen Verwaltung immer mehrere hundert Stellen, meist sogar ber tausend Stellen mehr als in vergleichbaren Stdten. Es ist nicht bekannt, dass die Verwaltungen in diesen Stdten deshalb weniger effizient wren.

    Im Gegenteil hat man in Bonn immer wieder den Eindruck, dass sich die Verwaltung wegen ihrer Gre selbst im Weg steht. berdimensionierte Verwaltung schaffen sich auch selbst ihre Aufgaben: oft nicht zum Vorteil der Brger, sondern mit der Folge von berregulierung.

    Unter den vielen tausend Bonner Verwaltungsmitarbeitern ist sicher genug Raum fr Versetzungen, wenn die neue politische Mehrheit (was ihr gutes Recht ist) neue Aufgaben definiert – oder wollen die Grnen behaupten, das jetzige Personal sei dafr nicht qualifiziert?

    In Bonn mssen brigens 60 Einwohner eine Verwaltungsstelle finanzieren, in Wuppertal verteilt sich die Last auf 86 Einwohner und in Karlsruhe sogar auf 118 Einwohner. Es wre besser, fr eine effizientere Verwaltung zu sorgen als durch eine immer grere Verwaltung die Brger immer mehr zu belasten. Das gilt fr alle Parteien – aber eben auch fr die Grnen.

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  • DER NEUBAU EINES BÜRGERZENTRUMS:

    fr Kultur ist sinnvoller als die Sanierung der alten Oper. Notwendig ist ein mutiger Schritt in die Zukunft. Es war ein groer Fehler der Stadtverwaltung und des Rates war, sich diesem Schritt beim Festspielhaus zu verweigern. Es wre fatal, wenn der Fehler bei der Oper wiederholt wird.

    Es ist unverstndlch, wie man sich nach dem Desaster bei der Beethovenhalle noch fr einer Sanierung im Bestand bei der Oper einsetzen kann - bei einem komplexen Gebude wie der Oper, dessen Bau- und Techniksubstanz unkalkulierbare berraschungen birgt. Bei einer garnicht zu vermeidenden Entwicklung wie bei der Beethovenhalle, reden wir bei der Oper von 300 - 400 Mio Euro an Sanierungskosten.

    Auch das von der Stadt selbst beauftragte Actori-Gutachten warnt vor diesem Weg und pldiert fr den Neubau im Rahmen eines Beethoven-Campus. Ein solcher Neubau bringt nicht nur hhere finanzielle Verlsslichkeit als eine Altbausanierung, sondern auch deutlich gnstigere Betriebskosten und ermglicht einen wesentlich umweltfreundlicheren Betrieb. Vor allem aber erffnet sich die Chance eines neuen Brgerzentrums fr Kultur mit Oper und Konzertsaal, fr Schauspiel und Jazz sowie als Forum fr viele weitere kulturelle Angebote insbesondere auch fr junge Leute. Zuletzt wurde fr 150 Mio Euro 2014 in Florenz mit einem hnlichen Konzept ein kombiniertes Konzert- und Opernhaus erffnet. Es hat fr Oper und Konzerte aller Art einen groen Saal (1.800 Pltze) und fr Schauspiel, Kammermusik und andere Formate einen kleinen Saal (1000 Pltze) und bietet noch eine Freiluftbhne mit 2000 Pltzen.

    Wir brauchen einen mutigen Schritt in die Zukunft. Heute wei jeder, dass es ein groer Fehler der Stadtverwaltung und des Rates war, sich diesem Schritt beim Festspielhaus zu verweigern. Es wre fatal, wenn der Fehler bei der Oper wiederholt wird.

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  • DIE GRÜNEN VERHINDERN OFT NEUBAUTEN:

    auch wenn diese kostengnstiger und brigens auch durch moderne Technik umweltvertrglicher sind als Sanierungen im Bestand. Die Klner Oper und die Bonner Beethovenhalle sind dafr unrhmliche Beispiele. Jetzt wollen sich in Bonn auch die Sanierung der Oper im Bestand durchsetzen: Ein Millionengrab mit Ansage!

    Wie man konkret in Bonn auf dem Desaster lernen kann, knnen Sie hier lesen.

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  • VERSÄUMNISSE VON STADTDIREKTOR FUCHS:

    als Wahlleiter bei der letzten Bonner OB-Wahl wurden jetzt von der Bezirksregierung Kln als Kommunalaufsicht besttigt. In einer Antwort an den Bonner Ex-MdB Eisel, der eine Beschwerde eingereicht hatte heisst es, dass„die Stadt Bonn ihrer Pflicht – zeitgerechte bersendung von Briefwahlunterlagen – nicht ausreichendem Mae nachgekommen" sei.

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    Dokumente zur Vorgeschichte finden Sie hier.

    Die vollstndige Stellungnahme der Bezirksregierung zu den Vorwrfen gegen Wahlleiter Fuchs knnen Sie hier ausdrucken.

    Bezirksregierung Kln sieht Versumnisse
    von Wahlleiter Fuchs bei OB-Stichwahl

    Beschwerde von Ex-MdB Eisel inhaltlich besttigt

    Bei der Bonner OB-Stichwahl am 27. September 2020 war es zu erheblichen Verzgerungen bei der Versendung von Briefwahlunterlagen gekommen, so dass viele Whler von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen konnten. Der ehemalige Bonner Bundestagsabgeordnete Stephan Eisel hatte darber sich bereits zwei Tage vor der Stichwahl am 25. September 2020 schriftlich bei Stadtdirektor Wolfgang Fuchs in dessen Funktion als Wahlleiter beschwert, und „schwerwiegende Versumnisse der Wahlleitung“ kritisiert.

    Zwei Tage nach der Wahl legte Eisel Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Fuchs „wegen der fahrlssigen Verschleppung der Versendung der Briefwahlunterlagen“ ein. Er monierte den zu spten Druckauftrag fr die Stimmzettel, das Versumnis gengend Personal zum Versand einzusetzen und die Unterbrechung der entsprechenden Arbeiten am Wochenende vor der Stichwahl, obwohl die meisten Stimmzettel noch nicht versandt waren. Dadurch seien vielen Wahlberechtigten de facto die Ausbung des Wahlrechts vorenthalten worden: „Bei einem knappen Wahlausgang htte diese Pflichtverletzung des Wahlleiters leicht zu einer Wiederholung der Wahl fhren knnen. Meine Beschwerde war aber keine Wahlanfechtung, denn das Ergebnis der Stichwahl war eindeutig. Es ging mir darum, eine Wiederholung solcher fahrlssigen Nachlssigkeiten im Umgang mit dem Wahlrecht auszuschlieen.“

    Die Bezirksregierung Kln als zustndige Behrde hat sich jetzt Eisels Argumentation angeschlossen. Am 26. Februar teilte ihm der Leiter der Kommunalaufsicht Kmmerling mit, dass „die Stadt Bonn ihrer Pflicht – zeitgerechte bersendung von Briefwahlunterlagen – auch nach meinem Dafrhalten in nicht ausreichendem Mae nachgekommen (ist).“

    In dem Schreiben der Bezirksregierung heisst es weiter: „Vor dem Wochenende (Sa./So., 19./20. 09.), an dem die Bearbeitung von Briefwahlunterlagen gnzlich ausgesetzt wurde, waren lediglich ca. 39 % der Briefwahlunterlagen verschickt.“ Ein Drittel der Briefwahlunterlagen sei sogar erst fnf Tage vor der Wahl versandt worden. Die Wahlbehrde habe aber „alle Vorkehrungen zu treffen, um Wahlberechtigten zu einer reibungslosen Ausbung ihres Stimmrechts zu verhelfen.“ Dem sei in Bonn „nicht im erforderlichen Umfang Rechnung getragen“ worden. Damit sich Derartiges nicht wiederhole „ist die Stadt Bonn gefordert, ihre Handlungsdirektiven zur Bewltigung des Briefwahlgeschfts anzupassen.“

    Auf Nachfrage der Bezirksregierung htte die Stadt nun „ihre berlegungen zur Vermeidung gleichgelagerter Schwierigkeiten dargestellt“. Kmmerling schreibt weiter, dass diese Manahmen geeignet seien „in Zukunft ein in Gnze den rechtlichen Vorgaben entsprechendes Briefwahlverfahren zu gewhrleisten.“ Eisel sieht dadurch sein Ziel erreicht: „Schade, dass Stadtdirektor Fuchs damals seine Versumnisse als Wahlleiter nicht selbst eingerumt hat und erst die Kommunalaufsicht eingeschaltet werden musste. Wichtig ist, dass sich solche Fehler knftig nicht wiederholen.“

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  • WENN DAS DIGITALE DAS REALE:

    in der Politik verdrngt, verliert man schnell den Blick fr das, was das Leben der Menschen tatschlich bestimmt. Gerade fr eine Volkspartei ist es gefhrlich, wenn man so den Kontakt zur Normalitt des Alltags der meisten Menschen verliert

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    Stephan Eisel

    Politik real und digital
    Nur wer die Grenzen des Internets kennt, kann seine Chancen nutzen

    Dass man den Wahlkampf in den „sozialen“ Netzwerken verbessern msse, gehrt inzwischen gerade in der CDU zu den Allgemeinpltzen nach Wahlniederlagen. So sehr Digitalisierung im Lebensalltag immer mehr auf dem Vormarsch ist, so verkrzend gilt sie den Parteien als Allheilmittel. Das reale Leben wird aber meist durch das digitale Erleben nicht erfasst.

    Wie schnell die digitale Brille aber den Blick auf die reale Welt verflschen kann, hat zuletzt die Organisation der Impfkampagne offengelegt: Man hat diejenigen nicht mehr im Blick, die keine teuren Smartphones besitzen und sich nicht tglich mehrere Stunden von Homepage zu Homepage hangeln. Das ist keineswegs nur eine Generationenfrage:

    Es wird zu oft bersehen, dass es einen groen Unterschied gibt zwischen denjenigen, denen als „Bildschirmarbeiter“ auch am Arbeitsplatz ein stndiger Netzzugang zur Verfgung steht, und denjenigen, die darauf nur in ihrer Freizeit Zugriff haben. Dort, wo ein Internetzugang zum Arbeitsplatz gehrt, ist die tgliche Internetnutzung praktisch vorgegeben. Wer seinen Alltag in der „Browelt“ verbringt, hat es in der Internetwelt leichter als jemand, der im Handwerk, dem produzierenden Gewerbe oder dem Dienstleistungssektor arbeitet.

    Anders ausgedrckt: Das Internet wird von einer Minderheit der Zeitreichen dominiert, die diesem Medium ihre volle Aufmerksamkeit widmen wollen und knnen. Deshalb wird das Internet von denjenigen geprgt, die die finanzielle oder zeitliche Disposition fr solche Aktivitten haben. Eine Volkspartei wre schlecht beraten, wenn sie das aus dem Blick verliert.

    Von den in Deutschland lebenden ber 14-Jhrigen nutzen nach dem Digital-Index 2019 der Initiative D21 und der ARD/ZDF-Online-Studie 2020, die bereits die Corona-Daten bercksichtigt, nur 72 Prozent das Internet tglich, davon die allermeisten nur fr wenige Funktionen:

    Messenger-Dienste wie WhatsApp nutzen 68 Prozent tglich, mediale Steaming-Angebote wie Mediatheken oder Netflix 50 Prozent, Suchmaschinen wie Google 45 Prozent, e-mails 33 Prozent und Soziale Netzwerke insgesamt 25 Prozent und Facebook im Speziellen nur 14 Prozent.

    Bei den ber 67-jhrigen liegt die tglich Internetnutzung nur bei 20 Prozent: Als Whlergruppe sind sie brigens zahlenmig in etwa so stark wie die 18 – 40-Jhrigen. Der Digital-Index 2019 stuft nur 44 Prozent der Wohnbevlkerung ber 14 Jahre als „digitale Vorreiter“ ein. 38 Prozent sind „konservative Gelegenheitsnutzer und vorsichtige Pragmatiker“, 18 Prozent „digital Abseitsstehende“ (davon die meisten ausdrcklich „Offliner“). Die Mehrheit der Erwachsenen Menschen in Deutschland ist also bei weitem nicht so im Internet zu Hause wie die Meinungsbildner und Entscheidungstrger.

    Gerade wer in der Politik Verantwortung trgt, muss diese Grenzen des Internets kennen, um seine Chancen nutzen zu knnen. Wer sich im digitalen Rausch verliert, vergisst schnell, dass zur Technikfasziniation die Demokratiekompetenz kommen muss.

    Ohne Zweifel hat das Internet im letzten Jahrzehnt die politische Kommunikation verndert. Corona-Zeiten mit ihrer Tendenz zur Ausschlielichkeit des Digitalen haben den Blick darauf noch einmal fokussiert. So sehr das Internet fr politisch Aktive und Interessierte neue Mglichkeiten ffnet, so sehr ist Politik fr die Nutzer insgesamt ein Randgebiet. Es wird vor allem von denen genutzt, die in digitalen Echokammern nach der Besttigung der eigenen Weltsicht suchen und sich so immer weiter radikalisieren. Corona-Leugner sind dafr das aktuellste Beispiel. Ausserdem hat – glcklicherweise – bei vielen die Skepsis gegenber den nur im Netz verbreiteten politischen Nachrichten zu genommen.

    Wahlkmpfe sind ohne Aktivitten im Netz zwar heute nicht mehr vorstellbar, aber zugleich landet in einer Sackgasse wer glaubt, sie wrden dort entschieden. Man hat schnell ein schnittiges Video gedreht und mache setzen dafr schon im lokalen parteiinternen Wettbewerb Agenturen ein. Aber zum einen ist die Reichweite bei Facebook vor allem fr rtliche Bewerber sehr bersichtlich im niedrigen zweistelligen Bereich. Stehen Aufwand und Nutzen der Netzaktivitten im richtigen Verhltnis – beispielsweise auch im Vergleich nur analogen Ansprache durch Hausbesuche?

    Vor allem aber verdrngen die bildorientierten Mechanismen „sozialer“ Netzwerke eine Eigenschaft, auf die es z. B. bei der Auswahl politischer Mandatstrger vor allem ankommen sollte: Kompetenz und Charakter. Nicht die Verpackung ist entscheidend, sondern der Inhalt. Auf der groen Bhne haben Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel dies bewiesen. Auch vor Ort sollte es entscheidend bleiben.

    Modisch ist in der digitalen Welt auch die Oberflchlichkeit der Krze um ihrer selbst willen. Da werden bei Kandidatenvorstellungen fr komplexe politische Fragen 60-Sekunden-Antworten verlangt. Der schnelle Klick ist zwar die gltige Whrung im Netz, aber wer sie in den politischen Diskurs bertrgt, gefhrdet das ein Grundprinzip der liberalen Demokratie: Argumente brauchen Zeit. Die Reifezeit fr vernnftige Entscheidungen, deren Voraussetzung das sorgfltige Abwgen von Pro und Contra ist, muss gegen die Faszination der sich stndig beschleunigenden Netzgeschwindigkeit verteidigt werden.

    Das Internet lutet weder den Untergang des Abendlandes ein, noch fhrt es uns in ein Zeitalter der Erleuchtung. Es ist nicht der Sieg des Projektes Aufklrung ist, sondern eine neue Herausforderung fr die Aufklrung. Weil es ein ebenso faszinierendes wie ambivalentes Medium ist, muss man die Grenzen des Internets kennen, um seine Mglichkeiten sinnvoll nutzen knnen. Dazu gehrt es, das Netz im Blick zu haben, aber sich nicht darauf zu fixieren.

    Die digitale Welt bildet die Wirklichkeit nicht einfach ab, sondern verzerrt sie. Mitten im Leben zu stehen, heisst das Digitale dem Analogen unterzuordnen, es zu nutzen, aber nicht zur Bestimmung werden zu lassen.

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  • DIE GRÜN-ROT-ROTE RATSKOALITION HAT:

    in Bonn ihren Koalitionsvertrag vorgelegt. Bei vlliger Unklarheit ber Finanzierung der aufgefhrten Projekte sindSchwerpunkte eine ideologische Anti-Auto-Politik, die Ankndigung massiver Eingriffe in Eigentumsrechte und die einseitige Bevorzugung bestimmter Lobbygruppen.

    Den vollstndigen Bonner Koalitionsvertrag von Grnen, SPD, Linker und Volt finden Sie hier.

    Eine Stellungsnahme der CDU zum Bonner Koalitionsvertrag von Grn-Rot-Rot finden Sie hier.

    Hier einige inhaltliche Schlaglichter:

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  • WIE TRUMP DIE DEMOKRATIE ATTACKIERT(E):

    zeigte sich als am 6. Januar 2020 seine Anhnger whrend laufender Parlamentssitzungen gewaltsam das US-Kapitol strmten. Angestiftet wurden sie von Trump selbst. Dieser Angriff ist die letzte Eskalationsstufe der anti-demokratischen Attacken von Trump.

    Den vollstndigen Text „Warum Trumps Erfolg fatal ist“ vom 9. November 2016knnen Sie hier ausdrucken.

    Bereits am 9. November 2016 verffentlichte kreuz-und-quer.de eine Analyse von Stephan Eisel unter der berschrift „Warum Trumps Erfolg fatal ist“, die fnf anti-demokratische Strategien von Trump beschreibt, die von auch von anderen Populisten rund um den Erdball in ihrem Kampf gegen die freiheitliche Demokratie angewandt werden.

    In der Analyse von Eisel hie es 2016:

    „Aber noch wichtiger als die Frage nach den Ursachen ist die Frage nach den Folgen des Wahlerfolgs von Trump. Weil er erfolgreich war, wird er auch auerhalb der USA Nachahmer finden – zumal Amerika schon immer Trendsetter war. Das wre aber besonders dort fatal, wo es Trump zur Mehrheit verhalf:

    1) Diskreditierung demokratischer Institutionen
    Mit einem Wahlkampf gegen das „Establishment in Washington“ und fr einen grundlegenden Wandel sind fast alle amerikanischen Prsidenten der letzten Jahrzehnte ins Amt gekommen – von John F. Kennedy ber Ronald Reagan bis zu Bill Clinton und Barack Obama. Ihr Pldoyer fr einen Neuanfang war aber durchweg von einem konstruktiven Grundton getragen. Trumps Ansatz war dagegen von Anfang an destruktiv – von der generellen Behauptung eines durchweg manipulierten politischen Systems ber die globale Charakterisierung der Medien als korrupt („Lgenpresse“) bis zur (mit seinem Wahlsieg natrlich entfallenden) Behauptung, die Wahlen wrden geflscht. Trump hat mit solchen generellen Verunglimpfungen der demokratischen Kultur in den USA schweren Schaden zugefgt.

    2) Nationale Abschottung
    Trump hat weit ber den traditionellen amerikanischen Hang zum Isolationismus hinaus offensiv fr einen amerikanischen Nationalismus in bewusster Konfrontation zu internationalen Verbndeten und Partner geworben: Ob die von ihm geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko, die angekndigte Aufkndigung internationaler Handelsvertrge und Klimaschutzabkommen oder die Relativierung der Beistandspflicht in der NATO – Grundton von Trumps Auenpolitik ist das Pldoyer fr Abschottung. Dieses Konzept ist zwar angesichts einer immer enger zusammenwachsenden Welt vllig anachronistisch, hat aber die Anziehungskraft einer scheinbar einfachen Lsung aller Probleme.

    3) Gesellschaftliche Polarisierung
    Trump hat khl kalkulierend gezielt einzelne Bevlkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt, um sich die weie mnnliche Bevlkerung insbesondere aus dem Arbeitermilieu und der Landbevlkerung als Machtbasis zu sichern. Diese identifizierte sich umso strker mit ihm je eindeutiger er Minderheiten von Hispanics bis zu Moslems attackierte. Dabei scheute Trump auch vor rassistischen Anspielungen nicht zurck und instrumentalisierte dafr die Einwanderungsfrage – mit dem widersinnigen Effekt, dass die Kinder von Einwanderern in der Einwanderung eine Gefahr sahen. Um des Wahlerfolgs willen hat Trump eine tiefe Spaltung der Gesellschaft in Kauf genommen, die auf ihn als Prsident zurckfallen wird.

    4) Politischer Fanatismus
    Von ihm dazu ermutigt wurden die Anhnger Trumps im Laufe seiner Wahlkampagne immer fanatischer. Die Stimmung bei seinen Kundgebungen wurde immer aufgeheizter – und Trump fachte dies bewut immer neu an. Aber auch seine Mitarbeiter von den eigenen Shnen ber den frheren New Yorker Brgermeister Giuliani bis hin zu seinen Wahlkampfmanagern entzogen sich dem politischen Dialog durch eine Endlosschleife der immer gleichen Phrasen. Was bei Trump selbst manchmal noch wie laienhaftes politisches Entertainment wirkt, stellt sich bei seinem Gefolge als geradezu demonstrative Verbohrtheit dar. Der fr die Demokratie so essentielle wechselseitige Respekt („agree to disagree“) wurde von Trump schwer beschdigt.

    5) Verrohung der Sitten
    Der 15-monatige Wahlkampf von Donald Trump war eine stndige Aneinanderreihung von gezielten politischen Tabubrchen, kalkulierten persnlichen Beleidigungen und bewut verbreiteten Unwahrheiten. Es ging ihm um das Auffallen um des Auffallens wegen – nicht zuletzt auch bei Trumps vielen dezidiert frauenfeindlichen uerungen. Die Medien – insbesondere die verschiedensten Fernsehsender – lieen sich bereitwillig einspannen, denn die Gier des Publikums nach immer neuen Grenzberschreitungen garantierten hohe Einschaltquoten. Trump brauchte keine Werbespots, er war mit seinen Ausfllen Bestandteil des regulren Programms. Eltern werden sich knftig bei einem „So etwas tut man nicht“ darauf einrichten mssen, dass die Kinder sich unter Berufung auf den Prsidenten daneben benehmen. Der Schaden fr ein friedliches und respektvolles Miteinander unbersehbar.

    Gerade fr Freunde Amerikas sind diese mit Trump einhergehenden und von ihm bewut eingesetzten Entwicklungen eine besondere Herausforderung, denn sie sind Wasser auf die Mhlen des Anti-Amerikanismus. Umso wichtiger wird es sein, dass das „andere Amerika“ sichtbar bleibt und sich nicht versteckt. Der amerikanische Prsident hat eine groe Machtflle, aber unbegrenzt ist seine Macht nicht.

    Im politischen System der „checks and balances“ wird es dabei vor allem auf die Republikaner ankommen, die in den beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit stellen. Ob sie der damit verbundenen Verantwortung nachkommen werden, kann keineswegs als selbstverstndlich gelten: Es handelt sich nmlich um die gleichen Abgeordneten, die es ohne groen Widerstand zugelassen haben, dass ihre Partei von Trump gekidnappt wurde. Inhaltlich hat Trumps Ansatz nmlich mit traditionellen republikanischen Programmen nicht zu tun.

    Im gesellschaftlichen Bereich liegt es an den Amerikanern, deutlich zu machen, dass Trump nicht typisch fr Amerika ist – und an uns, das bei allem Entsetzen ber das Wahlergebnis nicht aus dem Auge zu verlieren.“

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  • AM 17.12.2020 WURDE IN BONN:

    Ludwig van Beethoven geboren. Von hier aus hat er die Welt verndert. Alles rund um die Taufe in der Remigiuskirche, die 1800 abgebrannt ist, erfahren Sie hier.

    Den folgenden Text knnen Siehier ausdrucken.

    Wenn Sie mehr ber Beethoven in Bonn erfahren wollen:

    Im Mrz 2020 ist von Stephan Eiseldas "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer bersetzung)im Dezember 2020das"groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (ber 550 Seiten).

    Im Bonner General-Anzeiger ist zum Beethoven-Jubilumsjahr eine mehrteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen:

    Stephan Eisel

    In Bonn getauft und die Welt verndert

    Am 17. Dezember vor 250 Jahren, am 17. Dezember 1770 wurden in der Bonner Pfarrkirche St. Remigius zwei Kinder getauft: Maria Anna Hupperich, deren Spur sich verloren hat, und Ludwig van Beethoven, der die Welt vernderte. 1770 erblickten brigens 351 Kinder in Bonn das Licht der Welt, davon 32 im Dezember.

    Am 17. Dezember 1770 begann Ludwig van Beethovens Lebensweg in der Remigiuskirche Das genaue Datum der Geburt von Ludwig van Beethoven ist nirgends vermerkt, denn Einwohnermelderegister gab es damals noch nicht. Da Neugeborene wegen der hohen Kindersterblichkeit meistens am Tag ihrer Geburt oder – wenn die Geburt auf den Abend oder in die Nacht fiel – sptestens am Tag danach getauft wurden, ist der Komponist wohl am 16. oder 17. Dezember 1770 in der Bonngasse geboren. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Bonn brigens flschlicherweise verbreitet, Beethoven sei in der Rheingasse geboren, wo die Familie mit kurzen Unterbrechungen 1733 – 1767 und 1776 – 1785 gewohnt hat.

    In die Bonngasse waren Beethovens Eltern Johann und Maria Magdalena geb. Keverich nach ihrer Hochzeit 1767 gezogen. Sie mieteten sich im Hinterhaus – manchmal euphemistisch auch Gartenflgel genannt – des Gebudes mit der Registrierungsnummer 363 (ab 1793 Hausnummer 515, heute Hausnummer 20) ein. Im Erdgeschoss lagen die Kche und ein un‐ terkellerter Wirtschaftsraum, im Obergeschoss zwei kleine Zimmer und eine grere Stube. Auerdem gab es kleine Kammern unter dem Dach. Im Vorderhaus lebte der Eigentmer des Hauses, der kurfrstliche Quartiermeister Johann Georg Mangin sowie seit vielen Jah‐ ren die Musikerfamilie Salomon.

    Am 2. April 1769 wurde den Beethovens das erste von sieben Kindern geboren und in St. Re‐ migius auf den Namen Ludwig Maria getauft. Bereits fr den 8. April findet sich im Kirchen‐ buch der Eintrag des Todes. Wegen der Namensgleichheit bezweifelte der zweitgeborene Ludwig lange und hartnckig, dass er schon 1770 geboren sei und hielt sich fr zwei Jahre jnger. Als er mit einem Brief vom 2. Mai 1810 seinen Freund Franz Gerhard Wegeler um eine Kopie des Taufeintrags bat, mahnte er diesen ausdrcklich, darauf zu achten „da noch ein Bruder frherer Geburt vor mir war, der ebenfalls Ludwig hie nur mit dem Zusaze ,Maria‘, aber gestorben, um mein gewisses Alter zu bestimmen.“ Selbst als ihm die beglaubigte Abschrift des Taufeintrages vom 17. Dezember 1770 dann vorlag, notierte Beethoven auf der Rckseite des Dokuments die Jahreszahl „1772“ mit der Bemerkung: „Es scheint der Taufschein nicht richtig, da noch ein ludwig vor mir“.

    Pfarrkirche fr die Bonngasse war die Kirche St. Remigius. In den dortigen Kirchenbchern wurden von 1614 – 1798 sorgfltig Taufen, Hochzeiten und Beisetzungen in der Pfarre einge‐ tragen. In dem Folianten fr die Zeit 17. Oktober 1765 bis zum 7. April 1776 findet sich auf Sei‐ te 166 von fast 500 Seiten der Taufeintrag, der der Nachweis dafr ist, dass Bonn die Geburtsstadt von Ludwig van Beethoven ist. Die Kirchenbcher wurden mit Einfhrung der Standesmter whrend der franzsischen Besatzungszeit 1798 der Stadt Bonn bergeben und befindet sich heute im Bonner Stadtarchiv.

    Whrend unklar ist, ob die Taufe vom Pfarrer oder einem seiner Kaplne vorgenommen wurde, stammt der Eintrag im Taufbuch sehr wahrscheinlich von Pfarrer Peter Joseph Isbach. Er hatte die Pfarrstelle an St. Remigius 1766 –1776 inne und war bereits 1768 zum Dechanten berufen worden. Isbach kam aus dem Kreis der Kanoniker des Cassiusstifts, galt als ausgezeichneter Prediger und war Doktor der Theologie. Bekannt war er auch fr seine aus‐ gewhlte Kleidung mit goldenen Schnallen auf den Schuhen. Beim Taufbuch-Eintrag ist ihm wohl aus Nachlssigkeit der Fehler unterlaufen, Beethovens Mutter mit dem Vornamen „He‐ NEUES BUCH lena“ statt „Maria Magdalena“ zu notieren. Offenbar hat ihn verwirrt, dass sie meist „Lenchen“ genannt wurde.

    Taufpaten waren der Grovater des Tuflings, Hofkapellmeister Ludwig van Beethoven d. ., und die Nachbarsfrau Gertrude Baum geb. Mller, Frau des Hofkellerschreibers Johann Baum. In deren Haus fand wohl auch der „Taufschmaus“ statt, weil die Beethovensche Woh‐ nung dafr zu klein gewesen sein drfte.

    Die Remigiuskirche war die wichtigste der vier Bonner Pfarrkirchen. Fr die Familie Beethoven war sie der zentrale kirchliche Bezugspunkt. In ihrer Bonner Zeit 1733 – 1794 sind alle Hochzeiten und Todesflle der Familie sowie mit zwei Ausnahmen alle Taufen im Kirchenbuch von St. Remigius vermerkt. Die besondere Verbundenheit mit der Remigiuspfarre zeigt sich brigens auch daran, dass die Beethovens 1769 – 1771 gleich dreimal in der Spendenliste fr ein neues Pfarrhaus auftauchen.

    Bis Frhjahr 1787 gehrte zur Kirche auch ein Friedhof, auf dem Beethovens Ur-Groeltern wie seine Groeltern beigesetzt wurden. Seine Eltern wurden dann auf dem neuen (heute: Alten) Friedhof beerdigt, der damals vor den Toren der Stadt lag. Die Remigiuskirche wird 795 erstmals urkundlich erwhnt. Um 1280 wurden am Kirchhof mehrere Huser gebaut, deren Eigentmer Abgaben an die Kirche entrichten mussten. Mehrfach war die Kirche und insbesondere der Kirchturm Opfer von Brnden. Der Turm zur Zeit von Beethovens Taufe war erst 1756 mit neuen Glocken geweiht worden. Danach zog auch der Schlossbrand 1777 die Kirche in Mitleidenschaft.

    Nach Beethovens Abreise nach Wien und whrend der franzsischen Besetzung Bonns wurde der Kirchturm dann am 10. Mai 1800 von einem Blitzschlag getroffen, brannte ab und wurde nicht wieder aufgebaut. 1806 wurde die Kirche endgltig abgerisssen. Das Patronat ging auf die Minoritenkirche in der Brdergasse ber und dorthin wurde auch Beethovens Taufstein gebracht. Er war um 1740 aus polierbarem Kalkstein („Lahnmamor“) gefertigt wor‐ den. Das Material aus dem Sdosten des Rheinischen Schiefergebirges wurde auch bei der Balthasar-Neumann-Treppe im Brhler Schloss Augustusburg in Brhl und der Heiligen Stiege auf dem Kreuzberg verwendet. Der Deckel des Taufsteins ist aus Holz.

    Viele Menschen denken flschlicherweise, Beethoven sei in der heutigen Remigiuskirche getauft worden, weil sich heute der Taufstein dort befindet. Um das Andenken an die eigentliche Remigiuskirche auszulschen, hatten die franzsischen Besatzer den Platz, wo sie stand, in Rmerplatz umbenannt. Erst 1978 hat die Stadt dem Platz den Namen Remigiusplatz gegeben. Warum ausgerechnet dort auch eine ffentliche Toilettenanlage aufgestellt wurde, bleibt das Geheimnis von Rat und Verwaltung. Immerhin erinnert heute eine Station des Beethoven-Rundgangs an den Ort, wo Beethoven vor 250 Jahren getauft worden ist.

    AM 17.12.2020 WURDE IN BONN [mehr]

  • BEETHOVEN UND DIE 22 BONNER JAHRE:

    ist der Titel eines Buches von Stephan Eisel, das am 15. Dezember 2020 im Verlag Beethoven-Haus erschienen ist. Auf 550 reich bebilderten Seiten geht es um das, was Beethoven in persnlich und musikalisch geprgt hat, bevor er das Rheinland verlassen hat. Geschildert werden die Bonner Wurzeln der Ode "An die Freude" ebenso wie Bonn mit seinem grten Sohn umgegangen ist. Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis und weitere Informationen.

    Am 15. Dezember 2020 erschien im Verlag Beethoven-Haus Bonn


    Stephan Eisel
    Beethoven - Die 22 Bonner Jahre

    Hardcover, 550 Seiten, bebildert
    ISBN 978-3-88188-163-0 -- 34,90 €

    Das Buch ist ab dem 15.12.2020 montags - samstags 10 - 18 Uhr im Shop des Beethoven-Hauses, Bonngasse 21, sowie im Buchhandel erhltlich.
    Am 16.12. und 17.12. ist der Autor anwesend um zu signieren.

    Das Buch kann hier Online bestellt werden.

    Hier ein Blick in den Inhalt:

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr Oktober und November 2020.

    MEINE GEDANKENANSTSSE ZU [mehr]

  • MUSIK, POLITIK UND BEETHOVEN:

    waren Themen eines Gesprchs des knftigen Intendanten des Bonner Beethovenfestes Steven Walter mit Stephan Eisel als Vorsitzendem der BRGER FR BEETHOVEN in seiner Podcast-Reihe CLASSICAL & CONTEMPORARY.

    Den Podcast von Steven Walter mit Stephan Eisel knnen Sie hier anhren.

    Weitere Podcast mit Steven Walter finden Sie hier.

    Im Podcast CLASSICAL&CONTEMPORARY (www.classicalcontemporary.art) am 24. November 2020: Steven Walter (ab Herbst 2021 Intendant des Beethovenfestes Bonn) im Gesprch mit Stephan Eisel (ehem. Bonner Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender der Brger fr Beethoven und frher stv. Leiter des Kanzlerbros bei Helmut Kohl).

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  • DIE ZUKUNFTSSTRATEGIE DER BONNER CDU:

    muss nach der Wahlniederlage bei der Kommunalwahl die inhaltliche Profilierung in den Mittelpunkt stellen. Es geht darum mit kmpferischer Gestaltungsfreude die Gemchlichkeit der abzustreifen.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Brgernhe, Zukunftsmut und Gestaltungsfreude

    Anregungen zur Zukunftsstrategie der Bonner CDU

    Das Desaster der Bonner CDU bei den Kommunalwahlen im September 2020 war nicht durch Fehler in der Wahlkampffhrung verursacht. Entscheidend fr die Niederlage waren nicht eine unzureichende Plakatierungsstrategie, die mangelnde Vorbereitung der Stichwahl, Abstimmungsprobleme zwischen Kreispartei und Ratsfraktion oder fehlende Aktivitten in den sozialen Medien. So rgerlich diese Defizite auch waren, die Probleme liegen im inhaltlichen Bereich. Die Bonner CDU hat kein erkennbares kommunalpolitisches Profil. Vor der Vermittlung von Politik kommt aber die Frage, wofr man steht.

    In der Ratskoalition mit den GRNEN war die CDU in den letzten zehn Jahren meist nur stiller und reaktiver Teilhaber. Whrend die GRNEN mit immer neuen Initiativen den Ton angaben, hechelte die CDU oft hinterher. Immer wieder war aus der CDU-Ratsfraktion zu hren: „Wir haben doch das Schlimmste verhindert“. Der bisherigen Fraktionsfhrung war die Stabilitt der Zusammenarbeit mit den GRNEN oft wichtiger als der Einsatz fr eigene politische Ziele. So stimmte die CDU den grnen Initiativen zum Ende des Festspielhauses, der Luxussanierung der Beethovenhalle oder der Kappung des Cityrings zu. Fr diese Koalitionstreue lieen man gerne auch den eigenen Oberbrgermeister im Regen stehen.

    Entgegen der Realitt einer inhaltlichen Dominanz der GRNEN hielt sich der Eindruck, die CDU sei die bestimmende kommunalpolitische Kraft. Die GRNEN duckten sich weg, wenn von ihnen initiierte Entscheidungen von der Bevlkerung kritisch beurteilt wurden (siehe Beethovenhalle): Dann war die CDU schuld. Eigentlich richtete sich der GRNEN-Slogan „Bonn braucht den Wechsel“ gegen sie selbst. Das wurde von den Whlern aber nicht so wahrgenommen, weil die CDU mit eigenen Zielen nicht erkennbar war.

    Dies muss sich ndern, wenn die Bonner CDU wieder eine Mehrheitschance haben will. Gefragt sind Mut zum inhaltlichen Profil und zur Kontroverse. Dabei sollten folgende Leitlinien gelten:

    1) Die CDU muss ihre Kraft aus der Mitte der Stadtgesellschaft schpfen.
    Kommunalpolitische Arbeit darf sich nicht in endlosen Gremiensitzungen verlieren. Wichtig ist der direkte Kontakt zur Brgerschaft. Dabei war bisher eine Strke der CDU, dass sie viele Wahlkreise direkt gewonnen hat. Jetzt sind weniger als die Hlfte der Wahlkreise durch einen CDU-Vertreter im Rat vertreten. Vermutlich wird die CDU auch keinen Bezirksbrgermeister stellen. Dieses Defizit der rtlichen Reprsentanz auszugleichen, bedarf besonderer Anstrengungen und einer Strkung der Ortsverbnde. Die Arbeit wird knftig weniger mandatsorientiert sein. Das ist auch eine Chance.
    Aber auch stadtweit muss die CDU die Verbindung zur Stadtgesellschaft intensivieren. Sie ist im vorpolitischen Raum viel zu wenig prsent. Wenn man CDU-Vertreter nur dann zu Gesicht bekommt, wenn es Ehrenkarten gibt, ist eine Verankerung in der Stadtgesellschaft nicht zu erreichen. Diese Verknpfung sollte auch dadurch gefrdert werden, dass die CDU als sachkundige Brger in die Ratsausschsse weniger verdiente Mandatstrger und mehr Vertreter von Vereinen und Initiativen aus dem vorpolitischen Raum beruft. Auerdem sollte die CDU mit den anderen Fraktionen einen Konsens anstreben, generell keine Tischvorlagen der Verwaltung mehr zu akzeptieren. Solche erst in den Sitzungen vorgelegten, oft vielseitigen Vorlagen verhindern, dass Mandatstrger die Brger in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Wenn der Verwaltung etwas wichtig ist, soll sie es rechtzeitig vorlegen und den Rat - und damit die Brgerschaft - nicht mit Papierbergen berrumpeln.

    2) Die CDU muss Anwalt der Brger gegenber der Verwaltung sein.

    Die Bonner Kommunalverwaltung leistet in vielen Bereichen gute Arbeit, aber es gibt auch Fehlentscheidungen. Diese haben nicht die Mitarbeiter zu verantworten, sondern die Fhrungskrfte. Wo in der Verwaltung Mist gebaut wird, muss die CDU dies auch klar benennen und die dafr Verantwortlichen ohne Rcksicht auf deren Parteibuch zur Rechenschaft ziehen. Beispiele fr falsche Fhrungsentscheidungen sind das Desaster bei der Beethovenhalle, die unsinnige Zentralisierung der Brgerdienste und zuletzt die gravierenden Versumnisse bei der Versendung der Briefwahlunterlagen zur OB-Stichwahl. Wenn die CDU diese Mngel nicht klar benennt, wird sie als Verwaltungspartei wahrgenommen, wo sie doch Brgerpartei sein sollte.

    3) Zukunftsmut, Diskussionsbereitschaft und Gestaltungsfreude

    Die Bonner CDU muss sich insgesamt wieder als politische Kraft mit kmpferischer Gestaltungsfreude darstellen und den gemchlichen Eindruck der letzten Jahre abstreifen. Die Voraussetzungen fr einen Neuanfang sind gut, denn es gibt einen Generationswechsel. Die neuen Stadtverordnete mssen jetzt Verantwortung als Sprecher fr die verschiedenen Sachgebiete bernehmen. Dabei drfen sie sich nicht in internen Gremien verkmpfen. Wirtschaftssprecher gehren in die Betriebe, Sozialsprecher zu den Benachteiligten, Kultursprecher muss man bei Kulturveranstaltungen treffen und Sportsprecher in Hallen und Stadien.

    Schlielich muss in der CDU wieder eine offenere Diskussionskultur gepflegt und gefrdert werden. Die bisherige Fraktionsspitze legte darauf keinen besonderen Wert und die Fraktion hat sie auch selten eingefordert. Vor (!) Entscheidungen muss in Partei und Fraktion das Fr und Wider ausgetauscht werden, damit jeder wei, welche Gegenargumente es gegen sein eigenes Votum gibt. Dabei muss den Mitgliedern z. B. bei Kreisparteitagen ein strkeres Gewicht zukommen. Wichtige Grundentscheidungen mssen dort fallen. Die Bonner CDU mehr als 2.300 Mitglieder: Nur wer deren Engagement mobilisiert, kann Zukunftsperspektiven fr die CDU erffnen.

    An wichtigsten ist die inhaltliche Profilierung. Hier gibt es in allen Themenfeldern Nachholbedarf. Beispielhaft seien genannt:

    • Kultur fr alle

    Der kulturelle Bereich spielt in Bonn eine besondere Rolle. Gerade hier hat die CDU erhebliche Defizite. Nachdem die Bonner Kommunalpolitik fahrlssig die Chance des Beethoven-Festspielhauses in den Wind geschlagen und stattdessen die Sanierung der maroden Beethovenhalle als Millionen-grab zu verantworten hat, steht Bonn jetzt vor einer weiteren Zukunftsentscheidung: Soll das alte Opernhaus – mit hnlichen Risiken wie bei der Beethovenhalle – saniert oder der Zukunftswurf eines Neubaus gewagt werden. Diese Entscheidung bietet die Chance eines neuen Brgerzentrums fr Kultur mit Oper und Konzertsaal fr Schauspiel und Jazz sowie als Forum fr viele weitere kulturelle Angebote insbesondere auch fr junge Leute. Ein solches Brgerzentrum fr Kultur knnte auch ein gravierendes Problem beheben, das sich heute an einem zentralen Platz der Stadt zum Rhein hin stellt: Das Bonner Opernhaus ist nur geffnet, wenn es Vorstellungen gibt. Die meiste Zeit wirkt es mit seiner Umgebung wie ein verlassener Ort – auch wenn im Innern (aber fr die Menschen eben nicht sichtbar) ein lebendiger Probenbetrieb luft. Diese rumliche Isolation der Oper ist fast symbolisch. Es geht darum, Kultur den Menschen immer wieder nher zu bringen. Dazu gehrt auch ein klares Bekenntnis zur freien Szene und gefhrdeten Institutionen wie dem Stadtmuseum, das eben mehr sein muss als ein „Brgerlabor“ mit einem „Museumsleitungskollektiv“.

    • Verkehrspartnerschaft

    Die GRNEN sind auf eine Anti-Auto-Ideologie fixiert. Sie setzen vllig einseitig auf das Fahrrad und diskriminieren diejenigen, fr die Fahrradfahren z. B. aus Alters- und Gesundheitsgrnden oder wegen beruflicher Notwendigkeiten keine Option ist und der PNV z. B. wegen lndlicher Strukturen keine akzeptablen Angebote machen kann. Die CDU setzt auf Verkehrspartnerschaft und will die Infrastruktur fr Fugnger, Fahrradfahrer, den PNV ausbauen. Zugleich bleibt der motorisierte Fahrzeugverkehr fr sie ein wichtiger Verkehrstrger. Gerade in der Verkehrspolitik biete sich viele Chancen, klare Alternativen aufzuzeigen – z. B. zum Versuch der GRNEN den Ausbau des Tausendfsslers zu verhindern und damit Durchgangsverkehr in die Stadt zu zwingen.

    Wahlniederlagen sind schmerzlich, aber man sollte sie als Chance begreifen, besser zu werden:
    Darum geht es fr die Bonner CDU

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  • FÜNF BONNER MUSIKER HABEN IHRE:

    aktuellen CDs zusammengestellt:Susanne Kessel, Markus Schimpp, Jamina Gerl, Marcus Schinkel, Toni Ming Geiger und Lara Sophie Schmitt und das Beethoven-Buch von Stephan Eisel gibt es als Zugabe - alles fr 79 Euro incl. Versand. Mit diesem Geschenk knnen Sie ganz konkret Bonner Pianisten untersttzen und gute Musik genieen.

    Bestellen Sie das CD-Paket per mail anmedia122@gmx.de. Sie erhalten dann alle weiteren Informationen.

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  • IM PODCAST DES BEETHOVEN-ORCHESTER:

    sprach der leitende Dramaturg des Orchesters Tilmann Bttcher mit Stephan Eisel, dem Vorsitzenden der Brger fr Beethoven. Es ging um Beethoven und Bonn, das Beethoven-Orchester und Musik berhaupt.

    Hier knnen Sie das Gesprch nachhren:

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  • BEI DER BONNER OB-STICHWAHL ERHIELTEN:

    viele Whler ihre Briefwahlunterlagen zu spt. Noch vor der Wahl habe ich den Wahlleiter Stadtdirektor Fuchs um Aufklrung gebeten. Die Antwort besttigt die massiven Organisationsmngel, die er zu verantworten hat. Das darf man nicht auf sich beruhen lassen.

    Vor der Bonner Stichwahl zum Oberbrgermeister am 27. September 2020 habe ich den Wahlleiter Stadtdirektor Fuchs am 25. September 2020 um Aufklrung gebeten, warum viele Whler ihre Briefwahlunterlagen nicht rechtzeitig erhalten. Die Antwort vom 1. Oktober 2020 besttigt die vom Wahlleiter zu verantwortenden massiven organisatorischen Fehlentscheidungen. Die Fehler habe ich in meiner Antwort am 8. Oktober 2020 zusammengefasst. Gegen den Wahlleiter habe ich bei Landesregierung Dienstaufsichtsbeschwerde wegen fahrlssiger Verschleppung des Versands der Briefwahlunterlagen eingelegt.

    Den vollstndigen Briefwechsel von Stephan Eisel mit Wahlleiter Fuchs finden Sie hier.

    Die Dienstaufsichtsbeschwerde von Stephan Eisel gegen Wahlleiter Fuchs knnen Sie hier nachlesen.

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  • ZUM BEETHOVEN-JUBILÄUM ERSCHIENEN IST:

    das "kleine" Beethoven-Buch von Stephan Eisel unter dem Titel BEETHOVEN IN BONN. Es fasst zum Preis von 8,99 Euro auf 128 Seiten inklusive einer englischen bersetzung zusammen, was das "groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" auf ber 550 detailliert darlegt (erscheint zum Jahresende im Verlag Beethoven-Haus zum Preis von 34,80 Euro). Das "kleine" Beethoven-Buch knnen Sie sofort hier bestellen und haben es in wenigen Tagen in Ihrem Briefkasten.

    Ein Video zur Vorstellung des Buchs BEETHOVEN IN BONN finden Sie hier.

    Das "kleine" Beethoven-Buch BEETHOVEN IN BONN knnen Sie zum Preis von 8,99 € hier bestellen.Es wird Ihnen sofort zugeschickt.

    Erhltlich ist das Buch auch im Shop des Beethoven-Hauses in der Bonngasse.

    Das "groe" Beethoven-Buch BEETHOVEN - DIE 22 Bonner Jahre (ber 550 Seiten, 34,80 €) erscheint nach Pfingsten. Sie knnen es hier zum Preis von 29,80 subskribieren.

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  • GEGEN DEN WAHLLEITER:

    der Bonner Kommunalwahlen im September 2020, Stadtdirektor Wolfgang Fuchs, habe ich bei der Landesregierung Dienstaufsichtsbeschwerde wegen fahrlssiger Verschleppung der Versendung von Briefunterlagen fr die OB-Stichwahl eingelegt.

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  • DAS ERGEBNIS DER OB-STICHWAHL:

    mit dem Verlust des Rathauses an die GRNEN ist ebenso wie die Niederlage bei der Ratswahl ein schwerer Schlag fr die Bonner CDU. Das Whlervotum ist fr die Christdemokraten ein klarer Oppositionsauftrag. Dort gilt es, die Chance zur Erneuerung zu nutzen.

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    Stephan Eisel

    Klatsche fr die CDU in Bonn

    Fr die Bonner CDU waren die Kommunalwahlen im September 2020 ein Desaster. Sie verlor nicht nur die Mehrheit im Rat, sondern die Mehrheiten fr die drei (der vier) Bezirksbrgermeister, die sie bisher stellte. In der Stichwahl ging schlielich auch das Amt des Oberbrgermeisters verloren, dass man 2015 erobert hatte. Katja Drner (GRNE) folgte jetzt auf Ashok Sridharan (CDU).

    Bei der OB-Stichwahl lag die Wahlbeteiligung mit 48,6 % auergewhnlich und erfreulich hoch und war gegenber dem 1. Wahlgang mit der Ratswahl nur um 8,3 % zurckgegangen. Allerdings war die Mobilisierung sehr unterschiedlich: In den von Frau Drner deutlich gewonnen Wahlkreisen war auch die Wahlbeteiligung berdurchschnittlich. In den Sridharan-Hochburgen war die Wahlbeteiligung unterdurchschnittlich. Besonders deutlich ging die Wahlbeteiligung in Bad Godesberg zurck, wo der Brgerbund bei den Ratswahlen gut abgeschnitten hatte. Beide Kanidaten mobilisierten in etwa ihre Untersttzer aus dem 1. Wahlgang. Aber bereits damals hatte das rotrotgrne Lager mehr als 20.000 Stimmen Vorsprung vor CDU und FDP. In der Stichwahl lag Drner ca. 15.000 Stimmen vor Sridharan.

    Nach solchen Wahlniederlagen ist eine schonungslose Analyse der Ursachen unumgnglich. Sie ist die zwingende Voraussetzung fr den notwendigen Neustart in die Zukunft.

    Die Grne Welle

    Auch in Bonn war der anhaltende allgemeine politische Hhenflug der GRNEN im Bund dominierend. Schon immer waren die Grnen in der Universittsstadt strker als im Bundestrend. Sie waren schon bei der Europawahl 2019 mit deutlichem Abstand strkste Kraft geworden. Diese Sympathiewelle fr GRNEN erklrt sich nicht nur aus der Konjunktur fr das Umweltthema. Die GRNEN stellen sich insgesamt als politische Kraft mit Gestaltungswillen, ja Gestaltungsfreude dar. Ihre Reprsentanten vermitteln den Eindruck des besonderen Engagements fr die eigenen Ziele. Sie geben sich kmpferisch, gehen Diskussionen nicht aus dem Weg und ackern fr die Themen, die ihnen wichtig sind.

    Demgegenber macht die CDU einen gemchlichen Eindruck: Eher solide Verwaltung als freudige Gestaltung. Als Krisenmanager ist die Union durchaus gefragt, denn da geht es um Erfahrung und Verlsslichkeit. Bei Zukunftsentwrfen sind Unionsvertreter eher wortkarg, nur wenigen gelingt es zu zeigen, dass sie auch mit Leidenschaft bei der politischen Sache sind. Mit einem Wort: Die GRNEN wirken auf viele Brger mitreiender als die CDU.

    Koalitionstreue statt Klarheit in der Sache

    Spezifisch fr Bonn war die kommunale Situation in den letzten zehn Jahren. Das Sagen hatte im Rat eine schwarzgrne Mehrheit (ab 2014 ergnzt mit einer unaufflligen FDP). Whrend die GRNEN in dieser Koalition mit immer neuen Initiativen den Ton angaben, hechelte die CDU meist hinterher. Die Vereinbarung, nur gemeinsame Presseerklrungen abzugeben, zeigte das Problem beispielhaft: Erstens hielten sich die Grnen im Unterschied zur CDU oft nicht daran, und zweitens schrieben sie im Zweifelsfall den Entwurf der Erklrung und in der CDU war man stolz darauf, einen Halbsatz verndert zu haben.

    Allzu oft war aus der CDU-Ratsfraktion zu hren: „Wir haben doch das Schlimmste verhindert“. Bei eigenen Zielen herrschte meist Funkstille. Hier trgt die bisherige Spitze der CDU-Ratsfraktion um Klaus-Peter Gilles und Georg Fenninger eine besondere Verantwortung: Ihnen war die Stabilitt der Zusammenarbeit mit den GRNEN oft wichtiger als der Einsatz fr eigene politische Ziele. So stimmte die CDU den grnen Initiativen zum Ende des Festspielhauses, der Luxussanierung der Beethovenhalle oder der Kappung des Cityrings zu. Fr diese Koalitionstreue lieen man gerne auch den eigenen Oberbrgermeister im Regen stehen.

    So verlor die CDU ihre kommunalpolitische Erkennbarkeit. Die GRNEN setzten sich so meistens durch und wo ihnen das nicht gelang (z. B. Viktoriakarree) suchten sie sich andere Mehrheiten. Wenn sich ihre eigenen Projekte wie die Sanierung der Beethovenhalle zum Desaster wurden, waren die GRNEN nicht mehr zu sehen und verwiesen nur darauf, die CDU habe das doch (auch) beschlossen. Der verbreitete Eindruck der Hauptverantwortlichkeit der CDU fr die Kommunalpolitik der letzten zehn Jahre war die Grundlage fr den erfolgreichen GRNEN-Slogan „Bonn braucht den Wechsel“, der sich angesichts der schwarzgrnen Ratsmehrheit auch gegen die GRNEN htte richten mssen.

    Eher Abwahl als Wahl

    Wo sich Amtsinhaber der Wahl stellen, geht es auf dem Stimmzettel meist mehr um enttuschte Erwartungen und Denkzettel als um die ausdrckliche Zustimmung zu Programm und Person der Herausforderer. Das mussten in Nordrhein-Westfalen parteibergreifend die Amtsinhaber u. a. in Dsseldorf, Hamm oder Bonn erfahren. Wo Amtsinhaber nicht mehr antraten, verloren oft wie in Aachen die Kandidaten der bisher bestimmende Partei. Rundum Bonn war das in Siegburg, Hennef, Wachtberg, Lohmar, Bornheim und Rheinbach der Fall. Die GRNEN blieben von diesem Phnomen nur deshalb verschont, weil sie bisher keine Amtsinhaber stellten.

    Ashok Sridharan konnte zwar einen hohen persnlichen Sympathiebonus in die Waagschale werfen. Aber zugleich gab es viel Enttuschung ber Fehler in der Verwaltung, die ihm angelastet wurden. Dabei wurde er auch fr Missstnde in Haftung genommen, die er selbst nicht zu verantworten hatte (z. B. Beethovenhallen-Sanierung, Zentralisierung der Brgerdienste oder versptete Zusendung der Briefwahl-Unterlagen). So wie Sridharans eigener Wahlerfolg 2015 zu einem erheblichen Teil eine virtuelle Abwahl seines Vorgngers Nimptsch war, so profitierte jetzt Drner vom Denkzettel, den manche Sridharan verpassen wollten.

    Man tritt Frau Drner nicht zu nahe, wenn man konstatiert, dass die meisten Bonner sie und ihre Politik erst nach der Wahl kennenlernen werden. Als Person polarisiert sie nicht. Desswegen wird leicht bersehen, dass sie im Bundestag zum linken Flgel bei den GRNEN gehrt. Sie segelte in einem geschickten Wahlkampf quasi unter dem Radar und hat auer einer Fahrrad-Verkehrswende nicht erkennen lassen, was fr sie „Wechsel“ eigentlich inhaltlich bedeutet. Man fhlte sich etwas an den Wahlkampf erinnert, den Gerhard Schrder 1998 gegen Helmut Kohl fhrte: „“Wir werdennicht alles anders machen,abervieles besser.” Die Erwartungshaltung ihrer Anhnger und der angestrebten rotrotgrnen Ratskoalition ist freilich eine andere. Frau Drner wird so vor die Entscheidung gestellt sein, ob sie eine Oberbrgermeisterin fr die eigenen Anhnger oder fr alle Bonner sein will.

    Erneuerung in der Opposition

    Das Wahlergebnis weist der Bonner CDU eindeutig den Weg in die Opposition. Diese Chance muss sie nutzen. Die Voraussetzungen fr einen Neuanfang sind gut, denn es gibt einen Generationswechsel: die Hlfte der CDU-Stadtrte hatte 2014 noch nicht kandidiert, nur einer gehrte dem Rat schon vor 2014 an. Die neuen Stadtverordneten mssen jetzt Verantwortung als Sprecher fr die verschiedenen Sachgebiete bernehmen. Man muss der Versuchung widerstehen, wie bisher Sprecherfunktionen auerhalb der Fraktion zu vergeben. Auerdem sollten Partei und Fraktion die Chance nutzen, bei der Besetzung sachkundiger Brger auch den „vorpolitischen Raum“ einzubinden. Die CDU ist in der Stadtgesellschaft zu wenig prsent und verkmpft sich zu oft in internen Gremien. Wirtschaftssprecher gehren in die Betriebe, Kultursprecher muss man bei Kulturveranstaltungen treffen und Sportsprecher in Hallen und Stadien.

    Schlielich muss in der CDU auch zu kommunalpolitischen Themen wieder eine offene Diskussionskultur gepflegt und gefrdert werden. Die bisherige Fraktionsspitze legte darauf keinen besonderen Wert und die Fraktion hat sie auch selten eingefordert. Vor (!) Entscheidungen muss in Partei und Fraktion das Fr und Wider ausgetauscht werden, damit auch jeder wei, welche Gegenargumente es gegen sein eigenes Votum gibt. Jetzt sollte auch Mitgliedern z. B. bei Kreisparteitagen ein strkeres Gewicht zukommen. Wenn dabei Sachentscheidungen zu Loyalittsbekenntnissen zur Fraktionsfhrung umdefiniert werden, landet man in der Sackgasse.

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  • LICHT IN NRW - SCHATTEN IN BONN:

    - so lsst sich das Ergebnis der NRW-Kommunalwahlen vom 13. September 2020 zusammenzufassen. Whrend die NRW-CDU ihre Position als strkste Partei im Land festigte, wurde die Bonner CDU erstmals nicht strkste Ratsfraktion. Sie steht jetzt vor der Frage, ob sie nicht in der Opposition ihr Profil schrfen will statt im Windschatten der GRNEN zu verschwinden.

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  • AM 21. SEPTEMBER 1945 UM 18 UHR:

    wurde in der Gastwirtschaft Jacobs in der Friedrichstrae die Bonner CDU gegrndet. Grndungsvorsitzender war der Bonner Rechtsanwalt Johannes Henry, ein Freund Konrad Adenauers. An der Grndungsversammlung nahm 38 Grndungsmitglieder teil.

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  • DAS BONNER BEETHOVEN-DENKMAL:

    wurde vor 175 Jahren am 12. August 1845 enthllt.Es wurde bald das berall auf der Welt bekannte Wahrzeichen Bonns. Die Vorgeschichte war freilich kompliziert. Ohne nachhaltiges brgerschaftliches Engagement und den Einsatz von Robert Schumann und Franz Liszt wre das Vorhaben nicht verwirklicht worden.

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    Wenn Sie mehr ber Beethoven in Bonn erfahren wollen:

    Im Mrz 2020 ist von Stephan Eiseldas "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer bersetzung)erschienen, im Sommer 2020 erscheint von ihmdas "groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (ber 550 Seiten).

    Im Bonner General-Anzeiger ist zum Beethoven-Jubilumsjahr eine mehrteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen:

    Stephan Eisel

    "Bedenkt, da das Denkmal Euer eigenes sein wird"

    Wie ein elektrischer Schlag traf der Anblick des Werkes die Menge, und entlud sich in lautem, lange forthallendem Jubelruf“ – so beschrieb Gottfried Kinkel, damals Bonner Korrespondent der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ und spter Bonner Abgeordneter im Preuischen Abgeordnetenhaus, den Moment der Enthllung des Beethoven-Denkmals in Bonn um die Mittagszeit des 12. August 1845.

    Dieses Denkmal, dessen 175. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, wurde bald das berall auf der Welt bekannte Wahrzeichen Bonns. Die Vorgeschichte war freilich kompliziert. Am 5. Juli 1832 – fnf Jahre nach dem Tod des grten Sohns der Stadt – hatte das „Bonner Wochenblatt“ den Aufruf eines anonymen Einsenders abgedruckt, dass Beethoven „in seiner Vaterstadt, in der er ja auch einen Theil seiner Bildung erhielt, ein ffentlich ehrendes Denkmahl erhalten“ solle: „Die Anschauung von Beethovens Bild wrde vielleicht den Sinn fr Kunst berhaupt, fr Musik insbesondere, ganz vorzglich aber den Sinn fr seine unsterblichen Meisterwerke auch unter uns immer mehr nhren und frdern (...)“

    Zunchst tat sich nichts, aber drei Jahre spter erfolgte am 23. September 1835 die behrdliche Zulassung des „Bonner Vereins fr Beethovens Monument“. Mitinitiator und treibende Kraft war der aus Hessen stammende Musikwissenschaftler Heinrich Karl Breidenstein. Er war 1822 im Alter von 26 Jahren Musikdirektor an der Bonner Universitt geworden und wurde dort 1826 als auerordentlicher Professor Inhaber des ersten musikwissenschaftlichen Lehrstuhls in der deutschen Universittsgeschichte. Ihm kommt das groe Verdienst zu, Beethovens Musik in seiner Heimatstadt wieder ins Rampenlicht gerckt zu haben.

    Als erster Prsident des Denkmal-Komitees konnte der bekannte Literaturhistoriker August Wilhelm von Schlegel gewonnen werden. Die Mitglieder waren vornehmlich Professoren und Honoratioren. Am 17. Dezember 1835 verffentlichte der Verein zum 65. Geburtstag des Komponisten einen „Aufruf an die Verehrer Beethovens“. Darin heit es: „Selten hat ein Knstler so bedeutsam, so denkwrdig gewirkt, wie Beethoven. (...) Eine so uerst seltene, wohlthtige und weithin wirkende Erscheinung verdient es, auf eine seltene und auerordentliche Weise gefeiert zu werden, nmlich durch ein plastisches, mglichst groartiges Monument. Ueber den dazu geeignetsten Ort kann kein Zweifel sein. Die Stadt Bonn am Rheine, in welcher der unsterbliche Knstler das Licht der Welt erblickte, (...) scheint zu dem Unternehmen in gleicher Weise berechtigt, wie verpflichtet.“

    Mit dieser Erklrung war ein Spendenaufruf verbunden, und Zeitungen in ganz Europa wurden um Verffentlichung gebeten. Dazu kam es aber – selbst in den Bonner Zeitungen – erst vier Monate spter. Vorreiter war der groe Beethoven-Verehrer Robert Schumann, der am 8. April 1836 in der von ihm herausgegebenen „Neuen Zeitschrift fr Musik“ als erster berhaupt den Aufruf verffentlichte. Leidenschaftlich warb er fr das Vorhaben: „(...) erhebt euch einmal, lat ab von eurem Phlegma und bedenkt, da das Denkmal euer eignes sein wird!“ Bonn sei dafr der richtige Platz, denn Beethoven stehe zwar in Bonn und Wien in den Kirchenbchern, aber die Geburt sei doch das eindeutig erfreulichere Ereignis gewesen.

    Der erste Spender war der in Dsseldorf lebende und als Kunstmzen bekannte Prinz Friedrich von Preuen. Eine ganze Reihe von Knstlern gab Benefizkonzerte. Aber insgesamt kamen das Spendensammeln nur schleppend voran, so dass das Denkmalkomitee im November 1838 einen zweiten Spendenaufruf verffentlichte.

    Nun trat Franz Liszt auf den Plan. Er hatte 1822/23 schon als Elfjhriger die ersten Beethoven-Kompositionen im Unterricht bei dem Beethoven-Schler Carl Czerny kennengelernt. Damals ist er wohl auch Beethoven begegnet. Der in ganz Europa gefeierte Virtuose Liszt hatte seit 1836 Benefiz-Konzerte fr das Denkmal gegeben und bot am 3. Oktober 1839 in einem Schreiben an das Denkmalkomitee an, „die zur Errichtung des Denkmals noch erforderliche Summe aus meinen Mitteln zu vervollstndigen und verlange dafr kein anderes Vorrecht als das, den Knstler bezeichnen zu drfen, welchem die Ausfhrung der Arbeit bertragen wird“.

    Eine solche Festlegung lehnte das Denkmalkomitee allerdings ab. Als Franz Liszt – seit 1839 war er Ehrenmitglied des Denkmalkomitees – im Sptsommer 1840 nach Bonn kam, erklrte ihm Heinrich Breidenstein, der 1838 Vorsitzender des Komitees geworden war, dass es nicht mglich sei „die Ausfhrung des Unternehmens einem fremden auslndischen Knstler zu bertragen, da Deutschland in dieser Kunst Mnner von europischem Ruf aufzuweisen habe.“ Liszt nahm daraufhin „sogleich“ von seinem Vorschlag Abstand.

    Breidenstein berzeugte Liszt auch, dass sein Angebot, die gesamte noch fehlende Summe fr das Denkmal zu bernehmen, zwar ehrenhaft sei, aber auch Irritationen auslsen knne. Es sei besser, er wrde einen konkreten Betrag nennen. Liszt sagte daraufhin 10 000 Franken – also 2666 Taler – zu und versprach, diese Summe bei Bedarf zu erhhen. Wie sich Breidenstein spter erinnerte, stellte Liszt gleich am nchsten Tag „bei Gelegenheit einer mit dem Comit unternommenen Lustfahrt nach Godesberg“ den entsprechenden Scheck aus.

    Mit dieser Zusage von Liszt konnte das Denkmalkomitee im Oktober 1840 einen Wettbewerb mit einem Kostenrahmen von 13 000 Talern ausschreiben. Insgesamt wurden 25 Entwrfe, teils als Zeichnungen und teils als Gipsmodelle, eingereicht und von einer Jury aus sechs Sachverstndigen begutachtet. Die endgltige Entscheidung fiel dann zwischen den Entwrfen des Berliners Gustav Hermann Blser und des Dresdners Ernst Julius Hhnel. Blser hatte Beethoven mit Leier und Schriftrolle mit klassischem berwurf in der Art einer antiken Apollo-Statue dargestellt. Die Kommission entschied sich aber fr den realistischen Entwurf von Hhnel, bei dem der Komponist zeitgenssische Kleidung trug.

    Gottfried Kinkel schrieb zu dieser „groen Streitfrage unsrer bildenden Knste nach idealer oder realer Auffassung, die allerdings so schwer zu entscheiden ist“, dass „das moderne Costm auch ohne Verletzung des Schnheitsgefhls bei Statuen anwendbar ist“. Seine Frau Johanna – eine begnadete Pianistin und Beethoven-Interpretin – sah das ganz anders und meinte spter zu Blsers Entwurf: „Es ist ganz emprend, da ein solches geniales Kunstwerk dieser Philisterstatue Hhnels hat weichen mssen. Man begreift einen solchen Unsinn gar nicht.“

    Letztlich erhielt Hhnel auch den Zuschlag, weil er mit seinem Entwurf im Unterschied zu seinem Konkurrenten im vorgegebenen Kostenrahmen geblieben war. Mit ihm wurde im Februar 1842 der Vertrag zur Erstellung des Beethoven-Denkmals geschlossen, das dann in der Nrnberger Kunstgieerei von Jacob Daniel Burgschmiet fertiggestellt wurde.

    Nach Liszt war mit 1000 Talern der Wiener Hofkammerprsident Peter Joseph von Eichhoff, Sohn des Bonner Beethoven-Freundes und spteren Bonner Brgermeisters Johann Joseph von Eichhoff, zweitgrter Spender. Von zehn verschiedenen Frsten – darunter der sptere preuische Knig Friedrich Wilhelm IV. – wurden jeweils 611 Taler gespendet. Der Beethoven-Vertraute und gefeierte Pianist sowie Komponist Ferdinand Ries steuerte 550 Taler bei.

    Etwa zehn Prozent der Gesamt summe sammelte das Denkmalkomitee in Bonn ein. Darunter waren die grten Einzelspender der Klner Mzen Franz Egon Graf von Frstenberg-Stammheim mit 100 Talern und mit jeweils 50 Talern der Jura-Professor und sptere Begrnder des Evangelischen Kirchentages sowie preuische Kultusminister August von Bethmann-Hollweg, der Bonner Weinhndler Louis Mertens, August Wilhelm von Schlegel sowie der Verleger Peter-Joseph Simrock, Sohn des Beethoven-Freundes Nikolaus Simrock.

    Die Stadt beteiligte sich an der Finanzierung ihres heutigen Wahrzeichens nicht. Bonns damals erster hauptamtlicher Oberbrgermeister Karl Edmund Joseph Oppenhoff und der Rat verhielten sich dem Vorhaben eines Beethoven-Denkmals und der Durchfhrung eines ersten Beethovenfestes gegenber so abweisend, dass von Franz Liszt die erboste uerung berliefert ist: „Eine kleine Stadt kann das Glck haben, da ein groer Mann in ihr das Licht der Welt erblickte, aber kleinstdtisch darf sein Andenken nicht gefeiert werden!“

    Abgesehen von den Finanzierungsfragen gab es auch Schwierigkeiten im Hinblick auf den Standort des Denkmals. Der preuische Knig Friedrich Wilhelm III. lehnte es ab, bedeutende Persnlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft durch Statuen auf ffentlichen Pltzen zu ehren. Das sollte Herrschern vorbehalten bleiben. So verwundert es nicht, dass Karl Friedrich Schinkel als Leiter der preuischen Oberbaudeputation dem „Bonner Verein fr Beet hovens Monument“ 1837 schrieb, man solle nicht mit einer Zustimmung des Knigs zu einem Denkmal im ffentlichen Raum rechnen und stattdessen als Standort den Kreuzgang des Mnsters ins Auge fassen. Als der neue Knig Friedrich Wilhelm IV. im Juni 1840 sein Amt antrat, machte er jedoch schnell den Weg dafr frei, die Beethoven-Statue auf einem ffentlichen Platz aufzustellen.

    Aber jetzt kam es in Bonn zu einer Diskussion, wo der richtige Standort wre. So hat man in einer Leserzuschrift an die „Klner Zeitung“ „den groen Rasenplatz im Hofgarten“ vorgeschlagen. Dagegen argumentierte das „Bonner Wochenblatt“: „Wie winzig klein wrde sich hier ein Monument von 14 bis 15 Fu Hhe ausnehmen!“ Stattdessen soll man sich fr den Mnsterplatz entscheiden, weil „man glauben mchte, der Platz sei des Monumentes wegen so eingerichtet. Diese Baumgruppen, die schne Mnsterkirche, das V. Frstenbergische Hotel, und andere hbsche Huser – was bilden sie nicht von allen Seiten fr herrliche Hintergrnde!“ Auerdem sei der Platz stets belebt und „sehr bewohnt, kein Quartierchen steht leer. Hier ist die rechte Stelle fr Beethovens Monument!“ Auf dem Mnsterplatz in Bonn wurde das Beethoven-Denkmal dann im Jahr 1845 brigens zum ersten freistehenden Musiker-Denkmal im ffentlichen Raum in ganz Preuen.

    Der Tag der Enthllung am 12. August 1845 bildete den Mittelpunkt des von Franz Liszt initiierten ersten Beethovenfestes und folgte einer besonderen Choreographie: Zunchst gab es einen Festzug vom Rathaus zum Mnster, dem ein Festgottesdienst mit Beethovens C-Dur-Messe op. 86 folgte, bevor danach das Denkmal auf dem Mnsterplatz enthllt wurde. Schlielich fand ein Konzert mit Werken von Beethoven im Festspielhaus statt. Schon vor dem Gottesdienst kam es zu chaotischen Zustnden. Der fr das Mnster zustndige Pfarrer hatte nmlich den freien Zugang zur Kirche fr alle zur ausdrcklichen Bedingung fr die berlassung des Mnsters gemacht.

    So drngten sich viele Menschen in den Festzug, den Gottfried Kinkel als „wirbelndes Chaos“ beschrieb: „Sobald die Kirche aufging, strudelte die Masse, eingekeilt in das dort lngst harrende Volk, durch die Thre herein: ein Gendarm musste durch Ausschlagen seines Pferdes dicht vor der geweihten Sttte Raum schaffen, und mit Lebensgefahr wurde alles die Treppenstufen in die niedriger gebhnte Kirche hinabgestrzt. (...) in unertrglicher Enge schoben sich die Massen gegen den Hochaltar vor.“ Im gleichen Tenor heit es bei Hector Berlioz, der ebenfalls Zeitzeuge war: „Es war unmglich, zu den Kirchentren zu gelangen; die Menge versperrte alle Zugnge; man erdrckte einander ohne Scheu.“

    Auch bei der folgenden Denkmalenthllung lief nicht alles glatt. Bei groer Hitze warteten Tausende zunchst ber eine Stunde, bis endlich die britische Knigin Victoria und der preuische Knig Friedrich Wilhelm IV. versptet eintrafen. Ihnen musste dann zunchst die lange Urkunde vorgelesen werden, die in den Sockel des Denkmals eingelassen wurde, denn der Knig hatte gesagt: „Ich unterschreibe nichts, was ich nicht gelesen habe.“ Der eigentliche Festakt begann mit der Ouvertre zur Oper Fidelio, die ein Infantrie-Musikkorps spielte.

    Es folgte die Festrede von Heinrich Breidenstein und nach der Enthllung eine von ihm komponierte Kantate. Allerdings gingen die musikalischen Darbietungen ebenso wie die Festrede im allgemeinen Lrm unter. Breidenstein bezeichnete sein eigenes Werk als „dieses unbedeutende, durch Auffhrung im Freien unter lrmendem Geschrei von Tausenden und dem Geflatter von 40 von starkem Wind bewegten Fahnen ohnehin zum Opfertod bestimmte Stck“. Breidensteins Festrede stellte Beethovens „urkrftige Selbststndigkeit“ in den Mittelpunkt und betonte „dieses Bahnbrechen durch bis dahin unbekannte Regionen, diese unablssige Selbsterneuerung des schaffenden Vermgens, diesen Drang nirgends zu rasten, nirgends auch nur zweimal des Geistes Wohnung aufzuschlagen, das ist es, worin Beethoven fast einzig dasteht.“

    Hector Berlioz schilderte die folgende Szene mit den Worten: „Das pltzliche Abbrechen der sehr lebhaften Unterhaltungen zwischen den nichthrenden Zuhrern kndigte das Ende der Reden und Kantaten an, und jeder merkte auf, um zu sehen, wie man das Denkmal von seiner Hlle befreite. Als es sichtbar wurde, brach das Beifallklatschen, Hurrarufen, Fanfarenblasen, Trommelschlagen, Gewehrabfeuern, Kanonenschieen und Glockengelute, kurz, all der Bewunderungsspektakel, der bei den zivilisierten Vlkern die Stimme des Ruhmes ist, von neuem los und begrte das Bildnis des groen Komponisten.“ Der Komponist und Musikschriftsteller Ferdinand Simon Gassner – ebenfalls ein Zeitzeuge – meinte zur jetzt fr alle sichtbaren Statue: „Wahr ist es: Freundlich ansprechend ist der Anblick nicht! Idealisiert ist eben so wenig: aber Alle, die Beethoven kannten, sprachen sich ber die entschiedene Aehnlichkeit aus.“

    Erst 20 Jahre spter wurde in den Erinnerungen des Bonner Jura-Professors und Komitee-Mitglieds Ferdinand Walter jener Umstand ffentlich geschildert, der heute untrennbar mit der Denkmalenthllung verbunden wird: „Die Hlle fiel, und – die hohen Herrschaften sahen vom Balcon auf die dicken Falten des schweren Mantels und auf die struppigen Haare! Eine der Hofdamen schlug ein Gelchter auf, das bis unten gehrt wurde. Der Knig rief mit seiner hellen Stimme: Ei, der kehrt uns ja den Rcken! Herr von Humboldt, der in der Nhe stand, sagte ruhig: Ja, er ist auch schon in seinem Leben immer ein grober Kerl gewesen. Die wohlangebrachte Erheiterung machte mglichst vieles gut.“

    Nur einmal in seiner 175-jhrigen Geschichte musste das Beethoven-Denkmal seinen Standort verlassen: Als 1963 bis 1965 die Mnsterplatz-Garage gebaut wurde, musste die Statue restauriert und vor allem die durch Korrosion zerstrte Verankerung des Sockels durch ein neues Stahlgestell stabilisiert werden. Zuvor hatte sich indes ein kleines Wunder ereignet: Die Bombardierung Bonns am 18. Oktober 1944 berstand das Denkmal unbeschadet.

    Whrend der Restaurierung flammte erneut eine Diskussion auf, ob die Statue wieder auf dem Mnsterplatz aufgestellt werden solle oder an einem anderen Standort. In den Leserbriefspalten reichten die Vorschlge vom Kaiserplatz bis – erneut – zum Innenhof des Mnsters. Der Bonner Kunstschmiedemeister Karl Knig, in dessen Betrieb das Denkmal restauriert wurde, inszenierte sich daraufhin beim Rosenmontagszug am 10. Februar 1964 auf einem umjubelten Karnevalswagen als lebendes Beet hoven-Denkmal unter dem Motto „Ich well zorck zum Mnsterplatz.“ Dieser Wunsch ging dann am 28. April 1965 in Erfllung. Kurz darauf erwies im Mai 1965 nach ihrer Ur-Ur-Gromutter Victoria mit Elizabeth II. wieder eine britische Knigin Beethoven die Reverenz und legte am Denkmal Rosen nieder.

    Erst sehr viel spter wurden im 20. und 21. Jahrhundert in Bonn im ffentlichen Raum weitere Denkmler aufgestellt, die an den grten Sohn der Stadt erinnern: Im Garten des Beethoven-Hauses wurde am 17. Dezember 1905 die Beethoven-Bste des aus Lettland stammenden Bildhauers Naum Aronson enthllt – ein Bronzeguss auf einem Granitsockel. Aronson hatte im Sommer 1905 die Konzerte des siebten Bonner Kammermusikfestes besucht und seine Plastik unter dem unmittelbaren Eindruck der dort aufgefhrten Musik gestaltet. 1938 wurde am Alten Zoll in Bonn ein ursprnglich fr Berlin vorgesehenes, von Peter Christian Breuer entworfenes und von seinem Mit arbeiter Friedrich Diederich in Granit ausgefhrtes Beethoven-Denkmal aufgestellt. Es wurde dort 1949 entfernt und befindet sich seit 1977 in der Bonner Rheinaue.

    1952 erhielt Bonn anlsslich des ersten deutsch-franzsischen Kulturabkommens als Geschenk eine BeethovenBste des franzsischen Bildhauers mile-Antoine Bourdelle, die spter ihren Platz im Foyer der Beethovenhalle erhielt. 1960 wurde im Park an der Godesberger Redoute auf einer Natursteinsule ein Bronzekopf von Beethoven aufgestellt, den der in Ungarn geborene Franz Rotter modelliert hatte. Heute ist dort ein Neuguss aus dem Jahr 1968 zu sehen, da die ursprngliche Plastik nicht mehr auffindbar war. Als Beitrag zur Ausstellung „Mythos Beethoven“ anlsslich des Beethovenfestes 1986 schuf Klaus Kammerichs die Betonskulptur „Beethon“ vor der Beethovenhalle. Von Markus Lpertz stammt die viel diskutierte Bronzeskulptur „Hommage an Beethoven“, die seit 2014 am Alten Zoll steht.

    Die Wiener haben brigens mit der Skulptur von Caspar von Zumbusch erst am 1. Mai 1880 – 35 Jahre nach den Bonnern – ein Beethoven-Denkmal im ffentlichen Raum enthllt.

    DAS BONNER BEETHOVEN-DENKMAL [mehr]

  • DIE GRÜNEN SIND HAUPTVERANTWORTLICH:

    fr das Desaster bei der Luxussanierung der maroden Beethovenhalle, denn sie bestanden auf dem Erhalt der Halle und deren "denkmalgerechter" Sanierung. Die Gesamtkosten sind inzwischen auf ber 160 Mio Euro explodiert, die Fertigstellung frhestens fr 2024 vorgesehen.

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    Stephan Eisel

    Wie es zum Desaster Beethovenhalle kam

    Die Luxussanierung der Beethovenhalle ist eine der gravierendsten Fehlentscheidungen der jngeren Bonner Stadtgeschichte. Noch 2012 hatte die Stadtverwaltung die Sanierungskosten mit nur 29,8 Mio € beziffert. Beim Sanierungsbeschluss 2015 waren es bereits 60,4 Mio €. Schon damals wurden ca. 6 Mio €, die bis dahin fr Planungskosten ausgegeben waren, nicht mitgerechnet. Die neueste Kostenschtzung vom August 2020 liegt bei 160,2 Mio €. Das ist seit dem Sanierungsbeschluss eine Kostensteigerung von fast zwei Mio Euro monatlich. Zugleich verlngert sich die Bauzeit um fnf Jahre von der ursprnglich geplanten Fertigstellung 2019 zur jetzt geplanten Inbetriebnahme 2024. Vier Jahre weitere Bauzeit: Da sind eine weitere Kostenexplosion unvermeidlich und weitere zeitlich Verzgerungen sehr wahrscheinlich.

    Dieser enorme Aufwand fr eine marode Mehrzweckhalle wird betrieben, ohne dass es zu einer Verbesserung der Akustik kommt – denn es wird „denkmalgerecht“ saniert. Damit bleibt Bonn ohne einen den heutigen Ansprchen gengenden Konzertsaal. Der Schaden fr die Stadtkasse – also fr die Steuerzahler in Bonn – ist enorm und der Imageschaden fr die Beethovenstadt gro.

    Zu diesem Desaster kam es, weil es vor allem die GRNEN unnachgiebig auf dem Erhalt der alten Halle bestanden. In der bisherigen Jamaika-Ratskoalition wehrte sich die Mehrheit der CDU-Fraktion und die FDP nicht gegen den Unsinn. Der damalige SPD-OB Nimptsch trgt dabei ein groes Ma an Mitverantwortung.

    Was konkret geschehen war, zeigt ein kurzer Rckblick auf die Chronologie der Fehlentscheidungen:

    • Sommer 2009: Einstimmiger Beschluss der Jury des Architektenwettbewerbs unter Beteiligung von OB Dieckmann (SPD) die Beethovenhalle durch ein privat finanziertes Beethoven-Festspielhaus mit den Entwrfen „Diamant“ (Zaha Hadid) oder „Welle“ (Valentiny) zu ersetzen. CDU, SPD, FDP untersttzen das Vorhaben, GRNE und LINKE sind dagegen.
    • Herbst 2009: Der neu gewhlte OB Nimptsch (SPD) verlsst den Konsens und pldiert dafr, die Beethovenhalle zu erhalten.
    • April 2010: Die privaten Investoren folgen dem Vorschlag von OB Nimptsch (SPD), das Festspielhaus auf Eis zu legen. Einen Ratsbeschluss gibt es dazu nicht. Nach massiven Protest aus der Brgerschaft kommt es zu einem zweiten Anlauf fr ein Festspielhaus.
    • 24.11.2011: Der Rat beschliet auf Vorschlag von OB Nimptsch (SPD) den Erhalt der Beethovenhalle als „multifunktionale Halle“ und beauftragt die Verwaltung damit „darzulegen, welche Betriebs- und Investitionskosten in welchem Zeitraum entstehen, um dieses Konzept umsetzen zu knnen.“
    • 18.07.2013: Der Rat beschliet auf Vorschlag von OB Nimptsch (SPD) 3 Mio € fr „die Beauftragung von Planungsleistungen (Entwurfsniveau) im Hinblick auf eine Generalsanierung, bezogen auf eine multifunktionale Nutzung der Beethovenhalle“.
    • 07.05.2015: Der Rat beschliet in geheimer Abstimmung (48:27 Stimmen) auf Vorschlag von OB Nimptsch (SPD) weitere 3,2 Mio fr die parallele Planung von zwei Sanierungsmodellen fr die Beethovenhalle. Dieser Beschluss war der endgltige Sargnagel fr das privat finanzierte Festspielhaus, aus dem der Hauptinvestor Deutsche Post DHL am 16. Juni 2015 ausstieg, weil fr das Projekt „kein eindeutiger Schulterschluss innerhalb der Stadt zu erkennen ist“.
    • 10.12.2015: Der Rat beschliet in geheimer Abstimmung mit 43:35 Stimmen die Luxussanierung der Beethovenhalle und berstimmt damit den neu gewhlten OB Ashok Sridharan (CDU), der dafr pldiert hatte, nur die Betriebssicherheit der Halle herzustellen. Er wird dabei von der SPD, einer Minderheit der CDU und dem Brgerbund untersttzt. Fr die Luxussanierung hatten sich die Grnen, die Mehrheit der CDU, die FDP und die Linke ausgesprochen.

    So nahm das Unheil nahm seinen Lauf. Trotz vieler Katastrophenmeldungen von der Baustelle wurde der eingeschlagene Kurs nicht korrigiert. Dabei verlangte die Verwaltung dem Rat immer wieder unsolide Beschlsse ab, die die Ratsmehrheit leider auch fasste. Dazu nur einige Beispiele:

    • Im Sanierungsbeschluss vom 10. Dezember 2015 steht wrtlich, dass eine „vertiefte Entwurfsplanung ... aufgrund der Komplexität noch nicht abgeschlossen werden„ konnte.
    • Am 7. April 2016 beschloss der Rat den nchsten Schritt, obwohl es im Beschlusstext ausdrcklich heit, dass erst nach dem Ratsbeschluss (!) zur „internen Absicherung ... eine Plausibilisierung der vorgelegten Zahlenwerke durch das städtische Rechnungsprüfungsamt vorgenommen werden“ soll - und selbst das nur „auf einer kursorischen Ebene“.
    • Am 5. Mrz 2018 lehnte die Ratsmehrheit einen Baustopp ab und gab sich damit zufrieden, dass Projektleiter und Projektsteuerer mndlich (!) im Rat behaupten, es sei alles gar nicht so schlimm wie die Verwaltung noch am 23. Februar 2018 schriftlich mitgeteilt hatte: „fragile Bausubstanz und bisher nicht nher identifizierbare Objekte im tieferen Erdreich“ … „zum Teil auftretende Risse in den Bestandswnden“ … „erhebliche Mngel an der Bausubstanz“ … „Standsicherheit einzelner Bereiche nicht mehr gewhrleistet“ … “im gesamten Gebude nahezu flchendeckende massive Bauwerksschden“ … „erhebliche konstruktive, statische Fehler“.

    Solchen Beschlussvorlagen htte kein Ratsmitglied zustimmen drfen und gerade die bisherigen Fraktionsspitzen der Jamaika-Koalition trifft hier eine besondere Verantwortung.

    Noch wre eine Kurskorrektur mglich, denn im Wesentlichen ruht der Betrieb auf der Baustelle. Diese de-facto-Baupause sollte man nutzen, um

    1. die bisher geplante Luxussanierung radikal abzuspecken. Dazu ist unverzglich zu berprfen, welche Kosten durch die Stornierung noch nicht verbauter Auftrge entstehen. Solche Stornierungen sind sinnvoller als eine Augen-zu-Strategie der weiteren unvernderten Bauausfhrung.
    2. den Denkmalschutz aufzuheben, der besonders kostentreibend ist. Die Aufhebung des Denkmalschutzes kann durch einfachen Ratsbeschluss eingeleitet werden.
    3. unverzglich zu prfen, ob das bisherige Sanierungskonzept nicht durch die Realisierung eines Beethoven-Campus ersetzt werden kann, wie er von Gutachtern im Blick auf die notwendige Sanierung der Oper vorgeschlagen wurde.

    Die Option eines Neubaus der Oper mit einem integrierten Konzertsaal neben der Mehrzweckhalle in einer abgespeckt sanierten Beethovenhalle ist ernsthaft zu prfen. Eine Sanierung des alten Opern-Gebudes im Bestand wre nmlich nach den unsglichen Erfahrungen bei der Beethovenhalle weder verantwortlich noch zu vermitteln und riskiert die Existenz der Oper als Institution.

    Das 2014 in Florenz erffnete kombinierte Konzert- und Opernhaus ein gutes Vorbild fr Bonn. Es hat fr Oper und Konzerte aller Art einen groen Saal sowie fr Theater, Kammermusik und andere Formate einen kleinen Saal und bietet zudem noch eine Freiluftbhne. Mit ca. 150 Mio € war das neue Gebude gnstiger als die Sanierung der Beethovenhalle. Ein solches modernes Gebude ist auch im Betrieb effizienter. Es wird eine der Hauptaufgaben des knftigen Stadtrates sein, bei der anstehenden Entscheidung ber das Operngebude die Fehler der Beethovenhalle nicht zu wiederholen.

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  • BEI DER BONNER WAHL AM 13. SEPTEMBER:

    geht es um eine klare Alternative: CDU oder GRNE - wer soll die bestimmende Kraft fr Bonns Zukunftsgestaltung sein. Die GRNEN betrachten die Welt dabei nur monothematisch, die CDU will unterschiedliche Interessen im Sinne des Gemeinwohls zusammenfhren.

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    Stephan Eisel

    Worauf es bei der Kommunalwahl
    am 13. September 2020 in Bonn ankommt

    Bei Wahlen (wie in der Demokratie ganz generell) geht es nie um Entscheidungen fr ideale Lsungen, sondern um – je nach Sichtweise – die bessere Alternative oder das geringere bel. Bei der Kommunalwahl am 13. September 2020 ist diese Alternative klar: Die Brger knnen entscheiden, ob CDU oder GRNE die fhrende politische Kraft in Bonn werden. Durch den bundesweiten Absturz SPD sind die GRNEN nmlich auch in Bonn der Hauptkonkurrent der CDU geworden. Dabei geht es am 13. September (ebenso wie bei der wahrscheinlichen OB-Stichwahl am 27. September) um ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem es auf jede Stimme ankommt.

    Die Unterschiede zwischen CDU und GRNEN in Bonn lassen sich so zusammenfassen:

    • GRNE: Festspielhaus verhindert

    Aus rein ideologischen Grnden haben die GRNEN gemeinsam mit der LINKEN verhindert, dass in Bonn ein im Bau vollstndig privat finanziertes und im Betrieb wesentlich vom Bund getragenes Beethoven-Festspielhaus realisiert wurde. Bonn gingen so ber 120 Mio € an privaten Investitionen und Bundesgeldern verloren und der Beethovenstadt fehlt bis heute ein angemessener Konzertsaal.

    Die CDU hat sich im Gegensatz dazu fr die Verwirklichung des Beethoven-Festspielhauses eingesetzt.

    • GRNE: Beethovenhalle-Desaster verursacht

    Mit der Verhinderung des Festspielhauses setzten die GRNEN die „denkmalgerechte“ Luxus-Sanierung der alten Beethovenhalle durch, ohne dass es dafr solide Entscheidungsgrundlagen gab. In der Folge explodierten die Baukosten auf mehr als 160 Mio Euro, die Bauzeit verlngert sich um mindestens fnf Jahre und Bonn macht bundesweite Negativ-Schlagzeilen.

    Oberbrgermeister Ashok Sridharan (CDU) wollte statt der Luxus-Sanierung bei der Beethovenhalle nur die Erhaltung der Betriebssicherheit, wurde aber im Rat berstimmt.

    • GRNE: Viktoriakarree blockiert

    Ende 2015 verhinderten die GRNEN gemeinsam mit SPD und LINKEN die Entwicklung des Viktoriakarrees mitten in der Stadt. Ein Investor wurde ausgebremst, die Nutzung durch die Universitt blockiert und seitdem herrscht in zentraler Stelle im Stadtzentrum Stillstand mit deutlich sichtbaren folgen: Graffiti, Mll, Hausbesetzungen, Leerstnde.

    Fr die CDU sind Leerstand und Verwahrlosung mitten in der Innenstadt nicht akzeptabel. Sie hat deshalb 2019 einen Ratsbeschluss durchgesetzt, die Entwicklung des Viertels mit einem Bebauungsplan voranzubringen.

    • GRNE: Cityring gekappt

    Der seit Jahrzehnten bewhrte Cityring um die Bonner Fugngerzone wurde auf Initiative der GRNEN „gekappt“, d. h. die Durchfahrt an Schlsselpunkten gesperrt. Der Verkehr wurde stattdessen durch Wohngebiete geleitet, die Zufahrt zum Hauptbahnhof erheblich erschwert und die Mglichkeiten der Geschftsleute in der Innenstadt beschnitten.

    Auf Initiative der CDU wurde diese Fehlentscheidung im Rat wieder korrigiert.

    • GRNE: Anti-Auto-Ideologie als Fixpunkt

    Die GRNEN setzen vllig einseitig auf das Fahrrad und diskriminieren diejenigen, fr die Fahrradfahren z. B. aus Alters- und Gesundheitsgrnden oder wegen beruflicher Notwendigkeiten keine Option ist und der PNV z. B. wegen lndlicher Strukturen keine akzeptablen Angebote machen kann. Jetzt wollen sie auch die Parkgebhren selbst fr Anwohner erhhen.

    Die CDU setzt auf Verkehrspartnerschaft und will die Infrastruktur fr Fugnger, Fahrradfahrer, den PNV ausbauen. Zugleich bleibt der motorisierte Fahrzeugverkehr fr sie ein wichtiger Verkehrstrger.

    • GRNE: Mit Plebisziten in die Sackgasse

    Fr die GRNEN ist es zentraler Programmpunkt, mehr Brgerentscheide durchzusetzen. Das Ergebnis ist Stillstand in vielen fr die Stadtentwicklung wichtigen Fragen: Wenn Einzelinteressen ein Vetorecht zugebilligt wird, kommt das Gemeinwohl unter die Rder.

    Die CDU praktiziert durch ihre Verankerung in den Wahlkreisen Brgerbeteiligung vor Ratsentscheidungen, wendet sich aber gegen Brgerentscheide, die Einzelinteressen in den Vordergrund stellen und so Bonns Weg in die Zukunft blockieren.

    Man kann der Bonner CDU durchaus vorhalten, dass sie im Rat in der Jamaika-Koalition mit den GRNEN zu viel Raum gegeben hat. Leider stand die SPD als konstruktiver Partner selten zur Verfgung und hat sich – wie beim Viktoria-Karree oder dem Cityring – lieber auf die Seite der GRNEN geschlagen. Jetzt knnen die Whler nach sechs Jahren aber erneut ber die Krfteverhltnisse im Rat entscheiden.

    Das gilt auch fr die OB-Wahl: Amtsinhaber Ashok Sridharan ist die personifizierte Brgernhe und ein hervorragender Vertreter Bonns auf der nationalen und internationalen Bhne. Natrlich konnte er nicht alle Wnsche erfllen, aber seine Bilanz fr Bonn kann sich sehen lassen. Dazu gehren z. B. ca. 2000 Pltze in Kitas und OGS, ber 120 Millionen €, die in Schulen investiert wurden und ber Jahre ein ausgeglichener stdtische Haushalt, ohne Steuern zu erhhen.

    Fr Ashok Sridharan gilt: Wir wissen, was wir an ihm haben. Dagegen segelt seine Hauptkonkurrentin von den GRNEN gerne lchelnd unter dem Radar, ist aber als deren Fhrungskraft fr Fehlentscheidungen der GRNEN mitverantwortlich – vom Festspielhaus ber die Beethovenhalle bis zum Viktoria-Karree und City-Ring.

    Es ist die groe Schwche der Grnen, die Welt monothematisch zu betrachten. Wer nur Umweltpolitik sieht, hat Sozial- und Wirtschaftspolitik lngst vergessen. Wer sich auf „Fridays for Future“ fixiert, ignoriert, dass die Woche sieben Tage hat. Die Strke der CDU liegt im Ausgleich der Interessen fr das gemeinsame Ganze. Deshalb ist sie die bessere Alternative bei der Vergabe Ihrer drei Stimmen bei Wahl am 13. September

    fr Ihren rtlichen Ratskandidaten der CDU.

    fr die CDU-Kandidaten in der Bezirksvertretung.

    fr Ashok Sridharan bei der Wahl des Oberbrgermeisters.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr den August 2020 - auch mit wichtigen Fakten zur Corona-Krise

    MEINE GEDANKENANSTSSE ZU [mehr]

  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

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  • DAS WAHLALTER AUF 16 JAHRE ZU SENKEN,:

    wird insbesondere von Grnen, SPD und Linken immer wieder vorgeschlagen. Es gibt aber gute Grnde, warum das Wahlalter an die Volljhrigkeit geknpft sein sollte.

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    Eine ausfhrlichere Studie
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    Stephan Eisel

    Das Wahlalter gehrt zur Volljhrigkeit

    Wahlen entscheiden in der freiheitlichen Demokratie ber die Vergabe politischer Macht. Fragen des Wahlrechts sind deshalb auch Machtfragen und stehen in der Gefahr parteipolitisch instrumentalisiert zu werden – je nachdem von welcher Regelung sich wer bei Wahlen Vorteile verspricht. Das gilt auch fr die Festlegung des Wahlalters.

    Um dieser Gefahr vorzubeugen ist es wichtig, dass ber die Grundregeln des Wahlrechts ein mglichst breiter Konsens besteht: Je breiter der Konsens desto geringer der Verdacht parteipolitischer Instrumentalisierung durch die jeweilige Mehrheit. Es ist deshalb wohl begrndet, dass Wahlrechtsgrundstze – darunter auch die Festlegung des Wahlalters - in Deutschland meist Verfassungsrang haben und nur mit einer 2/3 – Mehrheit gendert werden knnen.

    Artikel 38 Abs. 2 des Grundgesetzes legt zur Wahlberechtigung fr die Wahlen zum Deutschen Bundestag (und damit auch zum Europaparlament) fest: „Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; whlbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljhrigkeit eintritt.“ Die Volljhrigkeit wird im Brgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt, wo es in Artikel 2 heisst: „Die Volljhrigkeit tritt mit der Vollendung des 18. Lebensjahres ein.“

    Eine Absenkung des Wahlalters unter die Volljhrigkeitsgrenze von 18 Jahren auf Landes- und Kommunalebene erfolgte bisher immer nur im parteipolitischen Streit und – mit Ausnahme von Brandenburg und Hamburg – nur dort, wo dies mit einfacher Mehrheit mglich war.

    Wer die Festlegung des Wahlalters der parteipolitischen Instrumentalisierung entziehen will, braucht dafr ein mglichst breit akzeptiertes Kriterium. Hier hat sich national wie international die Volljhrigkeitsgrenze durchgesetzt und bewhrt. Dafr gibt es im Wesentlichen drei Grnde:

    • Der innere Zusammenhang zwischen Wahlalter und Volljhrigkeit konkretisiert sich vor allem in der Frage, warum jemand ber die Geschicke der Gesellschaft mitentscheiden soll, dem diese Gesellschaft die Volljhrigkeit verweigert, weil sie ihn fr noch nicht reif genug hlt, seine eigenen Lebensverhltnisse selbststndig zu regeln.

    • Eine Abkoppelung des Wahlalters von der Volljhrigkeit fhrt zu vllig willkrlichen Altersgrenzen. So werden in der politischen Debatte die Altersgrenzen 16 Jahre, 14 Jahre oder 7 Jahre vorgeschlagen bzw. die Abschaffung jeder Altersgrenze gefordert. Ein nachvollziehbares Kriterium fr die Festlegung einer bestimmten Altersgrenze unterhalb der Volljhrigkeit ist nicht erkennbar.

    • Die Abkoppelung des aktiven Wahlalters von der Volljhrigkeit fhrt zwangslufig zur Trennung von aktivem und passivem Wahlrecht. Fr Minderjhrige gibt es nmlich einen unauflsbaren Widerspruch zwischen der Freiheit des Mandats und der Einschrnkung ihrer Entscheidungsfreiheit durch den Jugendschutz und den Entscheidungsvorrang von Erziehungsberechtigten. Ohne passives Wahlrecht wird Whlern aber die Mglichkeit verwehrt, Vertreter ihrer eigenen Altersgruppe zu whlen.

    Es ist widersprchlich, dass Initiativen zur Senkung des Wahlalters nicht mit der Forderung nach einer Absenkung der Volljhrigkeitsgrenze verbunden werden. Dadurch wird ein Prinzip aufgebrochen, das alle demokratischen Verfassungen in Deutschland zu etablieren suchten, dass nmlich Brgerrechte wie das Wahlrecht und Brgerpflichten zwei Seiten einer Medaille sind. Vornehmste Brgerpflicht ist nmlich die bernahme der vollen Verantwortung fr die Folgen des eigenen Handelns wie sie mit der durch die Volljhrigkeit gewhrten vollstndigen Entscheidungsfreiheit des Brgers einsetzt. Das Wahlrecht als zentrales Brgerrecht wird durch diese Brgerpflicht legitimiert.

    Dabei ist zu beachten, dass unsere Rechtsordnung zwischen Rechts- und Geschftsfhigkeit unterscheidet: Von Geburt an sind Brger rechtsfhig, sie knnen also beispielsweise Eigentmer, Steuerzahler, Aktionre oder Erben sein. Aber erst mit der Geschftsfhigkeit drfen sie diese Rechte selbststndig auszuben. Die unbeschrnkte Geschftsfhigkeit wird mit der Volljhrigkeit erreicht. Davor nehmen die Erziehungsberechtigten ganz und mit zunehmendem Alter der Kinder schrittweise eingeschrnkt deren Rechte wahr. Grundlegend dafr ist Art. 6 des Grundgesetzes, der die Erziehung von Kindern nicht nur als Recht, sondern auch als Pflicht von Eltern beschreibt: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natrliche Recht der Eltern und die zuvrderst ihnen obliegende Pflicht. ber ihre Bettigung wacht die staatliche Gemeinschaft.”

    Nach dem Jugendschutzgesetz ( 1) sind dabei „Kinder Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind” und „Jugendliche Personen, die 14, aber noch nicht 18 Jahre alt sind”. Auf dieser Grundlage legt unsere Rechtsordnung weitere differenzierte Altersgrenzen fest:

    16-Jhrige drfen in Deutschland nach dem Straenverkehrsgesetz Mofa fahren und mit 17 Jahren eine Fhrerscheinprfung ablegen, aber nicht ohne Begleitung eines Erwachsenen ein Auto lenken. Sie drfen in der ffentlichkeit Bier trinken, aber keine hochprozentigen Alkoholika ( 9 Jugendschutzgesetz). Ohne Begleitung Erwachsener drfen sie Kinos, Diskotheken oder Gaststtte nur bis Mitternacht besuchen ( 4, 5 und 11 Jugendschutzgesetz). 16-Jhrige knnen zwar ein Testament „errichten” ( 2229 BGB), aber die uneingeschrnkte Testierfhigkeit gilt erst ab der Volljhrigkeit ( 2247 BGB). Heiraten darf man zwar ab 16, aber nur wenn ein Familiengericht dazu die Genehmigung erteilt und der Ehepartner bereits volljhrig ist. Mit Vollendung des 17. Lebensjahres kann man sich zwar als „Freiwillig Wehrdienstleistender“ bei der Bundeswehr verpflichten, wird aber dort bis zur Volljhrigkeit nur ausgebildet und nicht eingesetzt.

    Auch wenn bereits ab dem 7. Lebensjahr eine eng begrenzte beschrnkte Geschftsfhigkeit ( 106 BGB) und bedingte Verschuldungsfhigkeit ( 828 BGB) einsetzt, sind Kaufvertrge, die von Jugendlichen unter 18 Jahren ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters geschlossen werden, nur wirksam, wenn sie aus Mitteln bezahlt werden, die ihnen vom gesetzlichen Vertreter oder mit dessen Zustimmung von einem Dritten berlassen worden sind. Dieser sog. „Taschengeldparagraph” ( 110 des BGB) gilt bis zur vollen Geschftsfhigkeit mit Erreichen des 18. Lebensjahres. Minderjhrige haften auch nicht uneingeschrnkt fr Schden, die sie anderen zufgen ( 828 BGB). Grundstzlich gilt als umgangssprachliche bersetzung der Vorschriften des Brgerlichen Gesetzbuches bis zur Volljhrigkeit: „Eltern haften fr ihre Kinder”.

    Teilweise wurde die Entscheidungsfreiheit von 16- und 17-Jhrigen sogar in den letzten Jahren in breitem politischem Konsens durch die Anhebung von Altersgrenzen weiter eingeschrnkt. So drfen sie seit 2009 weder Zigaretten kaufen noch in der ffentlichkeit rauchen ( 10 Jugendschutzgesetz) und auch keine Sonnenstudios besuchen ( 4 „Gesetz zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen”). Im Strafprozessrecht wurde im gleichen Jahr der besondere Schutz von Opfern und Zeugen durch Ausschluss der ffentlichkeit ebenfalls von 16 auf 18 Jahre angehoben. Das am 18. Juni 2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Prventionsgesetz hat die Altersgrenze fr die Gesundheitsuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter ebenfalls von 16 auf 18 Jahre angehoben. Auch sog. „Schnheitsoperationen“ oder Eingriffe wie eine Augenlaserkorrektur sind vor der Volljhrigkeit ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten nicht mglich.

    Ausgerechnet die Vollendung des 16. Lebensjahres als Grenze fr das aktive Wahlrecht einzufhren, ist vllig willkrlich. Neben der Volljhrigkeit ist im deutschen Rechtssystem nmlich am ehesten die Strafmndigkeit ab dem 14. Lebensjahr ein wesentlicher Einschnitt. Im 19 des Strafgesetzbuches heit es: „Schuldunfhig ist, wer bei Begehung der Tat noch nicht vierzehn Jahre alt ist.” Auch das „Gesetz ber die religise Kindererziehung” regelt (bereits in der Ursprungsfassung von 1921) in 5: „Nach der Vollendung des vierzehnten Lebensjahrs steht dem Kind die Entscheidung darber zu, zu welchem religisen Bekenntnis es sich halten will.” Mit dem Erreichen des 16. Lebensjahres werden hingegen nur einige Einschrnkungen des Jugendschutzes gelockert (z. B. Ausgang ohne Erwachsenenbegleitung bis 24 Uhr).

    Wie willkrlich die Abkoppelung des Wahlalters von der Volljhrigkeit ist, zeigt sich auch daran, dass sich Debatte einseitig auf das aktive Wahlrecht beschrnkt. Vorschlge zur Absenkung des passiven Wahlalters sind nicht bekannt. Dennoch ist hufig das Argument zu hren, man msse Jugendlichen durch die Absenkung des Wahlalters die Vertretung ihrer (wie auch immer definierten, vermeintlich gemeinsamen) eigenen Interessen ermglichen. Die eigenstndige Vertretung ihrer Interessen wre freilich nur dann mglich, wenn minderjhrige Jugendliche nicht nur whlen drfen, sondern auch whlbar wren.

    Immer wieder werden fr und gegen die Senkung des Wahlalters Grnde angefhrt, die im Blick auf das Wahlrecht keine Rolle spielen (sollten). Dazu gehren – unabhngig davon, ob sie berhaupt sachlich zutreffen – vor allem die Behauptungen,

    • Jugendliche seien im Blick auf ihre Urteilsfhigkeit auch vor der Volljhrigkeit reif genug bzw. zu unreif, an Wahlen teilzunehmen: Eine „Wahlreifebeurteilung” wird aber auch bei den Wahlberechtigten ab 18 Jahren nicht vorgenommen. Das Konzept eines nach Prfung erteilten „Wahlfhrerscheins” ist demokratiefremd.
    • minderjhrige Jugendlicher htten ein berdurchschnittlich hohes bzw. besonders geringes Interesse an Politik: In der Demokratie ist Politikinteresse allerdings keine Voraussetzung der Wahlberechtigung. Freiheitliche Demokratie akzeptiert das Recht der Politikferne ohne es mit einem Entzug des Wahlrechts zu sanktionieren.
    • eine Senkung des Wahlalters wrde die Wahlbeteiligung in die eine oder andere Richtung beeinflussen: Das demokratische Wahlrecht besteht jedoch unabhngig davon, ob es tatschlich ausgebt wird und was dies fr die Wahlbeteiligung bedeutet.

    Der Streit um diese Gesichtspunkte bestimmt zwar oft die Auseinandersetzung um das richtige Wahlalter, lenkt aber vom entscheidenden Thema ab: Nach welchen allgemein akzeptierten Kriterien kann das aktive und passive Wahlrecht frei von politischem Manipulationsverdacht festgelegt werden.

    Eine Abkoppelung der Wahlberechtigung von der Volljhrigkeit lsst sich nicht plausibel begrnden. Es ist ein offenkundiger Widerspruch, jemanden vor der Volljhrigkeit die uneingeschrnkte Entscheidungshoheit ber das eigene Leben zu verweigern, ihm aber zugleich die volle Entscheidungsgewalt ber Fragen der Gesellschaft insgesamt zu bertragen. Vielleicht liegt darin auch der Grund dafr, dass in Meinungsumfragen selbst die betroffenen 16/17-Jhrigen mehrheitlich eine Senkung des Wahlalters ablehnen.

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  • DIE GRÜNEN LEGEN BONN LAHM:

    wie die Beispiele Cityring, Viktoriakarree und Beethovenhalle zeigen. Wie widersinnig grne Politik dabei ist, zeigen beispielsweise die Beschlsse dem Cityring, durch die der Autoverkehr zum Bahnhof zu langen umweltschdlichen Umwegen durch Wohngebiete gezwungen wird.

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    Wie die GRNEN Bonn lahmlegen

    Cityring – Viktoriakarree - Beethovenhalle

    In der Bonner Kommunalpolitik geben seit Jahren die GRNEN den Ton an. Sie sind zwar nur die drittstrkste Fraktion im Stadtrat, aber die Koalitionspartner CDU und FDP setzen ihren Initiativen zu selten etwas entgegen und wo opportun besorgen sich die GRNEN Mehrheiten mit den Stimmen von SPD und LINKEN. Mit ihrer ideologischen Herangehensweise legen die GRNEN so Schritt fr Schritt die Stadt lahm und verbauen wichtige Zukunftsperspektiven. Werden sie ertappt, verstecken sie sich hinter der Jamaika-Koalition nach dem Motto „Die andern sind schuld“.

    Cityring gekappt

    Jngstes Bespiel ideologischer Politik auf Kosten der Zukunft Bonns sind die von den GRܭNEN initiierten Ratsbeschlsse zur Verkehrspolitik. Der seit Jahrzehnten bewhrte Cityring um die Bonner Fugngerzone soll jetzt „gekappt“ werden, d. h. die Durchfahrt wird an Schlsselpunkten gesperrt. Treibende Kraft ist dabei die grne Anti-Auto-Politik, die jene Bevlkerungsgruppen diskriminiert, fr die Fahrradfahren z. B. Aus Alters- und Gesundheitsgrnden keine Option ist und der PNV z. B. wegen lndlicher Strukturen keine akzeptablen Angebote machen kann. Von Verkehrspartnerschaft mit einem ausgewogenen Angebot fr Fugnger, Radfahrer, PNV-Nutzer und Autofahrer halten die GRNEN nichts. Das Beispiel der knftigen Erreichbarkeit des Hauptbahnhofs von der Kennedybrcke zeigt das widersinnige Ergebnis mit der Folge hherer Umweltbelastung.

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  • DER BONNER MUSIKER BEETHOVEN:

    entwickelte am Rhein besondere Fhigkeiten an Tasten und Saiten. Als erim November 1792 nach Wien reiste, verlie er Bonn als auergewhnlicher Musiker mit besonderen Fhigkeiten, die in der Kaiserstadt von Anfang an groen Eindruck machten.

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    Wenn Sie mehr ber Beethoven in Bonn erfahren wollen:

    Im Mrz 2020 ist von Stephan Eiseldas "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer bersetzung)erschienen, im Sommer 2020 erscheint von ihmdas "groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (ber 550 Seiten).

    Im Bonner General-Anzeiger ist zum Beethoven-Jubilumsjahr eine mehrteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen:

    Stephan Eisel

    Der Bonner Musiker Beethoven (oder: An Tasten und mit Saiten)

    „An einem Abend spielte am Hof Beethoven ein Klavierkonzert von Mozart und bat mich, die Seiten umzublttern. Aber ich war stndig damit beschftigt, die gerissenen Saiten aus dem Klavier herauszuziehen, whrend die Hmmer in den gerissenen Saiten festhingen. Beethoven bestand darauf, das Konzert fertig zu spielen, und so sprang ich hin und her, um Saiten herauszuziehen, Hmmer zu entwirren, Seiten umzublttern und arbeitete hrter als es Beethoven tat.“

    Was sein gleichaltriger Musikkollege Anton Reicha, hier aus den gemeinsamen Bonner Tagen schildert, wirft ein Schlaglicht auf Beethovens mit Leidenschaft gepaartes auergewhnliches Talent als Musiker. Sein Lehrer Christian Gottlob Neefe hatte dem Zwlfjhrigen bereits 1783 attestiert: „Er wrde gewi ein zweyter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fortschritte, wie er angefangen.“

    Schon in frhem Alter hatte Ludwig van Beethoven das pianistisch sehr anspruchsvolleWohltemperierte Klaviervon Johann Sebastian Bach gespielt. Spter erinnerte sich dazu der Bonner Musiker und Verleger Nikolaus Simrock, der schon 1776 eine Abschrift der noch nicht gedruckten Komposition besa: „Die Präludien und Fugen verehrte ich dem jungen Beethoven im neunten Jahr seines Alters unter der Bedingnis, da er mir bald etwas davon spielen möge, welches auch eben nicht lange währte. Er studierte täglich mit ganzer Seele daran!“

    Seinem Schler Carl Czerny erzhlte Beethoven in Wien, er habe in Bonn „in seiner Jugend Tag und Nacht gebt“. Bach blieb dabei fr ihn ein zentraler Bezugspunkt. Spter sagte er einmal: „nicht Bach, sondern Meer sollte er heien, wegen seines unendlichen unausschpfbaren Reichthums von Toncombinationen und Harmonien.“

    Als Siebenjhriger absolvierte Beethoven in Kln seinen ersten ffentlichen Auftritt am Klavier. Sein erster Lehrer war der eigene Vater. Wohl auch weil er aus eigener Anschauung den fordernden Berufsalltag eines Hofmusikers kannte, wollte er seinem Sohn das unverzichtbare musikalische Handwerkszeug mit auf den Weg geben, auf das auch der berdurchschnittlich Talentierte nicht verzichten kann. Dabei legte er Wert auf Disziplin. So erzhlt Bckermeister Gottfried Fischer – Sohn des Vermieters der Beethovenschen Wohnung in der Rheingasse – ber den Geigenunterricht: „Ludwig spielte mal ohne Nohten, zufllig kam sein Vater herein, sagt, was kratz du denn da wider Dummes Zeüg durcheinander, du weis das ich das gar nicht leiden kann, kratz nach den Nohten, sonst wird dein kratzen wenig nutzen.“

    Von dem Bckermeister wissen wir auch, dass der Vater schon frh das auergewöhnliche Talent seines Sohnes erkannt hatte: „Joh: v: Beethoven mit dem Ausdruck mehrmal gesagt, mein Sohn Lutwig da habe ich getz meine einzige Freüde, er nimmt in der Musick und Componiren so zu, er wird von alle Bewunderungswürtig angesehen. Mein Lutwig, Mein Lutwig, ich sehe es ein. Er wird mit der Zeit ein groer Mann in der Weld werde.“

    Es gehrt zu den Verdiensten von Johann van Beethoven, dass er sich frh eingestand, seinem talentierten Sohn nichts mehr beibringen zu knnen, und andere Lehrer suchte. Neben dem hochbetagten Hoforganist Gilles van den Eeden und den jungen Hofmusikern Tobias Friedrich Pfeifer sowie Franz Georg Rovantini waren dies fr den Orgeldienst, den Beethoven schon frh begann, Pater Willibaldus in der damaligen Franziskanerkirche in der Stockenstrae (1794 skularsiert, dann als Lager genutzt, spter Wohnungen und Bros, im 2. Weltkrieg zerstrt) und an der greren Orgel in der Minoritenkirche (heute Remigiuskirche) Pater Hanzmann. Dort spielte Ludwig auch hufig die Frhmesse um 6 Uhr. Der Spieltisch dieser Orgel befindet sich heute im Beethoven-Haus.

    Ab 1782 kam der neue Hoforganist Christian Gottlob Neefe als wohl einflussreichster Bonner Beethoven-Lehrer dazu. Er war als Komponist und Musikdirektor eine feste Gre im deutschen Musikleben, und der junge Beethoven vertrat ihn bald an der Orgel. Neefe schrieb damals an einen Bekannten: „Ich spiele nun mit dem jungen Beethoven, der ein vortrefliches Talent besitzt, wechselweise die Orgel.“ Dem Breslauer Organist Karl Gottlieb Freudenberg sagte Beethoven 1825: „[Ich] spielte in meiner Jugend viel die Orgel … Einen Organisten stelle ich, wenn er Meister seines Instruments ist, unter den Virtuosen oben an.“

    Neefe bertrug Ludwig van Beethoven schon frh auch die Aufgabe der musikalischen Leitung von Theaterproben am Cembalo. So bernahm dieser im Alter von nur 12 Jahren die Rolle des begleitenden Cembalisten und spielte als Korrepetitor die Orchesterpartitur, wenn Snger, Tnzer oder Schauspieler am Theater ihre Rollen einstudierten. Dies belegt nicht nur sein schon damals auergewhnliches Talent, sondern zeigt auch, wie weit Beethovens Ausbildung damals schon vorangeschritten war. Mit seiner in Bonn erlernten Fhigkeit selbst schwere Partituren vom Blatt zu spielen, beeindruckte er auch in Wien seine Zuhrer immer wieder.

    1784 wurde Ludwig van Beethoven als stv. Hoforganist Mitglied der Bonner Hofkapelle und damit Berufsmusiker. Wie Gottfried Fischer berichtet, war dies auch mit einer Uniform als besonderem Statussymbol verbunden: “See grne Frackrock, grne, kurze Ho mit Schnalle, weie Seite oder schwarze Seide Strmpf. Schuhe mit schwarze Schlpp, weie Seide geblmde West mit Klapptaschen, mit Shappoe, das West mit chte Goldebe Kort umsetz, Fisirt mit Locken und Haarzopp, Klackhud, unterm linken Arm sein Dgen an der linken seite mit einer Silberne Koppel“.

    Beethovens pianistische Entwicklung war in der Bonner Zeit atemberaubend, wobei er sich vor allem als Autodidakt weiterentwickelte, denn an den Tasten bertraf er bald seine Lehrer. Auch seine Kompositionen waren inzwischen weit ber Bonn hinaus bekannt. So bewarb dieWiener Zeitungschon am 13. August 1791 – also ber ein Jahr vor seiner Ankunft in der Kaiserstadt – BeethovensVierundzwanzig Variationen ber die Ariette "Venni Amore" von Vincenzo Righini fr KlavierWoO65.

    Um dieses Werk ging es auch beim Besuch einiger Hofmusiker – darunter Beethoven - bei dem renommierten Pianisten, Komponisten und Kapellmeister Franz Xaver Sterkel in Aschaffenburg, als die Bonner Hofkapelle nach Mergentheim reiste. Nikolaus Simrock erinnert sich daran, dass Sterkel dabei den Wunsch gehabt habe „besonders seine unlngst in Maynz gestochenen Variationen ber das Thema von Righini, Vieni Amore, von ihm [Beethoven] selbst spielen zu hren: da er gestehe, sie seyen ihm zu schwer, er knne sie nicht spielen – darauf suchte Herr Sterkel in einem Pack Musik, konnte aber das Exemplar nicht finden; wir hatten nun etwas Mhe Beethoven zu bewegen, da er solche auswendig spielen mge. Es schien uns allen, Herr Capellmeister glaubte, Beethoven habe sie zwar geschrieben, knne sie aber vielleicht selbst nicht spielen. Dies bemerkte Beethoven selbst. Nun setzte er sich und spielte sie zum Erstaunen der gegenwrtigen Bnnischen, die ihn noch nie so gehrt, ganz in der Manier des H. Capellmeister mit der grten Zier und brillanten Leichtigkeit, als seyen diese schweren Variat. wirklich ebenso leicht wie eine Sterkelsche Sonate, und hngte hieran noch ein paar ganz neue! Herr Capellmeister war in seinem Lobe unerschpflich …“

    1789 begann Beethoven seinen zustzlichen Orchesterdienst als Bratscher. Ein Virtuose musste er auf diesem Instrument nicht sein, denn in der amtlichen Orchesterbeschreibung hie es damals: „Konzertierende Bratschen werden von konzertspielenden Violinisten gespielt.“ Im Juli 1791 wurde Beethoven bei einer Auflistung der Hofmusiker so hufig genannt wie kein anderer, nmlich gleich an drei Stellen: als Organist, Bratschist und mit dem Hinweis „Klavierkonzerte spielt Hr Ludwig v. Beethoven“. Beethovens Dienst-Bratsche ist brigens heute ein wichtiges Ausstellungsstck im Bonner Beethoven-Haus.

    Als Orchestermusiker lernte Beethoven nicht nur das neueste Repertoire durch eigenes Mitspielen kennen, sondern gehrte zugleich einem auergewhnlichen Klangkrper mit damals etwa 40 Musikern an. So hie es im November 1791 in derMusikalischen Korrespondenz der Teutschen Filharmonischen Gesellschaftber die Bonner Hofkapelle: „Das Orchester war vortreflich besezt; besonders gut wurde das Piano und Forte, und das Crescendo in obacht genommen. …Eine solche genaue Beobachtung des Piano, des Forte, des Rinforzando, eine solche Schwellung, und allmhlige Anwachsung des Tons, und dann wieder ein Sinkenlassen desselben, von der hchsten Strke bis zum leisesten Laut, …. Besonders wird man nicht leicht ein Orchester finden, wo die Violinen und Bsse so durchaus gut besezt sind, als sie es hier waren.“

    Auf den Komponisten Beethoven hatte die Erfahrung des Orchestermusikers groen Einfluss. Er schrieb fr einen Klangkrper, den er selbst aus dem Innenleben kannte. Zugleich waren an den Solo-Instrumenten Klavier und Orgel seiner improvisatorischen Kreativitt kaum Grenzen gesetzt. Der Bonner Beethoven-Freund Franz Gerhard Wegeler erinnerte sich spter: „Als Beethoven einst im Breuningschen Hause phantasirte, (wobei ihm hufig aufgegeben ward, den Charakter irgend einer bekannten Person zu schildern,) drang man dem Vater Ries eine Violine auf, um ihn zu begleiten. Nach einigem Zgern gab dieser nach und so mag wohl damals zum ersten Mal von zwei Knstlern zugleich phantasirt worden sein.“

    Auch der mit Beethoven seit den frhen Wiener Jahren gut bekannte Ignaz Xaver Ritter von Seyfried beschrieb dieses besondere Talent des Bonner Neuankmmlings: „Aber das eigentliche Feld der Ehre des genialen Kunstjngers war die freye Phantasie, und die Fertigkeit, ein aufgegebenes Motiv zu bearbeiten, und thematisch durchzufhren.“

    hnliches brichtete der hochgeachtete Pianist Abb Joseph Gelinek, ber den zwanzig Jahre jngeren Beethoven Mitte 1793 nach einem Klavier-Duell: „Er phantasierte auf ein von mir gegebenes Thema, wie ich selbst Mozart nie phantasieren gehrt habe … und er bringt auf dem Klavier Schwierigkeiten und Effekte hervor, von denen wir uns nie etwas haben trumen lassen.“

    Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Beethoven Bonn im November 1792 als auergewhnlicher Musiker verlie und vom Rhein nach Wien die besonderen Fhigkeiten mitbrachte, mit denen er in der Kaiserstadt von Anfang an groen Eindruck machte.

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  • BEIM CITYRING IN BONN HAT DIE CDU:

    das Chaos beendet und die Rckkehr zu einer jahrzehntelang bewhrten Lsung ermglicht. Durch eine Neuregelung war seit Anfang 2020 der Verkehr durch Wohngebiete und zu langen Umwegen auf dem Weg zum Hauptbahnhof gezwungen worden. Das war nicht nur umweltschdlich, sondern auch fr die Verkehrsteilnehmer vllig verwirrend.

    Es war richtig und notwendig, dass die CDU-Ratsfraktion in Bonn im Stadtrat beantragt hat, die Durchfahrten von der Kaiserstrae und der Rathausgasse zum Bonner Hauptbahnhof wieder zu ffnen. Bonn braucht ein durchlssiges, leistungsfhiges Verkehrsnetz in der Bonner Innenstadt.

    Die CDU hat durchgesetzt, die Verkehrsfhrung so zu ndern, dass der Cityring ber Rathausgasse, Strae am Hof ber die Wesselstrae und Maximilianstrae fr den MIV wieder geffnet wird, so dass er am Hauptbahnhof vorbeifahren kann. In der Maximilianstrae soll die Einbahnstrae vom Kaiserplatz bis zur Wesselstrae wieder gedreht werden, so dass die Durchfahrt von der Kaiserstrae bis zum Hauptbahnhof vorbei wieder mglich ist.

    Die im Januar 2020 vom Rat auf Drngen von Grnen und SPD in einem chaotischen Abstimmungsverfahren mit knapper Mehrheit beschlossene Regelung hat Verkehr in Wohngebiete und zu langen Umwegen gezwungen. Zugleich war die Verkehrsfhrung sehr verwirrend.

    Mit dem Vorschlag der CDU werden unntige Emissionen vermieden und eine bessere Verteilung der Verkehrsstrme in der Bonner Innenstadt erreicht.

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  • FÜR BEETHOVEN WAR DIE AUFKLÄRUNG:

    ein bestimmendes Thema seiner 22 Bonner Jahre und hat ihn und sein Werk sein ganzes Leben geprgt.Bonn war zu Beethovens Zeiten als Residenzstadt Zentrum des staatlichen und kulturellen Lebens und zugleich ein Ort groer geistiger Offenheit.

    Wenn Sie mehr ber Beethoven in Bonn erfahren wollen:

    Im Mrz 2020 ist von Stephan Eiseldas "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer bersetzung)erschienen, im Sommer 2020 erscheint von ihmdas "groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (ber 550 Seiten).

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    Dabei handelt es sich um den 4. Teilder achtteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel zum Beethoven-Jubilum im General-Anzeiger:

    Stephan Eisel

    Beethoven und die Aufklrung:
    „Wo es nur noch Menschen geben wird“

    Ein Ungeheuer, sein Name Fanatismus“ sei aus den „Tiefen der Hlle entstiegen“. Es habe sich ausgebreitet „und es ward Nacht“. Besiegt habe es Kaiser Joseph als aufgeklrter Herrscher: „Da stiegen die Menschen an’s Licht“. So beschrieb es der junge Bonner Dichter Severin Anton Averdonk in seinem Text fr eine Trauerkantate auf den Tod des Kaisers am 20. Februar 1790.

    Den prestigetrchtigen Auftrag, den Text fr eine Trauerfeier zu vertonen, erhielt der 19-jhrige Ludwig van Beethoven. Kaiser Joseph II. war ein Bruder des in Bonn residierenden Klner Kurfrsten Max Franz. Beethovens so entstandene Kantate auf den Tod Josephs II. fr Solostimmen, Chor und Orchester WoO 87 wirft ein Schlaglicht darauf, wie sehr Bonn damals von den Werten der Aufklrung geprgt war und zeigt zugleich, wie aktuell sein Werk immer wieder ist.

    Bonn war zu Beethovens Zeiten als Residenzstadt Zentrum des staatlichen und kulturellen Lebens und zugleich ein Ort groer geistiger Offenheit. Kurfrst Max Franz war ein liberaler Regent, der sich nicht nur mit konkreten Reformen den Werten der Aufklrung verpflichtet sah, sondern sich auch durch seinen bescheidenen Lebensstil von absolutistischer Prunksucht abgrenzte. Angesichts der Franzsischen Revolution wollte er zeigen, dass es keines Umsturzes bedurfte, um das Leben fr die Menschen zu verbessern.

    In einem Brief vom 29. April 1790 an seinen einige Monate spter ebenfalls zum Kaiser gekrnten Bruder Leopold schrieb Max Franz: „So sehr ich abgeneigt bin, jemals ein Helfershelfer der Tyrannei und Qulerei zu sein, ebenso bin ich aufs lebhafteste und uneigenntzigste vom Eifer beseelt fr die Erhaltung der Formen der Regierung, ohne die man allen Schrecken ausgesetzt ist, wovon Frankreich uns tglich Beispiele liefert.“ Weder wollte er franzsische Revolutionre in Bonn sehen noch Revolutionsflchtlinge, denen er vorwarf, „durch ihr zgelloses und intrigantes, eigenntziges Betragen die Revolution herbeigefhrt“ zu haben.

    Max Franz hatte schon bei seinem Antrittsbesuch in Bonn fr sich die klare Leitlinie formuliert: „Trachte dein Volk klglich zu regieren und glcklich zu machen.“ So wehrte er sich als Klner Erzbischof im Nuntiaturstreit gegen die stndigen Zensurversuche des Vatikans gegen liberales Gedankengut und setzte gemeinsam mit den Erzbischfen von Mainz, Salzburg und Trier im August 1786 in der „Emser Punktation“ der ppstlichen Gerichtsbarkeit im eigenen Herrschaftsgebiet klare Schranken.In der Regierungszeit von Max Franz konnten sich Ideen der Aufklrung in Bonn weitgehend ungehindert Bahn brechen. Dabei ist auffllig, dass gerade Musiker und Musikliebhaber hier eine zentrale Rolle spielten. Als in Bonn 1781 eine Sektion des Geheimbundes der „Illuminaten“ entstand, der durch sittliche Verbesserung die Herrschaft von Menschen ber Menschen berflssig machen wollte, gehrten zu der zwlfkpfigen Gruppe Beethovens Lehrer Christian Gottlob Neefe ebenso wie die Hofmusiker Franz Anton Ries und Nikolaus Simrock.

    Nach der Auflsung der Bonner Illuminatengruppe 1785 waren zwei Jahre spter mit Neefe, Ries und Simrock und dem neuen kurfrstlichen Musikdirektor Joseph Reicha wiederum fhrende Mitglieder der Hofkapelle an der Grndung der Lesegesellschaft beteiligt. Weil Druckerzeugnisse teuer waren, war man auf die Idee gekommen, Zeitschriften und Journale zu teilen und kursieren zu lassen. Kurfrst Max Franz stellte dafr im Rathaus Rume zur Verfgung. Aus dem gemeinsamen Lesestoff ergab sich der Stoff fr Gesprche und Debatten. Beethovens Kollegen- und Freundeskreis war fast ausnahmslos involviert. Er selbst war wohl nur wegen des fr seine Lebensumstnde hohen Beitrages nicht Mitglied geworden.

    Eine weitere wichtige Institution der Aufklrung in Bonn war bereits Jahre zuvor von Kurfrst Maximilian Friedrich mit der Maxschen Akademie initiiert worden. Sie hatte 1777 ihren Lehrbetrieb aufgenommen und wurde 1786 unter Kurfrst Max Franz offiziell zur ersten Bonner Universitt. Beethoven schrieb sich am 14. Mai 1789 gemeinsam mit seinem Musikerfreund Anton Reicha und dem Maler Karl von Kgelgen als Student ein, wobei unklar bleibt, ob und welche Vorlesungen er dort hrte.Attraktiv war die Universitt vor allem wegen ihrer ber die Grenzen Bonns hinaus bekannten liberalen Professoren. Dazu gehrte auch als Professor fr Literatur und Schne Knste der Franziskanerminorit Eulogius Schneider. Er war ein begabter Redner und kompromissloser Aufklrer, der 1794 als radikaler Jakobiner in Paris durch die Guillotine hingerichtet wurde.

    Seine Bonner Antrittsvorlesung hielt Schneider gegen die Unterdrckung der deutschen Sprache durch jesuitische Lateinschulen. Um den Text zusammen mit 88 Gedichten und Spottversen – die Themen reichten von amoursen Zeilen an Nonnen bis zum Loblied auf den Sturm auf die Bastille – drucken zu knnen, warb er um Subskribenten. Dazu zhlten viele Persnlichkeiten aus ganz Deutschland sowie aus Bonn Kurfrst Max Franz, die Hofmusiker Joseph und Anton Reicha, Christian Gottlob Neefe sowie Nikolaus Simrock und auch Beethoven, der sein Exemplar des Gedichtbandes bis zu seinem Tod behielt.

    Eine besondere Heimat war fr Beethoven auch die Gaststtte „Zehrgarten“ am Bonner Marktplatz. Gefhrt von der „Wittib (Witwe) Koch“, einer Bonner Institution, entwickelte sich dort der „Mittelpunkt alles geistigen und geselligen Vergngens in Bonn“, wie es der Beethoven-Freund Bartholomus Fischenich spter beschrieb. Auch fr Beethovens dortigen Freundeskreis ging es um den Aufbruch in eine neue Zeit der Freiheit von Herrschaft und Unterdrckung.

    Zu Beethovens engsten persnlichen Bonner Freunden gehrte auch der fnf Jahre ltere Arzt Franz Gerhard Wegeler. Er kannte den jungen Musiker seit Kindertagen und fhrte ihn vermutlich schon um 1785 in die Familie Breuning als Klavierlehrer ein. Als ihr Mann 1777 beim groen Schlossbrand ums Leben kam, hinterlie er die damals 26-jhrige Helene von Breuning mit vier kleinen Kindern: Eleonore war 1771 geboren, Christoph 1773, Stephan 1774 und Lorenz 1776.Ein Schwager und ein Bruder von Helene von Breuning, beide der Aufklrung verpflichtete Stiftsherren, halfen der Witwe als Hauslehrer. Davon profitierte auch der junge Beethoven, denn die Breunings wurden sptestens mit dem Tod seiner Mutter 1787 zu einer Art Ersatzfamilie.

    Die Breuning-Kinder waren als Altersgenossen fr ihn wie Geschwister und blieben lebenslang seine Freunde. Das gilt vor allem fr Stephan von Breuning, der spter auch nach Wien zog. Besonders innig war auch Beethovens Beziehung zu der zwei Jahre jngeren Eleonore von Breuning. Sie mag in den Bonner Jahren auch romantischer Natur gewesen sein, war aber auf jeden Fall eine tief empfundene Freundschaft.

    Besonders Helene von Breuning wusste den manchmal ungestmen Beethoven zu nehmen. Seine gelegentlichen cholerischen Ausbrche kommentierte sie – wie Gottfried Fischer berichtet – „immer mit Achselzucken: ‚Er hat heute wieder seinen Raptus.‘“ Beethoven hat diesen Begriff spter oft selbstironisch verwendet. Ein Glcksfall fr Beethoven war auch die Freundschaft mit Graf Ferdinand Ernst von Waldstein und Wartenberg, von dem Franz Gerhard Wegeler spter schrieb, er sei der „erste und in jeder Hinsicht der wichtigste Mcen Beethoven’s“ gewesen. Waldstein war 1787 nach Bonn gekommen und nicht nur ein enger Vertrauter des Kurfrsten, sondern auch ein guter Pianist und komponierte selbst. Schon 1788 trat er der Lesegesellschaft bei, deren Direktor er spter wurde.

    Wie sehr fr Beethoven in Bonn der geistige Aufbruch in die Welt der Aufklrung und sein persnlicher Freundeskreis verwoben waren, zeigt auch das sogenannte „Stammbuch“, das ihm Anfang November 1792 zu seinem Abschied aus Bonn als eine Art von Poesiealbum bergeben wurde. Die Eintrge in dieses Stammbuch sind ein Spiegel der Zeit und zeigen das intellektuelle Umfeld Beethovens und seiner Freunde.

    In ihren Stammbuch-Eintrgen zitieren Beethovens Freunde hufig aktuelle Autoren – allesamt der Aufklrung verbunden – darunter vor allem Friedrich Schiller mit seinem Freiheitsdrama „Don Karlos“. Beethoven selbst verwendete kurz nach seiner Abreise aus Bonn am 22. Mai 1793 ein Schiller-Zitat auf einem Stammbuchblatt fr Theodora Johanna Vocke und machte sich zu Eigen, was Don Karlos zum Knig sagt: „Ich bin nicht schlimm – heies Blut / Ist meine Bosheit – mein Verbrechen Jugend, / Schlimm bin ich nicht, schlimm wahrlich nicht; wenn auch /Oft wilde Wallungen mein Herz verklagen, / Mein Herz ist gut.“Diesem Zitat fgte Beethoven die eigenen Worte hinzu: „Wohlthun, wo man kann, Freiheit ber alles lieben / Wahrheit nie, auch sogar am Throne nicht verleugnen.“ und unterzeichnete sie in Wien mit „Ludwig Beethoven aus Bonn im Klnischen“. Dass dieses ausdrckliche Bekenntnis zur Bonner Herkunft mit seinem Freiheitsideal verbunden ist, macht beispielhaft deutlich, dass Bonn nicht nur fr Beethovens musikalische Entwicklung entscheidend war, sondern auch fr die Bildung seiner Persnlichkeit zum aufgeklrten Brger.

    In seinen Bonner Jahren liegen die Wurzeln fr Beethovens immer wiederkehrenden flammenden Appell fr Menschlichkeit und Freiheit. Ihn trieb zeitlebens die drngende Frage um, die er am 17. September 1795 aus Wien in einem Brief an seinen Freund aus Bonner Tagen, Heinrich Struve, formulierte: „wann wird auch der Zeitpunkt kommen, wo es nur Menschen geben wird, wir werden wohl diesen Glcklichen Zeitpunkt nur an einigen Orten heran nahen sehen, aber allgemein – das werden wir nicht sehen, da werden wohl noch JahrHunderte vorbergehen.“ Beethovens Aktualitt zeigt sich auch daran, wie brennend diese Frage immer noch ist.

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  • TRUMP VERLIERT IN DEN USA IMMER MEHR:

    Untersttzung. Jetzt haben sich auch zwei seiner frheren Minister, die angesehenen Generle Mattis und Kelly, gegen seine Wiederwahl ausgesprochen, weil er Demonstraten mit dem Einsatz des Militrs drohte. Auslser ist die Ttung eine Afroamerikaners bei einem Polizeieinsatz. Die beteiligten Polizisten sind des Mordes angeklagt.

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    Stephan Eisel

    Trump spaltet Amerika
    Zwei seiner Ex-Minister warnen vor einer Wiederwahl

    Was sich in diesen Tagen in Amerika abspielt, wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die verheerende Politik von Donald Trump. Schon whrend seines Wahlkampfes und dann auch im Weien Haus setzte er auf Polarisierung. Immer wieder heizt er mit rassistischen Bemerkungen die Stimmung an und versucht, mit der Verbreitung von Unwahrheiten Vorurteile zu befeuern, die in seiner eigenen Anhngerschaft fest verankert sind. Die Verbreitung von Hass ist fr Trump – wie fr alle Populisten – eine politische Strategie. Wer selbst fr nichts steht, braucht Feindbilder, um sich zu definieren. Dabei ist bei Trump das populistische Egomanen-Gen besonders ausgeprgt.

    Als der 46-jhrige AfroamerikanerGeorgeFloydam 25. Mai 2020 in Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz gettet wurde, war Trump zur einzig angemessenen Reaktion unfhig – nmlich der klaren Verurteilung dieser Gewalttat. Die Polizei war von einem Ladenbesitzer gerufen worden, der den Verdacht hatte, Floyd habe Zigaretten mit Falschgeld bezahlt. Floyd wurde daraufhin festgenommen. Dabei wurde er von drei Polizisten auf dem Boden festgehalten, einer davon drckte mit dem Knie auf den Hals des Verhafteten. Obwohl Floyd mehrfach sthnte, nicht mehr atmen zu knnen, und selbst als er ohnmchtig wurde, wurde er weiter niedergedrckt – insgesamt fast neun Minuten lang und auch als mehrere Passanten die Polizisten auf die Ohnmacht des Verhafteten hinwiesen. Inzwischen sind die beteiligten Polizisten des Mordes angeklagt.

    Dieser Vorfall ist Teil in einer Reihe von brutalen Polizeieinstzen vornehmlich gegen junge farbige Amerikaner. Sie offenbaren einen latenten Rassismus, der in den USA eine lange Geschichte hat und vor dem – wie die Flchtlingskrise gezeigt hat – auch wir in Deutschland nicht gefeit sind. Zugleich ist in den USA die Kontrolle polizeilicher Arbeit bei weitem nicht so ausgeprgt wie bei uns in der Folge des Missbrauchs der Polizeigewalt in der NS-Diktatur.

    Ein Passanten-Video dokumentierte die Ereignisse von Minneapolis so unzweideutig, dass es sofort berall im Land zu Demonstrationen kam. Dabei plnderte eine kleine gewaltttige Minderheit auch Geschfte. Schnell grenzte sich die groe Mehrheit der Demonstranten aber von diesen – inzwischen weitgehend verschwundenen - Exzessen ab. Aber Trump drohte – verfassungswidrig - mit dem Einsatz des Militrs gegen die Proteste. Zugleich lie er am 1. Juni in Washington friedliche Demonstranten per Trnengas vertreiben, um sich vor einer Kirche mit einer Bibel fotografieren zu lassen. Fhrende Geistliche verschiedener Konfessionen verurteilten diese Aktion scharf.

    Vor allem aber war dieses Vorgehen Trumps Anlass fr zwei seiner frheren Kabinettsmitglieder, sich klar von ihm zu distanzieren. Der hochangesehene General James N. Mattis – von 2017 bis 2019 von Trump berufener Verteidigungsminister - verffentlichte am 3. Juni 2020 im US-Magazin THE ATLANTIC eine Stellungnahme, die es vollstndig zu lesen lohnt. (Eine bersetzung finden sie am Endes des Textes):

    "IN UNION THERE IS STRENGTH
    I have watched this week’s unfolding events, angry and appalled. The words “Equal Justice Under Law” are carved in the pediment of the United States Supreme Court. This is precisely what protesters are rightly demanding. It is a wholesome and unifying demand—one that all of us should be able to get behind. We must not be distracted by a small number of lawbreakers. The protests are defined by tens of thousands of people of conscience who are insisting that we live up to our values—our values as people and our values as a nation.
    When I joined the military, some 50 years ago, I swore an oath to support and defend the Constitution. Never did I dream that troops taking that same oath would be ordered under any circumstance to violate the Constitutional rights of their fellow citizens—much less to provide a bizarre photo op for the elected commander-in-chief, with military leadership standing alongside.
    We must reject any thinking of our cities as a “battlespace” that our uniformed military is called upon to “dominate.” At home, we should use our military only when requested to do so, on very rare occasions, by state governors. Militarizing our response, as we witnessed in Washington, D.C., sets up a conflict—a false conflict—between the military and civilian society. It erodes the moral ground that ensures a trusted bond between men and women in uniform and the society they are sworn to protect, and of which they themselves are a part. Keeping public order rests with civilian state and local leaders who best understand their communities and are answerable to them.
    James Madison wrote in Federalist 14 that “America united with a handful of troops, or without a single soldier, exhibits a more forbidding posture to foreign ambition than America disunited, with a hundred thousand veterans ready for combat.” We do not need to militarize our response to protests. We need to unite around a common purpose. And it starts by guaranteeing that all of us are equal before the law.
    Instructions given by the military departments to our troops before the Normandy invasion reminded soldiers that “The Nazi slogan for destroying us…was ‘Divide and Conquer.’ Our American answer is ‘In Union there is Strength.’” We must summon that unity to surmount this crisis—confident that we are better than our politics.
    Donald Trump is the first president in my lifetime who does not try to unite the American people—does not even pretend to try. Instead he tries to divide us. We are witnessing the consequences of three years of this deliberate effort. We are witnessing the consequences of three years without mature leadership. We can unite without him, drawing on the strengths inherent in our civil society. This will not be easy, as the past few days have shown, but we owe it to our fellow citizens; to past generations that bled to defend our promise; and to our children.
    We can come through this trying time stronger, and with a renewed sense of purpose and respect for one another. The pandemic has shown us that it is not only our troops who are willing to offer the ultimate sacrifice for the safety of the community. Americans in hospitals, grocery stores, post offices, and elsewhere have put their lives on the line in order to serve their fellow citizens and their country. We know that we are better than the abuse of executive authority that we witnessed in Lafayette Square. We must reject and hold accountable those in office who would make a mockery of our Constitution. At the same time, we must remember Lincoln’s “better angels,” and listen to them, as we work to unite.
    Only by adopting a new path—which means, in truth, returning to the original path of our founding ideals—will we again be a country admired and respected at home and abroad."[i]

    General John F. Kelly - 2017 zunchst Innenminister und dann bis 2019 Stabschef im Weien Haus – pflichtete seinem Kollegen Mattis ausdrcklich bei und fgte hinzu: “I think we need to look harder at who we elect … I think we should look at people that are running for office and put them through the filter. What is their character like? What are their ethics?”[ii] Diese klare Warnung vor einer Wiederwahl Trumps kommt von dem Mann, der zwei Jahre lang sein engster Mitarbeiter im Weien Haus war.

    Inzwischen solidarisieren sich nicht nur immer mehr Polizisten und Vertreter des ffentlichen Lebens mit den Demonstrationen, sondern zum Beispiel auch mit Jimmy Carter, Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama alle noch lebenden Vorgnger Trumps. Auch zwei der 53 republikanische Senatoren haben jetzt ffentliche Zweifel geuert, ob sie Trump fr eine Wiederwahl untersttzen knnen. In allen Meinungsumfragen liegt er weit abgeschlagen hinter dem demokratischen Kandidaten Joe Biden. Man kann als Freund Amerikas nur hoffen, dass Trump durch die Wahlen im November zu einer Episode wird – aber es sind noch lange fnf Monate bis dahin.

    [i] Arbeitsbersetzung:
    IN DER EINHEI LIEGT DIE STRKE
    Ich habe die Ereignisse dieser Woche beobachtet, wtend und entsetzt. Die Worte "Equal Justice Under Law" sind in den Giebel des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten eingraviert. Genau das fordern die Demonstranten zu Recht. Es ist eine richtige und einigende Forderung, die wir alle hinter uns stellen knnen sollten. Wir drfen uns nicht von einer kleinen Anzahl von Gesetzesbrechern ablenken lassen. Die Proteste werden von Zehntausenden von Menschen mit Gewissen definiert, die darauf bestehen, dass wir unseren Werten gerecht werden - unseren Werten als Menschen und unseren Werten als Nation.
    Als ich vor etwa 50 Jahren zum Militr ging, schwor ich einen Eid, die Verfassung zu untersttzen und zu verteidigen. Ich htte nie gedacht, dass Truppen, die denselben Eid ablegen, unter irgendwelchen Umstnden angewiesen werden, die verfassungsmigen Rechte ihrer Mitbrger zu verletzen - geschweige denn, dem gewhlten Oberbefehlshaber ein bizarres Foto zu ermglichen – mit der militrischen Fhrung an seiner Seite.
    Wir mssen jede Vorstellung von unseren Stdten als eine "Schlachtfeld" ablehnen, das unser uniformiertes Militr "dominieren" soll. Zu Hause sollten wir unser Militr nur einsetzen, wenn dies in sehr seltenen Fllen von Gouverneuren des Bundesstaates verlangt wird. Die Militarisierung unserer Reaktion, wie wir in Washington, DC, gesehen haben, fhrt zu einem Konflikt - einem falschen Konflikt - zwischen der Militr- und der Zivilgesellschaft. Es untergrbt das moralische Fundament, das eine vertrauensvolle Verbindung zwischen Mnnern und Frauen in Uniform und der Gesellschaft gewhrleistet, zu deren Schutz sie verpflichtet sind und zu der sie selbst gehren. Die Aufrechterhaltung der ffentlichen Ordnung liegt bei zivilen staatlichen und lokalen Fhrern, die ihre Gemeinschaften am besten verstehen und ihnen gegenber verantwortlich sind. James Madison schrieb in den Federalist-Papers 14: "Ein geeintes Amerika mit nur einer Handvoll Truppen oder ohne einen einzigen Soldaten ist strker gegenber fremden Gefahren als ein uneiniges Amerika mit hunderttausend kampfbereiten Veteranen." Wir drfen unsere Reaktion auf Proteste nicht militarisieren. Wir mssen uns um einen gemeinsamen Zweck vereinen. Und es beginnt damit, zu garantieren, dass wir alle vor dem Gesetz gleich sind.
    Die Anweisungen der Militrfhrung an unsere Truppen vor der Invasion in der Normandie erinnerten die Soldaten daran, dass „Teilen und erobern“ das Motto der Nazis war, um uns zu zerstren. Unsere amerikanische Antwort lautet „In der Einheit liegt die Strke “. Wir mssen diese Einheit herbeifhren, um diese Krise zu berwinden - zuversichtlich, dass wir besser sind als unsere Politik. Donald Trump ist der erste Prsident in meinem Leben, der nicht versucht, das amerikanische Volk zu vereinen - er gibt nicht einmal vor, es zu versuchen. Stattdessen versucht er uns zu teilen. Wir sind Zeugen der Folgen von drei Jahren dieser bewussten Bemhungen. Wir erleben die Folgen von drei Jahren ohne reife Fhrung.
    Wir knnen uns ohne ihn vereinen und dabei auf die Strken unserer Zivilgesellschaft zurckgreifen. Dies wird nicht einfach sein, wie die letzten Tage gezeigt haben, aber wir schulden es unseren Mitbrgern - und frheren Generationen, die Opfer brachten, um unsere Vision zu verteidigen ebenso wie unseren Kindern. Wir knnen diese schwierige Zeit gestrkt und mit einem neuen Sinn und Respekt freinander berstehen. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass nicht nur unsere Truppen bereit sind, das ultimative Opfer fr die Sicherheit der Gemeinschaft zu bringen. Amerikaner in Krankenhusern, Lebensmittelgeschften, Postmtern und anderswo haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um ihren Mitbrgern und ihrem Land zu dienen. Wir wissen, dass wir besser sind als der Missbrauch von Exekutivgewalt, den wir auf dem Lafayette Square erlebt haben. Wir mssen diejenigen im Amt ablehnen und zur Rechenschaft ziehen, die unsere Verfassung verspotten. Gleichzeitig mssen wir uns an Lincolns „bessere Engel“ erinnern und ihnen zuhren, whrend wir daran arbeiten, uns zu vereinen. Nur wenn wir einen neuen Weg einschlagen - was in Wahrheit bedeutet, dass wir zum ursprnglichen Weg unserer Grndungsideale zurckkehren -, werden wir wieder ein Land sein, das im In- und Ausland bewundert und respektiert wird. "

    [ii] Arbeitsbersetzung
    „Ich denke, wir mssen genauer hinschauen, wen wir whlen ... Ich denke, wir sollten uns die Leute ansehen, die fr ein Amt kandidieren, und sie unsere Mastbe anlegen:. Wie ist ihr Charakter? Was sind ihre ethischen Grundstze? "

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  • BEETHOVEN UND SCHUMANN:

    waren Seelenverwandte. Sie sind sich zwar wegen des Altersunterschiedes und der rumlichen Distanz nie persnlich begegnet, haben aber viel gemeinsam. Mit Bonn sind beide besonders verbunden.Wer in Bonn Beethoven feiert, darf Schumann nicht vergessen – und wer Schumann feiert, kommt an Beethoven nicht vorbei. Es gibt nichts Unsinnigeres als die beiden Seelenverwandten gegeneinander auszuspielen.

    Den folgenden Text knnen Siehier ausdrucken.

    Wenn Sie mehr ber Beethoven in Bonn erfahren wollen:

    Im Mrz 2020 ist von Stephan Eiseldas "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer bersetzung)erschienen, vor der Sommerpause 2020 erscheint von ihmdas "groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (ber 550 Seiten).

    Im Bonner General-Anzeiger ist zum Beethoven-Jubilumsjahr eine mehrteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen:

    Stephan Eisel

    Robert und Ludwig als Seelenverwandte

    Im Beethoven-Jubilumsjahr sollte
    Robert Schumanns 210. Geburtstag am 8. Juni 2020 nicht vergessen werden

    Ein Mann wie Beethoven wiegt allein sechs auslndische Genies auf“ – so lautet ganz im patriotischen Ton der Zeit im Mai 1832 ein Tagebucheintrag von Robert Schumann. Als verantwortlicher Redakteur formulierte er am 2. Juli 1839 im gleichen Tenor in seiner „Neuen Zeitschrift fr Musik“: „Wie Italien sein Neapel hat, der Franzose seine Revolution, der Englnder seine Schifffahrt etc., so der Deutsche seine Beethovenschen Sinfonien…“

    Fr Schumann war Beethoven wie ein Fixstern, seine Bewunderung kannte keine Grenzen. Persnlich begegnet sind sich die beiden allerdings nie. Zu gro waren Altersunterschied und rumliche Distanz. Aber seelenverwandt waren Robert und Ludwig:

    Wie Beethoven war Schumann frh musikbegeistert. Im Rckblick beschrieb er seine Jugendjahre eine „krankhafte Sehnsucht nach Musik u. Clavierspiel“. Carl Czerny berichtet ganz hnlich, dass sein Lehrer Beethoven ihm oft erzhlte, er habe „in seiner Jugend Tag und Nacht gebt, und zwar so angestrengt, da sogar seine Gesundheit darunter litt“.

    Beethoven und Schumann waren sich auch hnlich, weil sie keine Musiker im Elfenbeinturm sein wollten, sondern lebhaft Anteil nahmen am Geschehen ihrer Zeit. Robert Schumann schrieb 1838 an seine sptere Ehefrau Clara dazu: „Es afficirt mich – Alles, was in der Welt vorgeht, Politik, Literatur, Menschen – ber alles denke ich meiner Weise nach, was sich dann durch die Musik Luft machen, einen Ausweg suchen will.“ Beethoven bekannte 1809 in einem Brief: „Es gibt keine Abhandlung, die sobald zu gelehrt fr mich wre, ohne auch im mindesten Anspruch auf eigentliche Gelehrsamkeit zu machen, habe ich doch bestrebt von Kindheit an, den Sinn der bessern und weisen jedes zeitalters zu fassen, schande fr einen Knstler, der es nicht fr schuldigkeit hlt, es hier wenigstens so weit zu bringen.“

    Schumanns Musikbibliothek war voll mit Beethovens Werken, die er intensiv studierte. Mit seiner Frau Clara – eine bedeutende Beethoven-Interpretin der Zeit und spter Ehrenmitglied im Verein Beethoven-Haus – spielte er Beethovens Sinfonien vierhndig am Klavier. In verschiedenen eigenen Kompositionen nahm er ausdrcklich Bezug auf Beethoven-Werke und zitierte aus ihnen.

    Wie Beethoven war auch Schumann ein musikalischer Grenzgnger immer auf der Suche nach dem Neuen. Peter Tschaikowski schrieb dazu 1871: „Die Musik Schumanns, die organisch an das Werk Beethovens anknpft und sich gleichzeitig entschieden davon lst, erffnet uns eine ganze Welt neuer musikalischer Formen.“Immer wieder dirigierte Robert Schumann Beethovens Orchesterwerke und besprach dessen Kompositionen ausfhrlich in seiner „Neuen Zeitschrift fr Musik“.

    Dort wurde auch am 8. April 1836 erstmals der Aufruf verffentlicht, den der „Bonner Verein fr Beethovens Monument“ zum 65. Geburtstag Beethovens verfasst hatte.

    Am 24. Juni 1836 widmete Schumann dem Beethoven-Denkmal gleich vier Artikel und brachte unterschiedliche Varianten fr das Monument ins Gesprch: „Oder bildet ihn in riesenhafter Form ... damit, wie er schon im Leben that, er ber Berg und Berg schauen knne – und wenn die Rheinschiffe vorbeifliegen und die Fremdlinge fragen: was der Riese bedeute, so kann jedes Kind antworten: Beethoven ist das!“.

    Schumann machte sich auch ausdrcklich fr Bonn als Standort eines Beethoven-Denkmals stark: „Denn gesetzt, die Wiener fhlten Eifersucht auf die Bonner und bestnden auch auf eins, welcher Spa, wie man sich dann fragen wrde: welches nun eigentlich das rechte? Beide haben ein Recht, er steht in beiden Kirchenbchern; der Rhein nennt sich die Wiege, die Donau (der Ruhm ist freilich traurig) seinen Sarg.“

    Leidenschaftlich warb Schumann damals um Spenden fr das Denkmal: „erhebt euch einmal, lat ab von eurem Phlegma und bedenkt, da das Denkmal euer eignes sein wird!“ und er erinnerte daran, „da, wenn nicht einmal der Anfang gemacht wird, sich eine Dekade auf die Trgheit der andern berufen wird.“

    Aber Schumann belie es nicht bei Worten, sondern begann noch 1836 mit seiner Komposition „Ruinen. Trophen. Palmen. Groe Sonate fr Pianoforte. Fr Beethovens Denkmal“, die er dann zur Klavier-Fantasie C-Dur op. 17 umarbeitete und seinem Verleger mit dem Ziel anbot „gern etwas fr Beethovens Monument zu thun“.

    Dennoch dauerte es fast zehn Jahre, bis gengend Geld fr ein Beethoven-Denkmal in Bonn zusammengekommen war. Realisiert werden konnte es schlielich nur durch einen erheblichen Zuschuss von Franz Liszt, dem Schumann brigens seine Komposition gewidmet hatte.

    An der Denkmalenthllung am 12. August 1845 und dem damit verbundenen ersten Beethovenfest wollten Robert und Clara Schumann unbedingt teilnehmen. Aus Dresden kommend mussten sie ihre Reise aber in Thringen unterbrechen, weil sich Roberts Gesundheitszustand deutlich verschlechtert hatte.

    Schumann erwies dann bei seinem ersten Bonn-Besuch am 15. Mai 1851 dem Beethoven-Denkmal die Reverenz. Auch nachdem er am 4. Mrz 1854 zur psychiatrischen Behandlung in Endenich eingewiesen worden war, blieb das Denkmal fr ihn ein wichtiger Bezugspunkt. So schrieb er am 18. September 1854 an seine Frau Clara: „Abends 8 Uhr. Eben komme ich von Bonn zurck, immer Beethovens Statue besuchend und von ihr entzckt.“ In einem Brief Schumanns vom 27. November 1854 an Johannes Brahms, mit dem er drei Monate spter das Denkmal besuchte, hie es ebenfalls: „Ich erfreue mich immer an Beethovens Statue“.

    So ist das Beethoven-Denkmal als bekanntestes Bonner Wahrzeichen auch ein Monument fr Robert Schumann. Das erste Bonner Schumannfest fand brigens schon 1873 nur zwei Jahre nach dem zweiten Beethovenfest statt. Seit 1998 gibt es beide Feste im jhrlichen Rhythmus. Diese Musikfeste verdanken ihre Existenz brigens gleichermaen brgerschaftlichem Einsatz. Das gilt auch fr den Erhalt des Geburtshauses von Beethoven und des Hauses, in dem Schumann seine letzten Jahre verbracht hat. Wer in Bonn Beethoven feiert, darf Schumann nicht vergessen – und wer Schumann feiert, kommt an Beethoven nicht vorbei. Es gibt nichts Unsinnigeres als die beiden Seelenverwandten gegeneinander auszuspielen.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr April und Mai - auch mit wichtigen Fakten zur Corona-Krise

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  • Mit 25 KLAVIER-IMPROVISATIONEN:

    hat Stephan Eisel im Frhjahr 2020 whrend der Corona-Quarantne aufgenommen. Hier finden Sie die dazu gehrigen YOUTUBE-Videos. Dabei knnen Sie auch versuchen, herauszufinden, welche Harmonien welcher Stcke den Improvisationen zugrunde liegen.

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  • DIE MUSIKMETROPOLE BONN HAT:

    Beethovens Entwicklung entscheidend geprgt. Ohne dieses Umfeld wre er wohl kaum schon in Bonn zum auergewhnlichen Musiker herangereift. Diesem Thema widmete sich der 3. Teil der siebenteiligen Beethoven-Serie von Stephan Eisel im Bonner General-Anzeiger.

    Wenn Sie mehr ber Beethoven in Bonn erfahren wollen:
    Im Mrz 2020 ist von Stephan Eiseldas "kleine" Beethoven-Buch "Beethoven in Bonn" (128 Seiten incl. englischer bersetzung)erschienen, vor der Sommerpause 2020 erscheint von ihmdas "groe" Beethoven-Buch "Beethoven - Die 22 Bonner Jahre" (ber 550 Seiten).

    Den folgenden Text knnen Siehier ausdrucken.

    Dabei handelt es sich um den 3. Teilder achtteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel zum Beethoven-Jubilum im General-Anzeiger:


    Stephan Eisel

    Die Musikstadt Bonn

    Die Musikliebhaberey nimmt unter den Einwohnern sehr zu“ – so charakterisierte das renommierte Magazin fr Musik am 8. April 1787 Beethovens Heimatstadt, und ohne Zweifel wuchs der Komponist in einer ausgesprochenen Musikstadt auf. Das Zentrum bildeten die Hofkapelle und das Hoftheater, in dem die aktuellsten Opern der Zeit gespielt wurden. Darum herum hatte sich zugleich eine auerordentlich vielfltige Szene begabter Laienmusiker gebildet, zu denen auch der Kurfrst selbst gehrte. Als jngster Sohn der Kaiserin Maria Theresia hatte Max Franz eine solide Musikausbildung erhalten, musizierte selbst vor allem an der Bratsche und nannte eine auergewhnliche Notensammlung sein Eigen. Mit Wolfgang Amadeus Mozart war er persnlich bekannt und hatte auch die Mglichkeit ventiliert, diesen zum Bonner Hofkapellmeister zu berufen.

    Das Rckgrat der Musikstadt Bonn waren die rtlichen Musikerfamilien. Dass bei den Beethovens ab 1733 mit dem Bassisten und spteren Hofkapellmeister Ludwig van Beethoven d.., seinem Sohn Johann (Tenor) und dem Enkel Ludwig drei Generationen aus einer Familie der Hofkapelle angehrten, war dabei keineswegs ungewhnlich.

    Eine besonders einflussreiche Bonner Musiker-Dynastie war die Familie Ries. Johann Ries, gleichsam der „Urvater“ der Familie, war schon 1747 als Trompeter und ab 1754 als Geiger Mitglied in der Hofkapelle. Zwei seiner vier Kinder wurden ebenfalls Mitglieder des Orchesters: Johanns lteste Tochter Anna Maria (verheiratete Drewer) war 1764-1794 eine viel gelobte Sngerin, sein Sohn Franz Anton galt als Wunderkind und wurde 1774 offiziell als Geiger in die Hofkapelle aufgenommen, der er – in den 90er Jahren als Konzertmeister bzw. Musikdirektor – bis zu deren Auflsung 1794 angehrte.

    Franz Anton Ries erteilte Beethoven zeitweise Geigenunterricht. 1845 konnte er hochbetagt sogar noch die Enthllung des Beethoven-Denkmals auf dem Mnsterplatz erleben. Beethoven hat ihn zeitlebens verehrt. Auch drei der elf Kinder von Franz Anton Ries wurden Musiker. Am bekanntesten ist der 1784 geborene Ferdinand, der spter in Wien Schler und Assistent von Beethoven war und dann selbst in ganz Europa ein gefeierter Pianist und Komponist wurde.

    Auch die Familie Salomon hinterlie in der Bonner Musikszene viele Spuren. Philipp A. Salomon, der ab 1765 unter der Leitung des Hofkapellmeisters Ludwig van Beethoven d. . als Oboist und Violinist in der kurfrstlichen Kapelle musizierte, hatte drei auergewhnlich begabte Kinder: Johann Peter war schon 1758 als 13-Jhriger Geiger im Orchester. 25 Jahre vor dem Komponisten Ludwig van Beethoven war er im selben Haus in der Bonngasse geboren worden. Seine Schwester Anna Jacobina Salomon war Altistin in der Bonner Hofkapelle und eine Schlerin von Johann van Beethoven. Eine weitere Schwester namens Anna Maria war dort Sopranistin.

    Johann Peter Salomon verlie Bonn 1764, also noch vor der Geburt von Ludwig van Beethoven, um Konzertmeister im kniglich-preuischen Rheinsberg zu werden. Auch als er 1781 nach London bersiedelte, lie er den Kontakt in seine Heimatstadt nie abreien und traf bei seinen Besuchen auch den jungen Beethoven. Spter organisierte Salomon die Besuche von Joseph Haydn in Bonn, bei denen Beethovens Unterricht in Wien vereinbart wurde.

    Wie die Familie Salomon wohnte in der Bonngasse auch Nikolaus Simrock. Er war Hornist in der kurfrstlichen Hofkapelle und besorgte auch die Noten fr das Orchester. Daraus entwickelte sich eine Musikalienhandlung und ab 1790 ber mehrere Generationen ein fr die Musikwelt bedeutender Verlag. Auch fr Beethoven war der frhere Orchesterkollege einer der Hauptverleger. Im Simrock-Verlag erschienen 1793-1820 insgesamt 14 Erstausgaben Beethoven’scher Werke, darunter beispielsweise die berhmte „Kreutzer-Sonate“ fr Violine und Klavier op. 47.


    Eine besondere Beziehung zu Beethoven hatte auch die Musikerfamilie Willmann. Die Willmanns waren unmittelbare Nachbarn der Beethovens, als diese in der Rheingasse lebten. Vater Ignaz Willmann war von 1767 bis 1774 als Fltist, Geiger und Cellist Mitglied der Hofkapelle. Die mit Beethoven fast gleichaltrigen Kinder Maximilian, Walburga, Magdalena und Karl waren alle musikalisch begabt. Sie gingen mit ihrem Vater in den 1780er Jahren auf Konzertreise, die sie auch nach Wien und zu Mozart fhrte. Nach der Rckkehr traten sie 1788 in die Bonner Hofkapelle ein und waren dann nach 1794 wie Beethoven in Wien ttig. Insbesondere die Sopranistin Magdalena Willmann hatte es Beethoven angetan, und er komponierte auch fr sie.

    Zu den Bonner Musikerfamilien kamen immer wieder nach Bonn verpflichtete auswrtige Spitzenmusiker. Hier ist besonders der Italiener Andrea Luchesi zu nennen. Er war whrend Ludwig van Beethovens Bonner Zeit als Hofmusiker ununterbrochen Hofkapellmeister.

    Sehr einflussreich im Bonner Musikleben waren auch Joseph und Anton Reicha. Der in Bhmen geborene Cellist Joseph Reicha kam 1785 als Konzertdirektor nach Bonn. Er war zuvor Kapellmeister in der renommierten frstlichen Oettingen-Wallersteinschen Hofkapelle in Schwaben. Als Pflegesohn hatte er Anton, den Sohn seines verstorbenen Bruders, des Stadtpfeifers von Prag, bei sich aufgenommen und unterrichtet. Anton Reicha wurde ein herausragender Fltist, Geiger und Komponist, der sich in der Hofkapelle schnell mit dem gleichaltrigen Ludwig van Beethoven anfreundete.

    Erst 1790 begann die Bonner Orchesterttigkeit der 1767 geborenen Romberg-Vettern Andreas (Geige) und Bernhard (Violoncello). Sie entstammten einer Musikerfamilie in Mnster, fr das der Kurfrst als Frstbischof zustndig war. Die beiden Vettern hatten als „Wunderkinder“ bereits Konzertreisen durch Europa unternommen und gehrten dann in Bonn zum Freundeskreis des gleichaltrigen Beethoven. Auch sie traf er in Wien wieder.

    Eine besondere Rolle in Bonn und fr Beethoven spielte Christian Gottlob Neefe. Als der renommierte Komponist im Oktober 1779 nach Bonn kam, war er bereits als feste Gre im deutschen Musikleben etabliert. Kurfrst Maximilian Friedrich berief ihn 1782 zum Hoforganisten. Ausgebildet bei Adam Hiller in Leipzig, brachte er die Bach’sche Musiktradition nach Bonn.

    Zudem hatte sich Neefe als Autor musiktheoretischer Schriften und als Musikjournalist einen Namen gemacht. Er bersetzte viele italienische und franzsische Opernlibretti, darunter schon 1788 Mozarts den erst im Jahr zuvor uraufgefhrten Don Giovanni, und fertigte zahlreiche Klavierauszge populrer Opern an. Zeitgenossen galt Neefe als einer „der grndlichsten und geflligsten Tonsetzer unserer Zeit“.

    Zugleich war Neefe als Publizist ein vehementer Verfechter der Aufklrung. Als Lehrer und Frderer hatte er groen Einfluss auf Beethovens Entwicklung. In ihm kristallisierten sich nicht nur die hohen Qualittsansprche in der Musikstadt Bonn, mit denen Beethoven gro wurde, sondern auch das Umfeld, in dem er aufwuchs, in der Musik nicht im Elfenbeinturm stattfand, sondern Teil der gesellschaftlichen Entwicklung zu mehr Freiheit war.Fr Beethovens musikalische Entwicklung war es sicherlich von Vorteil, dass er sich in Bonn mit anderen Ausnahmetalenten messen konnte. Wie er machten spter auch Ferdinand Ries, Anton Reicha, die Romberg-Vettern, Johann Peter Salomon und Nikolaus Simrock in ganz Europa von sich reden.

    Wie ein Resonanzboden wirkten fr Beethoven auch die vielfltigen musikalischen Aktivitten von Musikliebhabern und talentierten Amateuren in Bonn. Diese auerordentlich lebendige private Musikszene reichte von den hchsten Adelskreisen bis ins Brgertum, wobei die verschiedenen Schichten nicht zuletzt durch das gemeinsame Musizieren miteinander verwoben waren. Es charakterisiert Beethovens Bonn, dass der renommierte Komponist, Musikdirektor und Journalist Christian Friedrich Daniel Schubart 1784/85 von seinem Besuch in Bonn besonders den „Eifer fr Musik in Privatfamilien“ hervorhebt: „man findet da mehr als einen Cavalier, mehr als eine Dame, die es in der Musik bis zur Meisterschaft getrieben haben.“

    Ein besonderer Kristallisationspunkt war dabei Hofrat Johannes Gottfried von Mastiaux, der allein von Haydn die Noten von 80 Sinfonien, 40 Trios und 30 Quartetten besa. Mastiaux nannte auch sieben Klaviere und zahlreiche Streichinstrumente sein Eigen. Mit seinen fnf Kindern pflegte er die Hausmusik. Seine Tochter Amalia erhielt wohl auch von Beethoven Klavierunterricht.

    Unter den besonders talentierten Bonner Amateuren muss auch eine Gronichte von Kurfrst Maximilian Friedrich erwhnt werden: Anna Maria Hortense Grfin von Hatzfeld war in Wien unterrichtet worden und galt als talentierte Sngerin sowie auerordentlich begabte Pianistin, die auch von Mozart geschtzt wurde. Beethoven, der ihr spter auch in Wien begegnete, widmete ihr seine 1791 verffentlichten 24 Variationen ber die Ariette „Venni Amore“ von Vincenzo Righini fr Klavier WoO 65.

    Neben dem Haus Mastiaux und dem Haus Hatzfeld war der Metternicher Hof ein weiterer musikalischer Treffpunkt in Bonn. Dort lebte Gerichtsprsident Graf Johann Ignaz von Wolff-Metternich. Seine Frau Antonie nahm Klavier- und Gesangsunterricht, und Beethoven widmete ihr seine erste Komposition, die Neun Variationen ber einen Marsch von Ernst Christoph Dressler WoO 63. Musikbegeistert waren auch die Tchter Terese und die als vorzgliche Klavierspielerin gelobte Felise.

    Ludwig van Beethoven hat zeitlebens davon gezehrt, dass er in einer so lebendigen Musikstadt aufgewachsen ist. Neefe brachte es auf den Punkt, als er am 30. Mrz 1783 im Magazin der Musik schrieb, „da ein Fremder, der die Music liebt, nie ohne musicalische Nahrung von Bonn wieder abreisen wird.“ Ohne dieses Umfeld wre Beethoven wohl kaum schon in Bonn zum auergewhnlichen Musiker und weit ber die Grenzen der Stadt beachteten Komponisten herangereift.

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  • IN DER CORONA-KRISE ENTWICKELTE:

    sich eine merkwrdige Debatte, die Lebensschutz und Menschenwrde als scheinbare Alternativen darstellt. Tatschlich ist aber Lebensschutz der Kern der Menschenwrde. Darum geht es in einem Beitrag von den Internet-Blog kreuz-und-quer.de (Politisches Handeln aus christlicher Veranwtortung).

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    Hier finden Sie weitere Beitrge auf dem u.a. von Norbert Lammert und Bernhard Vogel herausgegebenen Internet-Blog kreuz-und-quer.de

    Stephan Eisel

    Lebensschutz ist Kern der Menschenwrde

    In Deutschland wird angesichts der Einschrnkungen individueller Freiheiten und des ffentlichen Lebens zur Eindmmung der Corona-Epidemie gelegentlich ein knstlicher Gegensatz zwischen dem Schutz des Lebens und der Menschenwrde hergestellt. Ausgangspunkt dieser Debatte ist eine uerung von Bundestagsprsident Wolfgang Schuble in einem Interview mit dem Tagesspiegel am 26. April 2020:

    „Aber wenn ich hre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurckzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig. Grundrechte beschrnken sich gegenseitig. Wenn es berhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Wrde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schliet nicht aus, dass wir sterben mssen.“

    In dieser Aussage stecken drei Unterstellungen, die Wolfgang Schuble nicht so intendiert haben mag, die aber von vielen so verstanden wurden:

    • Lebensschutz und Menschenwrde seien voneinander zu trennen.
    • Lebensschutz sei ein relativierbares Recht.
    • Da der Tod zum menschlichen Leben gehre, sei passiver Fatalismus eine Option.

    Diesen drei Unterstellungen muss klar widersprochen werden:

    1. Lebensschutz ist der Kern der Menschenwrde.

    In Artikel 1 des Grundgesetzes heit es: „(1) Die Wrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schtzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveruerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Artikel 2 schliet unmittelbar an: „(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persnlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmige Ordnung oder das Sittengesetz verstt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und krperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.“

    Die in Artikel 1 von „aller staatlichen Gewalt“ zu schtzende unantastbare Wrde des Menschen, wird in Artikel 2 also zweifach definiert: „Jeder hat das Recht auf Leben und krperliche Unversehrtheit.“ und dann (!): „Die Freiheit der Person ist unverletzlich.“ Folgerichtig begrenzt die Verfassung dieses „Recht auf freie Entfaltung der Persnlichkeit“ unmissverstndlich: Rechte anderer drfen dadurch nicht verletzt werden.

    So benennt das Grundgesetz den Schutz des Lebens als essentiellen Bestandteil der Menschenwrde. Weil es ohne das „Recht auf Leben“ keine „Freiheit der Person“ gibt, ist es unsinnig, Lebensschutz und Menschenwrde in einen Widerspruch zu setzen. Das eine ist Kern und Voraussetzung des anderen.

    2. Das „Recht auf Leben“ begrenzt Grundrechte

    Schuble weist zu Recht darauf hin, dass Grundrechte sich gegenseitig beschrnken, aber deshalb sind sie nicht gleichrangig mit dem „Recht auf Leben“. Niemand wird bestreiten, dass beispielsweise Meinungsfreiheit oder Religionsfreiheit ihre Grenze sptestens dort finden, wo dazu aufgerufen wird, Menschen zu tten oder deren Tod billigend in Kauf zu nehmen. Es ist auch kein Zufall, dass unser Strafrecht die hchsten Strafen fr Mord, Totschlag, fahrlssige Ttung und Krperverletzung vorsieht.

    Grundrechte stehen in einem Spannungsverhltnis zueinander, aber ihre Freiheitsgarantien sind dem Schutz des Lebens untergeordnet. Das entspricht brigens in besonderer Weise dem christlichen Menschenbild, das den klaren politischen Willen einfordert, den Menschen als Geschpf Gottes menschlicher Verfgbarkeit zu entziehen. Das „C“ ist ein Manifest gegen die Relativierung des Lebensschutzes. Im aktuellen Grundsatzprogramm der CDU heit es dazu treffend: „Die unantastbare Wrde des Menschen als Geschpf Gottes ist menschlicher Verfgung nicht zugnglich und ist zu schtzen. Der Mensch ist immer Subjekt, er darf niemals Objekt sein. Die Wrde des Menschen … erfordert Achtung und Schutz des menschlichen Lebens in allen Phasen“.

    3. Vorrang fr das Leben als Staatsaufgabe und individuelle Verantwortung

    Dass wir alle irgendwann sterben mssen, rechtfertigt weder fr den demokratischen Staat noch fr den Einzelnen passiven Fatalismus. Die Abwehr von Gefhrdungen des Lebens beispielsweise durch eine Epidemie verlangen aktives staatliches Handeln ebenso wie verantwortliches Handeln des Einzelnen. Dabei darf und muss der Staat dem Einzelnen auch Freiheitseinschrnkungen zumuten, wenn dadurch das Leben anderer geschtzt wird. Dieses Prinzip ist beispielsweise im Straenverkehr lngst akzeptiert: So konnte durch immer striktere Verkehrsregeln (Freiheitseinschrnkungen) die Zahl der jhrlichen Verkehrstoten von 11.300 im Jahr 1991 auf 3.000 im Jahr 2019 reduziert werden.

    Auch bei der Corona-Bekmpfung macht staatliches Handeln und individuelles Verhalten einen wesentlichen Unterschied. Das zeigen z. B. die Corona-bedingten Todesflle in vergleichbaren Industrielndern.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr April und Mai - auch mit wichtigen Fakten zur Corona-Krise

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  • DIE BEETHOVENS WAREN ÜBER 60 JAHRE:

    mit vier Generationen eine feste Gre in der Bonner Stadtgesellschaft. 1733 hatte Kurfrst Clemens August den Snger Ludwig van Beethoven d. . aus Lttich in die Bonner Hofkapelle abgeworben. 1794 verlieen seine letzten Enkel Bonn und folgten ihrem Bruder Ludwig van Beethoven nach Wien.

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    Dabei handelt es sich um den 2. Teil der achtteilige Beethoven-Serie von Stephan Eisel zum Beethoven-Jubilum im General-Anzeiger:

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr Februar und Mrz 2020.

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  • ZUR CORONA-KRISE IST AUF DEM:

    von Nobert Lammert, Bernhard Vogel u. a. herausgegebenen Internet-Blog kreuz-und-quer.de (Politisches Handeln aus christlicher Verantwortung) ein lesenswerter Beitrag von Stefan Vesper erschienen. Er war bis Ende 2019 Generalsekretr des Zentralkomitees Deutscher Katholiken (ZdK).

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    Stefan Vesper

    Corona: Einschrnkung aus Rcksichtnahme

    In diesen Wochen berschlagen sich die Ereignisse. Das Land, ja Europa und die ganze Welt stehen vor einer noch nie da gewesenen Herausforderung. Das gemeinsame Ziel ist, die Corona-Pandemie zu bekmpfen. Vieles Unwichtige tritt jetzt zurck.

    In dem, was Tag fr Tag berichtet, beraten, diskutiert und entschieden wird, berrascht eine „Erzhlung“ oder ein Begrndungsmotiv, das – mag es auch klein sein - nicht unterschtzt werden sollte. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Schutzmanahmen, alle Veranstaltungsabsagen und Schul- und Kindergartenschlieungen auch dazu dienen, Alte und Schwache zu schtzen, die besonders gefhrdet sind. Es geht also nicht nur darum, dass ich mich nicht infiziere, sondern dass ich, der ich den Virus vielleicht in mir trage, andere, darunter insbesondere die Alten und Schwachen, nicht anstecke.

    Was sich hier zeigt, kennt der christlich-sozial Engagierte als konkret praktizierte Solidaritt. Man fhlt sich erinnert an den Satz von Alois Glck, dem langjhrigen CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag und Prsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der immer wieder fragte: „Wie schaffen wir es, dass eine Gesellschaft sich so verhlt wie Eltern, die zum Wohle ihrer Kinder auf etwas verzichten, was nicht lebensnotwendig ist?“

    Wir tun etwas fr andere, indem wir ihnen helfen,, wie es gerade in vielen Husern, Straen und Nachbarschaften geschieht mit Einkaufshilfen fr jene, die nicht hinausgehen knnen. Und wir tun etwas fr andere, indem wir etwas nicht tun, nmlich indem wir die besonders Gefhrdeten nicht anstecken und verantwortungsvoll verhalten. „Stay home – it could save lives“ posten viele Menschen mit ihren Portraits in den online-Plattformen. Tu du etwas, oder tu du etwas nicht, damit du andere nicht schdigst. Das ist Gemeinwohlorientierung. Oder, mit den Worten von Jrgen Klopp: „Natrlich mchten wir nicht vor einem leeren Stadion spielen und mchten nicht, dass Spiele ausgesetzt werden. Wenn dies jedoch dazu beitrgt, dass eine Person gesund bleibt, - nur eine – werden keine Fragen gestellt“.

    1973 erhielt der Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit mit dem Titel "Die Grenzen des Wachstums" den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Unter anderem zeigten die Forscher um Denis und Donella Meadows eine Grundhaltung vieler Menschen auf, nmlich, stark verkrzt, dass das Denken an „mich“ und das Denken an „heute“ im Vordergrund steht – im Gegensatz zum Denken an den „anderen“ und das Denken an „morgen“ oder „bermorgen“. Sie zeigten, dass – bei den einen aus Not, bei den anderen aus Gleichgltigkeit - die Aufmerksamkeit auf der Zeitskala von "kommende Woche", ber "die nchsten Jahre", "meine Lebensspanne", bis zu "Lebensspanne der Kinder" kontinuierlich abnimmt. Das gleiche gilt fr eine Skala bezogen auf den Lebensraum mit abnehmender Rcksicht in der Skala "Familie", "Nachbarschaft, Arbeit, Stadt", "Nation", "Erde". Ich denke an mich und meine Familie in der nchsten Woche, das scheint zur conditio humana zu gehren – und zeigt sich heute in Hamsterkufen.

    Aber es gibt eben auch das Denken an andere, gerade in der jetzigen Situation. Die Zeichen der Solidaritt und Rcksichtnahme, die Bereitschaft zum wenn auch notgedrungenen „Verzicht“ in diesen Tagen, ist auch ein Ausdruck, das Wohl ihrer Stadt in den nchsten Wochen in das heutige Handeln einzubeziehen. Knnte daraus nicht die Kraft erwachsen, das Wohl meines Landes in meiner Lebensspanne, das berleben der Erde in der Lebensspanne meiner Enkel in den Blick zu nehmen? Es wren durchaus Linien zu ziehen zur Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus.

    Freilich sind wir mitten in einem laufenden Geschehen. Der Verlauf der kommenden Wochen ist nicht abzusehen. Der gesunde Menschenverstand und die Erfahrung lassen vermuten, dass es noch Phasen der Wut, des Protestes, der Ermdung, hoffentlich nicht der Verzweiflung geben wird. Die Wucht der Entscheidungen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene wird noch durchschlagen. Wir sind lngst nicht am Ende der Entwicklungen. Aber der „kleine rote Faden“ in der Debatte, dieser mitschwingende Ton der Rcksichtnahme und der Verantwortung aller, lsst hoffen.

    Politik aus christlicher Verantwortung muss sich – auch wenn die Corona-Krise hoffentlich eines Tages berwunden sein wird - einer neu verstandenen Nachhaltigkeit stellen. Gemeint ist ein Handeln, das Entscheidungen heute im Blick auf die langfristigen Folgen fllt. Genau wie heute mit Blick auf den Virus gilt es zu fragen: Wo schade ich, wo schaden wir durch heutiges Handeln schon jetzt lebenden Menschen, sie mgen hier in meiner Nhe wohnen und sehr weit weg. Und wo schadet mein Handeln heute, wo schadet unser Handeln heute knftig lebenden Menschen in der Nhe und Ferne. Unser Umgang mit den Ressourcen, unsere Nutzung der Atomkraft, unsere Mobilitt bis hin zum Tempolimit auf Autobahnen, unsere Vorstellungen von Wohlstand und Wachstum – sie alle gehren auf den Prfstand. Vielleicht knnen wir hierzu aus dem Kampf gegen Corona lernen. Vielleicht sind wir schon dabei. Vielfach geht der Satz durchs Netz „Solidaritt durch Einschrnkung, um die Schwachen der Gesellschaft zu schtzen.“

    Dr. Stefan Vesper (1956) war von 1999 bis 2019 Generalsekretr des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Er hat Geschichte und Katholische Theologie in Kln und Bonn studiert und wurde an der Universitt Osnabrck/Vechta promoviert. Von 1987 – 1999 war er Pdagogischer Mitarbeiter am Katholisch-Sozialen Institut (KSI) der Erzdizese Kln in Bad Honnef.

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  • DIE CDU MUSS IN DER MITTE BLEIBEN.:

    Gerade nach demRckzug von Annegret Kramp-Karrenbauer muss klar bleiben, dass fr die CDU eine Kooperation mit der LINKEN oder der AfDnicht in Frage kommt. Deshalb ist jetzt Armin Laschet als Mann der Mitte gefordert, Fhrungsverantwortung zu bernehmen.

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    Stephan Eisel

    Das Thringen-Debakel

    Die CDU muss in der Mitte bleiben

    Als Roman Herzog (CDU) 1994 bei der Bundesprsidentenwahl gegen Johannes Rau (SPD) antrat, war ein knappes Ergebnis absehbar, bei dem die links – bzw. rechtsextremen Parteien PDS (33 Sitzen) und Republikaner (8 Sitze) in der Bundesversammlung leicht zum Znglein an der Waage werden konnten. Roman Herzog erklrte vor der geheimen Wahl, dass er die Wahl nicht annehmen werde, wenn sein Stimmvorsprung geringer wre als die Zahl der Sitze der extremen Parteien. Johannes Rau verweigerte leider eine solche Festlegung. Herzog wurde dann im dritten Wahlgang mit 91 Stimmen Vorsprung zum Bundesprsidenten gewhlt.

    Htte sich Thomas Kemmerich (FDP) bei seiner Kandidatur zum Ministerprsidenten in Thringen an Herzogs Beispiel orientiert, wre der Republik viel erspart geblieben. Demokraten drfen sich von Extremisten nicht in mter whlen lassen. Demokratische Grundwerte schlieen aus, dass der Zweck die Mittel heiligt. Kemmerich htte die Wahl nicht annehmen drfen. Der fast jubelnde Glckwunsch des stv. FDP-Bundesvorsitzenden Wolfgang Kubicki war beschmend und die aalglatten Windungen des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner in seiner ersten Stellungnahme entlarvend. Erst massive ffentliche Emprung hat die FDP-Spitze zum Kurswechsel veranlasst. 

    Dass die AfD mit ihrem Manver einmal mehr ihr wahres Gesicht gezeigt hat, ist nicht berraschend: Einen Kandidaten zur Wahl vorzuschlagen und ihn dann nicht zu whlen, offenbart eine tiefe Verachtung fr die Grundregeln von Demokratie und Anstand. Dieses AfD-Vorgehen war nichts anderes als eine ffentliche Lge. Wenn die AfD nun berlegt, durch Stimmabgabe fr Bodo Ramelow von den LINKEN dessen Wahl zu blockieren, offenbart dies noch einmal: Der Partei geht es um Chaos, das die Demokratie schdigt, Politikverdrossenheit frdert und es der AfD ermglicht, sich als Retter zu prsentieren. Diese Strategie erinnert an den Niedergang der Weimarer Republik.

    Wer die Demokratie verteidigen will, muss die AfD bekmpfen und deren Whler ber die wahre Absicht der Parteifunktionre aufklren. Wenn die angebliche „Werteunion“ hingegen der CDU eine Kooperation mit der AfD empfiehlt, setzt sie sich in Widerspruch zu dem, wofr die CDU steht. Wer sich nicht klar von der AfD abgrenzt, verabschiedet sich von den Werten der Demokratie und des christlichen Menschenbildes. Mit einer Mitgliedschaft in der CDU ist das nicht vereinbar.

    Man kann AfD und LINKE nicht gleichsetzen, muss sich aber als Partei der Mitte von beiden abgrenzen, will man seine Glaubwrdigkeit nicht verlieren. Mitte und Extreme sind unvereinbar. Deshalb hat der CDU-Bundesparteitag eine Kooperation mit AfD und der LINKEN zu Recht ausgeschlossen.

    Die Linke hat in Thringen mit ihrem brgerlich wirkenden Spitzenmann Bodo Ramelow geschickt davon abgelenkt, dass die Partei tatschlich einen linksextremistischen Kern hat. Die „Kommunistische Plattform“ und „Marxistisches Forum“ sind offizielle Partei-Zusammenschlsse und werden auf der Homepage der Linken beworben. Der Bundestagsfraktion der Linken gehrt seit Jahren z. B. Dieter Dehm an, dessen Stasi-Akte vielfltige Bespitzelungen u. a. auch von Wolf Biermann nach dessen Ausbrgerung schildert. Der ehemals fhrende SED-Funktionr und letzte SED-DDR-Ministerprsident Hans Modrow ist Vorsitzender des ltestenrats der Partei. Gregor Gysi, seit Jahren Fhrungsfigur der LINKEN, war der letzte Vorsitzende der SED und hat statt deren Auflsung die Umbenennung zur PDS betrieben. Das Parteiprogramm formuliert unmissverstndlich das Ziel der Systemvernderung zu einer „Gesellschaft des demokratischen Sozialismus“. Nach wie vor weigert sich die Partei, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Die Zusammenarbeit der LINKEN mit Diktaturen wie in Venezuela, Kuba oder Russland ist intensiv. Niemand kann von einem Christdemokraten erwarten, Reprsentanten einer solchen Partei die Stimme zu geben. Daran ndern auch brgerliche Umgangsformen und Beliebtheitswerte nichts. Verantwortungsvolle Politik lsst sich nicht vom Schein blenden, sondern bewertet die Substanz.

    Hier liegt auch das Problem von SPD und GRNEN. Nach der Landtagswahl 2014 verweigerte die SPD die Fortsetzung der Groen Koalition mit der CDU und zog die Zusammenarbeit mit der LINKEN vor. Die GRNEN verhielten sich ebenso und wollten lieber mit der LINKEN koalieren als die Einstimmen-Mehrheit einer CDU-SPD-Koalition durch ihre durch ihre Untersttzung zu verstrken. Dass SPD und GRNE die Zusammenarbeit mit der extremen Linken einer Koalition mit den Parteien der Mitte vorzogen und vorziehen, ist eine wesentliche Ursache der verfahrenen Situation in Thringen. Sie ignorieren damit auch, dass die rot-rot-grne Landesregierung bei der letzten Wahl abgewhlt wurde und keine Mehrheit mehr hat.

    Leider hat auch die CDU-Landtagsfraktion in Thringen eine denkbar schlechte Figur gemacht. Es ist wenig glaubwrdig, dass man das Stimmverhalten der AfD als Mglichkeit nicht vorher bedacht hat. Sollte das doch der Fall gewesen sein, grenzte die Naivitt schon an Dummheit. Das Problem war nicht, dass die CDU in der Alternative zu Bodo Ramelow fr Herrn Kemmerich stimmte, sondern dass man mit ihm nicht vor der Wahl fr den Fall der AfD-Untersttzung die Nicht-Annahme der Wahl verabredet hat.

    Sowohl bei der Wahl selbst als auch im Umgang mit der dadurch eingetretenen Krise konnte man ber die Fhrung der Thringer CDU nur den Kopf schtteln. Taktiererei als Selbstzweck ist nie gut und ein klarer Kurs war bei der Thringer CDU seit der Landtagswahl nicht erkennbar. Deshalb ist dort eine personelle Erneuerung berfllig.

    Dass Annegret Kramp-Karrenbauer im Zusammenhang mit dem Thringen-Debakel auf die Kanzlerkandidatur verzichtet und den CDU-Vorsitz abgeben will, ist bedauerlich und zugleich ein respektabler Schritt: Sie ist eine gradlinige und ehrliche Politikerin, deren klare Positionierung auch weiter gelten muss: Weder die LINKE noch die AfD kommen als Partner fr die CDU in Frage. Das muss auch knftig gelten. Jetzt ist Armin Laschet als Mann der Mitte gefordert, Fhrungsverantwortung bernehmen, damit die CDU dem Kurs der Mitte verpflichtet bleibt. Andernfalls riskiert sie ihre Stellung als letzte verbliebene Volkspartei in Deutschland.

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  • 22 JAHRE WAR BEETHOVEN IN BONN -:

    lnger als Mozart in Salzburg. Hier reifte er im Geiste der Aufklrung zur musikalischen wie auch charakterlichen und politischen Persnlichkeit, sammelte wichtige und prgende Erfahrungen als Organist und Orchestermusiker, entwickelte sich zum auergewhnlichen Pianisten und profilierte sich als Komponist.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Bisher sind im General-Anzeiger Bonn vier Teile der Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen:

    • Bonn war Beethovens Talentschmiede(16.12.2019)
    • Die Beethovens: Eine feste Gre in der Stadt(10.1.2020)
    • Die Musikstadt Bonn(17.1.2020)
    • Wo es nur noch Menschen geben wird (25.01.2020)

    Im Februar erscheint von im Verlag Beethoven-Haus:

    Stephan Eisel,„Beethoven – Die 22 Bonner Jahre“ erscheint im Februar 2020 im Verlag Beethoven-Haus (550 S., bebildert).

    Zum Vorzugspreis von 29,80 Euro knnen Siedas Buch hier subskribieren.

    Stephan Eisel

    Bonn war Beethovens Talentschmiede

    Als Ludwig van Beethoven am 17. Dezember 1770 in der damaligen Remigiuskirche (am heutigen Remigiusplatz) getauft wurde, war die Familie Beethoven schon seit Jahrzehnten eine feste Gre in der kurfrstlichen Residenzstadt am Rhein. Schon 1733 hatte Kurfrst Clemens August den damals erst 21-jhrigen Snger Ludwig van Beethoven d. . aus Lttich mit einem berdurchschnittlichen Gehaltsangebot nach Bonn abgeworben.

    Der neu verpflichtete Hofmusiker mietete sich in der Rheingasse ein. Noch im selben Jahr heiratete er die zwei Jahre jngere Maria Josepha Ball in derselben Kirche, in der spter sein Enkel getauft werden sollte. Um 1740 kam ihr Sohn Johann zur Welt.1761 wurde Ludwig van Beethoven d. . von Kurfrst Max Friedrich zum Hofkapellmeister ernannt. Sechs Jahre spter heiratete sein Sohn Johann, inzwischen ebenfalls Snger und Hofmusiker, die 21- jhrige, bereits verwitwete Koblenzerin Maria Magdalena Keverich.

    Die junge Familie zog in die Bonngasse, wo ihr Sohn Ludwig van Beethoven am 16. oder 17. Dezember 1770 geboren wurde. Da es damals noch keine Geburtsregister gab, ist das nicht genau festzustellen. Der erste Musiklehrer des kleinen Ludwig war sein Vater Johann. Er organisierte auch am 26. Mrz 1778 den ersten ffentlichen Auftritt seines damals gerade einmal siebenjhrigen Sohnes – gemeinsam mit der 18-jhrigen Altistin und Hofmusikerin Johanna Helena Averdonk, die ebenfalls seine Schlerin war. Der Ankndigungszettel des Konzertes ist erhalten: Im „Musikalischen Akademiesaal in der Sternenga“ zu Kln prsentierte Johann van Beethoven „sein Shngen … mit verschiedenen ClavierConcerten und Trios“.

    Von da an gehrte das Klavierspiel vor Zuhrern zur Routine fr den heranwachsenden Beethoven. Der Bonner Hofmusiker Bernhard Murer erinnerte sich spter: „Wie sein Louis es im fertigen Spielen so weit gebracht hatte, da er sich mit Beifall … konnte hren lassen, lud sein exaltirter Vater jeden, der ihm nur zu Gesichte kam, ein, seinen Louis zu bewundern.“

    Mit seinem zehnjhrigen Sohn Ludwig unternahm Johann van Beethoven dann auch 1781 eine kleine Rundreise zu Musikfreunden in der Region. Der Weg fhrte sie linksrheinisch nach Flamersheim (heute Euskirchen), Odendorf (heute Swisttal), Oberdrees (heute ein Stadtteil von Rheinbach), Ahrweiler, Ersdorf (heute Meckenheim) und zu den damals selbststndigen Drfern Rttgen und Poppelsdorf. Rechtsrheinisch ging es nach Oberkassel, Hennef und Bensberg sowie in die Siegburger Benediktiner- Abtei.Es gehrt zu den oft bersehenen Verdiensten des Vaters, dass er fr seinen Sohn schon frh (im Alter von acht Jahren) andere Lehrer suchte, weil er sich eingestandt, ihm nichts mehr beibringen zu knnen. Hier sind vor allem der hochbetagte Hoforganist Gilles van den Eeden und die jungen Hofmusiker Tobias Friedrich Pfeifer sowie Franz Georg Rovantini zu nennen.

    Dabei war von entscheidendem Vorteil, dass die Residenzstadt Bonn ein von den jeweiligen Kurfrsten ber mehr als hundert Jahre gefrdertes Zentrum der Musik war. Die Hlfte der damals etwa 10.000 Einwohner – die Stadtgrenzen entsprachen in etwa der heutigen Innenstadt mit der Fugngerzone – gehrten zu Familien, die ihr Auskommen am kurfrstlichen Hof und in der kurfrstlichen Verwaltung fanden. Die andere Hlfte gehrte zu Handwerkerfamilien.

    Die kurfrstliche Hofkapelle war als Teil des Hofstaates und im Wettbewerb mit Mannheim das fhrende Orchester im deutschsprachigen Raum. Bonner Familien wie Salomon, Ries und Simrock brachten ber Generationen hinweg talentierte Hofmusiker hervor. Zugleich blhte in Adelskreisen und auch im Brgertum eine breite Szene mit vielen weit berdurchschnittlich begabten Amateurmusikern. Zu Beethovens Zeiten war Bonn durch und durch eine Musikstadt.

    Diesem Umstand ist auch wesentlich zuzuschreiben, dass mit dem Sachsen Christan Gottlob Neefe im Jahr 1781 ein sehr erfolgreicher Komponist nach Bonn kam. Er wurde Hoforganist, brachte als dessen Lehrer den jungen Ludwig van Beethoven in Kontakt mit der Bachschen Musik und war mit seinem nationalen Netzwerk ein besonderer Frderer des jungen Talents.

    Beethoven vertrat Neefe ab dem Jahr 1782 an der Orgel und wurde 1784 im Alter von nur 13 Jahren stellvertretender Hoforganist in Gala-Uniform. Damit war Beethoven also schon mit 13 Jahren Berufsmusiker. Berufen hatte ihn der neue Kurfrst Max Franz, der als jngster Sohn von Kaiserin Maria Theresia selbst eine solide musikalische Ausbildung erhalten hatte. Er war mit Mozart bekannt, nannte eine reichhaltige Notensammlung sein Eigen und spielte selbst als Bratschist – auch mit Beethoven — gerne in kammermusikalischen Ensembles. Der junge Beethoven konnte es mit diesem Musikliebhaber als Dienstherrn kaum besser treffen.

    Max Franz war zugleich ein sehr liberaler Herrscher. Demonstrativ wohnte er nicht im kurfrstlichen Schloss und war oft in schlichter Kleidung auf den Straen Bonns zu sehen. Er frderte auch Orte des offenen Austausches wie die 1787 gegrndete und bis heute existierende Lesegesellschaft. Musiker waren dort — wie schon zuvor im Illuminaten-Orden — besonders zahlreich vertreten, und nicht zuletzt Beethovens Lehrer Neefe gehrte dazu.

    Auf den jungen Beethoven blieb dies nicht ohne Einfluss. Bald schloss er sich einem Freundeskreis an, der sich um die von der „Wittib“ Koch gefhrten Gastwirtschaft „Zehrgarten“ am Bonner Marktplatz gebildet hatte. Dort traf man sich und diskutierte die neuesten Stcke von Friedrich Schiller und die Ereignisse, die auf die Franzsische Revolution hinfhrten. Beethovens Bonn war eine Stadt der Offenheit und des regen Austauschs neuer Gedanken und Ideen.

    Zugleich schritt Beethovens musikalische Entwicklung voran. Neben seinem Orgeldienst in verschiedenen Bonner Kirchen sammelte er auch Erfahrungen als Cembalist im Orchester. Sein ziel: Er wollte Hofkapellmeister wie sein Grovater werden.

    Als Beethovens Ausnahmetalent immer deutlicher hervortrat, schickte ihn Kurfrst Max Franz 1787 zur Ausbildung nach Wien — zu Mozart. Dieser Studienaufenthalt fiel allerdings krzer als geplant aus, weil Beethovens Mutter schwer erkrankte. Sie verstarb im Juli 1787. In der Folge verfiel der Witwer Johann van Beethoven dem Alkohol und sein 16-jhriger Sohn Ludwig musste die Verantwortung fr seine beiden jngeren Brder bernehmen.

    In dieser Zeit wurde die Familie von Breuning mit vier Kindern etwa in Beethovens Alter zur Ersatzfamilie fr den jungen Musiker. Dort wurde er auch durch die Teilnahme am Privatunterricht fr die Kinder in den Bildungskanon der Zeit eingefhrt. Die zwei Jahre jngere Eleonore von Breuning darf als Ludwigs erste Jugendliebe gelten, und ihr Bruder Stephan, der spter ebenfalls nach Wien zog, war zeitlebens einer von Beethovens engsten Freunden. Eine lebenslange Freundschaft verband Beethoven auch mit dem Bonner Arzt Franz Gerhard Wegeler, der spter Eleonore von Breuning heiratete.

    So wurde Ludwig van Beethoven in einem Umfeld erwachsen, in dem hohes musikalisches Niveau, der offene Geist der Aufklrung und persnliche Freundschaften eng miteinander verwoben waren. Neider und Feindschaften sind aus den Bonner Beethoven-Jahren nicht bekannt und wurden auch rckblickend nicht von ihm benannt.

    Musikalisch spiegelten sich in Bonn damals wie im Brennglas die aktuellsten Trends der Zeit. Man spielte die neuesten Kompositionen zum Beispiel von Haydn und Mozart. So kam beispielsweise „Don Giovanni“ schon ein Jahr nach der Prager Urauffhrung in Bonn auf die Bhne. Zugleich warb Kurfrst Max Franz immer wieder europische Spitzenmusiker fr die Hofkapelle an. Dazu gehrten neben Neefe beispielsweise auch der Italiener Andrea Luchesi als Hofkapellmeister und der bhmische Cellist und Konzertmeister Joseph Reicha.

    In Beethovens Alter kamen Ausnahmetalente wie Anton Reicha (Flte) und die Vettern Bernhard (Cello) und Andreas Romberg (Violine) nach Bonn. Sie machten von dort als Solisten und Komponisten Karriere auf den europischen Konzertbhnen. Beethoven konnte sich so mit anderen Ausnahmetalenten messen.1789 begann Beethoven seinen zustzlichen Orchesterdienst als Bratscher. So lernte er die Musikliteratur seiner Zeit in Bonn nicht nur durch theoretisches Studium kennen, sondern auch durch eigenes Spiel im Orchester. Im Juli 1791 wird er bei einer Auflistung der Hofmusiker so hufig genannt wie kein anderer, nmlich gleich an drei Stellen: als Organist, als Bratschist und mit dem Hinweis „Klavierkonzerte spielt Hr Ludwig v. Beethoven“.

    Als Solist am Klavier zog Beethoven wegen seines auergewhnlichen Talents frh die Aufmerksamkeit auf sich. Schon 1783 schrieb Christian Gottlob Neefe im „Magazin der Musik“ ber den erst zwlfjhrigen Ludwig: „Er wrde gewi ein zweyter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fortschritte, wie er angefangen.“

    Als Beethoven im November desselben Jahres mit seiner Mutter zum Verwandtenbesuch nach Rotterdam reiste und in Den Haag mit dem 25 Jahre lteren Geiger und Komponisten Carl Stamitz ein Konzert gab, vermerkt der erhaltene Gagenzettel fr das Bonner Ausnahmetalent ein Honorar von 63 Gulden, whrend sich der etablierte Stamitz mit nur 14 Gulden begngen musste.

    Beethovens pianistische Entwicklung schritt in Bonn so konsequent voran, dass der Musikkritiker, Pianist und Komponist Carl Ludwig Junker ihn im November 1791 als den „grten Spieler auf dem Klavier“ bezeichnete und schrieb: „Sein Spiel unterscheidet sich auch so sehr von der gewhnlichen Art das Klavier zu behandeln, da es scheint, als habe er sich einen ganz eigenen Weg bahnen wollen, um zu dem Ziel der Vollendung zu kommen, an welchem er jetzt steht.“ Schon in den ersten Wiener Monaten machte Beethoven mit diesen in Bonn erworbenen pianistischen Fhigkeiten Furore. So sagte der etablierte Komponist und hochgeachtete Pianist Abb Joseph Gelinek ber den zwanzig Jahre jngeren Beethoven Mitte 1793 nach einem Klavier-Duell: „In dem jungen Menschen steckt der Satan. Nie habe ich so spielen gehrt! Er phantasierte auf ein von mir gegebenes Thema, wie ich selbst Mozart nie phantasieren gehrt habe. Dann spielte er einige Kompositionen, die im hchsten Grade wunderbar und groartig sind, und er bringt auf dem Klavier Schwierigkeiten und Effekte hervor, von denen wir uns nie etwas haben trumen lassen.“

    Die Improvisationskraft Beethovens hatte schon in Bonn die Menschen fasziniert. Sein Jugendfreund Joseph Wurzer schildert spter die auergewhnliche Wirkung von Beethovens Orgelspiel bei einem Besuch in der Kirche im Godesberger Kloster Marienforst: „.B. fing nun an, Themata, die ihm die Gesellschaft aufgab, zu variieren, so da wir wahrhaft davon ergriffen wurden; aber was weit mehr war, und den neuen Orpheus verkndigte: gemeine Arbeitsleute, die unten in der Kirche das durch das Bauen Beschmutzte rein machten, wurden lebhaft davon afficirt, legten vor und nach ihre Werkzeuge hin, und hrten mit Staunen und sichtbarem Wohlgefallen zu.!“

    Whrend sich die Laufbahn des Solisten Beethoven in Wien fortsetzte, war Beethovens Orchesterdienst auf die Bonner Jahre beschrnkt. Aber in jenen Jahren lernte er sowohl die Mglichkeiten und Grenzen der unterschiedlichen Instrumente kennen, als auch das „Instrument Orchester“. Dabei wurde er mit einem umfangreichen Repertoire konfrontiert. In den fnf Spielzeiten als Bratscher wirkte Beethoven bei der Auffhrung von etwa 50 verschiedenen Opern mit. Der praktische Musiker, der Beethoven in Bonn viel strker als spter in Wien war, schuf das Fundament fr den Komponisten Beethoven.

    Schon whrend seiner Bonner Zeit hat Ludwig van Beethoven mehr als 60 Kompositionen geschaffen, und man darf davon ausgehen, dass er bei seiner Abreise schon viele neue musikalische Ideen im Kopf hatte, die er dann in Wien zu Papier brachte.

    Die erste gedruckte Komposition Beethovens erschien bereits 1782 in Mannheim. Im Alter von gerade einmal elf Jahren hatte er die Neun Variationen fr Klavier ber einen Marsch von Ernst Christoph Dressler (c-moll) WoO 63 komponiert. 1783 folgten im gleichen Verlag weitere Werke, darunter die drei „Kurfrsten-Sonaten“. Schon hier fallen frhe eigene Akzente und groe Kreativitt auf. So wiederholte er in keinem der neun Sonatenstze einen musikalischen Einfall.

    In dieser ersten Bonner Schaffensphase von 1783 - 1786 komponierte Beethoven noch einige weitere Klavierstcke, Lieder und Kammermusikstcke. Dabei fallen besonders auch drei Quartette fr Klavier, Violine, Viola und Violoncello auf, weil diese Besetzung damals noch vllig unblich war.Dazu kam bereits 1784 ein Klavierkonzert in Es-Dur (WoO 4), von dem immerhin 32 Bltter mit Korrekturen des Komponisten berliefert sind. Kurze Zeit spter begann Beethoven mit einer Sinfonie, die allerdings nur sehr fragmentarisch erhalten ist.

    Wohl wegen der schweren familiren und persnlichen Krise rund um den Tod der Mutter sind fr 1787/1788 keine nennenswerten Kompositionen bekannt. Umso fruchtbarer war Beethovens zweite Bonner Kompositionsphase in den Jahren 1789 - 1792. In dieser Zeit entstanden einige Arien fr Singstimme und Orchester sowie Klaviervariationen ber Opernarien. Am 6. Mrz 1791 wurde an einem Karnevalssonntag Beethovens Musik zu einem Ritterballett uraufgefhrt.

    Schon 1786 hatte Beethoven in Bonn mit den Arbeiten an einem Werk begonnen, das in seiner Entstehung immer wieder flschlicherweise der Wiener Zeit zugeordnet wird: Das Konzert fr Klavier und Orchester Nr. 2 in B-Dur (op. 19). Die wesentlichen Teile dieses Konzerts stellte Beethoven bereits 1792 in Bonn fertig.Zu den wichtigsten Bonner Beethoven-Kompositionen gehren die Kantaten auf den Tod Kaiser Josephs II. (WoO 87) und auf die Kaiserkrnung Leopolds II. (WoO 88), jeweils 1790 fr Solostimmen, gemischten Chor und Orchester geschrieben. Lange waren diese Partituren verschollen. Als sie dann 1884 in seine Hnde fielen, schrieb Johannes Brahms dazu: „Wre nicht das historische Datum (Februar 1790), so wrde man jedenfalls auf eine sptere Zeit raten … Stnde aber kein Name auf dem Titel, man knnte auf keinen andern raten – es ist alles und durchaus Beethoven!“

    Das Klischee, Beethoven habe in Bonn nur in den Windeln gelegen und sei erst in Wien zum eigenstndigen Komponisten geworden, ist weit von der Wirklichkeit entfernt. Beethovens Bonner Kompositionen hatten schon ihren Weg nach Wien gefunden, bevor er selbst dorthin aufbrach. So warb beispielsweise die „Wiener Zeitung“ am 13. August 1791 fr den Kauf von Beethovens Bonner Rhighini-Variationen (WoO 65).

    Auch eines der bekanntesten Werke von Beethoven, die Vertonung von Schillers „An die Freude“ im 4. Satz der 9. Sinfonie, hat Bonner Wurzeln. Am 26. Januar 1793 – wenige Wochen nach Beethovens Abreise nach Wien – schrieb Beethovens Freund Bartholomus Fischenich aus Bonn unter Bezug auf den jungen Komponisten an Friedrich Schillers Frau Charlotte: „Er wird auch Schillers Freude und zwar jede Strophe bearbeiten. Ich erwarte etwas vollkommenes, denn soviel ich ihn kenne, ist er ganz fr das Groe und Erhabene.“ Als Beethoven am 2. November 1792 Bonn verlie, ging er davon aus, nach einiger Zeit zurckzukehren. Deshalb zahlte ihm der Kurfrst sein Gehalt als Hofmusiker weiter. Aber dann besetzten die Franzosen im Herbst 1794 die Residenzstadt Bonn, der Kurfrst musste fliehen und die Hofkapelle war aufgelst. Beethoven hatte sozusagen seine Planstelle verloren.

    So blieb er in Wien, aber auch dort seiner Heimat stets eng verbunden. Aus Bonn zogen seine beiden Brder und einige Freunde nach Wien, und der Rhein blieb sein Sehnsuchtsort. Als ihn 1812 der 20 Jahre jngere und spter berhmte Gartenbauarchitekt Peter Lenn aus Bonn in Wien besuchte, rief Beethoven begeistert aus: „Dich versteh‘ ich, Du sprichst Bnnisch.“

    Der 250. Geburtstag des Komponisten lenkt den Blick der Welt auf Beethovens Geburtsstadt und seine Heimat. Rhein und Siebengebirge als Quellen seiner Naturverbundenheit, das offene geistige Klima in der Residenzstadt. Ein eng miteinander verbundener Freundeskreis und die Musikstadt Bonn waren fr Beethoven der Humus, auf dem sich sein Talent entwickelte. Der bis heute entscheidende Beethoven-Biograf Alexander Wheelock Thayer (1817-1897) kam 1866 zu dem Schluss: „Fr uns bleibt das Ergebnis, da Beethoven, als er von seiner Vaterstadt Abschied nahm, nicht blo die Formen, in denen er schuf, namentlich die der Kammermusik, technisch beherrschte, sondern auch seine knstlerische Eigenart entwickelt hatte.“

    Fr den aktuellen Forschungsstand schliet der Wrzburger Musikwissenschaftler und Leibniz-Preistrger Ulrich Konrad, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des Bonner Beethoven-Hauses, daran an: „Dass der Bonner Beethoven keine Larve war, aus der erst in Wien der wirkliche Knstler geschlpft ist, diese Behauptung sollte … als berechtigte Annahme fr die Biographie wie fr den schpferischen Werdegang des Komponisten unstrittig sein.“Mehr von diesem „Bonner Beethoven“ zu entdecken, sollte im Jubilumsjahr eine wichtige Aufgabe sein – 250 Jahre nach seiner Geburt in der Stadt am Rhein ist das berfllig.

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  • AM 2. 2. FINDET DAS KLAVIERKABARETT:

    LUDWIG ALAAF von Stephan Eisel um 10:30 Uhr im Kulturzentrum Hardtberg statt (Rochusstrae 276, 53123 Bonn).22 Jahre hat Beethoven in Bonn gelebt und gearbeitet. Er war dabei nicht der grimmige, vom Schicksal beladene Komponist als der er oft dargestellt wird, sondern hatte eine sehr heitere Seite. Es erwarten Sie berraschende Einsichten zu Ludwig und Fingerbungen zwischen Pop, Jazz und Klassik. Dabei geht sowhl um die von Beethoven in seinen Werken umgesetzte "rheinische Tuschung" als auch den Nachweis, dass er die wichtigsten rheinischen Karnevalslieder komponiert hat. Das Bonner Prinzenpaar hat sich zu einem Besuch angesagt.

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  • DIE BEETHOVENS WAREN IN BONN:

    ber 60 Jahre mit vier Generationen eine feste Gre in der Bonner Stadtgesellschaft. Mit der Familie des grten Sohns der Stadt am Rhein befasste sich die erste Folge einer mehrteiligen Serie von Stephan Eisel zum Bonner Beethoven im General-Anzeiger.


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    Bisher sind im General-Anzeiger Bonn vier Teile der Beethoven-Serie von Stephan Eisel erschienen:

    • Bonn war Beethovens Talentschmiede(16.12.2019)
    • Die Beethovens: Eine feste Gre in der Stadt(10.1.2020)
    • Die Musikstadt Bonn(17.1.2020)

    Im Februar erscheint von im Verlag Beethoven-Haus:

    Stephan Eisel,„Beethoven – Die 22 Bonner Jahre“ erscheint im Februar 2020 im Verlag Beethoven-Haus (550 S., bebildert).

    Zum Vorzugspreis von 29,80 Euro knnen Sie das Buch hier subskribieren.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr die letzten Wochen.

    MEINE GEDANKENANSTSSE ZU [mehr]

  • DEMOKRATIE GEGEN EXTREMISTEN ZU:

    verteidigen, ist ein Kernbestand christlich-demokratischer Identitt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bedrohung der demokratischen Ordnung von rechter oder linken Extremisten oder religisen Fanatikern kommt. Darum geht es im 5. Beitrag der Reihe "Was ist christdemkratisch ?"

    WAS IST CHRISTDEMOKRATISCH ?
    Eine Artikelserie von Stephan Eisel

    Teil 1 : "Das christliche Menschenbild" knnen Siehier ausdrucken.

    Teil 2: "Subsidiaritt" knnen Siehier ausdrucken.

    Teil 3: "christ-sozial - konservativ - liberal" knnen Siehier ausdrucken.

    Teil 4: "Lebensschutz" knnen Sie hier ausdrucken.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Wehrhafte Demokratie

    1. Leitsatz

    Ohne Demokraten ist die freiheitliche Demokratie nicht berlebensfhig ist. Deshalb liegt das Schicksal der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in der Verantwortung jedes Brgers. Zu dieser Verantwortung gehrt es nicht nur, das eigene Verhalten an demokratischen Grundstzen zu orientieren, sondern diese auch gegen ihre Feinde zu verteidigen. Wehrhaft muss die Demokratie insbesondere dort sein, wo ihre eigenen Fundamente angegriffen werden – insbesondere die Achtung der Menschenwrde, die Akzeptanz der Mehrheitsregel bei Minderheitenschutz und die Achtung des staatlichen Gewaltmonopols durch individuellen Gewaltverzicht. Dabei ist es unerheblich, ob diese Grundlagen von Links- bzw. Rechtsextremisten, religisen Fundamentalisten oder aus anderen Grnden in Frage gestellt werden.

    2. Grundstze

    Die streitbare Demokratie kennt nicht zweierlei Ma oder unterschiedlich starken Einsatz in der Abwehr von rechtem und linkem Extremismus oder religisem Fundamentalismus. Dabei hat nicht nur die Relativierung extremistischer Gefahren gefhrliche Folgen, sondern auch das Totschweigen des Themas. Die demokratische Pflicht einer wehrhaften Demokratie lsst sich nicht in Stille erledigen, sie braucht das ffentliche Bekenntnis.

    Fr jene Generation, die diktatorische Systeme und ihre totalitren Eingriffe in das Leben des Einzelnen erfahren hat, war diese Erkenntnis naheliegend. Wem die Freiheit genommen war, wei, dass sie nicht selbstverstndlich ist. Wem freie Wahlen verweigert wurden, wei, was Wahlrecht bedeutet. Wer hilflos dem Faustrecht des Strkeren ausgesetzt war, fr den sind Schutz der Menschenwrde und Minderheitenschutz keine abstrakten Themen. Das gilt in der deutschen Geschichte fr die NS-Diktatur ebenso wie fr die SED-Herrschaft. Beide Systeme wollten bei aller ideologischen Unterschiedlichkeit die totale Kontrolle ber die Menschen und ihr Leben.

    Inzwischen wachsen aber Generationen heran, die das Fehlen von Demokratie und Freiheit glcklicherweise nur noch aus historischen Rckblicken kennen. Sie erfahren die freiheitliche Demokratie tglich als Selbstverstndlichkeit. Deswegen wird auch zunehmend weniger ber ihre Grundlagen und Voraussetzungen nachgedacht. Eine der Auswirkungen dieser Entwicklung ist eine Schwchung des antitotalitren Grundkonsenses, der Streitbarkeit der Demokratie gegen jeden Extremismus.

    Dabei verraten Demokraten die Demokratie, wenn sie Gegner der Demokratie gewhren lassen oder gar mit ihnen gemeinsame Sache machen. Zur Glaubwrdigkeit jedes Demokraten und zur Streitbarkeit der Demokraten gegen Extremismus jeder Richtung gehrt, dass der Zweck des Machterwerbs oder –erhalts nicht das Mittel der billigenden Inkaufnahme extremistischer Stimmen heiligt. Ohne die Einhaltung dieser Grenze ist die Demokratie verwundbar gegenber ihren Feinden, wo sie doch streitbar sein muss. Unklarheiten dabei erschweren es auch, jungen Menschen die Notwendigkeit eines eindeutigen demokratischen Bekenntnisses zu vermitteln.

    Roman Herzog hat vor seiner Wahl zum Bundesprsidenten 1994 diese Haltung auf den Punkt gebracht: Er hat damals trotz knappster Mehrheitsverhltnisse im Vorfeld erklrt, die Wahl nicht anzunehmen, wenn sie von den rechtsradikalen Stimmen der Republikaner entschieden wrde. Diese hatten angekndigt, ihn zu whlen und lieen nach seiner klaren Festlegung davon ab. Sein Gegenkandidat Johannes Rau verweigerte damals leider solche Klarheit mit Blick auf die ihm von der zur PDS umbenannten SED in Aussicht gestellten Stimmen.

    Whrend SPD und Grne immer wieder bereit sind, Koalitionen und Bndnisse mit linksradikalen und linksextremen Krften einzugehen, hat die CDU mehrfach auch durch Parteitagsbeschlsse auf Bundesebene bekrftigt, weder mit Rechts- noch mit Linksextremisten zusammenzuarbeiten – auch nicht mit Parteien, die in ihrem Verhalten und Programm Grenzen zu Extremisten bewusst vage halten. Das gilt fr die AfD ebenso wie fr die Linke.

    3. Hintergrnde

    Die Demokratie konnte nach 1945 auf viele bauen, die sich nach den Erfahrungen in der NS-Diktatur schon aus persnlichem Erleben fr das „Nie wieder Diktatur und nie wieder Krieg“ auch persnlich einsetzten. Auch nach dem Zusammenbruch der DDR engagierten sich viele derer, die die Unterdrckungsmechanismen kommunistischer Diktatur am eigenen Leibe zu spren bekamen, besonders fr das Gelingen der demokratischen Ordnung.

    Inzwischen hat sich die Lage verndert: Es wachsen Generationen heran, die vom Verlust von Demokratie und Freiheit nur noch aus historischen Rckblicken oder fernen Lndern hren. Sie erfahren die freiheitliche Demokratie tglich als Selbstverstndlichkeit. Umso grer ist die Bedeutung der schulischen und auerschulischen politischen Bildung, deren vornehmste Aufgabe es ist, die Grundlagen freiheitlicher Demokratie und die Notwendigkeit des Einsatzes dafr zu vermitteln.

    Wer dabei Rechts- und Linksextremismus gleichermaen als Gefahren betrachtet, muss sich oft schon allein deswegen rechtfertigen. Schick ist allein der „Kampf gegen Rechts“, die „Linke“ bestreitet oft eine Gefahr von linksauen. Tatschlich aber bedienen sich Rechts- und Linksextremisten oft hnlicher Mittel und Themen, auch wenn sie keinesfalls in einem Atemzug genannt werden wollen. Aus Sicht des christlichen Menschenbildes ist aber nicht entscheidend, welche Ideologien seine Grundlagen in Frage stellen und angreifen.

    Es schadet einer glaubwrdigen Extremismusprophylaxe, wenn die Auseinandersetzung mit extremistischen Gruppen danach unterschieden werden kann, ob sie von rechts- oder linksauen kommen. Junge Menschen spren schnell, ob die Auseinandersetzung mit dem Extremismus politisch instrumentalisiert wird anstatt sie tatschlich zu fhren. Ebenso falsch wre es, Extremismusprophylaxe mit den immer gleichen Schablonen betreiben zu wollen. Die Vernderungen in der Strategie von Rechts- und Linksextremisten mssen wahr- und ernst genommen werden.

    Man muss die Gegner der Demokratie kennen, um sie bekmpfen zu knnen: Lngst versuchen die in Fusion begriffenen rechtsextremistische Parteien das „Springerstiefel-Image“ abzuschtteln, um sich ein seriseres Image frsorgender Brgernhe zu geben. Lngst haben sie die demagogische Verfhrungskraft von Themen sozialer Benachteiligung erkannt und suchen ihre extremistische Ausrichtung dahinter zu verbergen – ganz in der Tradition ihrer historischen Vorbilder des „Nationalsozialismus“. Lngst nutzen mit groer Professionalitt die sozialen Medien. Auch Linksextremisten versuchen mit einem scheinbar unpolitischen umfassenden Netz der Brgerbetreuung in Alltagsfragen Anhnger zu gewinnen und verbergen ihre tatschlichen Absichten gerne dahinter.

    Rechts- und Linksextremisten sind sich auch in ihrem taktischen Verhltnis zur eigenen Sichtbarkeit hnlich. Rechtsextremisten suchen hufiger als frher den Schutz in der Nhe zu unpolitischen oder politisch naiven Gruppen oder Organisationen. Diese Strategie der „Volksfrontbndnisse“ haben Rechtsextremisten von Linksextremisten bernommen. In der linksextremistischen Szene ist sie nach wie vor dort besonders beliebt, wo es um den „Kampf gegen Rechts“ geht. Gerne initiieren linksextremistische Gruppen entsprechende Bndnisse oder beteiligen sich an ihnen, um durch die Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten von der eigenen Demokratiefeindlichkeit abzulenken.

    Dabei wird gerade dort, wo rechts- und linksextremistische Gruppen aufeinander treffen, ihre Gemeinsamkeit in der Bereitschaft zur Gewaltanwendung offenkundig. Auffllig ist zugleich, wie sich Rechts- und Linksextremisten gleichermaen einer hemmungslosen Demagogie bedienen, die sich aggressiv gegen klare – teilweise auch gemeinsame - Feindbilder (z. B. die „Bonzen des Grokapitals“) wendet und zugleich opportunistisch jedem alles verspricht.

    Dies auszusprechen, lst heftigen Widerspruch bei Rechts- und Linksextremisten aus, die sich zwar hnlicher Mittel und Themen bedienen, aber keinesfalls in einem Atemzug genannt werden wollen. Es kann auch nicht um eine Gleichsetzung gehen, denn Differenzierung gehrt zu den wirksamen Waffen gegen Extremisten. Aber wo hnlichkeiten vorhanden sind, drfen sie auch nicht aus falscher Rcksicht unter den Teppich gekehrt werden.

    Dabei ist eine intensive Auseinandersetzung mit den aktuellen Erscheinungsformen des Rechts- und Linksextremismus in Deutschland untrennbar verbunden mit einer Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft sowie der Diktatur der SED in der DDR. An diesen konkreten Erfahrungen in der deutschen Geschichte lsst sich verdeutlichen, dass extremistische Bedrohungen keine theoretische Randerscheinung sind. Sie veranschaulichen die konkreten Auswirkungen totalitrer Herrschaftsformen auf die Freiheit, die Grundrechte und die Wrde eines jeden einzelnen Menschen. Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts dokumentiert, was leidvolle politische Realitt wird, wenn extremistische Ideologien die Chance bekommen, umgesetzt zu werden.

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  • DER SCHUTZ DES LEBENS:

    ist Kern christdemokratischer Identitt und leitet sich direkt aus dem christlichen Menschenbild ab, dem die Menschenwrde als unverfgbar gilt.Darum geht es im 4. Beitrag der Reihe "Was ist christdemkratisch ?"

    WAS IST CHRISTDEMOKRATISCH ?
    Eine Artikelserie von Stephan Eisel

    Teil 1 : "Das christliche Menschenbild" knnen Siehier ausdrucken.

    Teil 2: "Subsidiaritt" knnen Siehier ausdrucken.

    Teil 3: "christ-sozial - konservativ - liberal" knnen Siehier ausdrucken.

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    Stephan Eisel

    Lebensschutz


    1. Leitsatz

    Das christliche Menschenbild fordert den klaren politischen Willen, den Menschen als Geschpf Gottes menschlicher Verfgbarkeit zu entziehen. Dieses unbedingte Bekenntnis zur Menschenwrde gilt auch fr die Fragen, die mit dem Beginn und Ende des Lebens zu tun haben: Embryonenschutz, Fortpflanzungsmedizin und Schwangerschaftsabbruch ebenso wie fr Sterbebegleitung. Entscheidungen darber drfen nicht einem oberflchlichen Tagespragmatismus folgen, sondern sind Grundentscheidungen ber menschliches Leben. Hier muss das „C“ einen Unterschied machen.

    II. Grundstze

    Das „C“ ist ein Manifest gegen die Relativierung des Lebensschutzes und des Schutzes der Menschenwrde je nach vor- oder nachgeburtlichem Lebensalter: Prnatal- und Primplantationsdiagnostik (PND und PID) oder Fruchtwasseruntersuchungen drfen nicht zur Selektion wahrscheinlich behinderter Kinder missbraucht werden. Knstlicher Befruchtung mssen Grenzen gesetzt werden, wo Erwachsenenegoismus das Kindeswohl ignoriert – zum Beispiel durch knstliche Befruchtung im fortgeschrittenen Alter. Abtreibungen sind ein grundstzliches ethisches Problem.

    Das christliche Menschenbild setzt der Selbstbestimmung dort eine klare Grenze, wo sie sich auf Kosten des Lebensschutzes verwirklichen will. Es darf weder ein staatlich garantiertes Recht auf ein (gesundes) Kind um jeden Preis noch eine Staatsgarantie fr eine bestimmte Art des Todes geben. Leben zu geben und zu nehmen muss im christlichen Verstndnis dem menschlichen Zugriff entzogen bleiben. In diesen Zusammenhang gehrt auch die – unabhngig von strafrechtlichen Bewertungen – grundstzliche Ablehnung von Abtreibungen. Dazu heisst es im aktuellen CDU-Grundsatzprogramm vom Dezember 2007: „Mit den hohen Abtreibungszahlen, die sich auch aus Sptabtreibungen ergeben, finden wir uns nicht ab. Wir mssen Frauen und Mnnern dabei helfen, sich fr das Leben zu entscheiden.“

    III. Hintergrnde

    Entscheidend ist fr Fragen des Lebensschutzes ist die grundlegende Frage, wann individuelles menschliches Leben beginnt und endet.

    Das Wissen um den Beginn individuellen menschlichen Lebens hat diesen Zeitpunkt in den letzten Jahrzehnten immer weiter nach vorne verschoben. Fr Laien war wohl der im wrtlichen Sinne augenflligste Einschnitt die Ultraschalluntersuchung, die vorgeburtliches Leben und seine Schutzbedrftigkeit jedem sichtbar gemacht hat. Zugleich ist irritierend, dass sich Mediziner und Biologen im Blick auf die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle als Beginn individuell menschlichen Lebens oft uneinig sind. Das „C“ fordert jedoch, dass im Fall solcher Uneinigkeit Lebensbeginn und damit Lebensschutz eher frher als spter angesetzt werden: in dubio pro vita.

    In dem aktuellen Grundsatzprogramm der CDU heit es dazu zutreffend: „Die unantastbare Wrde des Menschen als Geschpf Gottes ist menschlicher Verfgung nicht zugnglich und ist zu schtzen. Der Mensch ist immer Subjekt, er darf niemals Objekt sein. Die Wrde des Menschen ist auch fr die Bewertung bioethischer Herausforderungen Ausgangs- und Orientierungspunkt. Sie erfordert Achtung und Schutz des menschlichen Lebens in allen Phasen. Das noch nicht geborene Leben bedarf, beginnend mit der Verschmelzung von Samen und Eizelle, unseres besonderen Schutzes …“.

    Auf der Basis dieses Wertefundaments bleiben politische Entscheidungen im konkreten Fall schwierige Gewissensfragen. Nicht selten wird dem Lebensschutzes dabei die sogenannten „Ethik des Heilens“ gegenbergestellt. Einmal abgesehen davon, dass es sich lediglich um eine bloe Hoffnung auf Heilungschancen und medizinischen Fortschritt etwa durch Relativierung des Embryonenschutzes handelt, wrde selbst bei einer Gewissheit ber sichere Heilungschancen der Zweck der Krankheitsbekmpfung nicht das Mittel der Einschrnkung des Lebensschutzes rechtfertigen.

    Auch der Verweis auf die grundgesetzlich geschtzte Forschungsfreiheit ist nicht berzeugend, denn diese Forschungsfreiheit gilt auch nach dem Grundgesetz natrlich nicht absolut, sondern ist durch den Schutz der Menschenwrde eingeschrnkt. Schlielich wird embryonale Stammzellforschung in Deutschland auch mit dem Argument gefordert, sie sei in anderen Lndern erlaubt, und wir wrden uns isolieren, wenn wir uns nicht anpassten. Es gilt aber umgekehrt: Wo unsere Wertmastbe international (noch) nicht gelten, haben wir die Verpflichtung, internationale Rahmenbedingungen zu beeinflussen und nicht die Grundlagen unserer Werteordnung zur Disposition zu stellen. Dazu heisst es im CDU-Grundsatzprogramm unzweideutig: „Die Achtung der unantastbaren Wrde des Menschen hat fr uns Vorrang vor der Freiheit der Forschung und der Sicherung von Wettbewerbsfhigkeit. Wir wollen die Beibehaltung des konsequenten Embryonenschutzes und wenden uns gegen verbrauchende Embryonenforschung. Dafr setzen wir uns auch auf europischer und internationaler Ebene ein.“

    Fr die Festlegung des Lebensbeginns ist es im brigen unerheblich, ob es sich um eine natrliche oder knstliche Befruchtung handelt. Es entstehen Embryonen als menschliches Leben mit unverwechselbarer Individualitt. Genau deshalb stellt das in Deutschland geltende Embryonenschutzgesetz verbrauchende Embryonenforschung unter Strafe und verbietet, dass menschlichen Embryonen etwas angetan wird, was ihre Lebensfhigkeit gefhrdet.

    Auch das Abtreibungsrecht ist im Grundsatz eindeutig. Im 218 des Strafgesetzbuches heisst es unzweideutig: „Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Einschrnkend regelt 218 a, dass keine Strafbarkeit vorliegt, „wenn 1. die Schwangere den Schwangerschaftsabbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung nach 219 Abs. 2 Satz 2 nachgewiesen hat, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen, 2. der Schwangerschaftsabbruch von einem Arzt vorgenommen wird und 3. seit der Empfngnis nicht mehr als zwlf Wochen vergangen sind.“

    Eine reine Fristenlsung war vom Bundesverfassungsgericht 1975 und 1993 als verfassungswidrig verworfen worden. In den Leitstzen der letzten Entscheidung (BVerfGE 88, 203) heisst es dazu: „Menschenwrde kommt schon dem ungeborenen menschlichen Leben zu. Die Rechtsordnung mu die rechtlichen Voraussetzungen seiner Entfaltung im Sinne eines eigenen Lebensrechts des Ungeborenen gewhrleisten. … Rechtlicher Schutz gebhrt dem Ungeborenen auch gegenber seiner Mutter. Ein solcher Schutz ist nur mglich, wenn der Gesetzgeber ihr einen Schwangerschaftsabbruch grundstzlich verbietet und ihr damit die grundstzliche Rechtspflicht auferlegt, das Kind auszutragen. … Die Reichweite der Schutzpflicht fr das ungeborene menschliche Leben ist im Blick auf die Bedeutung und Schutzbedrftigkeit des zu schtzenden Rechtsguts einerseits und damit kollidierender Rechtsgter andererseits zu bestimmen. Als vom Lebensrecht des Ungeborenen berhrte Rechtsgter kommen dabei - ausgehend vom Anspruch der schwangeren Frau auf Schutz und Achtung ihrer Menschenwrde (Art. 1 Abs. 1 GG) - vor allem ihr Recht auf Leben und krperliche Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 GG) sowie ihr Persnlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG) in Betracht. … Grundrechte der Frau tragen nicht so weit, da die Rechtspflicht zum Austragen des Kindes - auch nur fr eine bestimmte Zeit - generell aufgehoben wre. Die Grundrechtspositionen der Frau fhren allerdings dazu, da es in Ausnahmelagen zulssig, in manchen dieser Flle womglich geboten ist, eine solche Rechtspflicht nicht aufzuerlegen.… Dem Gesetzgeber ist es verfassungsrechtlich grundstzlich nicht verwehrt, zu einem Konzept fr den Schutz des ungeborenen Lebens berzugehen, das in der Frhphase der Schwangerschaft in Schwangerschaftskonflikten den Schwerpunkt auf die Beratung der schwangeren Frau legt, um sie fr das Austragen des Kindes zu gewinnen, und dabei auf eine indikationsbestimmte Strafdrohung und die Feststellung von Indikationstatbestnden durch einen Dritten verzichtet.“

    Ausserdem stellte das Bundesverfassungsgericht ausdrcklich fest: „Der Schutzauftrag verpflichtet den Staat ferner, den rechtlichen Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewusstsein zu erhalten und zu beleben.“ Ohne Zweifel ist in der Alltagswirklichkeit wenig von dieser Verfassungsnorm zu spren. Auf der Tagesordnung steht nicht eine Vernderung des Strafrechts, sondern des gesellschaftlichen Bewutseins.

    Ethische Fragen wie der Umgang mit dem Leben, mit Verfgbarkeit und Autonomie spielen auch am Lebensende eine Rolle. Wie der grundwertorientierte Politik am Lebensbeginn das schutzlose Ungeborene schtzen muss, so muss sie am Lebensende steht die Selbstbestimmung des Einzelnen vor gesellschaftlichem Druck schtzen. Der legitime Wunsch nach einem selbstbestimmten Ende des Lebens um sich selbst Leiden und Schmerzen oder auch Einsamkeit zu ersparen, wird problematisch, wo es darum geht, anderen nicht zur Last fallen zu wollen oder rzte eine Pflicht der Beihilfe zum Suizid aufzuerlegen. Euphemistisch wird das hinter das hufig hinter Begriff „Sterbehilfe“ versteckt.

    Die Achtung vor dem Leben, auch vor dem leidenden, schwer kranken und behinderten Leben, muss aus der Perspektive des christlichen Menschenbildes gesellschaftliches Leitbild sein. Dazu gehrt die Frderung der schmerzlindernden Palliativmedizin ebenso wie der sterbebegleitenden Hospizbewegung. Umgekehrt muss der verpflichtenden oder gar geschftsmigen Beihilfe zum Suizid entgegen getreten werden, weil sie leicht eine Art Erwartungsdruck erzeugen, diese Angebote auch wahrzunehmen, um die eigene Familie und die Gesellschaft als Ganzes von einer „Last“ zu befreien. Aus dem „C“ ergibt sich deshalb die konkrete Orientierung: Sterbebegleitung statt Sterbehilfe.

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  • EIGENVERANTWORTUNG DER BISCHÖFE:

    fordert eine Initiative katholischer Laien in einem verffentlicht, der sich gegen eine steuerliche Haftung der Laien in der Missbrauchsfrage wendet. Die 19 Erstunterzeichner werben um Untersttzung fr einen entsprechenden Brief an die Deutsche Bischofskonferenz.

    Wennn Sie den untenstehenden Aufruf mitzeichnen wollen, schicken sie bitte eine mail an mertes-rembser@web.de

    Sie knnen diesen Aufruf hier ausdrucken.

    Verantwortliche Initiatoren:
    Michael Mertes | Barbara Rembser-Mertes | Dr. Stephan Eisel
    E-Mail:
    mertes-rembser@gmx.de
    Postanschrift: Oberer Girzenweg 7 | 53343 Wachtberg

    Katholische Laien fordern:
    Bischfe sollen sich zur eigenen Verantwortung bekennen

    Aufruf gegen steuerliche Haftung der Laien fr kirchliches Leitungsversagen

    Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Ackermann, hat 10. November 2019 die Auffassung geuert, alle Kirchenmitglieder seien als Solidargemeinschaft in der Pflicht, ber ihre Kirchensteuer die Entschdigungsleistungen fr Missbrauchsopfer mitzufinanzieren. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hat zu Recht vor diesem Weg gewarnt.

    Solange Priester und Bischfe sich fr ihr Handeln nicht gegenber dem Kirchenvolk verantworten mssen, haften die Laien nicht fr Verfehlungen der Kirchenleitung. Die Solidaritt des Kirchenvolks gilt vielmehr den Opfern, die endlich ein klares Bekenntnis der Kirchenleitung zur eigenen Verantwortung erwarten. Deshalb hat sich eine Initiative katholischer Laien entschlossen, ihre Ablehnung der berlegungen von Bischof Ackermann in einem Brief an die Bischofskonferenz zum Ausdruck zu bringen. Sie laden ihre katholischen Mitchristen dazu ein, diesen Appell zu untersttzen.

    Im Folgenden wird der Brief mit den Erstunterzeichnern dokumentiert.
    Wer sich dem anschlieen will, kann dies durch eine E-Mail an die Adresse mertes-rembser@web.de tun.

    Aufruf

    Missbrauch: Kirchenleitung muss
    Verantwortung bernehmen!

    An die Deutsche Bischofskonferenz

    Sehr geehrte Herren Bischfe!

    Am 10. November 2019 erklrte Ihr Missbrauchsbeauftragter, Bischof Stephan Ackermann, er sehe zur Zahlung von Entschdigungsleistungen fr Missbrauchsopfer aus Kirchensteuermitteln „keine Alternative“, auch wenn es vielen Glubigen widerstrebe, fr „Verfehlungen einzelner Geistlicher“ einzustehen. Die Kirchenmitglieder seien als „Solidargemeinschaft“ in der Pflicht.

    Dieser Auffassung widersprechen wir mit allem Nachdruck.

    Wir halten es fr eine selbstverstndliche Pflicht der Kirchenleitung, Sorge dafr zu tragen, dass Menschen, denen Kleriker sexuelle Gewalt angetan haben, angemessen entschdigt werden. Zugleich streiten wir der Kirchenleitung das Recht ab, die Kirchensteuerzahler zur Finanzierung solcher Entschdigungsleistungen heranzuziehen. Das wre ein Frontalangriff auf die Legitimitt des geltenden Kirchensteuersystems.

    Wir erwarten von unserer Kirchenleitung die Bereitschaft, endlich ein ffentliches Bekenntnis zur eigenen Verantwortung abzulegen. Dazu gehrt ein zeichenhafter Beitrag, der darin bestehen knnte, dass alle amtierenden und emeritierten deutschen Bischfe eine Zeitlang einen Teil ihres Gehalts und ihrer Pension in einen Entschdigungsfonds fr kirchliche Missbrauchsopfer einzahlen.

    Wir vermissen bei unserer Kirchenleitung die Bereitschaft, ohne relativierende Floskeln Verantwortung fr eigenes Versagen zu bernehmen. Von jedem Politiker, in dessen Amtsbereich erhebliche Missstnde auftreten, wird zu Recht erwartet, dass er sich – auch ohne persnliche Schuld – seiner „politischen Verantwortung“ stellt und zurcktritt. Es fllt auf, dass unsere Kirchenleitung diesen hohen ethischen Standard gegen sich selbst nicht gelten lsst.

    In der Katholischen Kirche hat ein System struktureller Verantwortungslosigkeit die Verbrechen von Klerikern begnstigt. Whrend wir als Brger eines demokratischen Rechtsstaats politische und juristische Mglichkeiten haben, gegen Machtmissbrauch vorzugehen, sind uns als Glubigen solche Wege gegenber der Kirchenleitung nach wie vor versperrt. Deshalb haften wir auch nicht fr das Fehlverhalten der kirchlichen Obrigkeit.

    Diejenigen, die das gegenwrtige System struktureller Verantwortungslosigkeit gewollt haben und immer noch verteidigen, drfen die Folgen ihres eigenen Tuns und Lassens nicht auf Unbeteiligte abwlzen. Wir fordern sie auf, mit Anstand und Wrde die Konsequenzen selbst zu tragen.

    Mit freundlichen Gren

    Erstunterzeichner:

    Susanne Benarey , Franz Josef Bsing, Roswitha Cordes, Dr. Stephan Eisel, Ruth Guntram, Dr. Ulrich Guntram, Karin Mertens, Michael Mertes, Susanne Niedermeyr-Vogt, Elisabeth Pitsch, Barbara Rembser-Mertes, Gabriele van de Sand, Dr. Klemens van de Sand, Dr. Klaus Sandfhr, Dr. Ute Sandfhr, Dr. Martin Utsch, Dr. Anselm Verbeek, Margret Verbeek, Bernhard Vogt

    Verantwortliche Initiatoren:
    Michael Mertes | Barbara Rembser-Mertes | Dr. Stephan Eisel
    E-Mail:
    mertes-rembser@gmx.de
    Postanschrift: Oberer Girzenweg 7 | 53343 Wachtberg

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr die letzten Wochen.

    MEINE GEDANKENANSTSSE ZU [mehr]

  • ALS AM 9. NOVEMBER 1989 DIE MAUER FIEL:

    war ich stv. Leiter des Kanzlerbros bei Helmut Kohl und habe den Tag an meinem Schreibtisch im Kanzleramt verbracht. Helmut Kohl war zum Staatsbesuch bei der ersten freien regierung in Polen. Wie wir damals im Kanzleramt den historischen Tag erlebten, knnen Sie in hier nachlesen.

    Mehr zum Buch HELMUT KOHL - NAHAUFNAHME erfahren Sie hier.

    Wer 1989 wie ber die Wiedervereinigung dachte, finden Sie in meinem Aufsatz "Mauer in den Kpfen" hier.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken

    aus Stephan Eisel, HELMUT KOHL – NAHAUFNAHME,Bonn 2010
    (Nachdruck nur mit Genehmigung des Autors)

    Wie die Mauer im Kanzleramt fiel

    Eine Zsur waren die DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 als die Opposition der SED die Wahlflschung, von der alle wussten, auch nachwies. Immer mehr Oppositionsgruppen entstanden, der Ausreisedruck wuchs. Nicht ohne Grund lobte die DDR-Fhrung die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des himmlischen Friedens mit ber 3.000 Toten in Peking am 4. Juni. Sie wollte Angst schren.

    Am 8. August 1989 musste die Stndige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland geschlossen werden, weil dort 130 Menschen das Gebude nicht mehr verlieen, um die Erlaubnis zu Ausreise zu erzwingen. Zwei Tage spter wurde die deutsche Botschaft in Budapest geschlossen. Dort warteten 180 DDR- Brger auf die Mglichkeit der Ausreise. Aus den gleichen Grnden schlo am 20. August die Botschaft in Prag.
    Immer mehr Menschen nutzten jede Mglichkeit, der DDR zu entkommen. Inzwischen warteten in Ungarn mehr als 200.000 DDR-Brger auf die Mglichkeit zur Ausreise. Bei einem „
    Paneuropischen Picknick“ im Grenzort Sopron durchbrachen am 19. August 1989 ca. 700 DDR-Brger ein Tor im Grenzzaun und flohen nach sterreich. Die ungarische Regierung hatte zuvor zeitweise die Grenzposten abgezogen. Aber es gab in den folgende Wochen auch Zwischenflle an der Grenze, bei denen
    ungarische Grenzpolizisten Warnschsse auf flchtende DDR- Brger abgaben und auch zum Gummiknppel griffen.
    Im Sommer 1989 begleitete ich Kohl wieder in den Urlaub am Wolfgangsee. Wir verfolgten die Entwicklung stndig und auch etwas unglubig. Unmittelbar nach seiner Rckkehr kam es auf Initiative des ungarischen Ministerprsidenten Nmeth am 25. August zu jenem streng vertraulichen historischen Treffen, in

    dem dieser Kohl die ffnung der Grenze fr DDR-Brger ankndigte.
    Der Mut dieser Entscheidung der ungarischen Regierung,
    offen die Abschottungssolidaritt des Warschauer Paktes zu durchbrechen, kann nicht hoch genug eingeschtzt werden – zumal vor dem Hintergrund der Erfahrungen der blutigen Niederschlagung der ungarischen Freiheitsbewegung durch Truppen des Warschauer Paktes 1956. Helmut Kohl hat das den Ungarn nie vergessen und in buchstblich jeder Rede zur deutschen Einheit erwhnt.

    Am 10. September konnte Kohl am Vorabend des Bremer CDU- Parteitages beim Presseabend die ffnung der ungarischen Grenze fr den nchsten Tag mitteilen. Am 11. September ffneten die Ungarn ihre Grenzen und am 30. September durften die 4000 Prager Botschaftsflchtlinge mit Zgen ber die DDR in die Bundesrepublik ausreisen. Das gleiche galt fr

    die 800 Botschaftsflchtlinge in Warschau. Kurz darauf versammelten sich wieder ber 5000 DDR-Brger in der deutschen Botschaft in Prag. Die DDR schlo ihre Grenzen zur Tschechoslowakei und stimmte erneut der Ausreise von diesmal ca. 7000 Botschaftsflchtlingen in verriegelten

    Sonderzgen (!) ber die DDR nach Westdeutschland zu.
    Am 4. Oktober ging die Volkspolizei kam es in diesem Zusammenhang am Dresdner Hauptbahnhof gewaltttig gegen etwa 10.000 Demonstranten vor, die dort auf die Zge aufspringen wollten. Verantwortlich fr den brutalen Einsatz der Volkspolizei war die Dresdner SED-Bezirksleitung unter ihrem Vorsitzenden Hans Modrow.

    In dieser angespannten Situation feierte die SED scheinbar unbeeindruckt mit dem blichen sozialistischen Pomp den 40. Geburtstag der DDR. Aus diesem Anlass kam Michael Gorbatschow am 5. Oktober zu einem Besuch in die DDR und distanzierte sich demonstrativ von Erich Honecker. Am

    7. Oktober kam es in Ost-Berlin und vielen anderen Stdten der DDR zu groen Demonstrationen gegen das Regime. Auch die Leipziger Montagsdemonstrationen schwollen im Oktober auf bis zu 300.000 Teilnehmer an. Die SED trat die Flucht nach vorne an und strzte am 18. Oktober Erich Honecker – freilich nur um mit Egon Krenz als Nachfolger einen Signal der Kontinuitt auszusenden. Zur gleichen

    Zeit verwehrte brigens das kommunistische Regime in
    der Tschechoslowakei Vclav Havel die Ausreise nach Frankfurt, um dort den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
    entgegen zu nehmen. Es war nicht erstaunlich, dass die Menschen kein Vertrauen hatten: Im Oktober flchten ber 60.000 Menschen aus der DDR, weitere 30.000 reisten legal aus.

    Am 4. November demonstrierten fast eine halbe Million Menschen in Ost-Berlin.
    Wir konnten im Kanzleramt die Dynamik der Ereignisse kaum fassen. Die historischen Ereignisse liefen wie ein Film und zugleich war die Routine der tglichen Terminplne noch nicht aus dem Takt gebracht. Es war eine merkwrdige Gleichzeitigkeit fundamentaler Vernderung und der Vertrautheit des Gewohnten.
    Am 8. November hielt Helmut Kohl im Deutschen Bundestag
    – ohne es zu wissen – seinen letzten „
    Bericht zur Lage der Nation im geteilten Deutschland“. Am 9. November fiel die Mauer. Kohl war an diesem Tag zu seinem Staatsbesuch in Polen aufgebrochen.
    Eigentlich bedeutete es fr uns als „Stallwachen in
    Bonn“ immer eine gewisse Entspannung, wenn der Kanzler
    im Ausland unterwegs war. Das entwickelte sich an diesem Tag anders. Der Fernseher lief in jenen Wochen in meinem Bro immer, denn ber die stndigen Neuigkeiten informierten die elektronischen Medien am schnellsten. Darauf waren wir auch in der Regierungszentrale angewiesen. So bekam ich auch die berhmte Schabowski-Pressekonferenz um 18.00 Uhr mit, allerdings kamen zunchst widersprchliche Meldungen ber die Lage an den Grenzbergngen.
    Mein Bro lag neben dem von Eduard Ackermann, der in stndigem Kontakt mit der Delegation war, die den Kanzler nach Warschau begleitet hatte. Um etwa 21 Uhr kam es zum ersten direkten Telefonkontakt zwischen Helmut Kohl und Eduard Ackermann. Ich sa mit im Bro und erinnere mich gut, dass Kohl die Nachricht der Grenzffnung zuerst nicht glauben wollte. Es war schnell klar, dass Helmut Kohl am nchsten Tag seinen Polenbesuch unterbrechen und nach Deutschland zurckfliegen werde.
    Uns lieen die Fernsehbilder nicht los. Ich habe noch gut den Beginn der ARD-Tagesthemen gegen kurz vor 23.00 Uhr in Erinnerung. Moderator Hans-Joachim Friedrichs sprach davon, die Tore in der Mauer stnden „
    weit offen.“ Eine Liveschaltung zum Grenzbergang Invalidenstrae zeigte aber das Gegenteil. Kurz danach sahen wir die Bilder von der ffnung des Grenzbergangs in der Bornholmer Strae.
    Am nchsten Morgen wurde schnell klar, dass Kohl am Abend bei einer Kundgebung der Berliner CDU sprechen sollte. Dann erhielten wir Anrufe aus Berlin, dass dort Flugbltter ber eine Kundgebung vor dem Schneberger Rathaus verteilt wrden,
    zu welcher der Regierende Brgermeister Momper einlade und wo der Kanzler als Redner angekndigt sei. Momper hatte zu dieser Kundgebung fr 17.00 Uhr eingeladen, ohne das

    Kanzleramt oder Kohl zuvor darber zu informieren.
    Wir hatten den sicheren Eindruck, dass hier eine hinterlistige Aktion im Gange war: So wie Konrad Adenauer beim Mauerbau nicht nach Berlin kam – dies wurde ihm immer zum
    Vorwurf gemacht –, so sollte offenbar jetzt der Eindruck entstehen, dass Helmut Kohl beim Mauerfall nicht nach in Berlin komme. Momper wusste natrlich, dass der Bundeskanzler
    mit der Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr, die ihn nach Warschau gebracht hatte, wegen des Vier-Mchte-Status nicht von dort direkt nach Berlin fliegen konnte. Dies war nur Maschinen der Alliierten gestattet.
    blicherweise flog Helmut Kohl mit einer US-Militrmaschine aus Ramstein oder vom militrischen Teil des Flughafens in Franfurt/Main nach Berlin. Es gehrte zu unseren Aufgaben
    im Kanzlerbro diese Flge zu organisieren und deshalb hatten wir einen guten Arbeitskontakt zu den entsprechenden US- Militrstellen.
    Jetzt stellte sich die Frage, wie wir Helmut Kohl schnell von Warschau nach Berlin bringen konnten: Wie konnten wir ein US-Flugzeug zu Helmut Kohl bringen bzw. den Kanzler zu einem US-Flugzeug? Dass der Warschauer Flughafen in den Morgenstunden des 10. November zunchst auch noch wegen Nebels gesperrt war, bot ein zustzliches Handicap. Es schien unmglich, dass Helmut Kohl rechtzeitig zur von Momper angesetzten Zeit um 17.00 Uhr in Berlin sein konnte.
    Nach Rcksprache mit der Flugbereitschaft entschieden wir, dass der Kanzler nach Hamburg fliegen sollte. Das war von Warschau aus gesehen der nchste bundesdeutsche Flughafen. Er musste jedoch ber Schweden angeflogen werden, denn die Flugbereitschaft der Bundeswehr durfte natrlich nicht den direkten Weg durch den Luftraum der DDR nehmen.
    Meine Aufgabe war es nun, eine amerikanische Militrmaschine so rechtzeitig nach Hamburg zu bringen, dass sie den Kanzler von dort nach Berlin fliegen konnte. Normalerweise wurden solche Flge mehrere Tage vorher bei den Amerikanern angefragt.
    Ich stie aber bei meiner sehr kurzfristigen Anfrage auf
    groe Hilfsbereitschaft. Allen war die historische Dimension
    der Ereignisse bewusst, niemand fragte nach brokratischen Formalitten.
    Allerdings tauchte ein anderes Problem auf: In Ramstein stand zwar das notwendige Flugzeug bereit, aber die Besatzung war noch nicht verfgbar. In Frankfurt war zwar eine Besatzung verfgbar, aber kein entsprechendes Flugzeug. Die Amerikaner versprachen parallel beides zu lsen.
    Darauf wollte ich mich nicht verlassen. Deshalb fragte ich mich

    zu einem Verantwortlichen bei British Airways am Frankfurter Flughafen durch, die ebenfalls die notwendigen Flugrechte nach Berlin hatten. Ich charterte sicherheitshalber telefonisch (!) eine Passagiermaschine, fr die ebenfalls eilig eine Besatzung herbeigerufen wurde. Am spten Vormittag wurden also drei Flugzeuge vorbereitet, um nach Hamburg zu fliegen und den Kanzler nach Berlin zu bringen. Um die Mittagszeit erhielt ich die Nachricht, dass eine der US-Maschinen gestartet sei und ich konnte bei British Airways Entwarnung geben. brigens wurde von dort fr den betriebenen Aufwand nie eine Rechnung gestellt.

    Die Zeit war inzwischen sehr knapp geworden. Ich war verbunden mit dem Tower des Hamburger Flughafens, wo mir ein Flugsicherer am Telefon schilderte, dass er auf der einen Seite am Horizont die Maschine der Bundesluftwaffe mit Kanzler
    sehe und auf der anderen Seite die US-Maschine im Anflug
    sei. Helmut Kohl wechselte auf dem Rollfeld die Maschinen
    und kam gerade noch so rechtzeitig in Berlin-Tempelhof an,
    um kurz vor Beginn der Kundgebung auf der Balustrade des Schneberger Rathaus zu sein.
    ber das gellende Pfeifkonzert, das ihn bei seiner Rede am Schneberger Rathaus erwartete, hat sich Kohl immer gergert. Kleinkarierte parteipolitische Polarisierung hatte sich bei
    dieser Veranstaltung des historischen Moments bemchtigt
    und die Freude darber verdrngt. Auch diese Bilder gingen
    um die Welt.
    Vllig unverstndlich und rgerlich fand Kohl, dass die Berliner CDU nicht wie zugesagt, ihre Anhnger aufgefordert hatte,
    zum Schneberger Rathaus zu kommen. Stattdessen hatte
    die CDU zu einer Kundgebung auf dem Breitscheidplatz aufgerufen, zu der Kohl anschlieend fuhr. Dort jubelten ihm ber 100.000 Menschen zu, viele davon waren aus Ost-Berlin gekommen. Die Medien ignorierten diese Kundgebung allerdings vllig.

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  • DIE LANDTAGSWAHLEN IN THÜRINGEN:

    waren ein Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik, denn erstmals haben die demokartsichen Parteien der Mitte keine Mehrheit mehr, sondern die links- und rechtsauen Parteien Linke und AfD bestimmen den Landtag. Mit ihnen zu koalieren verbietet die DNA der CDU.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken

    Stephan Eisel

    Zu den Landtagswahlen in Thringen:

    Die DNA der CDU erlaubt
    keine Koalition mit Linken oder AfD

    Das Ergebnis der Landtagswahl in Thringen vom 27. Oktober 2019 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Erstmals bei einer Landtagswahl blieben die demokratischen Parteien der erweiterten Mitte (CDU, SPD, Grne und FDP) in der Minderheit. Sie erreichten gemeinsam nur 40,2 Prozent der Stimmen und nur 39 der 90 Mandate.

    Linke und AfD, die Parteien vom rechten und linken Rand, waren die Sieger und stellen gemeinsam die Mehrheit im Landtag. Es drngen sich Parallelen zu den Weimarer Verhltnissen auf, als Demokraten in die Minderheit gegenber Rechts- und Linksextremisten geraten waren, die mit unterschiedlichen Ideologien das gemeinsame Ziel der Systemberwindung verband.

    Zur Einordnung des Wahlergebnisses muss man allerdings auch darauf hinweisen, dass es in Thringen nur 1,7 Mio Wahlberechtigte gibt. Das sind nur 3,6 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland. Bei einer erfreulichen Steigerung der Wahlbeteiligung von 52,7 Prozent auf 64,9 Prozent gingen 1,1 Mio Thringer zur Wahl. In Nordrhein-Westfalen waren es bei den letzten Landtagswahlen achtmal, In Bayern sechsmal und in Baden-Wrttemberg fnfmal mehr Whler.

    Aber auch wenn es sich um ein kleines Bundesland handelt, sind die Auswirkungen der Wahl von nationaler Bedeutung:

    Die Linke (PDS) hat bei den Wahlen seit 2004 ihren Stimmanteil nicht wesentlich verndert – und zwar im Unterschied zu Sachsen und Brandenburg, wo sie vor einigen Wochen 8,5 bzw. 7,9 Prozent der Stimmen verloren hatte. Im Unterschied zu diesen beiden Lndern hatte die Linke allerdings in Thringen den Ministerprsidenten-Bonus. Dafr sind SPD und Grne verantwortlich, die vor fnf Jahren lieber mit der Linken als mit der CDU – damals noch strkste Partei – koalieren wollten. Jetzt gehren sie zu den Wahlverlierern. Insgesamt hat die rot-rot-grne Landesregierung ihre Mehrheit klar verloren. Angesichts dieses Wahlergebnisses ist es merkwrdig, von einer erfolgreichen Landesregierung zu sprechen.

    Die AfD hat ihren Stimmenzuwachs wesentlich aus dem Bereich Nichtwhler (+81.000 Stimmen), CDU (+37.000 Stimmen) und Linke (+18.000 Stimmen) erzielt. Von der gestiegenen Wahlbeteiligung haben aber auch Linke (+60.000 Stimmen) und CDU (+46.000 Stimmen) berdurchschnittlich profitiert. Dass die AfD in Thringen trotz des offen vlkisch-nationalistischen Auftretens ihres Spitzenkandidaten Hcke ihren Stimmenteil verdoppeln konnte, ist ein Alarmzeichen. Die Auseinandersetzung mit dieser Partei muss noch klarer gefhrt werden.

    Der Absturz der CDU auf nur noch 21,8 Prozent ist mit Verlusten von 11,7 Prozent deutlicher ausgefallen als in Brandenburg (- 7,4 Prozent) und Sachsen (-7,3 Prozent). Davon hat auch die FDP profitiert, die ihren Stimmenzuwachs fast ausschlielich ehemaligen CDU-Whlern verdankt (13.000 Stimmen). Insgesamt haben 241.000 Whler der CDU ihre Landesstimme gegeben. Vor fnf Jahren waren es noch 315.000 Whler gewesen: Im Vergleich zu 2014 verlor die CDU 40.000 Stimmen durch Wegzge und Sterbeflle, 37.000 Stimmen an die AfD, 27.000 Stimmen an die Linke und 16.000 Stimmen an Nichtwhler. Zugleich gewann sie fast die Hlfte der Direktmandate (CDU 21, Linke 11, AfD 11 und SPD 1), denn bei den personalisierten Wahlkreisstimmen lag die CDU um 6 Prozent besser als bei den Landestimmen und war strkste Partei.

    Angesichts des Wahlergebnisses wird jetzt auf die CDU der mediale Druck gepaart vermeintlich guten Ratschlgen der politischen Konkurrenz wachsen, eine Koalition mit der Linken einzugehen, weil nur das stabile Verhltnisse schaffen knne. Von diesem Weg kann man nur intensiv abraten. Ohne Zweifel ist das Thringer Wahlergebnis fr jemanden, der die Grundwerte der Demokratie hochhlt, ein schwerer Schlag. Gerade deshalb ist es wichtig, dass die CDU bei ihrem vom letzten Bundesparteitag mit bergroer Mehrheit gefassten Beschluss bleibt, wegen grundstzlicher Unterschiede keine Koalitionen mit AfD oder Linken einzugehen.

    Dabei sollte man eine wichtige Lehre aus der Geschichte nicht vergessen: Parteien werden nicht deshalb besser oder demokratischer, weil sie mehr Stimmen erhalten: Entscheidend fr ihre Beurteilung ist, wofr sie stehen und was sie wollen. Weder Linke noch AfD haben mit ihrem Stimmenzuwachs ihren Charakter oder ihre politische Richtung gendert. Zugestehen kann man allenfalls, dass Bodo Ramelow durch sein brgerliches Auftreten das im Grundsatzprogramm seiner Partei klar formulierte Ziel vernebelt. Dort heisst es wrtlich zum Ziel der Linken sie wolle: „ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem: den demokratischen Sozialismus„.

    Dies ist ein diamentraler Widerspruch zur DNA der CDU als Partei des Grundgesetzes und der Sozialen Marktwirtschaft. Die CDU willen eben KEIN anderes Wirtschafts- und Gesellschafts-system. Hier geht es nicht um Unterschiede in politischen Sachfragen, mit denen sich jede Koalition auseinandersetzen muss, sondern um den politischen Fundamentalunterschied. In einer Koalition zugleich fr und gegen die Soziale Marktwirtschaft zu sein und gleichzeitig unser Gesellschafts-system erhalten und berwinden zu wollen, ist widersinnig. Dass diese alles in der Landespolitik keine Rolle spiele, ist ein Mrchen: Systemberwindung fngt oft im Kleinen an. Dass die Linke auch in Thringen die DDR nicht als „Unrechtsstaat“ bezeichnen will und Bodo Ramelow jngst fr eine neue Nationalhymne pldierte, sind nur kleine Spitzem des groen Eisberges.

    Die Linke mchte sich natrlich liebend gerne durch ein Bndnis mit der CDU legitimieren und reinwaschen. Deshalb wird sie vordergrndig viel zugestehen und staatstragend auftreten. Das hat schon die SPD um den Preis ihres eigenen Niedergangs mitgemacht. Wenn die thringische CDU diesem Bespiel folgen wrde, setzt sie Glaubwrdigkeit der CDU insgesamt aufs Spiel.

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  • UNSER LUDWIG LÄCHELT:

    ist Thema meines Klavierkabaretts am 1. November um 16.00 Uhr (ausverkauft) und 18 Uhr in der Stiftung Pfenningsdorf in Bonn Poppelsdorf. Es geht dabei um die unbekannte Seiten von Beethoven aus seiner Bonner Zeit, die mit Fingerbungen am Klavier vorgestellt werden.

    Die Vorstellung um 16 Uhr ist ausverkauft, Sie knnen sich nur noch fr 18 Uhr anmelden

    Der Eintritt ist frei, es wird aber wegen der groen Nachfrage um Anmeldung gebeten. Klicken Sie dazu bitte hier.

    Freitag, 1. November um16 und 18 Uhr Uhr

    Stiftung Pfenningsdorf
    Poppelsdorfer Allee 108
    53115 Bonn

    UNSER LUDWIG LCHELT

    Ein Klavierkabarett mit Stephan Eisel

    22 hat Beethoven in Bonn gelebt und gearbeitet. Er war dabei nicht der grimmige, vom Schicksal beladene Komponist als der er oft dargestellt wird, sondern hatte eine sehr heitere Seite. Ein echter Rheinlnder eben. Es erwarten Sie berraschende Einsichten zu Ludwig und Fingerbungen zwischen Pop, Jazz und Klassik. Der 1. November ist brigens derJahrestag des Abschieds von Beethoven aus Bonn 1792.

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  • FÜR DAS SCHEITERN DES FESTSPIELHAUSES:

    fr Beethoven in Bonn trgt der damalige OB Nimptsch (SPD) ein erhebliches Ma an Verantwortung. Dass er dafr jetzt Post und Telekom verantwortlich machen will, stellt die Wahrheit auf den Kopf.

    Die detaillierte Darstellung "Das Beethoven-Festspielhaus und sein (vorlufiges) Ende" knnen Sie hier lesen und ausdrucken.

    Als Vorstand der Beethoventaler-Genossenschaft, die zur privaten Finanzierung des Festspielhaus-Baus betragen wollte, war Stephan Eisel damals an den Vorgngen rund um das Festspielhauis ganz unmittelbar beteiligt und sagte zu den uerungen des damaligen OB Nimptsch:



    „Unter der berschrift „So war das mit dem Festspielhaus“ berichtet der GA am 21. Oktober 2019, dass der ehem. Oberbrgermeister Jrgen Nimptsch Post und Telekom fr das Scheitern des Festspielhauses verantwortlich macht. Er sei ja dafr gewesen. Es gehrt schon viel Chuzpe dazu, die Wahrheit so auf den Kopf zu stellen., und ist Anlass genug, noch einmal die tatschlichen Ereignisse in Erinnerung zu rufen:

    Herr Nimptsch hat bereits kurz nach seinem Amtsantritt Anfang 2010 das Festspielhaus ohne Ratsvotum „auf Eis“ gelegt. Er war es, der fr den Erhalt der Beethovenhalle eintrat, die bis dahin fr ein Festspielhaus abgerissen werden sollte. Dabei haben er und andere bewut die damals schon absehbaren enormen Kosten einer Sanierung der maroden Mehrzweckhalle verschwiegen.

    Erst der massive Protest aus der Bevlkerung - es wurden in kurzer Zeit mehrere tausend Unterschriften fr das Festspielhaus gesammelt und Herrn Nimptsch bergeben - fhrte 2011 zu einer Wiederaufnahme des Projekts. Wieder kam es zu Verzgerungen, weil Herr Nimptsch zunchst als Standort die Rheinaue vorschlug.
    Als man sich dann endlich Anfang der 2014 mit der Stadt auf ein Grundstck neben der Beethovenhalle geeinigt hatte, finanzierte die Deutsche Post DHL nach 2008/2009 erneut einen Architektenwettbewerb. Tausende Bonnerinnen und Bonner pilgerten im Oktober 2014 zur Ausstellung der Entwrfe im Posttower. Die Siegerentwrfe wurden zeitgleich im Auftrag der Deutschen Post DHL von Generalunternehmen baufertig durchgeplant. Der Bauantrag sollte im Herbst 2015 eingereicht werden, der Baubeginn war fr Anfang 2016 geplant.

    Am 9. Oktober 2014 fand im Alten Rathaus eine Koordinierungsrunde statt, bei der die Vorstandsvorsitzenden Thimotheus Httges fr die Telekom und Frank Appel fr die Deutsche Post DHL ihre Zusagen fr das Festspielhaus bekrftigten und sogar erweiterten. Dazu gehrte die private Finanzierung des Baus und erhebliche private Beitrge zur Betriebsstiftung. Ich war bei diesen und vielen anderen Gesprchen als Vorstand der Beethoventaler-Genossenschaft dabei.

    Der Bundestag hatte bereits seit lngerem 39 Mio Euro fr eine Betriebsstiftung zum Festspielhaus beschlossen. Die Stiftungsaufsicht den dafr notwendigen Businessplan genehmigt. Was zur Realisierung fehlte nur noch, war ein Beschluss des Stadtrates, ber 20 Jahre gestreckt 500.000 Euro jhrlich fr die Betriebsstiftung zur Verfgung zu stellen. Diese Beschlussfassung wurde stndig vertagt, bis OB Nimptsch im Juni 2015 eine Ratsvorlage einbrachte, seitens der Stadt lediglich 50.000 Euro (!) fr die Betriebsstiftung zu beschlieen. Gleichzeitig wurden ber 3 Mio an Planungskosten fr die Beethovenhalle freigegeben.

    Es ist verstndlich, dass daraufhin Frank Appel am 16. Juni 2015 den Rckzug der Deutsche Post DHL mitteilte, weil „schon zum Start kein eindeutiger Schulterschluss in der Stadt zu erkennen ist“. Post und Telekom haben viel Geduld mit der Entschlusslosigkeit der Kommunalpolitik beim Festspielhaus bewiesen. Ihnen jetzt die Schuld am Scheitern des Festspielhauses zuzuschieben, ist unanstndig.

    Die damals Verantwortlichen in Rat und Verwaltung sollten wenigstens den Mumm haben, die Verantwortung fr das Desaster zu bernehmen, das sie verursacht haben und das groen Schaden fr Bonn angerichtet hat. Diese Verantwortlichen waren neben dem damaligen Oberbrgermeister Jrgen Nimptsch (SPD) vor allem Grne und Linke, die das Festspielhaus von Anfang bedingungslos ablehnten und stattdessen die marode Beethovenhalle sanieren wollen. Die Ratsfraktionen von CDU und SPD haben sich dagegen nicht gewehrt und mit ihrer Entschlusslosigkeit ebenfalls zum Scheitern beigetragen.

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  • AM 3. OKTOBER FEIERN WIR DEN TAG:

    der Deutschen Einheit. Wieam 23. August 1990 die freigewhlten Volkskammer derDDR den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes beschlossen hat, habe ich als Mitarbeiter von Helmut KohlimBonner Kanzleramt miterlebt.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Der Beitrittsbeschlu der DDR-Volkskammer

    (in: Historische Politische Mitteilungen (HPM) Konrad-Adenauer-Stiftung, Herbst 2005)

    Die Wiedervereinigung Deutschlands ist inzwischen in zahlreichen historischen Studien analysiert und aufgearbeitet. Grundlagen sind meist schriftliche Dokumente. Was nicht schriftlich festgehalten ist, geht leicht verloren, wiewohl es doch das Auergewhnliche, Unvorhergesehene und Ungeplante des Prozesses besonders anschaulich macht. Als charakteristisch empfanden viele Zeitzeugen vor allem die Gleichzeitigkeit der - oft erst im Nachhinein erkannten - historischen Dimension der Vorgnge, des ungeordneten, nicht selten chaotischen Ablaufs und jener alltglichen Normalitt, die zugleich die Zeit bestimmte.

    Ein typisches Beispiel fr den Ablauf des Einigungsprozesses, wie er sich in den Akten nicht im Entferntesten vollstndig wiederfindet, ist die Art und Weise, wie der Beitrittsbeschluss der ersten und letzten freigewhlten Parlaments der DDR seinen Weg in die Bundesrepublik Deutschland fand.

    Schon in den Koalitionsvereinbarungen zwischen CDU, DSU, Demokratischem Aufbruch (DA), der Deutschen Forum Partei (DFP), dem Bund freier Demokraten (BFD), der FDP und der SPD vom 12. April 1990 war der Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland nach Art. 23 des Grundgesetzes festgelegt worden. Dazu bekannte sich Ministerprsident de Maizire auch in seiner Regierungserklrung vor der Volkskammer am 19. April 1990.

    Den historischen Beschluss des Beitritts zur Bundesrepublik Deutschland nach Art. 23 des Grundgesetzes fasste die DDR-Volkskammer dann in der Nacht vom 22. auf den 23. August.

    Vorausgegangen waren wochenlange Auseinandersetzungen und Spekulationen um das genaue Datum der Vereinigung und der ersten freien Wahl in ganz Deutschland. Helmut Kohl erinnert sich, dass dies auch Hauptthema eines Besuches von Lothar de Maizire an seinem Urlaubsort am 2. August 1990 in St. Gilgen am Wolfgangsee war:

    „Der DDR-Ministerprsident wollte mich persnlich sprechen und befand sich bereits mit Gnther Krause auf dem Weg zu mir. Nachdem sie am Nachmittag mit ihrer riesigen Maschine auf dem kleinen Salzburger Flughafen gelandet waren, kamen sie eine Stunde spter in St. Gilgen an. De Maizire fiel gleich mit der Tr ins Haus. Er schilderte mir eindringlich, dass seine Regierung die Situation in der DDR nicht mehr bis zum 2. Dezember beherrschen knnte. Trotz der Bonner Milliarden rechne er mit dem baldigen wirtschaftlichen Kollaps seines Landes. Alles werde im Chaos versinken. Als Ausweg schlug er nun vor, in der darauffolgenden Woche vor die Volkskammer zu treten und den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik bereits fr den 14. Oktober zu verknden. Fr diesen Tag seien auch die Landtagswahlen in den bis dahin gegrndeten fnf neuen Lndern vorgesehen. Es biete sich daher an, parallel dazu auch die ersten gesamtdeutschen Wahlen durchzufhren. Ich stimmte Lothar de Maizire zu, was die Beitrittserklrung durch die Volkskammer anging. Auch seinem Vorschlag, die gemeinsamen Wahlen auf den 14. Oktober vorzuverlegen, stand ich durchaus aufgeschlossen gegenber."

    Wolfgang Schuble erinnerte sich ebenfalls an den Vorgang: „Der Kanzler setzte mich tags darauf ins Bild: De Maizire und Krause seien in Panikstimmung am Wolfgangsee angereist. Der Ministerprsident werde von der Furcht gepeinigt, sein Land knne jeden Tag wirtschaftlich zusammenbrechen und im allgemeinen Chaos versinken. Er wolle deshalb in der kommenden Woche vor die Volkskammer treten und den Beitritt der DDR nach Artikel 23 des Grundgesetzes schon fr den 14. Oktober 1990, dem Termin der Landtagswahlen in den fnf neuen Bundeslndern, vorschlagen. Er wolle zugleich vorschlagen, an diesem 14. Oktober auch gleich die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl durchzufhren."

    Auch in der Volkskammer wurden die Diskussionen um den Beitrittstermin in den folgenden Wochen immer hektischer. Die konservative Deutsche Soziale Union (DSU) forderte immer wieder den sofortigen Beitritt. Die SPD wollte den Beitritt am 15. September nach Abschluss der 2+4-Verhandlungen. Ministerprsident Lothar de Maizire stellte bei einer Pressekonferenz am 3. August seinen Vorschlag „Beitritt und gesamtdeutsche Wahlen am 14. Oktober 1990" vor und begrndete das mit dem Hinweis: „Ich bin als Ministerprsident angetreten mit dem Ziel, die Einheit so schnell wie mglich und so gut wie ntig herbeizufhren." Nur die PDS enthielt sich konkreter Datumsvorschlge, sie wollte die DDR erhalten und setzte auf Verzgerung.

    Zur Haltung der Bundesregierung in der Datumsfrage erinnert sich Wolfgang Schuble: „In der Koalition waren wir uns inzwischen einig. Wir wollten den Beitritt und auch die Wahlen so frh wie mglich, allerdings mit der Einschrnkung, dass der Beitritt der DDR nicht vor dem 2. Oktober liegen durfte. Dies war der Termin der KSZE-Auenministerkonferenz, der wenigstens noch das Ergebnis der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen ber die uneingeschrnkte Souvernitt Deutschlands zur Kenntnis gebracht werden sollte." Dementsprechend hatte der damalige Sprecher der Bundesregierung, Bundesminister Hans Klein, ffentlich erklrt: „Der Bundesregierung erscheint jeder Beitrittstermin sinnvoll, der nach dem 2. Oktober liegt."

    Die Unsicherheit in der Terminfrage begann, den Einheitsprozesse insgesamt zu belasten. Vor diesem Hintergrund beantragte DDR-Ministerprsident Lothar de Maizire am 22. August 1990 gegen 19.00 Uhr eine sofortige Sondersitzung der Volkskammer zur Beschlussfassung ber den Termin der deutschen Einheit. Die Sondersitzung der Volkskammer begann noch am gleichen Abend um 21.10 Uhr und nahm einen ziemlich chaotischen Verlauf.

    Zunchst lagen zwei Antrge vor: Die DSU beantragte den sofortigen Beitritt - „also zum heutigen Tage" - wie sie das schon mehrfach erfolglos getan hatte. Eine Gruppe von etwa 20 Abgeordneten der Fraktion CDU/DA schlug eine Volkskammersitzung fr den 9. Oktober vor, die den Beitritt zum 14. Oktober beschlieen sollte. Zu diesen beiden Antrgen gab es verschiedene nderungsantrge. Immer wieder versuchte die PDS, durch Geschftsordnungsantrge die Abstimmung zu verhindern. Mehrfach wurde die Sitzung fr Fraktionsbesprechungen unterbrochen.

    Ministerprsident de Maizire pldierte zu Beginn der Sondersitzung fr ein Ende der Debatte ber den Beitrittstermin: „Das Gesprch mit den Vorsitzenden aller Fraktionen der Volkskammer gestern hatte das Ziel, das permanente Spiel mit dem Beitrittstermin zu beenden und ber Fraktionsgrenzen hinweg Klarheit zu schaffen. Es ist aus meiner Sicht fr alle Fraktionen notwendig, diesen Termin jetzt endgltig zu beschlieen. Eine verbindliche Festlegung und damit ein Ende der Diskussion ist berfllig." De Maizire nannte freilich in seiner Rede den von ihm zwei Wochen zuvor ffentlich vorgeschlagenen 14. Oktober nicht ausdrcklich als Beitrittsdatum und vermied eine genauere Festlegung.

    Konkreter wurde anschlieend Gnter Krause fr die Fraktion CDU/DA, allerdings nannte auch er nur vage einen Termin „nicht eher als den 3. Oktober". Ein entsprechender Antrag - es war inzwischen nach 23.00 Uhr - lag freilich noch nicht vor.

    Wolfgang Thierse brachte nun fr die SPD erneut den von ihr schon frher vorgeschlagenen 15. September ins Gesprch und stellte einen entsprechenden nderungsantrag zum vorliegenden DSU-Antrag fr den sofortigen Beitritt. Zunchst wurde dieser nderungsantrag der SPD in offener Abstimmung „mit klarer Mehrheit abgelehnt". Anschlieend erhielt der DSU-Antrag auf sofortigen Beitritt in namentlicher Abstimmung nur 56 Ja-Stimmen bei 183 Nein-Stimmen und 125 Enthaltungen. Es war jetzt 01.00 Uhr am Morgen des 23. August geworden.

    Nunmehr stellte die Fraktion Bndnis 90/Grne einen nderungsantrag zum vorliegenden Antrag von mehr als 20 Abgeordneten der Fraktion der CDU/DA auf Beitritt zum 14. Oktober. Sie schlug vor, die Terminfestlegung „zum schnellstmglichen Zeitpunkt" auf einer Sitzung der Volkskammer am 3. Oktober zu treffen.

    Erst jetzt verlas der Sitzungsprsident Hppner den - spter verabschiedeten - Antrag der Fraktion CDU/DA, FDP und SPD auf Beitritt zum 3. Oktober, der inzwischen ebenfalls als nderungsantrag eingereicht worden war: „Die Volkskammer erklrt den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gem Artikel 23 des Grundgesetzes mit Wirkung vom 3. Oktober 1990. Sie geht dabei davon aus, dass die Beratungen zum Einigungsvertrag zu diesem Termin abgeschlossen sind, die Zwei-plus-vier-Verhandlungen einen Stand erreicht haben, der die auen- und sicherheitspolitischen Bedingungen der deutschen Einheit regelt und die Lnderbildung soweit vorbereitet ist, dass die Wahl in den Lnderparlamenten am 14. Oktober 1990 durchgefhrt werden kann." Nach einer Sitzungsunterbrechung trat auch die DSU als Antragsteller diesem Antrag bei.

    Zunchst wurde nun in offener Abstimmung der nderungsantrag von Bndnis 90/Grne abgelehnt. Dann verlas Reinhard Hppner vor der namentlichen Abstimmung den Antragstext nochmals, „weil er Ihnen nicht schriftlich vorliegt." Der Geschftsordnung folgend, lie Hppner nun ber den Antrag als „nderungsantrag" offen abstimmen und stellte dann fest: „Mit klarer Mehrheit ist damit der von mir verlesene Text Abstimmungsgrundlage".

    Nachdem er den immer noch nicht schriftlich verteilten Antragstext zum dritten Mal verlesen hatte, erffnete Hppner endlich die von der Fraktion CDU/DA beantragte endgltige namentliche Abstimmung ber den Beitrittsantrag.

    Es war 02.30 Uhr am frhen Morgen des 23. August, als die Sitzungsprsidentin Sabine Bergmann-Pohl das Abstimmungsergebnis verkndete: „Ich habe das Vergngen, ein Ergebnis zur Abstimmung bekannt zu geben. Es betrifft den gemeinsamen Antrag der Fraktionen der CDU/DA, DSU, FDP und SPD, den Beitritt.... Ich mchte bitten, dass das Protokoll der Abstimmung hier gendert wird. Ich lese noch einmal die Erklrung vor:

    „Die Volkskammer erklrt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gem Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990."

    Das liegt Ihnen in der Drucksache Nr. 201 vor. Abgegeben wurden 363 Stimmen. Davon ist keine ungltige Stimme abgegeben worden. Mit Ja haben 294 Abgeordnete gestimmt.

    (Starker Beifall der CDU/DA, DSU, FDP, teilweise der SPD, die Abgeordneten der genannten

    Fraktionen erheben sich von den Pltzen).

    Mit Nein haben 62 Abgeordnete gestimmt, und sieben Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten.

    Meine Damen und Herren, ich glaube, das ist ein wirklich historisches Ereignis. Wir haben uns die Entscheidung alle sicher nicht leicht gemacht, aber wir haben Sie heute in Verantwortung vor den

    Brgern der DDR in der Folge ihres Whlerwillens getroffen. Ich danke allen, die dieses Ergebnis im Konsens ber Parteigrenzen hinweg ermglicht haben."

    Anschlieend rief in einer persnlichen Erklrung „unter jubelndem Beifall bei der CDU/DA, der DSU und teilweise der SPD" der PDS-Sprecher Gregor Gysi aus: „Das Parlament hat soeben nicht mehr und nicht weniger als den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik zum 3. Oktober 1990 beschlossen." Um 03.00 Uhr schloss Frau Bergmann-Pohl diese denkwrdige Sitzung der Volkskammer.

    Noch in der Nacht - gegen 2.45 Uhr - wurde Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl vom Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister Rudolf Seiters, telefonisch ber den Beitrittsbeschluss informiert.

    Am gleichen Tag, also am 23. August, trat um 15.00 Uhr der Deutsche Bundestag zu einer Sitzung zusammen. Helmut Kohl erffnete diese Sitzung mit einer Regierungserklrung, die er mit den Worten begann: „Frau Prsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Volkskammer der DDR hat heute Nacht mit einer Mehrheit von mehr als 80% der abgegebenen Stimmen folgenden Beschluss gefasst." Helmut Kohl verlas den Beschlusstext ohne freilich das offizielle Dokument bereits in Hnden zu halten, ganz offenbar als Text wie von den Medien bermittelt wurde. Er fgte kommentierend hinzu: „Die berwltigende Mehrheit der Abgeordneten der Volkskammer hat hiermit uns alle in die Pflicht genommen. Der heutige Tag ist ein Tag der Freude fr alle Deutschen".

    Am nchsten Tag, Freitag, den 24. August, sprach Helmut Kohl zur CDU/CDA-Volkskammerfraktion.Noch immer unter dem Eindruck des Beitrittsentscheids, dankt er den Versammelten.

    Der Beitrittsbeschluss war gefasst, ber die Medien verbreitet, und der Bundeskanzler hatte ihn in einer Regierungserklrung sozusagen amtlich zur Kenntnis genommen.

    Doch wie gelangte dieser Beitrittsbeschluss der DDR offiziell zur Kenntnis der Bundesrepublik Deutschland? Der folgende Ablauf beschreibt anschaulich, wie vieles im historischen Prozess der

    Vereinigung Deutschlands zwischen die „Mhlsteine" der Unsicherheit ber den richtigen Ablauf und des Alltagstrotts der Brokratie geriet.

    Frau Bergmann-Pohl war als Prsidentin der Volkskammer zugleich amtierendes Staatsoberhaupt der DDR. Ihr oblag es, den Beschluss der Bundesrepublik Deutschland offiziell zur Kenntnis zu bringen. Sie whlte dafr parallel drei Adressaten: Bundesprsident Richard von Weizscker, die Prsidentin des Deutschen Bundestages, Professor Dr. Rita Sssmuth und Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl Alle drei Schreiben sind mit „Berlin, 25. August 1990" datiert.

    Die Briefe an den Bundesprsidenten und den Bundeskanzler auf dem Briefbogen „Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik - Die Prsidentin" hatte den gleichen Wortlaut:

    „Sehr verehrter Herr Bundeskanzler, bzw. „Sehr verehrter Herr Bundesprsident"

    „...gestatten Sie mir, Ihnen den Beschluss der Volkskammer vom 23. August 1990 zum Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland zu bermitteln.

    Der Beschluss ist das Ergebnis der Beratung eines gemeinsamen Antrags der Fraktionen der CDU/CDA, der DSU, der FDP und der SPD. 294 Abgeordnete stimmten dem Beschluss zu, 62

    Abgeordnete stimmten mit Nein und 7 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Von den 400 Abgeordneten waren 363 anwesend.

    Es ist mir eine groe Freude, Ihnen dies in einem persnlichen Schreiben mitteilen zu drfen.

    Mit freundlichen Gren

    Dr. Sabine Bergmann-Pohl"

    Der Brief an Rita Smuth unterschied sich davon etwas und hatte folgenden Wortlaut:

    „Sehr geehrte Frau Prsidentin,

    mit groer Freude darf ich Ihnen den Beschluss der Volkskammer vom 23. August 1990 zum Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bermitteln.

    Der Beschluss ist das Ergebnis der Beratung eines gemeinsamen Antrages der Fraktionen der CDU, der DSU, der FDP und der SPD. 294 Abgeordnete stimmten dem Beschluss zu, 62 Abgeordnete stimmten mit Nein und 7 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Von den 400 Abgeordneten waren 363 anwesend.

    Mit freundlichen Gren

    Dr. Sabine Bergmann-Pohl"

    Der Beschusstext als offizielles Dokument lag den Schreiben von Frau Bergmann-Pohl auf einem auf DINA4-gefalteten DINA3- Bttenpapierbogen bei. Auf der Vorderseite steht „Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik". Die linke innere Seite ist leer, auf der rechten Seite ist der bereits zitierte Beschlusstext abgedruckt, versehen mit dem Zusatz „Die Prsidentin der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik - Bergmann-Pohl" und mit dem handschriftlichen Namenszug „Bergmann-Pohl". Sabine Bergmann-Pohl hat also alle drei

    Urkunden unterzeichnet. Es existierten zu diesem Zeitpunkt also drei Originale der Beitrittsurkunde.

    Bemerkenswert ist, dass die Briefe auf einen Samstag (25. August 1990) datiert sind - auch im historischen Prozess der Vereinigung auf westdeutscher Seite keineswegs ein Arbeitstag, an dem die Bros besetzt gewesen wren. Das Bro des Volkskammerprsidenten in Ost-Berlin freilich war offenkundig funktionsfhig.

    Die historischen Schreiben mit Anlage gab das Bro der Volkskammerprsidenten in die normale Post nach Bonn. Sie waren addressiert „An den Bundesprsidenten Herrn Dr. Richard von Weizscker, Bundesprsident, D-5300 Bonn 1"., „An den Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzleramt, D-5300 Bonn 1" bzw. „An die Prsidentin des Deutschen Bundestages, Frau Prof. Dr. Rita Smuth, Bundeshaus, D-5300 Bonn 1".

    Die drei Briefe trafen am Dienstag, den 28. August 1990 in Bonn ein. Die Prsidentin des Deutschen Bundestages leitete Brief und Anlage noch am gleichen Tag im Faksimile als „Unterrichtung durch die Prsidentin des Deutschen Bundestages" (Drucksache 11/7777) an die Mitglieder des Deutschen Bundestages weiter.

    Im Bundesprsidialamt zeichnet der Abteilungsleiter I den zuvor offenbar in der Poststelle mit Barcode versehenen Brief ab und versah ihn mit der Bemerkung „BPr n. R." (Bundesprsident nach Rckkehr). Bundesprsident von Weizscker nahm das Schreiben am 30. August zur Kenntnis und zeichnete es ab.

    Auf dem Schreiben findet sich dann eine weitere handschriftliche Notiz vom 13. September „Nach Rcksprache mit AL I durch Besuch in Volkskammer Antwort (schriftlich) nicht mehr notwendig".

    Immerhin erst zwei Monate spter, am 14. November, wurde auf dem Schreiben von einem weiteren Beamten vermerkt „Schr. der Prs. d. Volkskammer nebst Anlage in Hlle (nicht lochen!) zdA nehmen".

    Auch im Bundeskanzleramt trafen Brief und Anlage in der Poststelle ein und wurden dort - da an den Bundeskanzler adressiert - aussortiert und direkt - also nicht ber das Kanzlerbro - an das Vorzimmer des Bundeskanzlers weitergegeben. Dort wurde der Brief geffnet und erhielt routinemig den grnen Eingangsstempel „Vorzimmer Bundeskanzler - 28. August 1990".

    Allerdings war die Bedeutung des Anschreibens offenbar nicht aufgefallen, sondern das Schreiben wurde wiederum routinemig - ohne dass es dem Bundeskanzler vorgelegt worden war - direkt dem Chef des Bundeskanzleramtes weitergeleitet. Die Anlage blieb augenscheinlich unbeachtet.

    Offenbar in einem greren Poststapel zeichnete Kanzleramtschef Rudolf Seiters mit rotem Stift das Anschreiben ab. Sein persnlicher Referent, Axel Hartmann, versah es mit blauem Stift mit der Bemerkung „1) H.LKB 2) H.AL3 zwV Ha". Mit LKB war der Leiter des Kanzlerbros gemeint, mit AL3 der Leiter der Abteilung 3 im Kanzleramt, „Innere Angelegenheiten, Soziales, Umwelt".

    In dieser Abteilung war die Gruppe 33 „Recht, staatliche Organisation" angesiedelt, in der sich auch das Referat „Verfassungsrecht" befand. Im Bundeskanzleramt gab es - dem Kanzlerbro zugeordnet - die sog. „Geschftsstelle der Leitung" (GdL), in der die Vorgnge des Bundeskanzlers bzw. des Chefs des Kanzleramtes registriert wurden, bevor sie in die Abteilungen des Hauses gingen.

    Erst an dieser Stelle fiel einem Sachbearbeiter die Bedeutung des Schreibens von Frau Bergmann-Pohl auf und er informierte mich als stv. Leiter des Kanzlerbros. So hielt ich das historische Schreiben des amtierenden Staatsoberhaupts der DDR mit der offiziellen Mitteilung ber den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland in den Hnden. Es war auf dem Weg zu einem Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt mit der korrekten behrdendeutschen Anweisung „zur weiteren Verwendung" (zwV).

    Ich nahm den Vorgang an mich und entschied, das mit den beschriebenen brokratischen Bemerkungen versehene Dokument nicht dem Bundeskanzler vorzulegen. Dessen Begeisterung ber den wenig sensiblen Umgang mit dem historischen Dokument htte sich in Grenzen gehalten.

    Von den gleichzeitigen Schreiben an den Bundesprsidenten und die Bundestagsprsidentin wusste ich nichts.

    In dieser Situation wandte ich mich an Thomas de Maizire, einen alten Bekannten aus gemeinsamen studentenpolitischen Zeiten im Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS). Er baute 1990 das Amt des Ministerprsidenten der letzten DDR-Regierung, Lothar de Maizire, seines Vetters, auf.

    Ich schilderte Thomas de Maizire die Situation und bat ihn, bei Frau Bergmann-Pohl eine Zweitausfertigung des Briefes und der Anlage zu erbitten. Diese Zweitausfertigung wurde von Frau Bergmann-Pohl unterschrieben und mit einem Boten per Linienflug von Berlin zum Kln/Bonner Flughafen gebracht, wo ihn ein Mitarbeiter des Kanzlerbros entgegennahm und mir im Kanzleramt aushndigte.

    Dieses Dokument wurde von mir am 29. oder 30. August dem Bundeskanzler vorgelegt. Am 31. August gab ich eine Kopie des Schreibens und der Anlage weiter mit der handschriftlichen Bemerkung „Dr. Busse, GL 33. H. Stern, LASD i. V. Das Originaldokument befindet sich bei mir zwecks Rcksprache mit BK ber knftigen Aufbewahrungsort, Ei 31/8".

    Die offizielle Beurkundung des Volkskammerbeschlusses zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland existiert also in vier Exemplaren: Je einmal an den Bundesprsidenten, die Bundestagsprsidentin und den Bundeskanzler bersandt und bei letzterem aus den geschilderten Grnden durch eine Zweitausfertigung ersetzt.

    Ich erinnere mich nicht mehr, was ich mit dem Bundeskanzler ber den Verbleib des Originals - also de facto die Zweitausfertigung - des Beitrittsbeschlusses besprochen habe. Der Verbleib ist auch heute nicht mehr zu klren. Es befindet sich jedenfalls weder im Bundesarchiv, noch im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch im Deutschen Historischen Museum.

    Vorhanden ist freilich das an den Bundeskanzler bersandte Originaldokument, also die Erstausfertigung mit den beschriebenen Stempeln und Bemerkungen. Ich habe es zum 15. Jahrestag des Beitrittsbeschlusses am 23. April 2005 dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bergeben.

    Der gesamte Vorgang illustriert auf anschauliche Weise, wie die Wiedervereinigung in ihrer historischen Einmaligkeit im Ablauf alltglicher Routine behandelt wurde. Ein Muster fr geordnete Ablufe lag fr den einmaligen und unvorhergesehenen Fall der Wiedervereinigung nicht vor. Neben dem Alltag der Ministerialbrokratie lief sozusagen ein Film von historischer Dimension.

    Sicherlich handelte es sich bei dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland um einen grundlegenden staatsrechtlichen Vorgang. Fr die politische und verfassungsrechtliche Dynamik, die sich nun ergab, war offenbar von keiner Bedeutung, wo das zugrundeliegende Dokument in seinen verschiedenen Ausfertigungen verblieb. Es wurde in der Registratur von Bundesprsident, Bundeskanzleramt und Bundestag abgelegt und spter dem Bundesarchiv bergeben. Im am 31. August 1990 unterzeichneten Einigungsvertrag wird der nur wenige Tage zuvor gefasste Beitrittsbeschluss der Volkskammer brigens nicht mehr erwhnt. Dort ist immer nur lapidar von der „Wirkung des Beitritts" die Rede.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr das dritte Quartal 2019.

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  • KUNST UND PUBLIKUM:

    brauchen einander und sind zugleich in einem Spannungsverhltnis verbunden. Aber Musik, die keiner hrt, ein Buch, das niemand liest, oder ein Bild, das keiner sieht, laufen ins Leere. Nur im Respekt voreinander kommen Kunst und Publikum voran.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Wahlverwandtschaft oder Zwangsheirat

    Wie Kunst und Publikum miteinander umgehen sollten

    In regelmigen Abstnden kommt es zu Diskussionen, inwieweit knstlerische Angebote auf das Publikumsinteresse Rcksicht nehmen sollen oder ob Desinteresse des Publikums nur ein Symptom dafr ist, dass dieses unreif fr die angebotene Kunst sei. Auch das berdurchschnittlich kulturaffine Bonn wird regelmig mit solchen Pseudo-Alternativen konfrontiert:

    Als vor zehn Jahren die Totenglocke der populren Konzerte auf dem Bonner Museumsplatz zwischen Bundeskunsthalle und stdtischem Kunstmuseum gelutet wurde, argumentierte der damalige Intendant der Bundeskunsthalle, die Konzerte und das dafr aufgebaute Zeltdach strten die „sthetik“ des Museumsplatzes. Auf den Hinweis, durch die Konzerte (mit den Tickets war ein kostenloser Museumsbesuch mglich) wrden Menschen an das Kunstangebot der Museen herangefhrt, meinte er, die Kunst werde aber beeintrchtigt, wenn sich Menschen dort aufhielten: am besten kme die sthetik des Platzes zur Geltung, wenn er menschenleer sei. Womit sich die Frage stellt: Was soll die vollkommenste sthetik, wenn sie niemand erlebt ?

    Jngst lie ganz hnlich die Intendantin des Bonner Beethovenfestes verlauten, ein gut gefllter Konzertsaal sei kein Indiz fr hchste Qualitt. Natrlich ist es richtig, dass sich groe Kunst auch im leeren oder sprlich besetzten Konzertsaal entfalten kann – aber ist das zuhrerarme Konzert deshalb erstrebenswert? Wer selbst ein Instrument spielt, kennt das Erlebnis des einsamen Genusses – und zugleich die Anspannung und Erfllung, wenn andere gespannt zuhren.

    Kunst ohne Publikum kann sich nicht entfalten: Sich an Kunst zu erfreuen oder sich daran zu reiben, Kunst als Genuss oder als Provokation, Kunst zur Entspannung oder um aufzuregen - all das und vieles mehr ist ohne Publikum nicht mglich. Wie ein Buch, das keiner liest, oder eine Rede, die keiner hrt, luft auch die Musik, die keiner hrt, und das Bild, das keiner sieht, ins Leere.

    Publikum ist also als Resonanzboden der Kunst unverzichtbar und kann deshalb von ihr nicht ignoriert werden. Zugleich darf sich Kunst nicht nur auf das reduzieren, was dem Publikum gefllt. Zahllos sind die Beispiele, in denen Zeitgenossen jene Kunst ablehnten, die dann Jahrhunderte berdauerte und die Menschen immer strker faszinierte. Umgekehrt ist nicht etwas deshalb schon Kunst, weil die Menschen sich davon abwenden.

    Kompliziert wird das Verhltnis zwischen Kunst und Publikum zustzlich durch den nicht wegzudiskutierenden Aspekt, dass Kunst finanziert werden muss. Auch dies ist publikumsabhngig – sei es direkt beim Verkauf von Eintrittskarten oder/und indirekt bei staatlichen Subventionen, die in der Demokratie keinen Bestand haben, wenn sie nicht von einer Mehrheit der Whler getragen werden. Auch Sponsoren werden unruhig, wenn ihre Kunden sich abwenden. Kluge Politik versucht die Kulturfrderung vor der Tagesstimmung zu schtzen und nachhaltig anzulegen. Sie bleibt dabei aber auf die grundstzliche Akzeptanz der Menschen angewiesen.

    Im brigen will staatliche Kunstfrderung nicht nur die Unabhngigkeit der Kunst absichern, sondern sie hat auch einen sozialen Aspekt: Sie will auch finanzielle Zugangshrden fr das Publikum abbauen – eine Hrde die rein kommerzielle Anbieter oft durch die Hhe von Eintrittspreisen errichten mssen, um sich zu finanzieren.

    Es ist ein schmaler Grad, auf dem sich Kunst gegenber dem Publikum bewegt: Auf der einen Seite liegt der Abgrund der Anpassung und auf der anderen der der berheblichkeit. Letztlich sitzen der Knstler, der ein ihm gegenber ablehnendes Publikum fr zurckgeblieben hlt, und das Publikum, das ihm (zunchst) fremde Kunst nur fr Spinnerei hlt, im gleichen dem Untergang geweihten Boot. Nur der Respekt voreinander bringt Kunst und Publikum zueinander und beide voran.

    Man kann es auch mit Richard Wagner sagen. Er lsst in seiner Oper Die Meistersinger von Nrnberg den Schustermeister Hans Sachs an die Meistersinger als vermeintliche Hter „wahrer Kunst“ den Appell richten:

    „Da jhrlich zum Sankt-Johannis-Fest

    statt da das Volk man kommen lt

    herab aus hoher Meister Wolk

    Ihr selbst Euch wendet zu dem Volk

    Dem Volke wollt ihr behagen,

    Nun dcht' ich lg es nah,

    Ihr liet es selbst auch sagen,

    ob das ihm zur Lust geschah.

    Da Volk und Kunst gleich blh und wachs,

    bestellt ihr so, mein ich, Hans Sachs."

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  • BEI DER KOMMUNALWAHL 2020:

    zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab, seit sich die grne Bundestagsabgeordnete Katja Drner entschlossen hat, den CDU-Oberbrgermeister Ashok Sridharan herauszufordern. Die CDU muss erkennen, dass auch in Bonn die Grnen ihr Hauptkonkurrent sind.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Seifenblasen zerplatzen

    Worauf es bei der Kommunalwahl 2020 in Bonn ankommt


    Mit Ankndigung der grnen Bundestagsabgeordneten Katja Drner bei der Bonner OB-Wahl 2020 anzutreten, sind drei Seifenblasen zerplatzt, die mancher in CDU fr stabile Gebilde hielt:

    • Wo sich nach der Abschaffung der Stichwahl die Meinung breit gemacht hatte, die Wahl des Oberbrgermeisters sei fr die CDU ein Spaziergang, wchst jetzt die Erkenntnis, dass ein uerst spannender Wahlkampf bevorsteht.
    • Wo der eine oder andere dachte, als Koalitionspartner im Rathaus wrden die Grnen der CDU die OB-Wahl der CDU schon nicht ernsthaft streitig machen, sind solche romantischen Gefhle einem ernchternden Kater gewichen.
    • Wo man dachte, wegen der Jamaika-Koalition im Rat seien die Grnen nicht der Hauptwettbewerber der CDU, sprechen die Zahlen lngst eine andere Sprache.

    Bei den letzten fnf Wahlen lag das Potential der CDU in Bonn bei hchstens 30 Prozent. Sie hatte sich darauf eingestellt, dass sich die Konkurrenz vor allem von SPD und Grnen wechselseitig durch ein Kopf-an-Kopf-Rennen lahmlegt. Durch den bundesweiten Absturz SPD und den Aufschwung der Grnen hat sich das gendert: Die Grnen sind inzwischen auch in Bonn der Hauptkonkurrent der CDU. Bei der Europawahl am 26. Mai 2019 erhielten sie in Bonn sogar mit 31,9 Prozent sage und schreibe 14.000 Stimmen mehr als die CDU (23,0 Prozent).

    Wer meint, dieses Europawahlergebnis sei eine Ausnahme gewesen, blst die nchste Seifenblase auf: Schon bei der letzten OB-Wahl 2015 hatten die Grnen trotz eines schwachen Kandidaten nur 1,5 Prozent hinter einem (ebenso schwachen) SPD-Kandidaten gelegen. Der CDU-Kandidat Ashok Sridharan siegte damals mit 50 Prozent berraschend schon im ersten Wahlgang. Das war ohne Zweifel ein groer persnlicher Erfolg. Aber es handelte sich auch um eine virtuelle Abwahl seines SPD-Vorgngers, der aus guten Grnden nicht wieder angetreten war.

    Vor allem war die OB-Wahl 2015 eine reine Persnlichkeitswahl, die nicht mit Wahlen kombiniert war, bei denen Parteien im Vordergrund stehen. Das ist bei der Wahl im Herbst 2020 anders, denn dann sind OB- und Ratswahl wieder miteinander kombiniert. Das erhht die Chancen der grnen Kandidatin. Alle Erfahrungen zeigen, dass es sehr selten vorkommt, dass die Whler bei gleichzeitigen Wahlen auf einem Stimmzettel eine andere Partei ankreuzen als auf dem anderen.

    Bei einem anhaltenden bundesweiten Hhenflug der Grnen wird auch die Bonner OB-Wahl zum Kopf-an-Kopf-Rennen und durch den Wegfall der Stichwahl auch ein Stck weit zum Lotteriespiel. Es ist nmlich fast unmglich vor Ort einen bundesweiten Trend zu korrigieren, man kann bestenfalls zwei oder drei Prozent bewegen, die freilich entscheidend sein knnen.

    Sich in diesem begrenzten Rahmen vor Ort von einem bundesweiten Trend abzusetzen, ist nur mit einem klaren inhaltlichen und personellen Profil mglich. Dabei kommt Herausforderern in der Regel zugute, dass sie von enttuschten Erwartungen profitieren und sich Denkzettel-Tendenzen zu Nutze machen knnen. Hier liegen Probleme fr jeden Amtsinhaber. Man wird auch fr Missstnde in Haftung genommen, die man nicht zu verantworten hat.

    Ashok Sridharan kann einen sehr hohen persnlichen Sympathiebonus in die Waagschale werfen. Er ist die personifizierte Brgernhe. Aber auch Katja Drner polarisiert als Person nicht. Deswegen wird leicht bersehen, dass sie zum linken Flgel bei den Grnen gehrt. Zwischen ihr und z. B. dem baden-wrttembergischen Ministerprsidenten Kretschmann liegen politische Welten.

    Es muss im Interesse der CDU liegen, diese inhaltlichen Unterschiede klar herauszuarbeiten. Das setzt natrlich voraus, klare eigene Akzente zu setzen – in den letzten Jahren nicht unbedingt eine Strke der CDU im Bonner Rat. Von der Jamaika-Koalition in Bonn profitieren augenscheinlich die Grnen. Die CDU ist kommunalpolitisch allzu oft reaktiv und lsst die Grnen die Richtung bestimmen. Das Motto „Wir haben Schlimmeres verhindert“ ist bei Wahlen nicht besonders werbewirksam. Die Whler erwarten Gestaltungswillen und Leidenschaft fr die Sache. Hier haben die Grnen zur Zeit nicht nur in Bonn die Nase vorn.

    Allerdings muss man immer wieder daran erinnern: Das, was die Bonner vor allem rgert, ist auf dem Mist der Grnen gewachsen. Sie haben das Festspielhaus verhindert und sind verantwortlich fr das Debakel Beethovenhalle. Die CDU war leider Mitluifer. Die Grnen haben die Sanierung des Victoria-Carrs verhindert, aber die CDU hat daraus keine ernsthaften Konsequenzen in der Koalitionsfrage gezogen. Die Grnen sind die Initiatoren der Umgestaltung des Cityrings, die viele Brger schon zu Beginn der Testphase auf die Palme bringt. Die CDU hat leider zugestimmt.

    Mitgehangen – mitgefangen gilt zwar in der Koalition fr alle Partner. Aber die Bonner Grnen tun gerne so, als seien sie nie dabei gewesen. So sagte der letzte grne OB-Kandidat Schmidt als einer der Hauptverantwortlichen fr den Beschluss zur Sanierung der Beethovenhalle Anfang 2019 doch tatschlich: „Der Rat hatte keine verlssliche Grundlage fr seine Entscheidungen.“ Gerade er hatte aber trotzdem auf einem Beschlussbestanden.Scheinheiliger geht es nicht.

    Ob Beethovenhalle, Victoria-Carr oder City-Ring – Katja Drner war immer mit dabei, und zwar nicht als Hinterbnklerin, sondern als fhrende Bonner Grne in der Hauptverantwortung fr diese Debakel. In ihrer eher als allgemeine Wohlfhlerklrung formulierten Kandidaturankndigung blitzt an einer Stelle ihr Politikverstndnis auf. Sie schreibt: „Aber es ist an der Zeit, den Verkehr konsequent an Fugnger*innen und Radfahrer*innen auszurichten.“ Autofahrer kommen nicht vor. Verkehrspolitik im Konfrontationsmodus statt Verkehrspartnerschaft, die alle (!) Verkehrsteilnehmer einbezieht. Auf solche Themen muss die CDU ihren Wahlkampf ausrichten.

    Es ist berhaupt die groe Schwche der Grnen, die Welt monothematisch zu betrachten. Wer nur Umweltpolitik sieht, hat Sozialpolitik lngst vergessen. Wer sich auf „Fridays for Future“ fixiert, ignoriert, dass die Woche sieben Tage hat. Die Strke der CDU liegt im Ausgleich der Interessen. Das muss sie immer wieder verdeutlichen, auch wenn ihr medial der Wind ins Gesicht blst.

    Gestaltungswillen und Leidenschaft zu zeigen, ist im laufenden kommunalen Verwaltungsgeschft nicht mglich. Auch die Unterordnung des eigenen Profils nur um die Koalition mit den Grnen nicht zu gefhrden, ist nicht erfolgsversprechend. Die Vereinbarung, nur gemeinsame Presseerklrungen abzugeben, ist ein kleines Indiz fr das Problem: Erstens halten sich die Grnen im Unterschied zur CDU oft nicht daran, und zweitens schreiben sie im Zweifelsfall den Entwurf der Erklrung und die Koalitionspartner sind stolz darauf, wenn sie einen Halbsatz verndern.

    Halbstze zu verndern, reicht nicht aus: Die CDU hat bei den Wahlen 2020 nur eine Chance, wenn sie das Heft in die Hand nimmt und eigene Projekte fr die Zukunft der Stadt definiert. Nicht das, was man verhindert, sondern das, was will, muss im Vordergrund stehen. Profilierung ist notwendig! Dass das Rennen 2020 mit der Kandidatur der grnen Bundestagsabgeordneten spannender geworden ist, sollte die Verantwortlichen als Weckruf zur (gerade noch) richtigen Zeit verstehen.

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  • EINE HELMUT-KOHL-ALLEE GIBT ES JETZT:

    in Bonn. Das angesichts der Verdienste des Kanzlers der Einheit und Ehrenbrger Europas um die erste Bundeshauptstadt ebenso folgerichtig wie es beispielhaft sein sollte fr viele andere Stdte. Die Enthllung des Straenschilds an der Museumsmeile nahmen die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und OB Ashok Sridharan vor. Mit dabei waren viele Weggefhrten von Helmut Kohl. Der langjhrige Kohl-Mitarbeiter Johannes Ludewig hielt eine eindrucksvolle Rede zu seinen Erfahrungen mit Helmut Kohl, die hier dokumentiert wird.

    Die Rede von Johannes Ludewig zur Erffnung der Bonner Helmut-Kohl-Allee knnen Sie hier nachlesen.

    Johannes Ludewig 1983 wechselte aus dem Bundeswirtschaftsministerium ins Kanzleramt, wo erab 1991 Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie fr die Koordination der neuen Bundeslnder zustndig war. Vom 1. Januar 1995 bis 1997 war Ludewig Staatssekretr im Bundeswirtschaftsministerium sowie Beauftragter der Bundesregierung. Er war danach u. a. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn und ist heute Vorsitzender des Nationalen Normenkontrollrates.

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  • EINE KURSUMKEHR BEI DER BEETHOVENHALLE:

    ist lngst berfllig. Die jngste Kostenprognose von mehr als 166 Mio Euro fr die Sanierung einer maroden Mehrzweckhalle sollte Rat und Verwaltung in Bonn endlich zur Abkehr von ihrer Augen-zu-und-durch-Politik zwingen. Gefragt ist Zukunftsmut statt dem Beharren auf lngst berholtem.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Dr. Stephan Eisel

    Beethovenhalle schadet Bonn
    Neuer Kostensprung auf 166 Mio Euro
    Kurskorrektor ist berfllig

    Die Luxussanierung-Sanierung der Beethovenhalle ist lngst auer Kontrolle geraten, kostet den Bonner Steuerzahler inzwischen mehr als 166 Mio Euro, fhrt Rat und Verwaltung als hilflose Zaungste vor und schadet der Stadt Bonn auch ber die Stadtgrenzen hinaus in einem noch nicht absehbaren Ausma.

    Am 28. Juni 2019 legte die Stadtverwaltung einen neuen – den wievielten eigentlich – Offenbarungseid zu dem Desaster-Bau ab: Ein Kostensprung auf von 117 auf 166 Mio Euro und Fertigstellung frhestens (!) Mitte 2022. Schon die bisherige Kostensteigerung raubt einem den Atem:

    31.01.2015 (Verwaltung lt. GA) 15 bis 30 Mio Euro

    07.04.2016 (Drs. 161 1089): 53,4 Mio Euro

    22.09.2016 (Drs. 161 2370): 59,9 Mio Euro

    19.01.2017 (Drs. 171 0337): 61,5 Mio Euro

    26.05.2017 (Drs. 171 1685): 64,0 Mio Euro

    15.06.2017 (Stadtdir. Fuchs im GA): 66,5 Mio Euro

    27.06.2017 (Drs. 171 1685ST2): 70,6 Mio Euro

    12.09.2017 (Projektbeirat lt. GA) 72,2 Mio Euro

    18.10.2017 (Drs. 171 3043) 73,3 Mio Euro

    08.11.2017 (Drs. 171 3263) 75,2 Mio Euro

    12.12.2017 (Verwaltung laut GA) 76,1 Mio Euro

    23.02.2018 (Drs. 181 0539) 79,1 Mio Euro

    19.06.2018 (Drs. 181 1630ST2) 87,2 Mio Euro

    23.08.2018 (Drs. 18 12 225) 93,9 Mio Euro

    27.09.2018 (Drs. 181 25 79) 96,0 Mio Euro

    01.02.2019 (Verwaltung laut GA) 99,5 Mio Euro

    3.02.2019 (Verwaltung laut GA) 102,6 Mio Euro

    18.03.2019 Stadtdir. Fuchs im Rat 113,5 Mio Euro

    02.05.2019 (Drs. 191 1188 ST2) 117,4 Mio Euro

    28.06.2019 (Drs. 191 2027) 166,2 Mio Euro

    Auch in der jngsten Verwaltungsvorlage vom 28. Juni 2019 ist zu lesen von „zahlreichen ungeklrten Fragen und der damit verbundenen Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren weiteren Abwicklung des Projektes“. Es msse „davon ausgegangen werden, dass vor August 2019 keine inhaltlich korrekte und zur Koordination von Planungs- und Bauprozessen geeignete Terminplanung vorliegen wird.“ „Insgesamt hat sich der Planungs- und Ausschreibungsstand nicht verbessert ...“

    Dabei ist das Ende der schiefen Ebene noch nicht erreicht, denn auch die neue Prognose ist nach Mitteilung der Stadt nur einzuhalten, "wenn die gemeinsam erarbeitete, neue Strategie mit den jeweiligen Empfehlungen ganzheitlich verfolgt und konsequent angewendet wird." Weil das auch schon bisher nicht der Fall war, ist es euphemistisch und irrefhrend die jetzt prognostizierte Summe als "worst-case-Szenario" zu bezeichnen.

    Trotzdem verfolgen Rat und Verwaltung unbeeindruckt den Kurs des „Augen zu und durch“ statt eigene Beschlsse zu berdenken. Da dazu die Kraft fehlt, war bei der Beethovenhalle von Anfang an das Grundproblem. Bevor sich nun alle Beteiligten auf die Verantwortungsflucht begeben, sei die Geschichte der gr߭ten kommunalpolitischen Blamage der letzten Jahrzehnte noch einmal in Erinnerung gerufen:

    • Bis zur Kommunalwahl 2009 sollte die alte Beethovenhalle durch ein neues im Bau vllig privat finanziertes Festspielhaus ersetzen werden, dessen Betriebskosten ber eine wesentlich vom Bund finanzierte Stiftung getragen htte. Obwohl es durch die Juryentscheidung des ersten Architektenwettbewerbs darber Konsens gab, brachte OB Dieckmann (SPD) keine Vorlage dazu in den Rat ein und von dort wurde sie auch nicht gefordert.

    • 2010 beschloss der Bonner Stadtrat auf Vorschlag des damals neu gewhlten OB Nimptsch (SPD), die Beethovenhalle zu erhalten. Dafr lagen weder eine Kostenschtzung noch eine Bedarfsberechnung vor. Diesen Businessplan gibt es bis heute nicht.

    • 2013 beschloss der Rat ohne Prfung des Bedarfs, fr 3 Mio Euro ein Planungsbro zu beauftragen, den Umbau der Beethovenhalle zu einer „Multifunktionshalle“ vorzubereiten. Zugleich verweigert man stndig notwendige Beschlsse zum Festspielhaus.

    • Am 10. Dezember 2015 entschied sich der Rat mit 43:35 Stimmen (Grne, Mehrheit der CDU, FDP, Linkspartei und Piraten) gegen SPD, BBB und Minderheit der CDU fr eine aufwendige Sanierung der Beethovenhalle und lehnte den Vorschlag des neu gewhlten OB Sridharan (CDU) ab, wesentlich kostengnstiger bis zum Beethoven-Jubilum nur die Betriebssicherheit der Halle zu gewhrleisten. Damit sollte eine Zukunftslsung unter Einbezug der ebenfalls sanierungsbedrftigen Oper mglich werden.

    Eine wesentliche Ursache fr das folgende Desaster liegt darin, dass die Verwaltung dem Rat immer wieder unsolide Beschlsse abverlangte und die Ratsmehrheit diese auch gefasst hat:

    • Im Sanierungsbeschluss vom 10. Dezember 2015 steht wrtlich, dass eine „vertiefte Entwurfsplanung ... aufgrund der Komplexität noch nicht abgeschlossen werden„ konnte. Beschlossen hat der Rat trotzdem ...

    • Am 7. April 2016 legte sich der Rat auf eine aufwendige Sanierung fest, obwohl es im Beschlusstext ausdrcklich heit, dass erst nach dem dem Ratsbeschluss (!) zur „internen Absicherung ... eine Plausibilisierung der vorgelegten Zahlenwerke durch das städtische Rechnungsprüfungsamt vorgenommen werden“ soll - und selbst das nur „auf einer kursorischen Ebene“. Beschlossen hat der Rat trotzdem ...

    • Am 5. Mrz 2018 lehnte die Ratsmehrheit einen Baustopp und gab sich damit zufrieden, dass Projektleiter und Projektsteuerer mndlich (!) im Rat behaupten, es sei alles gar nicht so schlimm wie die Verwaltung noch am 23. Februar 2018 zum Zustand der Beethovenhalle schriftlich mitgeteilt hatte: „fragile Bausubstanz und bisher nicht nher identifizierbare Objekte im tieferen Erdreich“ … „zum Teil auftretende Risse in den Bestandswnden“ … „erhebliche Mngel an der Bausubstanz“ … „Standsicherheit einzelner Bereiche nicht mehr gewhrleistet“ … “im gesamten Gebude nahezu flchendeckende massive Bauwerksschden“ … „erhebliche konstruktive, statische Fehler“.
      Beschlossen hat der Rat trotzdem ...

    Solchen Beschlussvorlagen htte kein Ratsmitglied zustimmen drfen. Hauptverantwortlich fr das ganze Desaster sind der ehem. OB Nimptsch (SPD) mit seinen unserisen Ratsvorlagen, die Grnen mit ihrer ideologischen Fixierung auf die Beethovenhalle und die Fraktionsfhrungen von CDU und FDP, denen eine Koalition mit den Grnen wichtiger war als sachgerechte Entscheidungen. Den Fraktionsspitzen der Jamaika-Koalition fehlt bis heute die Einsicht, dass ein falscher Kurs eingeschlagen wurde, und damit die Kraft diesen zu korrigieren.

    Angesichts des eingetretenen Desasters sollte man sich jetzt durch eine Baupause die Zeit geben, die bisherige Konzeption grundstzlich und vorbehaltlos auf den Prfstand zu stellen.

    Eine solche Baupause kann genutzt werden um

    1. die bisher geplante Luxussanierung radikal abzuspecken. Dazu ist unverzglich zu berprfen, welche Kosten durch die Stornierung noch nicht verbauter Auftrge entstehen. Solche Stornierungen sind sinnvoller als eine Augen-zu-Strategie der weiteren unvernderten Bauausfhrung.

    2. den Denkmalschutz aufzuheben, der besonders kostentreibend ist. Die Aufhebung des Denkmalschutz kann durch einfachen Ratsbeschluss eingeleitet werden. Das knnte noch vor der Sommerpause geschehen.

    3. unverzglich zu prfen, ob das bisherige Sanierungskonzept nicht durch die Realisierung eines Beethoven-Campus ersetzt werdenkann, wie er von Gutachtern im Blick auf die notwendige Sanierung der Oper vorgeschlagen wurde.

    Da die Verwaltung mitgeteilt hat, dass die Sanierung der alten Mehrzweckhalle frhestens Mitte 2022 abgeschlossen sein kann, ist es ohne Probleme mglich, sich Zeit fr eine solche grundlegende Revision des bisherigen Konzeptes zu nehmen. Sinnvoll und notwendig ist es in jedem Fall.

    Auerdem sind bei der Beethovenhalle bisher 21 von 68 Vergabeeinheiten noch garnicht ausgeschrieben. Auftrge wurden bisher nach Verwaltungsangaben im Wert von 93 Mio Euro erteilt, aber nur 47 Mio Euro sind bereits ausgezahlt. Insgesamt birgt also das noch offenes Auftragsvolumen von ber 100 Mio Euro ein erhebliches Einsparpotential.

    Die Option eines Neubaus der Oper mit einem integrierten Konzertsaal neben der Mehrzweckhalle in einer abgespeckt sanierten Beethovenhalle ist ernsthaft zu prfen. Eine Sanierung des alten Opern-Gebudes im Bestand wre nmlich nach den unsglichen Erfahrungen bei der Beethovenhalle weder verantwortlich noch zu vermitteln und riskiert die Existenz der Oper als Institution.

    Neben Baden-Baden und Oslo wre das 2014 in Florenz erffnete neue kombinierte Konzert- und Opernhaus ein gutes Vorbild fr Bonn. Es hat fr Oper und Konzerte aller Art einen groen Saal sowie fr Theater, Kammermusik und andere Formate einen kleinen Saal und bietet ausserdem noch eine Freiluftbhne. Ein solches modernes Gebude ist nicht nur im Bau kalkulierbarer, sondern auch im Betrieb effizienter.

    Es liee sich mit einem solchen Beethoven-Campus auch ein gravierendes Problem beheben, das sich heute stellt: Das Bonner Opernhaus ist nur geffnet, wenn es Vorstellungen gibt. Die meiste Zeit wirkt es mit seiner Umgebung wie ein verlassener Ort – auch wenn im Innern (aber fr die Bevlkerung aber nicht sichtbar) ein lebendiger Probebetrieb luft. Diese rumliche Isolation muss aufgebrochen werden, denn Kulturgebude sollten die Menschen nicht eindimensional nur zu bestimmten Zeiten einladen, sondern ein stndiges Angebot von Erlebnisrumen sein.

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  • DIE NATIONALEN REGIERUNGSCHEFS:

    in der EU haben Europa einen Brendienst erwiesen, als sie das Ergebnis der Europawahl bei ihren Personalvorschlgen ignorierten.Wenn Wahlen keine Konsequenzen haben, hat die Demokratie ein Problem. Wenn Wahlen zum Europaparlament folgenlos bleiben, hat Europa ein Problem.

    Sie knnen den folgenden Text hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Ein Brendienst fr Europas Demokratie

    Wie die Staats- und Regierungschef die Europawahlen ignorieren

    Wenn Wahlen keine Konsequenzen haben, hat die Demokratie ein Problem. Wenn Wahlen zum Europaparlament folgenlos bleiben, hat Europa ein Problem.

    Deshalb verursacht der Personalvorschlag der europischen Staats- und Regierungschefs fr die Prsidentschaft der EU-Kommission ein Problem.

    Der EU-Kommissionsprsident wurde 2014 erstmals nach den Vorschriften des Ende 2009 in Kraft getretenen Vertrags von Lissabon gewhlt. Dort heit es:

    „Der Europische Rat schlgt dem Europischen Parlament nach entsprechendenKonsultationen mit qualifizierter Mehrheit einen Kandidaten fr das Amt des Prsidenten derKommission vor; dabei bercksichtigt er das Ergebnis der Wahlen zum EuropischenParlament. Das Europische Parlament whlt diesen Kandidaten mit der Mehrheit seinerMitglieder. Erhlt dieser Kandidat nicht die Mehrheit, so schlgt der Europische Rat demEuropischen Parlament innerhalb eines Monats mit qualifizierter Mehrheit einen neuenKandidaten vor, fr dessen Wahl das Europische Parlament dasselbe Verfahren anwendet.“

    Damit waren zwei Neuerungen verbunden: Die Einfhrung der qualifizierten oder auch doppelten Mehrheit im Europischen Rat, die klar definiert ist: Sie ist gegeben, wenn im Europischen Rat 55Prozent der Mitgliedstaaten (also 16 von 28), die zusammen mindestens 65Prozent der Gesamtbevlkerung der Union ausmachen, fr einen Vorschlag stimmen.

    Unklarer ist formuliert wurde dann allerdings eine damals neue Einschrnkung der Macht des Europischen Rates fr sein Vorschlagsrecht: „dabei bercksichtigt er das Ergebnis der Wahlen zum Europischen Parlament.“ Das war das Ergebnis eines harten Ringens zwischen den nationalen Regierungen und dem Europaparlament. Das Europaparlament hat zu Recht darauf bestanden, dass auch auf der europischen Ebene Wahlen Konsequenzen haben mssen.

    Da einige nationale Regierungen bei den Vertragsverhandlungen nur dem unklaren Begriff „bercksichtigen“ im Vertrag zustimmten, ergriffen diejenigen, die die Demokratie in Europa voranbringen wollten, eine weitere Initiative: 2014 wurden bei der Europawahl erstmals Spitzenkandidaten prsentiert. Damit sollte verhindert werden, dass der Europische Rat das Wahlergebnis ignorieren kann.

    Aus den Europawahlen 2014 ging damals die Europische Volkspartei (EVP) mit ihrem Spitzenkandidaten Jean- Claude Juncker als klarer Sieger hervor. Insbesondere der ungarische Ministerprsident Orban und sein britischer Kollege Cameron wollten Junckers Wahl zum Prsidenten der EU-Kommission dennoch verhindern. Daraufhin stellte sich Junckers Hauptkonkurrent bei der EU-Parlamentswahl, Martin Schulz, ffentlich hinter ihn, und sowohl Konservative als auch Sozialdemokraten, Sozialisten, Grne und Liberale im EU-Parlament kndigten an, keinen anderen Kandidaten als Juncker zu akzeptieren. So setzte das Europaparlament mit Juncker gegen die Stimme Grobritanniens erstmals einen durch europische Wahlen legitimierten Kommissionsprsidenten durch. Im Parlament stimmten 422 Abgeordnete fr Juncker, 250 gegen ihn, 47 enthielten sich, 10 Stimmen waren ungltig und 22 Abgeordnete stimmten nicht ab.

    Mit Manfred Weber fr die EVP und Frans Timmermans fr die Sozialisten traten bei der Europawahl 2019 wieder zwei Spitzenkandidaten an. Die EVP wurde erneut strkste Partei. Im Unterscheid zu 2014 verweigerten allerdings der zweiplatzierte Timmermans sowie Liberale und Grne die Untersttzung des Wahlsiegers. Damit ffnete sich fr den Europischen Rat die Mglichkeit, die Kommissionsprsidentschaft wieder in nationaler Kungelei vorbei an dem Europaparlament zu nominieren. Fr die Demokratie auf europischer Ebene ist diese Ignoranz gegenber einem Wahlergebnis ein klarer Rckschlag. Dabei spielte der franzsische Prsident Macron mit seiner Blockadehaltung gegenber dem Wahlsieger Weber leider eine sehr unrhmliche Rolle.

    Besonders bitter ist, dass man ausgerechnet den Regierungen ein de-facto-Vetorecht zubilligte, die von nationalistischen Populisten dominiert werden. Italien, Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei - brigens in Prag und Bratislawa unter Beteiligung der Sozialdemokraten. Bei der Europawahl 2019 waren die nationalistischen Populisten brigens klar in ihre Schranken gewiesen worden. Hier hatten die pro-europischen Parteien mit mehr als zwei Drittel der Stimmen ein eindeutiges Votum der Brger erhalten haben.

    Obwohl sie bei der Europawahl auf keinem Stimmzettel stand und die Whler damit keine Chance hatten, ihre europapolitischen Vorstellungen zu untersttzen oder abzulehnen bzw. berhaupt kennen zu lernen, muss Ursula von der Leyen nun die Mehrheit der 751 Abgeordneten des Europischen Parlaments von sich berzeugen. Das Votum zur Person wird aber berschattet von der Frage, ob sich das Europaparlament die demonstrative Missachtung des Wahlergebnisses durch nationale Regierungen gefallen lsst. Das ist eine schwere Entscheidung fr jeden Abgeordneten im Europischen Parlament.

    Es verdient brigens allergrte Hochachtung, wie sich der missachtete Wahlsieger Manfred Weber in diesem Trauerspiel verhlt. An seiner gradlinigen Anstndigkeit sollten sich sowohl seine unterlegenen Konkurrenten als auch alle Staats- und Regierungschefs ein Beispiel nehmen.

    Fr mich als berzeugten Europer bleibt als Folge der Ereignisse der letzten Tage als sehr bitterer Nachgeschmack, dass

    1. das Personalpaket der nationalen Regierungschefs im Europischen Rat nichts mit dem Ergebnis der Europawahlen zu tun hat.

    2. die Wahlverlierer bei der Europawahl nicht wie 2014 die Kraft hatten, sich zur Strkung des Demokratieprinzips hinter den Wahlsieger zu stellen.

    3. statt der gewhlten Volksvertreter im Europaparlament die nationalen Regierungschefs als Lobbyisten nationaler Interessen den Kurs vorgeben.

    4. den national-populistischen Regierungschefs von Polen, Italien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei de facto ein Vetorecht gegen das Europaparlament zugebilligt wurde.

    5. das Europaparlament ausgerechnet von denen, die europische Krise verursacht haben, jetzt damit erpresst wird, dass Europa in die Krise strze, wer das Personalpaket ablehne.

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  • MEINE GEDANKENANSTÖSSE ZU:

    politischen Debatten sollen zum Innehalten anregen, wo ein medialer Hype oft zu Kurzschlssen verfhrt. Demokratie braucht ebenso Zeit zum Austausch der Argumente wie Klarheit der Positionen. Hier finden Sie die Stolpersteine fr das zweite Quartal 2019.

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  • UNSER LUDWIG In BONN IST THEMA:

    meines Klavier-Kabaretts am 23. Juni um 16 Uhr in der Stiftung Pfenningsdorf (Poppelsdorfe Allee 108, Bonn). Der Eintritt ist frei. Platzreservierung dringend empfohlen unter webmaster@buerger-fuer-beethoven.de

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  • GESTÄRKT WURDE EUROPA BEI DER WAHL:

    des Europaparlaments am 26. Mai 2019. Zwei Drittel der Brger stimmten fr pro-europische Parteien, die Gegner Europas bleiben deutlich in der Minderheit. Wer die Wahl bewerten will, darf dabei nicht die nationale Brille aufsetzen, sondern muss das europische Gesamtbild betrachten.

    Den folgenden Text knnen Sie hier ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Brger strken Europa

    Zu den Ergebnissen der Europawahl auf europischer Ebene,im Bund und in Bonn


    Wichtigstes Ergebnis der Europawahl vom 26. Mai 2019 ist es, dass die pro-europischen Parteien mit mehr als zwei Drittel der Stimmen ein klares Votum der Brger erhalten haben. In der Verteilung der 751 Sitze bleiben die Europische Volkspartei (EVP 179) und die Sozialdemokraten (S&D 150) trotz ihrer Stimmverluste die strksten Fraktionen. Die Liberalen (ALDE+R 107) haben dank der Untersttzung der Partei des franzsischen Prsidenten Macron Platz 3 erobert. Die Grnen (70) haben sich auf Platz 4 verbessert. Erst danach kommen die drei europafeindlichen Parteienbndnisse mit jeweils 58 bzw. 56 Sitzen und die Fraktion der Links-Sozialisten und Kommunisten (38). Mit dem Ausscheiden der Briten, wird der anti-europische Block 33 Sitze verlieren, die Liberalen 16 sowie die Sozialdemokraten und Grnen jeweils 11. Damit wird die Fhrungsrolle der EVP noch deutlich werden. Bemerkenswert ist brigens, dass in Grobritannien die pro-Europer mehr Sitze erhalten haben als die Anti-Europer.

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  • EIN GROSSER ERFOLG FÜR BEETHOVEN:

    die groe Kunstinstallation „Ludwig van Beethoven – Ode an Freude“ auf dem Bonner Mnsterplatz statt. Veranstalter ist die Brgeraktion UNSER LUDWIG, die die BRGER FR BEETHOVEN und und city-marketing-bonn tragen. Noch bis zum 1. Juni ist die Installation zu sehen, die groes Aufsehen erregt.

    Hier knnen sie Pate fr Beethoven werden.

    Seit 1733 lebte die Musikerfamilie Beethoven ber drei Generationen in Bonn: Der Grovater war Hofkapellmeister, der Vater Hofmusiker und Ludwig van Beethoven wurde 1782 stv. Hoforganist, 1784 Hofmusiker und 1789 Bratscher in der Hofkapelle. In Bonn wurde er mit dem Gedankengut der Aufklrung konfrontiert, entwickelte sich zum herausragenden Pianisten, sammelte wertvolle Erfahrungen als Orchestermusiker und reifte zum profilierten Komponisten. Ohne das Bonner Fundament wren die Wiener Jahre nicht denkbar.

    Als er 1792 zur Ausbildung bei Joseph Haydn nach Wien aufbrach, hatte Beethoven die Rckkehr an den Rhein fest eingeplant: Die Besetzung Bonns durch die Franzosen 1794 vereitelte diesen Plan. Zeitlebens blieb er aber seiner rheinischen Heimat eng verbunden und hat in Wien sogar Briefe mit „Beethoven Bonnensis“ unterschrieben.Beethoven und Bonn sind untrennbar verbunden.

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  • FÜR DAS EURO THEATER CENTRAL:

    in Bonn setzen sich die BRGER FR BEETHOVEN mit einem Benefizkonzert ein. Stephan Eisel hat sein Klavierkabarett unter das Motto UNSER LUDWIG MACHT THEATER gestellt. Die Veranstaltung findet am 20. Mai 2019 um 20 Uhr imContra-Kreis-Theater (Am Hof 3-5, 53113 Bonn) statt. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten und Platzreservierung wird empfohlen.

    BENEFIZKONZERT
    FR DAS
    EURO THEATER CENTRAL

    UNSER LUDWIG MACHT THEATER
    Klavierkabarett von und mit Stephan Eisel

    20. Mai 2019 um 20 Uhr
    Contra-Kreis-Theater
    Am Hof 3-5, 53113 Bonn

    Zu seinem Einsatz fr das Euro Theater Central sagte Eisel: „Dieses kleine liebens -und lebenswerte Stck Bonn muss erhalten werden. Rat und Verwaltung entziehen dem Kleinod durch die Streichung aller Zuschsse ohne Not die Existenzgrundlage. Irgendwie sind die Mastbe bei den Ratsentscheidungen aus dem Lot geraten und dazu kann man nicht schweigen: Mit der Kostensteigerung von einem einzigen Monat bei der Beethovenhalle knnte man das Euro Theater Central zehn Jahre Lang finanzieren.“

    Das Euro Theater Central ist ein kleines, aber kulturell anspruchsvolles privates Theater. Es bietet ein knstlerisch hochwertiges Repertoire in deutscher, englischer und franzsischer Sprache fr maximal 50 Zuschauer. Die besondere Ausstrahlung des Euro Theater Central prgt das Einbezogenwerden des Publikums und dessen unmittelbaren Blick auf das Theatergeschehen. Durch die Auswahl der Stcke und die intensive Form der Darbietung vermittelt es nicht nur kulturelle Bildung, sondern soziale und persnliche Kompetenzen, insbesondere auch fr das jngere Publikum. Der hohe Anspruch an die Theaterarbeit und an die Qualitt der Auffhrungen wurde z.B. 2017 durch die Auszeichnung des Stckes „Michael Kohlhaas“ mit dem renommierten Monica-Bleibtreu-Preis belohnt. Auch dies erklrt die permanent hohe Publikumszahl des Euro Theater Central und die vielen jungen Besucher im Besondern.

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  • 117,4 MIO EURO FÜR DIE BEETHOVENHALLE:

    ist die neue Prognose der Verwaltung fr die Sanierung. Sie findet sich versteckt auf Seite 16 der 17seitigen Mitteilung 1911188ST2 vom 2. Mai 2019 an den „Projektbeirat Beethovenhalle“. Das sind vier Millionen mehr als noch Mitte Mrz!!! Ausserdem enthlt das Paper zwei grundstzliche Aussagen, die bei jedem Ratsmitglied Widerspruch auslsen sollten.

    Die Verwaltung teilt nmlich mit:

    1) „Im Vorfeld der Entscheidung fr die nun verfolgte Variante wurden – auch aus der frheren Konkurrenzsituation zum Festspielhaus- verschiedene Varianten untersucht und parallel entwickelt. Diese Varianten wiederum waren in Module unterteilt, was mglicherweise auch suggeriert hat, dass einzelne Module und Funktionalitten beliebig aus dem Projekt heraus gelst werden knnen. Diese Vorgehensweise erschien sinnvoll, um die politische Willensbildung ber den gewnschten Sanierungs- und Modernisierungsumfang zu ermglichen.“

    Im Klartext heisst das: Die Verwaltung unter der Leitung des damaligen OB Nimptsch hat dem Rat bewut keinen reinen Wein ber die Gesamtkosten der Sanierung eingeschenkt, weil es sonst keine Ratsmehrheit dafr gegeben htte ...

    2) Die Finanzierung der Sanierung wurde „durch den Kernhaushalt bereitgestellt, was dazu fhrt, dass bereitzustellendes Budget immer durch den Rat beschlossen werden muss. Neben dem wnschenswerten Effekt, dass dadurch ein hohes Ma an zeitnaher Information des Stadtrates und maximaler Transparenz ber wesentliche Projektentwicklungen erfolgt, hat dies aber auch weniger wnschenswerte Begleiteffekte. Unter anderem erfolgt, leider auch bei nicht-ffentlichen Vorlagen, eine ausfhrliche mediale Berichterstattung ber das zur Verfgung stehende Projektbudget und weitere Projektinterna. Auch Planer und Baufirmen verfolgen die Medien und erhalten somit intensive Einblicke, wie die Diskussionsprozesse verlaufen und wie viel Budget dem Projekt zur Verfgung steht oder gestellt wird.“

    Im Klartext heisst das: Nach Meinung der Verwaltung ist Transparenz wesentlich fr die Kostensteigerung verantwortlich. So stellt man die Tatsachen auf den Kopf: Tatschlich wurde nmlich die Kostensteigerung erst durch Transparenz bekannt. ...

    Jetzt ist konkretes Handeln gefragt. Ich schlage dazu einen Sieben-Punkte-Plan vor:

    1. Sofortige Baupause, denn da Zeitplne schon bisher Schall und Rauch waren, kommt es jetzt auf ein paar Monate auch nicht an.

    2. Bestandsaufnahme, was bereits verbaut ist, und worber es bisher nur Auftrge gibt (angeblich sind bisher nur ca. 50 Mio verbaut)

    3. Bestandsaufnahme, welche Kosten bei der Stornierung von nicht verbauten Auftrgen entstehen, denn das kann gnstiger sein als die Bauausfhrung.

    4. Aufhebung des Denkmalschutzes: Das geht im ersten Schritt durch einfachen Ratsbeschluss.

    5. Radikales Abspecken der bisherigen Luxussanierung bzw. ggf. Abriss.

    6. Austausch aller Verantwortlich mit Schadensersatzklagen bei schuldhaftem Versagen. Projektleiter ist Stadtdirektor Fuchs, Projektsteurer das Planungsbro Drees&Sommer undProjektplaner Nieto Sobejano Arquitectos GmbH

    7. Beauftragung eines Generalunternehmers fr Abriss oder abgespeckten Weiterbau mit Vereinbarung entsprechender Konventionalstrafe Vertragsverletzung.

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  • BEI DER EUROPAWAHL GEHT ES DARUM,:

    dass wir Europa strken - durch die Teilnahme an der Wahl und eine pro-europische Stimmabgabe.Das Brexit-Referendum mit dem folgenden Chaos zeigt, was geschieht, wenn man anderen das Heft des Handelns berlsst. Wir sind gefragt, denn es geht um Europas Tagesordnung der Zukunft.

    Den folgenden Text knnen Sie unten ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Europas Tagesordnung der Zukunft

    Nach der Selbstfindung geht es um die Selbstbehauptung Europas

    Bei der Europawahl am 26. Mai 2019 steht viel auf dem Spiel: Wollen wir die Zukunft unseres Kontinents den Nationalisten und Populisten von links und rechts berlassen, oder uns selbst fr das stark machen, was uns wichtig ist.

    Was Konrad Adenauer am 28. Mai 1957 vor dem amerikanischen Senat gesagt hat, ist wieder hochaktuell: „Zum Ruhme der Weitblickenden unter unseren Verfassungsgebern knnen wir heute feststellen, dass unser Grundgesetz bereits eine Bestimmung vorgesehen hat, die bertragungen von Souvernitt durch einfaches Gesetz gestattet. Das war ein groer Entschluss. Er bedeutet nicht weniger als eine Absage an den fr die zersplitterte europische Staatenwelt nicht mehr zeitgemen Gedanken, dass der Nationalstaat die letzte und hchste Gre des politischen Lebens sei – eine Idee, die Europa in der Vergangenheit untragbar viel Gut und Blut gekostet hat.

    Man muss an diese Lehre aus der Geschichte wieder erinnern, denn heute wird vieles fr viel zu selbstverstndlich genommen, was hart erarbeitet wurde. Die Motivation der Grndergeneration „Nie wieder Krieg! Nie wieder Diktatur!“ hat nach 1945 zur Grndung der Europischen Union gefhrt und begrndet ihren Erfolg, Frieden und Freiheit fr und in Europa zu sichern.

    Das bleibt wichtig, reicht aber nicht mehr aus.Uns Europern muss im Zeitalter der Globalisierung klarer werden, dass wir nur ein kleiner Teil dieser Welt sind. Heute leben nur etwa 7,5 Prozent der Weltbevlkerung in der Europischen Union. 2050 werden wegen des unterschiedlichen Bevlkerungswachstums nur rund 4 Prozent der Menschheit Europer sein. Wir haben als kleine Minderheit in der Weltgesellschaft nur dann eine Chance, unsere Werte, unsere politische Kultur, unsere Lebensweise und unseren Wohlstand zu bewahren, wenn wir noch mehr zusammenrcken und noch enger zusammenarbeiten.Nach der Selbstfindung der Europer durch die Verankerung von Frieden und Freiheit auf dem eigenen Kontinent ist die Selbstbehauptung Europas in der zusammenwachsenden Welt die neue Notwendigkeit und zustzliche Legitimation der europischen Einigungsbewegung.

    Dabei wird zu selten wird darber gesprochen, wie das geeinte Europa der Zukunft aussehen soll. Aber Unklarheit schafft auch hier nur Unsicherheit. Wer das Ziel nicht beschreibt, wird den Weg dorthin nicht finden.Die „Vereinigten Staaten von Europa“ hat der groe Schriftsteller Victor Hugo in seiner Erffnungsrede fr den Pariser Friedenskongress 1849 ebenso gefordert wie Winston Churchill in seiner berhmten Zricher Rede 1946. Man kann auch wie die CDU in ihrem ersten Grundsatzprogramm 1978 vom „europischen Bundesstaat“ sprechen. Es geht um ein fderalistisches Gegenmodell zu einem europischen Zentralstaat, um ein Europa nach „bundesstaatlichen Prinzipien und Methoden“ wie es im aktuellen Grundsatzprogramm der CDU aus dem Jahr 2007 heit. Dort wird auch zu Recht formuliert: „An dem langfristigen Ziel, eine Verfassung fr die Europische Union zu schaffen, halten wir fest.“

    Dazu ist es notwendig, die Demokratiereform fr die europischen Institutionen voranzutreiben. Schon fr den status quo der Integration reichen die gegenwrtigen Verfahren nicht aus, fr die Einigungsnotwendigkeiten der Zukunft umso weniger. Es geht um mehr Handlungsfhigkeit und bessere demokratische Kontrolle. Dabei muss das von den Brgern frei gewhlte Europische Parlament gestrkt werden. Wer wie die AfD fr das Europaparlament kandidiert, um es dann aufzulsen, hat weder Europa noch Demokratie verstanden.

    Dabei gilt es, das im Lissabonner Vertrag verankerte Subsidiarittsprinzip auf europischer Ebene konsequent anzuwenden: So sollten, wo sinnvoll, Aufgaben von Brssel in die Mitgliedstaaten und Regionen verlagert werden. Zugleich mssen die europischen Institutionen dort strker werden, wo es fr die Selbstbehauptung Europas wichtig ist: Vor allem bei der inneren und ueren Sicherheit und mit bessere Regeln zur Zusammenarbeit in der Wirtschafts- und Finanzpolitik

    Es ist auch notwendig, die EU-Erweiterung vom Kopf auf die Fe zu stellen. In Artikel 49 EU-Vertrag heit es: „Jeder europische Staat, der die in Artikel 6 Absatz 1 genannten Grundstze achtet, kann beantragen, Mitglied der Union zu werden.“ Es geht dabei in Artikel 6 um die „Grundstze der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit."Aber es kann eben nicht jeder Staat, der diese Grundstze erfllt, Mitglied der EU werden, sondern nur „jeder europische Staat“. Die Europische Union ist eine Wertegemeinschaft mit geographischem Bezug.Deshalb ist es richtig, die Beitrittsverhandlungen mit der Trkei einzustellen und die Perspektive einer privilegierten Partnerschaft zu konkretisieren.

    Europische Selbstbehauptung als Begrndung fr weitere Integrationsschritte, mehr Demokratie zur Steigerung der europischer Handlungsfhigkeit und eine klare Definition der Grenzen Europas — das ist die europische Tagungsordnung der Zukunft. Wenn wir daran nicht arbeiten, werden wir Europer in einer Welt des Putin-Imperialismus, des Trump-Nationalismus und chinesischen Hegemoniestrebens zu handlungsunfhigen Objekten. Wenn wir handlungsfhig und eigenstndig bleiben wollen, mssen wir Europa strken.

    Das Brexit-Referendum mit dem folgenden Chaos zeigt, was geschieht, wenn man anderen das Heft des Handelns berlsst. Deshalb ist es wichtig an den Wahlen zum Europaparlament am 26. Mai teilzunehmen - mit einer pro-europische Stimmabgabe!

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  • WER BESIEGT TRUMP ?:

    ist die entscheidende Frage fr die Demokraten in den USA. Es gibt dort 22 Bewerber um die Prsidentschaftskandidatur. In einigen Monaten beginnen die Vorwahlen, in einem Jahr steht der Heruasforderer fest. Ein erster berblick lohnt.

    Den folgenden Text knnen Sie unten ausdrucken.

    Stephan Eisel

    Wer besiegt Trump ?

    Bereits am 3. November des nchsten Jahres wird der nchste Prsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewhlt. In etwa einem Jahr wird feststehen, welcher Kandidat der Demokraten gegen Trump antritt. Diese Frage ist besonders spannend, weil es viele innerhalb und auerhalb der USA gibt, die hoffen, dass uns eine zweite Trump-Amtszeit erspart bleibt.

    Die Wahl hat Trump 2016 gewonnen, obwohl er 3 Millionen Stimmen weniger erhalten hatte als Hillary Clinton. Das ist die Folge des amerikanischen Wahlsystems, das in den 50 Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht Wahlmnner fr das Electoral College vergibt, das dann den Prsidenten whlt. Trump erreichte dort 304 Stimmen, Clinton 227. Urschlich dafr war es, dass er in drei Staaten uerst knapp gewann, aber durch das Mehrheitswahlrecht alle Wahlmnner fr sich verbuchen konnte. Pennsylvania mit 30 Wahlmnnern (Trump-Vorsprung: 44.000 Stimmen), Wisconsin mit 10 Wahlmnnern (Trump-Vorsprung: 23.000 Stimmen) und Michigan mit 16 Wahlmnnern (Trump-Vorsprung 11.000 Stimmen). Auerdem profitierte er davon, dass zwei unabhngige Kandidaten seiner unpopulren Konkurrentin Hillary Clinton fnf Prozent der Stimmen abspenstig machten. Nachgewiesen ist inzwischen auch, dass Russland vor allem durch Aktivitten im Internet und Datendiebstahl bei der Demokratischen Partei die Wahlen massiv zugunsten von Trump beeinflusst hat.

    Trumps Zustimmungsrate liegt in allen Umfragen von Beginn seiner Amtszeit unter seiner Ablehnungsrate. Lediglich der harte Kern sein Anhnger - etwa 30 Prozent der Whler - hlt durch dick und dnn zu ihm. Die Midterm-Elections haben die Republikaner im 2018 krachend verloren. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass Trump die Wiederwahl gelingt, denn er wird wieder skrupellos jedes Mittel einsetzen, um dies zu erreichen.

    Entscheidend wird sein, wer Trumps Herausforderer wird. Bisher haben sich 22 Demokraten um die Prsidentschaftskandidatur beworben. Bei den Republikanern waren es vor vier Jahren 18 Bewerber. Die Vorwahlen beginnen Anfang 2020.

    Die wichtigsten Bewerber um die Prsidentschaftskandidatur bei den Demokraten sind:

    Joe Biden (in Vorwahlumfragen zur Zeit 29 Prozent)
    1973 - 2009 US-Senator, dann Vizeprsident von Obama, spricht Arbeiterschichten an, die zu einem erheblichen Teil Trump gewhlt haben, wurde in Pennsylvania geboren

    Bernie Sanders (in Vorwahlumfragen zur Zeit 23 Prozent)1991 - 2007 Mitglied im Reprsentantenhaus, seitdem Senator, lieferte sich mit Hillary Clinton bei den Vorwahlen 2016 ein Kopf-an-Kopf Rennen, ist formal unabhngig und nicht Mitglied der Demokraten, gehrt zum linken Flgel (entspricht dem linken SPD-Flgel)

    Kamala Harris (in Vorwahlumfragen zur Zeit 8 Prozent)2011 - 2017 Justizministerin in Kalifornien, seitdem US-Senatorin, Tochter eines Vaters aus Jamaika und einer Mutter aus Indien und deshalb fr die farbige Whlerschaft interessant, steht politisch in der Mitte der demokratischen Partei

    Pete Buttigieg (in Vorwahlumfragen zur Zeit 7 Prozent)seit 2012 Brgermeister von South Bend, Indiana, Afghanistan-Veteran, mit 37 Jahren der deutlich jngste Kandidat

    Elizabeth Warren (in Vorwahlumfragen zur Zeit 6 Prozent)seit 2013 US-Senatorin, davor Havard-Professorin, gehrt zum linken Flgel ihrer Partei

    Beto O'Rourke (in Vorwahlumfragen zur Zeit bei 6 Prozent)war von 2013- 2019 Landtagsabgeordneter in Texas und verlor in dem republikanischen Stammland bei der Senatswahl vllig berraschend nur knapp gegen den prominenten Republikaner Ted Cruz

    Cory Booker (in Vorwahlumfragen zur Zeit bei 3 Prozent)2006 - 2013 Brgermeister von Newark, seitdem US-Senator, steht fr die jngere Generation schwarzer Whler.

    Weitere Kandidaten, deren Zustimmungsrate in Umfragen nicht messbar ist, sind

    • Julin Castro ehem. Minister unter Obama und frherer Brgermeister von Austin
    • John Delaney, ehemaliges Mitglied des Reprsentatntenhauses
    • Tulsi Gabbard Mitglied des Reprsentantenhauses aus Hawaii
    • Kirsten Gillibrand, Senatorin aus New York
    • Mike Gravel, ehem. Senator aus Alaska
    • John Hickenlooper, ehem. Gouverneur von Colorado
    • Jay Inslee, Gouverneur von Washington (State)
    • Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota
    • Wayne Messam, Brgermeister von Miramar, Florida
    • Seth Moulton, Mitglied des Reprsentantenhauses aus Massachusetts
    • Tim Ryan, Mitglied des Reprsentantenhauses aus Ohio
    • Eric Swalwell, Mitglied des Reprsentantenhauses aus Kalifornien
    • Marianne Williamson, Autorin
    • Andrew Yang, Unternehmer

    Unter den bisherigen Bewerbern ist der bisher vllig unbekannte Pete Buttigieg eine berraschung. Als jngster Kandidat fllt er besonders auf, da das Alter eine Rolle spielen knnte. Trump wird zum Zeitpunkt der Wahl 74 Jahre alt sein, Sanders 79, Biden 77 und Warren 71. Hier liegen auch Chancen fr Harris (56), Booker (51) und O Rourke (48).

    Alle Umfragen zeigen, dass bei den Vorwahlen das wichtigste Entscheidungskriterium sein wird, welcher Kandidat am ehesten Trump schlagen kann. Das Kandidatenfeld wird sich ab Juni reduzieren, wenn die ersten Fernsehdebatten stattfinden. Voraussetzung fr die Teilnahme ist ein Mindestwert in Umfragen. Ohne den damit verbundenen Bekanntheitsgrad ist die erforderliche Spendensammlung kaum zu leisten.

    brigens hat auch Trump einen - nicht ganz unbekannten - Herausforderer aus den eigenen Reihen: Bill Weld war 1991 - 1997 republikanischer Gouverneur von und trat 2016 als Vizeprsidentschaftskandidat der Libertarian Party an, die auf 3,2 Prozent der Stimmen kam.

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  • 12 FRAGEN HAT MIR DIE ZEITUNG:

    “Die Wirtschaft“ der IHK Bonn-Rhein-Sieg gestellt. Dabei ging es um Beethoven, den Standort Bonn und Persnliches. Die Antworten finden Sie hier.

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